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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-01-06 · 136 (6.1.1922) · p. Seite 3

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
136 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Evnntagsruhe-Grsetz. Tine Genehmigung zur Offenhaltuiifrber Läden ist für die den Sabbat beobachtenden Kaufleute zwar vorgesehen, jedoch an die Bedingung geknüpft, daß die Geschäfte nicht nur den ganzen Sabbat, sondern auch Samstag-Abend geschloffen bleiben. Die Oberrabbiner sind z. Zt. bemüht, eine Abänderung dieser Bestimmung durchzusehen und es dürste wohl gelingen, gegen Preisgabe einiger Arbeitsstunden am Sonntag den Samstag Abend frei zu bekommen. Jedenfalls wird die ganze Angelegenheit von Seilen des zuständigen Ministeriums im Geiste der hierzulande traditionellen Toleranz gegen die Eigenart jedes religiösen Bekenntnisses behandelt. Italien. Rom. Soeben erschien in italienischer Uebersetzung ein Band Schriften von Perez und Schalom Asch. Diese ersten Uebersehungen hebräischer und jüdischer Werke wurden von Dante Lates und Dr. Beiliflon besorgt. Die Kritik hat das Buch überaus beifällig besprochen' In kurzem soll/von den Uebersttzern ein zweiter Band Schriften folgen sowie ein Band Schriften von A ch a d - H a a m, eine Reihe B u b e r scher Vorträge und ein Band Schriften von Nathan Birnbaum. Alle diese Werke erscheinen in einem nichtjüdischen Verlag und sind für das 'allgemeine Lesepublikum bestimmt. Snßlenbk London. Wie die Londoner „Zeit" meldet, sollte der bekannte Zionist Sir Alfred Mond, englischer Gesundheitsminister und Mitglied des jüdischen Economic Council, bei dem im Januar d. I. stattsindenden Pairsschub zum Lord ernannt werden. Sir Mond hat aber diese hohe Auszeichnung mit der Begründung abgeschlagen, dah es ihm lieber sei, Mitglied des Parlaments zu bleiben. Seinem Wunsche wurde auch entsprochen. Kölner Nachrichten Die für den 28. v. Mts. angekündigte Wohltätigk e i t s f e i e r im groszen Saale der Lesegesellschast nahm einen überaus würdigen Verlauf. Wie in gewohnter Weise entledigte sich auch dieses Mal das fxeiwillige Schülerorchcster unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Religionslehrer Max Bäum, seiner Aufgaben und reihte seinen früheren Lorbeeren neue an. Frau Lilli Amerikaner erntete mit ihrem „Halleluja" von Hummel reichen, ehrlichen Beifall. Das Festspiel des Abends „Die Huldigung der Feste" von S. Chaim wurde eingeleitet durch einen Prolog, versaht vom Vorsihenden des Vorstandes der Synagogengcmeinde, Herrn Emil Blumenau. Die wundervollen Worte, die sich an das Gemüt und Empfinden der Hörer wandten, waren gus dieser Stimmung heraus geschrieben und verfehlten, verdolmetscht durch den Mund des Sohnes des Dichters, nicht seine tiefe Wirkung auf die Zuhörer. Als unmittelbar darauf sich der Vorhang teilte, wurden Auge und Ohr gefangen genommen von stimmungsvollster Harmonie graziöser Bewegung und weihevollstem Tönen.singender und klingender Melodien.- In diesem Banne verlebte man von Minute zu Minute'Steigerungen andachtsvollen Erlebens und tiefer Ergriffenheit. Ein jedes Fest erweckte in jedes Hörers Brust fromme Erinnerung, und manch einer feierte im Stillen Wiedersehen mit einem längst nicht mehr geschauten guten Freund aus der Eltern oder Ahnen Haus. Und tvenn darob gär hie und da sich einer Rührung Träne aus dem Auge stahl, dann wars vielleicht zugleich aus Freude am Sichwiederfinden. Dies allein wäre Erfolg genug des schönen Abends, der ein Gottesdienst zu nennen war in des Wortes schönster Bedeutung und ein Beweis dafür, dasi man auch auf dem entgegengesetzten Wege, als dem vom Leitartikelschreiber der letzten Rümmer d. Bl., zum Ziele der religiösen Wiedererweckung gelangen kann, nämlich nicht bloß auf dem Wege vom Saale zurück ins Haus, sondern, wenn» sein mutz, vom Hause in den Saal. Allerdings wäre der Erfolg nicht denkbar gewesen ohne das seinfühlige Eingehen der ganzen Künstlerschar ■ aus die Intentionen des Dichters. Ihre Namen an dieser - Stelle nochmals zu nennen, wollen wir uns versagen. Doch trüt man ihnen wohl nicht zu nahe, wenn besonders hervorgehoben werden die reizenden rhythmischen Bewegungen, «instudiert von Frl. Margarete Berlin nach der eigen« hierzu erfundenen Komposition des Herrn Aloys Kreuz, Organist der Synagogengemeinde, und nicht zuletzt die anerkennenswerten guten Leistungen der Chöre, einstudiert von Herrn Chordirigent Eugen Iacoby. Prolog von Herrn Emil Blumcnau, gesprochen von Herrn Han» Blumenau, . anläßlich der Ausführung he» Thanuka-Festsniel» „Die Huldigung der Feste" von 8.- Chaim -- am 28. Dezember 192l 'im großen Saale der Lesegrselllchost in Köln. Den schönen Tag mit seiner Kerzen Pracht, der nie in der Erinnerung veraltet, habt Ihr zum Tag des Wohltuns heut' gemacht. O habet Dank, datz so Ihr ihn gestaltet! Wenn-aus den Bildern der Vergangenheit wir Euch der Väter liebe Feste nennen, Marksteine aus uralter heil'ger Zeit, so sollt Ihr diese Feste nicht nur kenne n, Ihr sollt sie fühlen, sollet ihren Wert nicht nur im Geist, nein, auch im Herzen tragen! Ein solcher Tag, so oft er wicderkehrt, soll er auch dem Gefühle etwas sagen. Und was sich' um die alten Bräuche rankt, das sollt Ihr um der ^lhnen willen lieben, und was die Religion von Euch verlangt, sollt Ihr nicht wissen nur, Ihr sollt es ü b e n! Und wenn Ihr zu den armen Kleinen steht und sie durch Eure Gaben hoch erfreuet, . v 's, ist auch ein Gottesdienst, den Ihr begeht, wenn ihnen aus'den Weg Ihr Blumen streuet. . Ja, zu den Menschen stehn in Frdud' und Leid, die Leiden mindern und die Freuden mehren, das ist ja auch ein.Dienst der Frömmigkeit, denn Menschen lieben hcijjt auch: Gott verehren. Drum nochmals Dank, batz in so grober Zahl Ihr an dem Fest der Wohltat teilgenommen! Die Nächstenlieb' jührt Euch in diesen Saal, die Nächstenliebe ruft Euch zu: Willkommen! Von Kindern für Kinder. Unter diesem Motto veranstaltet der durch seine wohltätigen Bestrebungen bestens j bekannte Verein jüdischer Bürger Kölns lgegr. 190(f in Ehrenseld) am 11. Ian.uar 1922, nachmittags.'!,Uhr, in sämtlichen Räumen des Volksgartcn-RestaurantS ein Kinderfest. Wie das Motto schon besagt, ist diese Veranstaltung besonders und ausschliesilich für die Jugend bestimmt. Der Verein bat ein entzückendes Programm zusammengestellt, welches nur von Kindern zur Ausführung gebracht wird und aus Vokal- und Instruincntalvorträgen, Solotänzen, Reigen, musikalischen Ausführungen und Märchcnlichtbildern <Mar und Moritz und Hansel unh Gretel) besteht. Es unterliegt keinem Zweisel, dag diese! Veranstaltung bei der Jugend hellen Jubel auslösen wird.s Dies umsomehr, als sämtliche Kinder, man rechnet mit einer Beteiligung von etwa (MH) Kindern, nach der Veranstaltung von den Damen des Vereins mit Kassee,Kuchen, Obst usw. reichlich bewirtet und beschenkt werden. Es wird besonders hcrvorgehcben, datz kein Unterschied in der sozialen Stellung der Eltern dieser Kinder gemacht wird,

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