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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-01-06 · 136 (6.1.1922) · p. Seite 2

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
136 (6.1.1922)
Date
1922-01-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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grvtzen Teil der einkommenden Gelder verschlingt, die Summe zur Verfügung steht, und morgen wird bekannt, daß die Krankenhäuser, die Lehrerseminare und andere, auf alte Goldmark-Stiftungen gegründete Einrichtungen vor dem Ruin stehen, da keine Mittel vorhanden sind. Denn das ist sicher, alle diese Institutionen, die aus der Voririegszcit von den Zinsen der gestifteten Kapitalien existieren tonnten, können das schon seit langer Zeit nicht mehr. Ich schliche mich der Ansicht von Frau Auerbach voll und ganz an: Die Bewegung muß von den Gemeinden — in den Städten und auf dem Lande — ausgehen. Gerade in unserer hiesigen Gemeinde ist die Sache in Flutz "gekommen und wir hoffen recht bald schon ein schönes Resultat von uns zu haben. Im Prinzip soll jedes Gemeinde- Mitglied aus jüdisch-moralischem Pflichtgefühl heraus seine Iahresspende der Gemeinde-Wohltätigkeitszentrale zur Verfügung stellen: , 1. zum Zwecke der örtlichen Charitas usw., 2. für Einrichtungen der Provinz, 3. für Einrichtungen des Reichs, 4. für unvorhergesehene Fälle. Geschieht das in allen Gemeinden, dann Hecht es, nicht lohnende Zwerganstallcn auszugeben, die vorhandenen Mittel einer Zentralstelle zur Verfügung zu stellen, die nach reiflicher Ueberlegung und Rücksprache mit ben entsprechenden Stellen imstande ist, alle bie jüdischen Einrichtungen charitativer und kultureller Art aufrecht zu echallen, deren wir dringend bedürfen und aus die wir Juden bisher stolz sein konnten. Cs wäre unverantwortlich und nie wieder gut zu machen, wenn diele hochkulturelle Pufgabe der Iudenhcit durch partikularistische Tendenzen und Kirchiurmspolitik — in der Zeit der leider höchst materialistischen Anschauungen — nicht voll gelöst würde. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse Deuffchland. München. Am Sonntag den 18. Dezember 1921 fand in München im groben Sitzungssaal der Gemeinde eine vom Verband der jüdischen Iugendvereine Deutschlands veranstaltete interne Zusammenkunft der jüdischen Iugendvereine in Bayern statt. Vertr-ten waren die Vereine München, Nürnberg, Erlangen,Regensburg,.Suhl, Gerolzhosen, Neu-Ulm. Auch der Württembergischc Landcsverbayd hatte einen Vertreter entsandt. Von der Verbandsleitung nahmen an der Aussprache teil der Verbandsvorsitzende Dr. Alfred Apfel-Berlin und die neue Geschäftsführerin stud. phil. Grete Koväcs. Im Mittelpunkt der Beratungen stand ein grobzügiger Plan der Verbandsleitung über die Umgruppierung des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deutschlands, der eine Dreiteilung der jüdischen Jugendbewegung in jung-jüdische Wanderbünde, bezw. Iunggruppen, Jugendvereine und einen Rat ehemaliger Führer vorsieht. ■ Die Verhandlungen wären von dem Grundgedanken beherrscht, dab der heutigen Jugend die bisherige Vereinsform unerträglich geworden ist. Dr. Apfel teilte mit, dab diesbezügliche Pläne zunächst von einer Sitzung des Gesamtvorstandes, die am 29. Januar in Hannover stattsindet, zu einem Entwurf verdichtet werden sollen. Beachtenswert war der Hinweis, dcch bei dem Neuaufbau der Jugendorganisation auch an eine Fühlungnahme mit der B l a u- Weib- und Kameraden-Gruppe gedacht wurde. Allgemein, so u. a. von Rabbiner Dr. Boerwald, wurde der Ansicht Ausdruck verlieben, dab sämtliche Jugendbewegungen, so auch die jüdische, zur Zeit gewrstermaßen ckff einem toten Punkt angelangt sind. Das Ergebnis der Beratung wurde in einer öffentlichen Kundgebung, die am nächstfolgenden Tage im Muscumssaal zu München stattsand, von Dr. Apfel zusammengesatzt, der bei dieses Gelegenheit viel beachtete Mitteilungen über den derzeitigen Stand der Keren hajesiod-Aktion ia Deutschland machte. Nach diesen Mitteilungen hat es den, Anschein, als ob nach schwierigen Vorverhandlungen nunmehr eine einheitliche,Plattform für die gemeinsame Arbeit aller deutschen Juden beim Aufbau Palästinas gefunden worden ist. Berlin. Hier feierte vor kurzem in aller Stille Staatsrat I. L. T e i t e l seinen 70. Geburtstag, eine durch treffliche Charaktereigenschaften und selbstlose soziale Wirksamkeit ausgezeichnete Persönlichkeit, die westen Kreisen auch durch ihren für russische Verhältnisse merkwürdigen Lcbensgang bekannt geworden ist. Cr wurde im Jahre 1851 in Podolien geboren, besuchte die Mittelschule in Mosyr und widmete sich an der Universität Moskau dem Studium der Rechte. Nach Abschluß des Universitätsstudiums wählte er die Beamtenlaufbahn — er nahm dadurch als I u d e in der russischen Beamtenhierarchie eine Sonderstellung ein, der er alle Ehre machte, wenn er auch eben seines Judentums wegen unter dem Zarenregime hinter den anderen russischen Beamten im Avancement zurückgesetzt und schließlich entlasten wurde. Er war als Untersuchungsrichter in Samara tätig, gehörte später dem Kreisgericht in Saratow an und mutzte im Jahre 1912 unter dencrzreaktivnären Iustizminister Schffcheglowitow seinen Abschied nehmen. Die Amtstätigkeit war für Staatsrat Teitel immer nur ejn Teil seiner Lebensarbeit. Die Aufgabe, zu der es ihn am stärksten hinzog, die ihm zur ideellen Lebensaufgabe wurde, war eine humanitär-politische, ein unablässiges Eintreten für die entrechtete, gequälte und tausendfache Not leidenbe russische Jude n heit, eine unermüdliche Hilsstätigkeit für Bedürftige. In Anerkennung des Rufes, den er sich in der jüdischen Oefsentlichkeit erworben hatte, wurde er von der ITO. (Iewish Territorial Organisation) mit der Mission betraut, wegen Ansiedlung von Juden in Angola mit der portugiesischen Regierung in Lissabon Verhandlungen zu führen. Jetzt, wo ihn das Schicksal nach Deuffchland geführt hat, seht er die soziale Arbeit, die ihm ein Lebenselement ist, fort. An der Spitze des Verbandes der russischen Juden in Berlin stehend, unternimmt er es, Kräfte und Mittel der russischen Juden, die sich in Deuffchland aushalten, zu sammeln und in Tätigkeit zu setzen zur Linderung der vielgestaltigen Not der Juden des Ostens. Österreich. Wien. (I. C. B.) Dep Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, wurde am 29. Dezember in Begleitung des Oberrabbiners Prof. Dr. Chajes vom österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober in längerer Audienz empfangen. . ' Litauku. Kowno. In Litauen bestehen gegenwärttg 120 jüdisch e S t a a t s s ch u l e n mit 13 000 Schülern und Schülerinnen. Von diesen Schulen haben 50 pCt. die h e b r ä is ch e, 30 pCt. die jüdische Vvrtragssprache, 20 pCt. sieben unter Aufficht des orthodoxen Komitees „Iabne". Außer diesen Staatsschulen zählt man auch eine gröbere Anzahl von Privatschulen. Alle Schulen werden vom Schul» dcpartement des Ministeriums für jüdischeAngel e g e n h e i t e n verwaltet. Holland. \ Amsterdam. In den gesehestreuen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Hollands herrscht z. Zt. lebhafte Crregung wegen der in Behandlung begriffenen Novelle zum

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