Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 136 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3947615-6435934-6437287--1473-3948961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ptVI WUTßMG. VGGUUG* fnif SSlBMMtlUt. Z» M ftal^i itn mm| km Bamumta« bl Basa. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt IWftx kk » WTgtf». fctttHilc. Mt (mh Cttt* rafaft 860 3*U«. f •WMIrato Bäte» •mag G ». tz. H^TSW R» V474» Herau-geg. von Rabbiner vr. fattt Ooha, Sonn. - Schristleitg. u. Geschäftsstelle: Sonn, Lrüderg. 52. - Tel. 405». - Anzeigen verirrter für Köln: Ogioios Nüster, Köln, Hohenzollemnng'51'. - Tel. 8 siss. P»»»er 13S HBBHBBEB ASkn. 0. Januar 1082. — 0 Gebet 6082 1 |«trm. Zosef - eine Erziehrrrrgsftage von «abblnrr vr. «ellr«, M..«l°dbach. Wenn im beginnenden Frühling die Erde ihr weißes Totengewand auSueht, geküßt von wärmeren Strahlen der Sonne, wenn Wald und Flur mit frischem Grün sich schmücken, um festlich zu empfangen des SdmmerL Pracht und Herrlichkeit, dann fühlen auch wir zu neuem Leben uns erwachen, dann fühlen auch wir junge» Blut durch unsere Adern ziehen, und neue Straft belebt unsere MuSkeln. Und diese Zauberkraft, die unS verjüngt, ist nicht nur begründet in der Freude über die Auferstehung der Natur, sondern auch in der frohen Aussicht, daß reichlich Früchte tragen werden deS Frühlings Keime. Ja, wie der Gärtner schon beim Säen die reife Frucht vor Augen hat, so geht eS auch unS Menschen iw-unserem «tarnen Werdegang. Nur allzu gern spielt der erste Werdende in und mit den Gedanken deS schon Gewordenen, nur allzu häufig ist er bemüht, alles von einem späteren Gesichtspunkt au» zu betrachte«) und zu bewerten, von einem Gesichtspunkt, der ihm eng mit dem Ziel seine» GtrebenS verbunden ist. Und dieses Verlangen groß zu sein, ist nicht nur berechtigt, sondern auch notwendig, weil eS die keimhaft verborgenen Kräfte entfaltet, weil e» einem jeden veranlaßt, selbst an seiner Erziehung mitzuarbeiten und diese nicht als ein Kunsterzeugnis fremder Kräfte anzusehen, sondern als da» natürliche Ergebnis eigenen Könnens. Nur der wird Zutrauen zu sich selbst haben und vor nichts zurückschrecken, der sem Können — an sich selbst erprobt hat, der im Kampfe mit seinem eigenen Jch-gesiegt und den klaren Blick für dir Wirklichkeit nicht verloren hat. Diesen aber verlieren wir, wenn wir noch fern vom Ziel — weil aber das Auge auf dieses gerichtet — unS schon in seiner nächsten Nähe wähnen, wenn wir daS Werdende mit dem Gewordenen vertauschen. Wie verhängnisvoll unS die Verkennung der Wirklichkeit werden kann, zeigt unS gerade da die Geschichte Josefs. AlS dieser die unschönen Redensarten feiner Brüder, durch die er sich adgestoßrn fühlte, dem Vater weiter erzählte, erkannte dieser, welch guter Kern in ihm steckte. Anstatt nun den erst sich zu entwickeln beginnenden Keim zu fördern, belohnte Jakob seinen Sohn und zeichnete ihn so au», als wäre er schon der vollendete Große und Edle. Gar gefährlich sollte für Sosef diese Auszeichnung werden. DaS Bewußtsein seiner uSnahmrstellung trübte seinen klaren, Blick und brachte ihn zur Selbstüberschätzung. Diese Wandlung tni Charakter werden wir immer bei denjenigen Menschen währnehmen, denen gegenüber wir voreilig mit uusereu, Lob und unserer Anerkennung imd. Wir begehen darum ein schwere» Unrecht an unserem MUmrnschrn, wenn wir große Fählgkeite», die wir an h» entdecken, nur bewundern, ohne sie zur Tat reifen zu kaffen, wenn wir seine kennende Größe ahnend, schon heute nicht genug Worte.de» Lobe» und der Bewunderuna für ihn haben. Wir rufen dann da» Gefühl der Vollkommenheit in ihm wach, und den Glauben, daß er auf der Höhe seine» Schaffen» und Streben» stehe, daß niemand ihn erreichen könne. 'Wir selbst sind dann schuld, wenn er wie Josef träumt, daß er ein Grundpfeiler der Welt sei, vor dem selbst Sonne, Mond und- Sterne Niedriger würden, sich beugten, der durch sein Licht alle» andere in den Schatten stelle Wir selbst, seine.eigenen Brüder, haben wie einst Josefv Brüder ihn in die Grube geschleudert und ihm den Boden der Wirklichkeit erzogen. Gar manch einer würde seinen Weg glücklich vollenden, setzten wir ihm nicht allzu früh ein vermeintliches Zielgar manch einer wäre das geworden, wa» wir geahnt, hätte ihn nicht unser voreiliger Jubel verwirrt und zum Straucheln gebracht. Darum ist e» unsere Pflicht, bei aller Anerkennung, die wir zollen, stet» den Mut zu finden, dem Nächsten da» Wahre zu sagen, da», wa» ihm auch für den Augenblick unangenehm ist. Gewiß wollen wir mit unserem Löb nichd zurückstehen, wo e» verdient wird, und nicht dort Neid walten taffen,, wo Bewunderung an« Platze wäre. Aber deshalb dürfen wir mit «insrrer Anerkennung nicht vorschnell sein, sondern sollen sie reichlich zollen, so wir unS überzeugt haben,- daß sie nicht henimend und verwirrend, sondern fördernd wirkt. Wie Josef volle Genugtuung und Bewunderung findet, nachdem er etwa» Große» nnd Wertvolle» geleistet, nachdem er Ägypten vor Not und Gefahr beschützte, wollen auch «vir imrner dann zun« vollen Lobe bereit sein, wo e» de»« Empfänger am Ziele findet und nicht auf halbem Weg. Muß die jüdische Kinderhilfe zeniralifleri werden? Bon Adolf Schürmann, Efsrn-Ruhr. Im „Jüdischen Boten vom Rhein" Nr. 135 vom 30. Dezember 1921 habe ich den Artikel von Frau Iba Auerbach-Köln mit Interefle gelesen, und bitte Eie, wenn e» möglich ist und für richtig gehalten wird, folgenden Zeilen in einer der nächsten Nummern Ihres Blattes Raum zu gewähren: Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine von Berlin aus elngeleitete Aktton für die jüdische Kinderhils« eine verfehlte Sache wäre. Ich behaupte sogar, daß jede andere Aktton für charitattve Zwecke, sofern sie von einer Zentralstelle ausgeht, unrichtig wäre, und zwar immer aus demselben Grunde. Alle diese Einzelunternehmungen können nur für eine verhältnismäßig kürzt Zeit hinreichen, um die Mittel aufzubringen, welche heute zur Bestreitung der in» Ungemeffene gewachsenenAusgaben dringend nöttg sind. Was nützt es, wenn ihnen heute für Ferienhülfe, für die Unterhaltung der Waisen- und Erziehungshäuser die Mittel durch eine kostspielige Propaganda, die einen ILO BAECK INSTITUTE- NEW i'ORK