Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 135 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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preußischen Militarismus gelegt. Diesem Füftker Cohn verdanken wie die anderen Kriege und den verlorenen Weltkrieg. Dieser Füsilier Cohn, als Beauftragter des Judentums, hat das harmlose deutsche Volk erst -Um Militarismus verführt und es dann der Rache der Entente preisgcgcbrn. Die ganze Weltgeschichte Hain er auf den Kopf gestellt, was auch immer geschehen ist, überall war der Füsilier Cohn dabei. . . . Cs gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als selbst das „Deutsche Tageblatt" sich ttäumen läßt. Wahres ^eschichrchen. Anläßlich eines Wohltätigkeitsfestes für die jüdischen Waisen in der Ukraine hatte der sehr musikalische Prediger und Kanwr einer mittelgroßen Gemeinde in Thüringen seine Mitwirkung durch den Vertrag einiger deutscher^Lieder zugesagt. Durch Ueberbürdung und Anstrengung suhlle er sich jedoch stimmlich nicht wohl genug, um den 5*2" oehmern einen vollwertigen Kunstgenuß zu bereiten. Da jedoch eine Absage im letzten Momente den Besuch des Festes vielleicht hätte beeinträchtigen können, begab er sich befrackt und d^andschuht in den Saal und wartete geduldig, bis die Reche an ihn kam. Mll freundlichem Applaus begrüßte das Publikum den das Podium betretenden Künstter. Rach einem Moment des Schweigens begann er: „Meine Damen und Herren! Ich danke Ihnen herztichst für die freundliche Begrüßung, muß Ihnen jedoch zu meinem Bedauern mitteilen, daß ich beute mcht disponiert bin und daher davon absehen muß, die vorgesehenen Lieder zum Vortrag zu bringen. Um Eie jedoch, meine Damen und Herren", fuhr der Redner fort, „nicht um einen hohen Kunstgenuß zu bringen, so lade ich Sie hiermit für nächsten Freitag 5 Uhr in die Synagoge böflichst ein, wo Sie anstelle der Lieder ein sehr schönes Lecho Daudi von mir hören können." Der Beifallssturm auf diese kurze Ansprache war über Erwarten groß. Ob jedoch die Festteilnebmer an diesem Freitagabend wirklich in die Synagoge kamen, vermag der Erzäbler nicht mitzuteilen, da er selbst nicht zugegen war, zumal er nicht an diesem Tage „Iahrzeit" batte. M-gr. Ein kluger Magid. Rach Amerika kam zu seinen vsrjüdischen Landsleuten -ein Magid (Wanderprediger) aus Litauen. Wir üblich, wollte er am Sabbach in der Klaus eine Drojcho (Moralpredigt halten. Der neue Vorsteher dieser kleinen Privatgememde bedeutete ihm jedocb, daß die Gemeindekasse erichöpst sei und daß nur etwa 2 Dollar dafür ausgegebea werden könne, was er sehr bedauere, zumal rvenig Interests dafür noch vorhanden sei. Der Magid ließ sich jedoch nicht abschrecken und willigte ein. Da zusculig einige Tage vorher ein jüdischer Rcchlsanrvolt S., der als wenig religiös bekannt rvar, sich!xtt verbrennen lasten, so gab der Magid bekannt, daß er über diesen Verstorbenen eine Trauerrede halten werde,?>as die guten Leute sehr verstimmte und zugleich neugierig machte. Als der Sonntag kam, da füllte sich die Klaus mit Zuhörern, wie am Iomkippur. Ann und Reich, Jung und Alt war erschienen, um zu hören, was ein frommer Magid einem solchen„Posche-Iifroel" nachjagen werde. Run begann der Magid: Rbostaj (meine Verehrten): Ich hatte einen seltsamen Traum, ich träumte, ich sei gestvrben, zugleich mit dem Rechtsanwalt S. Als wir vor die himmlischen Richter erscheinen sollten,- mußten wir l eidc im himmlischen Wartezimmer warten. Ms wir an die Reibe tarnen. Natürlich, so dachte ich, komme ich als .'Uagid von Litauen, der soviel Moral gelehrt, soviel Thorageist verbreitet, zuerst daran. Aber, weit gefehlt. Sehr höflich wurde vor mir oer betreffende Rechtsamvalt hereingeholt und — ms „Gan Eden" geführt. Ei, sagte ich, das ist nicht gc»r Io streng, wie wir La Ich freue rafcjp sthon anf mm Urteü nnd »ar stehe». Mutes. Wie groß war. jedoch wein Entsetze», als mm. mich hart aufuhr und nach kurzem Verhör ins „Gehisom" verurteilte. „Minnag best Dincha hazedet", begann ich nach gewohnter Art, ^Ist das die himmlische vielgepriesene Gerechtigkeit?" Ein Pofche-Ifroel kommt ins Daneben nnd ein frommer, verdienstvoller Magid ins Gehinom? „Seit Ihr wirklich von Gott stLst bestellte Rühter?". „3ä~, gaben mir die Nicht« sanft znrück. Du hast recht, der Mann war gar nicht fromm, seLst nach de» Tode setzte er dies fort, indem er sich noch verdvennen ließ; aber eines hat er hoch ge halten; unsere T h o ra. Kam mau zu chm für eine „Iefchiwa" (Thoralehranstalt), oder für die Mitgift einer arme» Braut, die Tochter eines jüdischen Gelehrten, da gab er 5V mb 100 Dollar. Er hielt nicht viel, schätzte aber sehr noch das jüdische Misten, die jüdstchen Gelehrten und formt die Thora selbst. Du aber warst immer sehr fromm, aber die Thora hast Du erniedrigt: für 2 Dollar hast Du einen Thoravortrag gehalten und damit gezeigt, wie wenig wertvoll die Thoraschätze sind." „Dickür kommt Ihr Gehn»»." „Radostaj", fuhr der Predig« fort, ich di» emFmmlmnvater, rettet mich und befreit mich aus dem Gehirwm". Ich kann verraten, daß er noch am selbe« Abend gerettet wurde. Die Gemeindekaste füllte sich bald; aber .... wieviele an seine Stelle kommen? Ein Preisrätsel für die Botentafche. M-gr. Die Legende des Hayim Zarhi at-An'aNm. Albinoam Heüin erzWt im „Iewish Guardian" die folgende hübsche Sage, welche auch heute Noch unter den Juden von Damaskus fvrlledt: In Damaskus lebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein jüdischer Notabler aus der bekannten Wischen Adelsfamilie Farhi. Wegen seiner große« Gelehrsamkeit und Weisheit wurde ihm der Name al-Mu'allim, der Lehrer, beigelegt. Er stand bei Juden, Mohammedanern und Christen in gleich hohem Ansehen, denn grenzenlos war feine Güte und sein Wohltätigkeitssinn, der keinen Unterschied machte nach Glauben oder Raste.' Er genoß auch die Gunst der hohen Beamten und Regierungsmänner und sein guter Ruf drang auch in den Palast des Paschas von Syrien. Zur selben Zeit lebte in Damaskus ein einflußreicher Fakih (ein mohammedanischer Geistlicher), der Zutritt hatte zu den Palästen aller Prinzen und besten Einfluß unbeschrankt war. Um feinen Ruhm cmch unter der niederen Bevölkerung zu begründen, tieß er in der Stadt die Mär verbreiten, daß er an jedem Freitag bei Tagesanbruch eine Pilgerfahrt nach Mekka absolviere. Rtt Höfe einer besonderen, chm vom Propheten verliehene» Kraft — so ging die Sage'— fei er befähigt, um die Mittagsstunde den heiligen Ort zu erreichen, dort im heiligen Haram das Freitaggebet zu verrichten, die Kaaba zn Wen und hierauf nach treulich erfüllter Pflicht mit Hilfe derselben geheimnisvollen Kraftnoch vor Sonaemöttergang nach Damaskus zurückzotshreu. Dieser Fakch trug einen schweren Groll gegen di» Christen und sann Unausgesetzt ans Alltel, chne» Schadß» < zu tun. Run traf es sich, dich er einer Tages an einer chrfftüchen Kirche voriwertzing, in deren Bochof Staäm sich laut lachend beim Spiele belustigten. £*-eignft Welt Gelegenheit, rannte zum Pascha nnd erzähtte; daß chWliche Jungen sich über chn und über die ftdbdm isplf macht hätten. Als der Pascha die» hörst, Lestchl er " daß zwanzig christliche Notabel» verhaftet »nL ßU f schweren Mißhandlungen ansgesetzt *xzbt*- btx zwanzig christliche» Rotabel» war «che, Die GlaÄbe»sbri8»er der idM.