Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 135 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Reiß und Herr Moritz Levy-Krefeld eingehend referierlen. Asch hier lag den Schüderuage» die Erkenntnis zugrunde, daß die diesjährige Tagung als Lichtpunkt in der Entwicklung des Pereins zu froheü Zukunstshoffnungen berechtige. Sodann nahm Herr Rechtsanwalt Alerander-Krefeld, früher Syndikus des Vereins in Berlin, das Wort und sprach über innerjüdische Fragen. Er behandelte insbesondere die Palästinafrage, die Ostjudenstage, das Iudenproblem und die Naumannsche Bewegung. In der Palästinastage legte der Redner nochmals den Standpunkt des Vereins fest, der eine Palc^inaarbeit mit nationaler Tendenz ablchnt, im übrigen abek den Einzelmilgliedern soweit völlige Freiheit läßt, als die Stellung zum Deutschtum unberührt bleibt . Insbesondere wurde darauf hingewiesen, daß, solange die humanitären und kulturellen Einrichtungen unserer Gemeinden bitterste Rot leiden, deren Unterstützung vornehmste Pflicht bleiben muß. Zur Ostjudenstage! gab der R^ner ein anschaulichesBild über die augenblickliche Lage und deren Ursachen und wies an Hand der Tatsachen alle die böswilligen Anschuldigungen der Judengegner zurück. Diese Darlegungen wurden noch erhärtet durch die späteren Ausführungen des Leiters des Arbeiterfirsorgeamtes in Duisburg. Eingehend befaßte sich der Redner mit der Jugendbewegung und schilderte die Entwicklung der letzten Zell. Bezüglich unseres Standpunktes zur neutralen Bewegung wies der Redner auf die Erklärung hin, die der Vereinsvorfltzende auf der Berliner tetversam^nlung als Erläuterung zu den Vorstandsbeen abgegeben habe. In dieser Erklärung sei ausdrückllch darauf hingewiesen worden, daß irgend eine Kampsesstellung zum neuttalen Verbände keineswegs beabsichtigt fei, sondern daß alle Iugendvereine Unterstützung finden würden, wenn sie in Wahrheit ihre Neutralität bewahrten und sich von allen Anti-Zentralvereinstendenzen fernhielten. Mü der Naumannfchen Bewegung befaßte sich der Referent nur kurz und lehnte sie vollkommen ab. Wer, über den Geist dieser Gründung bisher noch im Unklaren gewesen sei, dem habe die letzte Naumannsche Broschüre, w der von mosaischen und nichtmosaischen Juden die Rede ip, sowie sein letzter Artikel im roHM^ „Tag", betitelt ^Gaoz- und Halbdeutsche" sicherlich die Augen geöffnet. Die Ausführungen des Referenten fanden allseitigen, ungetellsten Beifall. Zu Anfang des zweieten Teils sprach der Syndikus des Verbandes, Herr E. Iacobi-Köln über den Verband selbst Und 72b eine ausführliche Schilderung der Entwicklung, sowie der Abwehrtätigkeit im rheinischen Gebiet. Insbesondere sprach er auch über die Stellung zu den rheinischen Iuvereinen und konnte das gute Einvernehmen festste!» , das zwischen ihnen und dem Verbände besieht und das ein eine Förderung gewährleisten kann. Rach diesen Ausführungen sprach Herr Glaser vom Nrbellerfürforgeamt über bas Durchwanoererprvblem und die Frage der oftjüdgchen Arbeiter. Er gab ein Bild über die Einrichtung, Entwicklung und Tätigkett dieser Hürforge- Vrlle, schillerte die Lage der ukrainischen Juden, msbeson- Derr aaä) der oberschleMchen jüdisryen Arbeller, die eine peue Wanderung nach dem Westen, als sicher voraussehen jlasie. Er wies »ach, daß dis heute zirka 50 000 Juden die fiDeiterwanderung »ach Frankreich, England oder Amerika ermöglicht worden fei und daß durch die Tätigkeit dieses Amtes zirka 45 000 jüdische Arbeiter in Bergwerken, Fadrikdetrieben etc. ehrliche Arbeit leisteten. Als Ergebnis dieser Darlegungen wurde sofort der einstimmige Beschluß gefaßt, unverzüglich eine Sammlungsaktion für das Arbeiterfürforgeamt ernzu leiten. Damit war das Programm im Wesentlichen erschöpft. Die ganze Tagung war getragen von einem hohen. Ernst twd von zielbewußter Ardeitssteudigkeit, und niemand wird die Versammlung verlassen had«. ohne vom jüdischen Geiik einen Hauch verspürt zu haben. Köln. Ja der letzten Sitzung der Repräsentanz, 4c| die wir bereits ausführlich berichtet habe», wurde» hsckh einstimmigen Zuruf in den Vorstand gewählt die Herren: Blumenau, Dr. Bvdenhettner, Dr. Eliel, R. Falkenstr«, Dr. Kaufmann, Dr. Klein uitt) Sal. Linz. Z^Stellvertretern wählte man in geheimer Wahl die Herren: Aron Hofmann, Meno Liflaucr, und Schlüchterer. iimmimn 1 miniiiiimiTiimiT □ Oie Boteutasche nrrn ■ 1 rmTTTinrrrrrrnummi 1i1iITT 6in Zude als Graf des Königreichs Haiti. Nachstehende Geschichte klingt zwar wie ein Märchen aus längst vergangenen Tagen. Doch ist sie wahr. Die Ouelle hierfür eine schon vor hundert Jahren ernsthafte Zeitung „der hamburgische unparteiische Korrespondet" bringt sie am 12. Juli 1820 im Hauptblatt an erster Stelle und dürste volle Gewähr für die Richtigkell der Angaben bieten. — Die französische Fremdherrschaft, die Regierung Königs Ieromes, brachte auch den Israeliten des Königsreichs Westfalen volle Gleichberechtigung, die nicht nur auf dem Papier stand. Nachdem der frühere Zustaüd wieder hergestellt und Kurfürst Wilhelm wieder Landesherr von Hessen ward, änderte sich vieles, und die besten Söhne sagten ihreck Vaterlande valet und gründeten in der neuen Welt eine neue Heimat. So machte es auch ein junger jüdischer Soldat aus Witzenhaufen, namens Grüntbal., Er diente in der westfälischen Armee, machet als Leutnant den Feldzug nach Rußland mtt, fand aber bei feiner Rückkehr keine Vorforgung noch Aerkennunq für geleistete Dienste. Sein Weg führte chn nun über das Weltmeer nach dem damaligen Königreich Haiti, wo er mit mehreren Landsleuten Anstellung bei Sr. schwarzen Majestät, König Heinrich, fand. Ihm wurde die Inspektion über die königlichen Haustruppen übertragen, ein verantwortungsvolles aber recht einträgliches Amt. In kurzer Zeit hatte Grünchal großes Vermögen erworben und wollte der Regung seines Herzens folgen, feinen alten Vater zu besuchen und in seiner früheren Heimat zu leben. Wer seine diesbezügliche Bitte lehnte chm der König ad, und der Staatsfekretair und Minister der auswärtigen Angelegenheiten der den geschmackvollen Namen de Limonade führte — andere Minister hießen: de Ehocolade, de Eogvac, de Marme' -7 — mußte chm aus der Sommerresidenz Sanssouci scl :n: Me» Herr! Der König, mein erhabener und geliebter Souverain hat mir befohlen, diesen Brief an Sie zu schreibe«, und zwar auf das Ansuchen, welches Sie an Se. Majestät gemacht haben, nach Ihrer Heuuath zurückzukchre» und für Ihren Vater zu sorgen. Indem Se. Mast Ihre löblich» Gesinnungen kindlicher Liede sehr billigen, so lasten Höchpdieselben Sie ersuche», noch drei Jahre in Ihrem. Dienst» zu blechen, welcher in Allem sechs Jahre ausmachen wild; und um Ihren Vater zu Hilfe zu kommen, schenkt Ihne» Se. König!. Hoheit der Kronprinz 3000 Pfimd Kaffes frei von allen Abgaben, die Sie zur Unterstützung an chren Vater schicken können. Se. Majestät erlauben Ihne» Drrdies, Ihrem Vater das Zeugnis zu gebe», daß Allerhöchst dieselben mit Ihnen zufrieden sind. - _ * ’ Ich habe die Ehre, Sie aufrichtig zu grüßen. llnterz. dr Limonade. Der Kaffee kam an und wurde verteilt Wer Grünchal war nichts mehr zu ermitteln. L Horwitz, Kostet.