Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 135 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- Seite 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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466 Notwendigkeiten. Diese öffentlichen Kinderfeste mit ihrer jährlichen Wiederkehr werden vielleicht die einzigen Erinnerungen sein, die das kommende GHchlecht einst haben wird, ihre lange, möglichst lange Vorbereitung halt das Kind im Atem des Jüdischen fest, und ihr fröhlicher Trubel pflanzt Gemeinschaft. Aber jeder Große soll an solchen Tagen doch fühlen, daß ihm eine heilige Pflicht obliegt: Die Pflicht der Heimkehr nach Haus. Das Judentum muh von der Straße fort und ins Haus zurück. Männern mag in solchen Zeilen Oeffcmlichkeit noch laugen, Kindern taugt sie nicht, oder nur dann, wenn ein jüdisches Heim dahinter steht. Nicht die Stadthalle, das Elternhaus soll ihre Erinnerung sein, Leben, nicht Theater ihre Ueberlieserung. Dazu gehört aber eins: Die Demut der Eltern vor der Seele ihres Kindes und die Gläubigkeit, die aus dem aufschauenden Auge der rührenden Kleinen aus goldener Leiter in das Auge von Vater und Mutter steigt, um dort den Willen zu entflammen, nicht bloß Liebe um Liebe, sondern auch Glaube um Glaube zu vergelten. Wohl den jüdischen Eltern, die das begreifen: sie haben die Ewigkeit begriffen'. e Emil C o b n. Muß die jüdische Kinderhilfe zentralisiert werden? - Auerbach-Köln. 3n Ihrem Blatte von: 23. Dez. a. c. findet sich ein Bericht über eine auf Einladung der Zentral-Doblfahrtsstelle der deutfchen Juden, Berlin, in Düsseldorf am 7. Dez. abgehaltene Tagung, die den Zweck hatte, „eine sich über Deutschland zu erstreckende Aktion für die jüdische Kinderhilfe in unserer Provinz einzuleiten". Leider geht aus dem- Bericht nicht hervor, welcher Art diese Aktion sein sollte, wie hoch sich die zu beschaffenden Mittel belaufen sollen, für welche Art Hülfe sie gedacht sind, wie die Vertellung von der Zentralstelle aus erfolgen soll. Aus dem Bericht seht nur hervor, daß die Vertreter einiger Gemeinden <xö!n, Krefeld) sich gegen den vorgelegten Plan vermahnen. Aus einem uns vorliegenden Aufruf der Zenrral- DohlfahNsstelle über jüdische Kinderhülfe ersehen wir. daß sich diese Hülfeleistung erstrecken soll: 1. auf die notleidenden Iugendpflegeanstalten. insbesondere die schwer bedrohten jüdischen Waisenhäuser und gemeinnützigen Erziehungsinstitute: 2. auf die Ferienhülfe für Großstadttinder; 3. aus die Fürsorge, die durch ständige ärztliche Kontrolle, VeNeilung von Nähr- und Kräftigungsmitteln die Erfolge des Ferienaufenthalts festzuhalten sucht. Es dürste anaebracht sein, zu einem derartig weitgehenden Zentralisierungsplan einmal grundsätzlich Etelkung zu nehmen. ad 1. Es bestehen in Deutschland laut Statistischem jüdischen Jahrbuch aus der Vorkriegszeit mehr als 80 jüdische Waisenbezw. Erziehungsanstalten, darunter viele «tt solch kleiner Zöglingszahl, daß die Gehälter und sonstigen Verwaltungskosten in diesen Anstalten in keinem Verhältnis mehr zu ihren Leistungen stchen. Es ist dies der Ausdruck der leidigen partikularistischen Strömungen der jildffchen Gemeinden in den einzelnen Provinzen auf diesem, wie auf andern Gebieten (Krankenhäuser, Altersheime, Schwesternvereine ufw.), die, anstatt zu gemeinsamem Werke sich zu vereinigen, nur Kirchturmspolttik treibe«. Abseits diesen Bestrebungen stehen meistens die Landgemeinden, die, wenn auch unmöglich, diese Anstalten nur wenig unterstützen. Der Unterhalt aller dieser in den Meeren Gemeinden gelegenen Institutionen, der sich auf wmt MMonen belauft» dürfte, wird Taft ganz von der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder aufgebracht. Dir glauben auch nicht fehlzugehen, datz trotz der Zeitnöten und ttotz Dettiebsdefiztts, mit dem die Anstalten samt und sonders zu rechnen haben, es dem Opfermut und der persönlichen Agitation hingebungsvoller Frauen und Männer in den Städten gelingen wird, ihre Institutionen für die Kinder aufrecht zu erhalten. Wir wüßten aber nicht angesichts der gewaltigen, für diese Zwecke jährlich benötigten Summen, wie durch eine von der Zentralwohlfahrtsstelle cingeleitcte Sammlung auch im größten Maßstabe Hülfe geschafft werden könnte. Hier kann, wie gesagt, nur allein die persönliche Agitation für ihre Sache begeisterter Glaubensgenossen, die für ihre heimischen Gründungen sich wie bisher einsetzen, deren Erhaltung und Fortentwicklung gewährleisten. Sollten fteilich einige Zwerganstalten nicht rur Gesundung kommen, so wäre eine Aushebung bezw. Zusammenlegung mit Rücksicht auf die unproduktive Verwaltung in Betracht zu ziehen. Alles dies Gesagte bezieht sich n i ch t auf die wenigen Ällstallcn, die einem Bedürfnis der g e f a m t e n deutfchen Iudenheit ihre Entstehung verdanken, z. B. Ncpzin, Beelitz. Jüdische Blinden- und Taubstummenanstalt usw. Für diese Anstatten werden wie bisher die großen jüdischen Organisationen, die.Gemeinden und Private gern ihre Hand öffnen. ' 1 2. Fcricnhütse, Ferienkolonien kommen nur für Biadtcgemeinden in Betracht. Allenthalben in Deutschland sind in den letzten Dezennien dafür Einrichtungen — und mit bestem Erfolge — getroffen worden. Und wir dürfen die sickere Zuversicht hegen, daß diese Gemeinden auch in Zukunft sich diesen sozial-hygienischen Pflichten und ebenso wenig der unter 3. genannten Ausgabe entziehen werden. Keiner kann sich der Erkenntnis verschließen, daß die sozial-jüdischen Besttebungen in den Gemeinden, zum großen Teil durch die Frauenvereine, Iugendvereine, Logen, bedeutend gewachsen sind, so daß wir mit Vertrauen die Sorge für unsere Anstalten auch den heimsschen Gemeinden der verschiedenen Provinzen überlassen können. Sind doch in den letzten Jahren sogar noch mehrere Neugründungen von Anstalten entstaicken. Eine-so weitgehende Zentralisation, wie sie oben geplant ist, erscheint uns daher nicht angebracht, vielmehr geeignet, den Opfermut in den einzelnen Gemeinden eher zu dämpfen. Wir verkennen nicht die Bedeutung der Zemralwohlfadrtssielle als Bcratungs-, Auskunsts- und Vermittlungsstelle, auch nicht ihre Bedeutung als Hülfsorganisation für Wohlfahrtseinrichtungen, die der ganzen Iudenheit zugute kommen. Und kein Verein und keine Gemeinde wird sich der Verpflichtung entziehen, die dazu nötigen Beiträge zu liefern, ebenso wie für das ostjüdische Hülfswerk. Aber man überlasse den Gemeinden und Provinzen die Verantwortung für ihre eigenen Anstatten, man verlange nicht, wie es in Dissseldorf zum Ausdruck gekommen ist, daß aus einer großzügig einzuleitenden Sammlung für die jüdische Kinderhülfe 50 Prozent nach Berlin abgesührt werden! Zur näheren Begründung dieser Ausführungen fei nur auf die Kölner Verhältnisse hingewiefen. Hier dien« 6 Institutionen der Pflege und Erzichung von Kindern: 1. das Kinderheim mit 125 Insassen, wovon der größte Teil auswärtige Kinder; 2. der Kindersparverein, der im Winter in feine» Haufe, im Sommer in seinem Schrebergarten eine große Kinderzahl verpflegt und erzieht; 3. das Waisenhaus mtt ca. 30 Insassen; 4. das Lehrlingsheim mtt 20—30 Handwerkerlehrlingen; 5. die Kmderheüstätte Bad Kreuznach, die allem i» letzt». Sommer 329 Kinder, darunter 186 Kölner, 83 Rheinländer und 61 aus dem Drlgen Deutschland zur Sooldadekur aufgenomvttn hat;