Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 135 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Erscheivt jede» Freita- PrriS 3 M. »»»atllch. Z» tejiehe» d»rch sämtliche Peßämttr »dri »»rty de» B»ren»ert«g tr S«»». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt A»4etze»Uret»:2M.f»rdie»terDeftz. Betit-eile. Sie tone Gdte aafett SSV ZeUe». P,ßschetk»«t» 8itet» •ma| » ».». H,L«»«r.74747 Herausg. von Rabbiner Dr. Smü Loch«, Sonn. Grschästsfiele Sonn: Ärüdergasse 52. Geschäftsstelle ff&fa: MauritwswaL 52. Lei. B SS«. Mummer 135 Kökri, 30. Dezember 1S21. — 20 Kistew 5682 i 3. JutzrAL»-. An unsere Leser! Oer „jüdische Bote vom ^hein" tritt mit Nr. 136 das crste Vierteljahr seines 4. Jahrganges an. Wir richten an unsere Leser, welche das Blatt durch die post oder den Buchhandel b^iehen, die-Bitte, die Bestellung für das erste Vierteljahr schnellstens, falls noch nicht geschehen, zu erneuern, damit die Zusendung des Blattes leine Unterbrechung erleidet. Diejenigen Bescher, welche die Zeitung direkt von uns erholten, b^ommen dieselbe ebne befördere Orncucrung iertloufend zugesandt. Dir bitten unsere Leser höflichsi, den Betrag von 9 W. für das nächste Quartal umgehend auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 74 747, Botenverlag, G. m.b.H., Köln, zu überweisen. Noch Lblauf eines Wonats werden wir uns erlauben, die noch nicht eingezahlten Abonnementsgelder durch Nachnahme zu erheben. WW* Infolge vielfacher an uns ergangener Anfragen, und um den Wünschen der meisten unserer geehrten Bezieher zu entsprechen, erklären wm uns gern bereu, der Einfachheit und der porto-Erspainis wegen Abonnements« betrage auch für mehrere Vierteljahre auf einmal im voraus entgegenzunehmen. Die. gflxMton / » » t S « V Gchabbos Lhanukko j >Mt —MMM IfMWWMlM UMtMIMIH*»»»*«»«»* Kinderfeste Wenn unsere Leser diese Zeilen lesen, wird wohl in jeder großen und kleinen Gemeinde das Lhanukakinderfest mil seiner Bewirtung und Bescherung, seiner Aufführung und seinem Tanz vorüber sein und Baker und Mutter werden mit den seligen Kleinen an der Hand wieder den Weg nach Hause gefunden baden, um ein Glück und eine Erinnerung reicher. Qb aber wohl einer von ihnen schon jemals nachgedachl hak, daß all diese Feste, sei's zu Purim, sei's zu Simchas Thora oder M Chanuka, uns nicht nur von der Not jüdischer Gegenwan erzählen, oder erwogen hat, daß es solche öffentlichen Feste vor Kundert Jahren noch nicht gab, daß sie erft erfunden werden mußten, damit man doch etwas habe, nachdem man alles verloren? Nichts spiegelt uns, nichts beweist uns klarer den Einsturz des jüdischen Hauses als diese wohlgemeinten, vom Kinderjubel erfüllten Feste. Notbehelfe sind es, traurige Surrogate für etwas, das früher war. So wie wir beute noch im Gebete vom Opferdienste erzählen, die Widder und Böcke aufzählen, die je und 'je geschlachtet wurden, und die Maße der Speis- und Trankopfer, wie sie waren, so sammeln wir uns an jenen Tagen mit unfern Kindern in irgendeinem Saale, lassen sie Verse austagen vom schönen, feiertäglichen Mischen Haus und, find wir alt, siegen «ns dabei sanfte Erinnerungen auf, sind wir aber jung, so begeistern wir uns an der Romantik guter alter Zeit. All das ist im Grunds* nichts als ein Traum von einem Traum, eine Erinnerung von einer Erinnerung: Es ist traurig zu denken. Was wußten Mische Kinder stMer von Chanukafesten, oder gar „Befchttnngen", wie da» schöne Wärt laubet? Sie gingen bei verwandten und Frümdeu von Hcws zu Haus und holten sich die Kupfermünzen chres Ehgnukageldes. Und am Purim trugen sie auf einem Teller mst der Serviette zugedeckt die Schlachmones über den Markt zum Nachbarn, oder brachen verkleidet in die §önfcr ein und trugen das altberühmte „Zosteffpiel", die „RdMe Komödie von der Verkauffung Josephs", hedrMch Mechirus Josef genannt, vor, um mit ein paar Hellern mck einem schönen Dank wieder weiterzugehn und ein <Meres Haus der Gaste zu beglücken. LaHwmer wurde als Äatürfest draußen im Freien gefeiert, und auf den 15 Schwat freuten sich die Kinder besonders/ well es da allerhand Früchte für sie gab, die der in die Blumen schießende KMlingssaft ihnen als Vorschuß auf die schönen Smmnertage brachte. Schön war es aber auch, wenn der Brck, der einjährige, da er aufrecht sitzen tonnte, auf den TM gesetzt und „überschüttet" wurde, mit Rüsten, Rosinen, Mandeln und Süßigkeiten nämlich, was für alle Kinder einen Heidenspaß ergab. Man sieht, alle "Kinderfeste wurden enüveder im Haus, oder von Haus zu Haus, gefeiert. Ja, ftMer bestand die ganze jüdische OestenÜichkeit in diesem Boa-Haus-zu- Haus, und es ist das traurige Ergebnis des letzten.Jahrhunderts für uns, daß das ganze Judentum stqjchagen auf die Straße geschleift worden ist. Repräsentation trat an die Stelle von Gläubigkeit, fokale Fürsorge an die Stelle von Zedokoh/ der öffentliche Saal an die Stelle der keuschen Häuslichkeit. Wir machen das, was der Üble König Ahasveros vpn seinem Weibe verlangte: Wir enffchlelern unser Judentum vor allem Bolle. Ob wir bauen, glänzender als je, oder aut dem Synagoge gehen, oder uns mit Summen auf keitslistea setzen, oder mit Stolz auf den glänzende« binerreber sehen: wir leben nicht mehr Judentum, dern wir — „führen auf". Genau ft> wie der gestern oder vorgestern chr EhanukafeWiet führt haben: Traurme Rotdehüfe einer Zell, Heu Licht der OeffeMchött" da^äbe ist, was Rosche benu der brennende Dornbusch war. Jawohl, Nötdcheye und auch getobt tarn, wir einmal da^Msiche Han» nicht «ehr höben, frfctl