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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-12-23 · 134 (23.12.1921) · p. Seite 456

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
134 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 456 (sequence 4)
Language
German
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3ft der -weiten Repräsentantensitzung am vorigen Montag wurden ohne Zwischenfall in den Vorstand gewählt die Herren Blumenau, Dr. Bodenbeimer, Daniel Kaufmann, Dr. Eliel, Dr. S. Klein, Sal. Linz, Schlüchterer. Man ging dann zur Etatsberatüng über. Zum Punkte Religionsunterricht führte Herr Afchkenasy aus, daß für die Ostjuden der Religionsunterricht der Synagogengemeinde nicht genügt. In zwei Wochenstunden kann man nichts erreichen und nur ein Eheder, wie man ihn im Osten hat, könnte einen Ostjuden befriedigen. Herr Müller, Vertreter dieser Ostjuden, erzählte darauf, wie sich die Kölner Ostjuden unabhängig von der Gemeinde bereits selbst ihre Schulen geschaffen haben, wieviel Mühe das gekostet hat und welche Opfer die Ostjuden auch heute noch für ihre Talmud-Thora bringen. Es ist jedoch schwer, den Schulbetrieb auch weiterhin aufrecht zu erhalten, wenn von Seiten der Synagogengemeinde keine Unterstützung gewährt wird. Da nun 25 Prozent der Steuerzahler Ostjuden sind, sei cs nicht mehr als recht und billig, wie Herr Schnelling dann weiter ausführte, daß die Synagogengemeinde der Talmud-Thora eine Subvention von 10 000 Mk. gewährt. Der Vorsitzende, Herr Blumenau. hielt es im Interesse der Ostjuden für richtiger, wenn die ostjüdischen Kinder die Religionsschule der Gemeinde besuchen würden, was im Laufe der Zeit auf den Ausgleich der Kulturgegensätze von Ost rind West wohltuend wirten würde. Dem wurde entgegengehalten, daß der Religionsunterricht der Gemeinde den Wünschen der Ostjuden nicht genüge. Im besonderen forderte Herr Schnelling einen „Einheitslehrer", d. h. er verlangte von allen anzustellenden Lehrern ein Höchstmatz von Frömmigkeit, das, da es dem Konservativsten genüge, auch dem Liberalen genügen würde. Herr Lachs wies das als undurchführbar zurück; die Hauptsache bleibe, alles zu tun, um dem Kinde den Konflikt zwischen Schule und Haus zu ersparen. Vorhandene Lehrkräfte könnten nicht abgeschafst werden. Nachdem noch mehrere Herren das Wort genommen, wurde schließlich dem Vorstand empfohlen, aus den vorhandenen Mitteln bis zu 10 000 M. für den vorgeschlagenen Zweck bereit zu stellen. Die weitere Versammlung brachte eine lebhafte Debatte über die beantragte Unterstützung des Kölner Lehrerseminars in Höhe von 15 000 Mk. Da Bedenken laut wurden, ob dies wegen des bereits erfolgten Abschlusses des Etats jetzt noch möglich sei, wurde der Antrag bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. Der Etat wurde bewilligt. Es folgte eine Gehelmsihung bett. Personalien. Schluß der Sitzung 11 Uhr. Bei der zweiten Veranstaltung des Kölner Vereins für jüd. Geschichte und Literatur in der Rhcinlandloge sprach am 12. d. M. Herr Rabbiner Dr. Siegfried Behrens-Göttingen über „Probleme jüdischer Geschichte". In formvollendeter freien Rede führt? er die Hörer durch die verschlungenen Pfade der jüdischen Geschichte, von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart, und wies in packender Weise auf wichtige zu lösende Probleme hin. Reicher Beifall lohnte den Redner. Von Berg und Tal Düsseldorf. Im Heim der Düsseldorf-Loge Düsseldorf fand am 7. Dezember auf Einladung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin, eine Tagung statt, an der Vertreter von rheinisch-westsälischen jüdischen Gemeinden, Vereinen, Äohlfahrtsinstituten und interessierten Einzelpersönlichkeiten teilnahmen. Dieselbe hatte den Zweck, eine sich üher ganz Deutschland erstreckende Mion zugunsten der jüdischen Kinderihkse auch in Rheinland und Westfalen zu organisieren. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher sprach über die Be» deuttmg der Zentrakwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Herr Dr. Segall-Berlin, Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, berichtete über jüdische Kinder- und Iugendnöt in Deutschland und entwickelte die Pläne, durch die derselben begegnet werden solle. Frau Clara Samuel-Elderseld machte Vorschläge bezüglich der Organisation der jüdischen Kinderbilfe. Frau Geheimrat Auerbach-Köln wies darauf bin, daß den Leistungen der Kölner Anstalten für rheinisch-westsälifche Gemeinden zu wenig Bedeutung beigemesien worden sei. Herr Geheimrat Apfel-Köln erklärte, daß für die von der Zcntralwohlfahrtsstelle geplante Organisation nickt wie von dem Referenten angegeben 5 Millionen, sondern weit über 20—30 Millionen notwendig seien. Herr Direktor Plato-Köln führte aus, daß er kein Vertrauen zur Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden habe. Die Vorträge haben kein klares Bild darüber ergeben, wie die in Rheinland und Westfalen zu sammelnden Gelder in Berlin verwendet würden. Eine Zentrale für jüdische Kinderhilse sei dringend notwendig. Dann bekäme man wenigstens eine Uebersichr darüber, was zu leisten sei. Wenn rheinisch-westfälische Gemeinden Gelder für jüdische Kinderhilfe sammeln, so sei cs ihre Pflicht, solche Mittel, die spärlich genug fließen, den- .- jcnigen Anstalten zuzuwenden, die ihnen jahrein, jahraus wesentliche Dienste leisten und ohne die sie ihre Pflichten gegen die iw ihren Bezirken hilfsbedürftig werdenden Kinder nicht erfüllen können. Fast alle Anstalten hätten in banem Kampfe um ihr Bestehen zu ringen. Herr Rabbiner Dr. Samuel-Esten und Frau Ge beimra! Zleck-Düsieldorf betonen die Notwendigkeit einer Zentralisation auf dem Gebiet? der Iugendhilfe. Herr Jakob Gvmpertz-Krefeld lehnt die Berliner Pläne ab. Frau Rabbiner Dr. Efcheldacher-Düsieldorf wies auf die Leistungen der Eynagogen-Gemeinde'Düsseldorf auf dem Gebiete der Iugendhilfe hin. Schließlich wurde auf Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Kober-Köln eine dahingehende Verständigung erzielt, daß der Zentralverband rheinischer Synagogen-Gemeindcu ersucht werde, die Zenttalisatt'on der jüdischen Jugend w.rsorgc in die Weg§ zu leiten und von den für diese Zwecke , i.r Rheinland zu sammelnden Gelder nach Befriedigung > der rheinischen Bedürfniste einen Teil an die Zentralwohlscckrisstelle der deutschen Juden abzuführen. Bücherschau D „Ter Jude", eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Man:?. Brider. •OÖ 2 des ü. Jahrganges ist soeben erschienen und bar soigcvden 3 ahalt: Werner Senator. Sozialpolitik für die £>'i jubm in Deutschland. Ma r Eschelbacher. Die Zünftigen and die Drautzenstchenden. David Koigen, 3m Wirbel der Geschichte: ll. Der Zusammenbruch. Hl. Verborgene Mächte. Rudolf Ba!- sonek. Die Tendenzen der jüdischen Wirtschaftsgeschichte. Samuel Rappaport. Aus dem religiösen Leben der Ostjuden. — Bemerkungen: Oskar Eppstein. Das Reue. Friedrei<k Tbieberger, Heidentum. Christentum, Judentum. — Umschau: Z. Die sendruck. Zur Psychologie der Karlshader Kvuaresies Berta Lask, Die 3uden in Bulgarien. Hans Kehn, Geschichte. Kalender der Wach«. Freitag.... 23. Dez. 22 Kiste« ** Samstag. . 24. // 21 H MV Smmtag . . . 26 24 ~9f Montag. . . . 26. * 25 99 Lhavnkah 1 Dienstag. . . 27. 99 26 99 „ 2 Mtttmoch. . . 28. 99 27 # . 3 Donnerstag . . 29 0 28 99 . 4 Freitag.... 30 99 29- 0 , b Cflrilil Sl. m SO // yp« Neu«»»-1 , 6

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