Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 133 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—. 446 V objBayfotbtti oder Massenarbeit", zu gewinnen. InbessmPyemt das grobe Forwv emes Delegiertcntages recht w«äg yeeignet für solche Aüseiaaadersetznugen, was In der allgemeinen Unruhe der Versammlung und zuletzt auch in den.Worten von Kehr zum Ausdruck kam. Bei.der Borstandswahl wurde Eppstein einstimmig wiebergewahlt. ' Ein in vorgerückter Stunde von der Frankenchal eingebrachter Vorschlag, eine Komür den Keren Hajesiod zu wählen, wurde auf den Weilers, daß es der Bedeutung des Keren fx^sod nicht entspreche, in wenigen Minuten abgetan zu werden, von den Antragstellern zurückgenommen . Zum Schlüsse hielt Bachärach (Eschwege) ein vorzügliches Referat über den „Heimabend". Mit einem Schlußwort Eppsteins schloß die offizielle Tagui^. Der Abend vereinte Delegierte und Gäste mit der jüdischen Gemeinde Landau zu einer gemütlichen BeranstaLwg. Besonders erfreulich waren Tänze der kleinen Mädchen, deren Regie Lisa Kahn (Landau) in aufopfermMvoller Mühe übernommen hatte. nJkliijiMi iin mriiiMmii m 11 mii Das Modell der Schmerzen Novelle von Israel Zangwill TTTn n i Ti n i ■ i»i ■ i ■ i rrTT Novelle t li kfck »■ ■ ■ ■ iU - * i Schluß.) Dar nächste Dokument, das ich in dieser cause celedre erhielt, war ei» Brief von Tonn, der mir mitteilte, daß er alle Dorbereitungcn zu der aroßm Zusavlmenkunst gekoffen habe. Afhers Privatzimmer wird Ihnen zu dieser Untersuchung zur Verfügung stehen. Der Fragebogen, den Ouarriar deutlich ausgefüllt hat, läßt kaum Zweifel an seiner Schuld. Der Geschäststellnehmer wird dort sein, und ich werde Onarriars Hauswirt auffordern, sich j edenfcckls eduustellen, wenn Sie dies für notwendig halten. Ich füge ' hi»», baß ich Grund habe, ganz gewiß zu sein, daß Ouarriar gar nicht j Dorpat, zu erscheinen. Tr wird es versuchen, auf irgendeine Weise die! Bercckreduug nicht einzuhalten." Ich schrieb sofort ein paar Worte an Onarriar und erinnerte ihn daran, baß es absolut notwendig sei, mit den Kindern zu kommen, selbst venu sie deshalb die Schule versäumen mußten. j Ich gebe seine Antwort wörtlich wieder : l Lieber Herr! I Bezugnehmend auf Ibren werte« Brief, baute ich Ihnen ' vielmals für die Mühe, die Sie sich meinetwegen gegeben haben. Ts j tut mr leid. Ihnen sagen zu müsien, daß ich mich weigere, vor dem ' Komitee zu erscheinen, das Eie zusammengerufeu haben, da ich einen anonyme» Brief erhalten habe, der mich davor warnt, die Wahrheit zu sagen, und der mich mit Unglück und Leid bedroht, wenn ich es demwch wagen wollte. Ts steht auch ganz fest, daß dieser Herr der Wahrheit nicht bedarf. Tr hilft nur, wem er helfe» will. Deshalb Werde ich nicht kommen und wünsche, daß Sie, mein lieber Herr, sich auch nicht bemühen, hinzugeheu. Deshalb, wen. Sie mir zu Helm» wünschen, ist es sehr gut und werde ich Ihnen sehr dankbar fein, und wenn nicht, werde ich ohne Ihre Hilfe fertig werden u»d mrr auf de» Allmächtigen Beistand vertrauen. Bitte also sich j nicht weiter meinetwegen zu bemühen, da ich nichts riskieren will. | Ich di» Ihr gehorsamer und dankbarer Diener. Israel Ouarriar. P. S. Am letzten Mittwoch war ein Man» bei meine« HausttftLrlffr 1h» nach mir ansfragte und ihm zuletzt sagte, daß ich so anchmm» müsse, wie man es mir beseht«» würde und nicht wie ich eNMchte. Ich füge den Brief bei, den ich erhalten habe,.« ist in Sprache geschrieben. Bitte, zeige» Sie ih» krmem Ren- A zerrnßen Sie ihn, sobald tzie ih» gelesen Hobe», da a»d«e« anvertrane» nmchte. Ich möchte gern auf konume» und Ihren Rat befolge». Ab« aa» Lebe» Deshalb sollte» Sie sich a»ch nicht bemüh«», hmzu- " /W»e» für cttct freniÄche Hiye nnöailkbar zu ' i» Zukunft, wie Sie' wüsche». - > yf * - M ,'z 1 'OUflU JCtfutL Da, letzte Stadi»»». ediia »k ' 34 » » — Herr» Tm» Ich Phrase, daß Ouarriar j« Truste dachte, ich würde feine» Worten tzksnOWtRMmeinem Verdruß über diese Affäre mischte sich ei» gewiss« Merger darüber, daß Onarriar mich für so dumm gchcüte» chatte. Bei ruhig«em Nachdenken sagte ich m«?daß et rbie ei» richtiger Russe geschrieben der noch ganz mittelalterliche Begriffe hatte. 8n dem ersten Augenblick hatte ich nur die Empfindung, daß ich hstltetgaugen und meine Güte mißbraucht worben sei. Monate hindurch hatte dies« Mensch mir etwas vorgelogen. Tag für Tag.hatte « mich mtt Unwahrheiten umsponnen. Ich hatte geglaubt, so viel Menfchentattnis zu besitzen, daß ich^gar nicht daran zweifelte, er würde mit seinen drei jüngeren Kindern erscheinen, jeden geforderten B«oeis bardringen und vollständig rein und triumphierend aus dies« Affäre hervvrgehen. Mein verletzter Stolz, mein Zorn, so niederträchtig betrogen zu sein, regten mich derart auf, daß ich nahe daran war, das von meiner Leinwand hnabblickende königliche Dvlderqntlitz endgültig zu zerstören. Aber es sah mich so traurig Und mit solcher süßen Würbe an, baß Ich die schon aufgehobene Hand zurückzog und beinahe gtneiat war trotz allerdeiü den Glauben an Onarriars Rechtschaffenheit nicht sinken zu lasten. Tr fing an Entschuldigungen für ihn zu suchen, stellte khm vor, wie seine Nachbarn, die bester wie er menschenfreundliche Herzen' auszunühen verstanden, auf ihn eingedrängt haben mochten. Man hatte ihm zweifellos gesagt, daß nur zwei Töchter keinen Eindruck auf die kieselharten Herzen der Vertreter bureaukratischer Dohlttäigkeit machen würden, daß, um sie zu «weichen, er die Zahl sein« Kinder vermehren niüste. So war er allmählich in ein Netz von Unwahrheittn vnstrickt worden, aus dem, obwohl seine bestere Natur davor zurückdedte, es doch kein Entweichen gab. Dann fiel mir ein, daß er auch in Rußland einen ungesetzlichen Berufverfolgt hatte, daß er fern« einem Freunde geholfen hatte, vom Militär freizukommen. Mein Mißtrauen «wachte aufs neue. Aber es war, als sähe das ernste Anttitz mich vorwurfsvoll an, es schien, als wollte es dem. der es gefchlagdn, auch die a»»b«e Wange darreichen. Ungesetzlich« Beruf! Nein; es ist das Gesetz selbst, das grausame, unmögliche Gesetz, das, indem es den Juden alle Erwerbsquellen abschneidet, sie dazu zwingt, es zu übertreten! Es war das Land, in dem es illegal zuging — dieses grausame Land, besten Grenzen man nur durch Beamlenbestechung und Betrug überschreiten konnte, das auch aus Onarriar einen Betrüger gemacht, wie aus allen schwachen Menschen, wenn sie um das nackte Leben kämpfen wüsten. Allmählich lernte ich milder denken. Ich zweifelte nicht daran, daß das, was er mir über seine traurigen Fahrten von Rußland nach Misterdam und London, und dann von dort nach Brighton erzählte, im allgemeinen wahr war. Aber selbst, wenn er schuldlos wie eine Tauche sein sollte, so erschien die Schlechtigkeit Kazelias', die seines Geschäftspartners, seiner Brüder in Israel und im Exil darum nur um so dunster und venversticher. So geschah' es, daß die Vision des „Mannes der Schmerzen". die wir beim Schaffen meines Bildes vorfcbwebte, allmählich eine andere Gestalt annahm. Ich ergriff meinen Pinsel? nahm hier und da eine steine Aenderung vor, bis plötzlich bas Anttitz des „Mannes dn Schmerzes einen verschlagenen und schuldbewußten Ausdruck annahm. Als ich dann zurücktrat um mein Werk anzufehen, war sich überrascht von der fast photographischen Aehnlichkett , die es jetzt mtt meinem Modell batte. Nun. da ich ihn vielleicht etwas übertrieben, batte ich, wenn ich mich so ausbrücken darf, vielleicht nach der entgegengesetzten Seite idealisiert. Je länger ich ab« grübelnd vor diesem neuen Anttitz stand, um so mehr erkannte ich, baß diese Rückkehr zu größerer Einiachkeit und wahrem Realismus wir dazu verhalf, ein vollkommenes Kunstwerk zu schaffen. Denn wahrlich, das ist bas Hochtragische des Schicksals der Kinder Israels daß ein Volk/das ln erhaben« Weife allen Stürmen getrotzt, dabei gleichzeitig kn d«» Kot gezerrt und tief verdorben worden ist. E» fft König und — Sklave in -ein« P«fon! Zweitausend Jahre hat Israel den Verlust de« Vaterlandes, den Druck der Verfolgung erlitten, dabei sind feine Kleid« zerrist-n und seiner Seele ist ein Brandmal aufgedrückt worben. Bolle zweilaulend Jahre nur für eine Idee zu leiden, ist ein Privilegium, bas d« Herr nur den Kindern Israel. dem^Volke Gottes, verliehen bat. Das wäre an sich leine Tragödie, sondern ein dervstches Epos, wie der Prophet Iesaias es verkündete. Die wahre Tragödie, der schwerste Kumm« lieat in dem Martvrium, daß Israel seiner Leiden unwürdig geworden ist. Ein Sinnbild des Volkes Israel — dies« Traqödie auf dem Kotdurm des Komödienlvlelers — ist es, das ich in meinem „Manne der Schmerzen" darzustellen versucht habe. Kalender der Woche. -, > ■ ■ 1 ■ - Freitag.... 18. Dez. 15 KtSlew Samstag. . . 17. n 16 // nhjM Sonntag . . . 18 n .17 n Montag. . . . 19. n 18 n Dienstag. . 20. n - 19 // Mittwoch. . . 21. H 20 ir Donnerstag'. 29 H 21 // yfwj 93 H 92 »/ CflRÜll 94 W fl // »«1