Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 132 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 434 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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484 Die Schlappiner renommierten nickt wenig mit chrem ßf bildete dieHcuy>tattrattion ihrer Zkaeipe IchtrIkÄMchs müßte'ihn'setzen und bewundern, mck nüt der Zeit knüpfte sich an chn ein Kranz der abenteuerlichsten mck zugleich infamsten Legenden. Der eiserne Käfig des Leckburger Stadtmuseums, in dem im Jahre 1349 drei IÜoeuan den Fußen aufgehängt wurden — „und lebten wch am vierten Tag" heißt es in der Lechburger Stadtchronik — konnte kein größeres Kuriosum darstellen, als der Iuöenfpeer der Schlappinia. Biele Jahre hindurch hing der Iudenfpeer immer an dem gleichen Fleck, wo man ihn hingehängt hatte, nachdem er von dem Lehrbuben des Juweliers Salomon Feibeles abgegeben worden war. Bekanntlich wurde aber auf dem vvrMrigen Seniorenkonvent des R. P. C., dem ein jüdisches Schandmaul dafür den Spitznamen: „Risches-Ponim- Convent" angehängt hat, der offizielle Beschluß gefaßt, Juden und Iudenstämmlingen in Zukunft weder Satisfaktion noch Waffenschutz zu gewähren. Für die Rächstbeteüigten war die praktische Bedeutung dieses Befchlusies nicht groß. Die Mehrzahl hatte schon vorher eingesehen, daß ihnen die Pflege feudal-aristokratischer Roheiten noch weniger anstehe, als den freien Nachkommen höriger Bauern und den aufgeklärten Enkeln bornierter Pfahlbürger und hatte sich selbst davon abgewendet. Für den Iudenspeer aber wurde, die neue Richtung im R. P. C. verhängnisvoll. Eines schönen Tages wurde er unter großer Zeremonie aus den heiligen Hallen der Schlappinia entfernt. Ein krasier Fuchs, der beim ,^Landesvater" nachgeklappt hatte — die Schlappiner lasten sich durch die Iudenrepicklik in ihren Traditionen nicht beirren — mußte ihn von der Wand abnehmen, die Widmung dreimal anspucken und daun die Klinge zerbrechen. Nachdem das Aergernis des Iudenspeers auf diese Weise beseitigt war, erhob sich die schwierige^ Frage: was mit dem silbernem Korb anfangen? Denn für einen Spucknapf war er denn doch zu schade. Der I. C. zerbrach sich mehrere Stunden den Kopf darüber. Schließlich beschloß man, alles dem Erstchargierten, stud. phil. Waldemar Holzbock, zu überlasten. Holzbock aber hatte den geistreichen Einfall, Hakenkreuze daraus machen zu lasten und mit deren Anfertigung Salomon Feibeles zu beauftragen. Man war im R. P. E. übereingekommen, sämtliche Mischen Geschäftsleute zu boykottieren. Mein man weiß doch: chacnn a fon juif qu'il aime*), und. Holzbock hatte nun einmal unseren Salomon Feibeles, den er wegen seiner liberalen Kreditgewährung wertschätzte, ip sein Herz geschloffen. So erhielt denn der Verfertiger des Iudenspeers den ehrenvollen Auftrag, aus dem silbernen Korb desselben 100 Hakenkreuze zu schmieden. Denn dank der Munifizenz des Spenders reichte das edle Material des Korbes hm, die ganze Aktivitas der Schlappinia mft diesem Schmuck zu versehen. Salomon Feibeles trug kein Bedenken, den Auftrag anzunehmen. Sein Prinzip war: „Geschäft ist Geschäft und Owre ist Ordre." So führte er denn auch dieses Geschäft und diese Ordre mit der gleichen Promptheil und Kulanz aus, die seine Kundschaft an ihm gewohnt ist. Der Umstand, daß Holzbock die Kreuze nicht sofon bezahlte, beunruhigte Feibeles zunächst nicht wetter. Er kannte die Trcckttionen der Schlappiner in dieser Hinsicht und hatte stützen Preis entsprechend kalkuliert. Als er ckber auf die tiffe briefliche Mahnung nicht einmal eine Antwort mit der ÄÜchen Beittröstung auf den nächsten MonatsweMel erwürbe er unruhig und wandte sich an die Berbückung Die aber schrieb kühl zurück, sie habe Hakenkreuze *)dtba h«t feinen Juden, den er gern hat. bei chm weder bestellt noch von chm geliefert erhalten und muffe daher bieBezahttmg seiner Rechnung Mschieben ablehnen. Die Angelegenheit gehe schließlich den find. phll. Waldemar Holzbock an, der übrigens vor kurzem verschiedener Unregelmäßigketten halber, c. i. dimtttiert worden und seither verschwunden sei. Salomo» Feibeles war natürlich wütend und beschloß, die Sache sofort einem tüchtigen Rechtsanwalt zu übergeben. Aber wem sollte er sein Vertrauen schenken? Gn Richtfude würde ja zweifellos bei den Richtern mehr Eindruck machen. Aber wer garantierte, daß der der Versuchung würde widerstehen können, antffemitffche Witze zu reißen, wenn die Gelegenheit aufdringlich dazu einlud? Bei einem Juden war man gegen diese Gefahr natürlich versichert, aber dafür bestand bei ihm wiederum die andere, daß er vielleicht durch täktlose Ausfälle auf den antisemitischen Gegner den ganzen Prozeß verdarb. Fürwahr ein schwieriges Problem! Nach einer schlaflos verbrachten Nacht fand Salomon Feibeles indesten den vorftefflichen Ausweg, die Sache einem jüdischen Anwalt mit gerichtsnotorisch deutfchvölkffcher^ Gesinnung zu. überftagen. So fft es gekommen, daß der Iuftizrat Siegfried Ehajes, Mitglied der deutschen Bolkspartei, das Mandat erhielt, auf das er ohnedies ein natürliches Prioritätsrecht befaß. Er rechtfertigte das von Salomon Feibeles in chn gesetzte Vertrauen voll und ganz. Er führte die Sache mit solcher Diskretion, daß feine persönlichen Beziehungen zu chr von niemanden bemerkt worden wären, wenn der Gegenanwalt, obwohl ein Parteifteund' Siegfrieds, nicht immer wieder mit deullicher Spitze darauf hingewiesen hätte. Die vornehme Zurückhaltung, mit welcher der Angegriffene auf diese Anzapfungen reagierte, verfehlte nicht, am Richterlisch den vorzüglichsten Eindruck zu machen. Iustizrat Ehajes erzielte denn auch den Erfolg, daß das Landgericht feinen lichtvollen Ausführungen folgend das Geschäft den ganzen Umständen nach als im Namen der Schlappinia geschloffen ansah. sodaß Feibeles in erster Instanz glatt gewann. In zweiter verlor er dann allerdings ebenso glatt, weil das Berufungsgericht einen Verstoß gegen die guten Sitten darin erblickte, wenn ein Jude die Anfertigung von Hakenkreuzen übernimmt und demgemäß den ganzen Handel für nichtt'g erachtete. Gegenwärtig beschäftigt die Sache Feibeles gegen Schlappinia das Reichsgericht. Ueberflüffig zu sagen, daß man ihrem endgültigen Ausgang allenthalben mü fieberhafter Spannung entgegensieht, besonders aber im bayerischen Staatsministerium der Justiz, wo ein dichterffch begabter Referent den Fall für den Staatskonkurs zu bearbeiten beabsichtigt. (-Rd. Echo.") * Süden als Boxer In Amerika stellen die Juden eine beftächttiche Anzahl hervorragender Professional-Boxer, unter denen sich mehrere Weltmeister befinden. Ted Kid Lewis ist Europameister im Mittelgewicht und war bis vor kurzem Weltmeister im Wetter- und Mittelgewicht. Ueberdies fft er Leichtschwergewichts-Meister von England. Der Leichtgewichtler Benny Leonard gilt als der technisch beste Boxer der Wett. Lewinsky war vor Charpentier Wettmerster im Leichtschwergewicht. Lew Tendler fft aussichtsreicher Anwärter auf den Weltmefftertttel im Leichtgewicht. Amerikanische Sportblätter haben kürzlich Untersuchungen angestellt, welche Völker sich für das Boxen am besten eignen und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß Juden und Italiener sowohl quantttativ als qualitativ an erster Stelle marschieren.