Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-12-09 · 132 (9.12.1921) · p. Seite 430

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
132 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3947615-6435932-6437274--1417-3948911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

400 - bas Rätsel lösen itnb Sie werde» bann zu Ihrer größte» Ber»uMder»Ag sehen, daß, wenn Sie Seufferis Gjmschaften im Gegersiotz zn den Eigenschaften der übrige» preffen, Sie de» Derckschen nnbeoibfichtigt ein großes Ko» plbnent machen. Sensserl nämlich ist nnter alle», die Sie da im Auge haben, der einzige richte Germane — Die anderen sind wohl auch Densiche, aber keine Germanen. Es find — nun ja, die Inden leben feit Jahrhunderten mit uns und sind im bürgerlichen und politsiche» Lebe» der betreffenden Ration aufgegangen. Dennoch — dennoch mutz noch ein Komplex von Eigenschaften, guten und döst», in ihnen erhalten geblieben sein, der sie unterscheidet. Und so sage ich: Die,- über die Sie sich beklagen, sind allerdings Deutsche, aber auch Juden . . ." „Das?" rief Frau Machilde ganz frappiert. Pfaden wären sie? Juden —? Ja, allerdings, Alexander Deill ist ein Jude, er hat mir selbst gestanden, daß er Rabbiner hat werden wollen — aber die übrigen, alle übrigen . . . Da ist zum Beispiel Ieiteles — Ieiteles — der Rame klingt doch so urdeutfch, so echt deutsch . . „Sagen Sie vielmehr griechisch, altgriechisch", erwiderte ich. „Dennoch glaube ich behaupten zu können, daß unser Freund Ieiteles ebensowenig altgriechischem wie attgermanischem Blute entsprossen ist." „Run gut Aber Abeles — Bamberg „Sind in gleichem Falle." „0 nein. Sie irren sich, das sind alles keine Juden!" rief Frau Machilde. „Das machen Sie mir nicht mehr ryris. Sie werden vielleicht gar behaupten wollen, daß Kohn (Cohen) ein Jude sei? Aber Kodn ist verwandt mit Henri, und Henri ist ja Protestant —" Ich dielt plötzlich stille. Ganz wie ein Mensch, der aus einem gefrorenen See daherschreitend unverhofft das Dosier durch einen Spall aufbrodeln sieht, stockte ich und zog das nächste Wort zurück. Auf das zufälligste, hatte ich etwas scheinbar Unglaubliches entdeckt, nämlich, daß Heine in betreff feiner Abstammung seiner Frau keine Mitteilung gemacht habe und daß sie, naiv wie ein Kind, von dieser gar nichts wisse. Seine Ballade von der spansichen Judenfeind in, die plötzlich erfährt, ihr Geliebter sei ein Sohn des fchristgelebrlen Rabbi von Saragosia, flog mir durch den Kopf. „Sie baden recht", crwidene ich sehr ernswaft- ..In bezug auf Kohn habe ich mich wohl geirrt." „Run. da seben Sie", triumphierte Machilde. .^odn ist keinesfalls ein Jude und doch hat er die scharfe Zunge der übrigen Deusichen! Er wird wohl auch ein Protestant fein wie Henri — denn Henri, oa, ha, ha, Henri ist Protestant, glaubt an Lütdecr! Denn ich ihm sage, daß Lutheer ein abscheulicher Ketzer war, wird er ordenllich böse und behauptet: er sei ein großer Mann gewesen, der größte Deutsche, der je gelebt, der Lücheer! O, wie man doch in vielen Dingen gescheit sein und dabei doch so dumm reden kann! Und Sie, Monsieur, was halten Sie von ‘.-.«tr*«:?" Später hat Heine seinem Freunde Meißner sewer gestanden, daß er seiner Frau seine jüdische Abstammung ständig verhellnlicht bade. Meißner gibtein Gespräch Heines wieder, das hier noch Platz finden möge. „Denn uns' in diesen nächsten Tagen der keine Deill .befncht", sagte Heine, „so soll Ihnen, lieber Freund, auch noch ei»e asbere Probe meiner Pietät für den uralten Mofaismns gegeben worben. Deill war ehedem Borfänger in der Synagoge, er besitzt eine metallreiche Tenorstimme und trögt die asten Düstengefänge Judas in chrer ursprünglichen Remheit der Tradition, von chrer ganzen monotomen Einfachheit an bis zn der vollen Höhe atttestameWtkcher SMnralBr vor. Reine gute Frau, die gar nicht ahich daß ich ein Inde bin, w»nder1 sich nicht wenige wen» He dieses »nerhörle »nfikaksche Lamento, dies TremeSeren »nd Dntngnrfim» zn Ohren bekommt. Als DeS seine etfte Piere vortrng, verkroch sich der P»del Rstcko »nter de» Sofa und Cocotte, der Papagei, wolltefichmoifchen de» Kafiggstler erhängen. „Ro»fie»rDeL? 3Rb»- fi»r Deill!" rief RakhSde angstkch, UrribenSie doch nicht allemal den Spaß zn weit!" Deill fichr fort. Die G»te oder wendete sich an »ich nnd fragte dringend: ^Henri, sage vpt, was sind das für Lieder?" — „Es find unsere denlschen Bollsgesänge", erwiderte ich: Jä> bin bei dieser Aussage hartnäckig verbüßen." — I De»tschl«ch. Berti». Der Reichsdimd jÄsicher Frontsoldaten hielt am 22. Rovember in Berlin feine Hauptversammlung ad unter der Leitung des Bundesvorfitzenhen Kameraden Dr. Loewenstriu. Die über das ganze, Reich verteilte», zu Landesverbänden zufammengefchlosienen 71 Ortsgruppen mll etwa 10 000 Mitgliedern waren größtenteils durch Abordnungen vertreten. Bor Beginn der Berdandkmgen wurde der 12 000 im Weltkriege gefallenen und der im Laufe des Geschäftsjahres an den Folgen chrer Verletzungen verschiedenen Kameraden gedacht, pi deren Ehrung sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Die Bundeslemwg erstattete sodann ihren Geschäftsbericht, der Beweis adlegte für die Hingebung,, mit welcher sie auck> in diesem Jahre wieder für die Ziele des Bundes gearbeitet bat. Hierauf hielten die VeNreter der Landesverbände Bayern, Schlesien und Rordost-Deurfchland Referate über den Stand der antisemitischen Bewegm^z im Bereich chrer Landesverbände. Die Vertreter der einzelnen Ortsgruppen berichteten über chre Arbeit im letzten Geschäftsjahre und tauschten chre Erfadrunger, untercinarcher aus. In den anschließenden Beratungen wurden die Richttinien für die Arbeiten des neuen Jahres in großen Zügen festgelegt Därzbnrg. Am 13. November fand hier die erste ordentliche Generalversammlung des „Bundes gefetzes- . treuer israelitsicher Gemeinden Bayerns" statt. Der Borsitzende. Dsitrittsrabbiner Dr. Stein-SchweinfuN. gab an Hand des § 2 der Statuten einen Uederblick über die Tätigkeit des Vereins. Er wies nach, daß der Verein den ihm ick Absatz 2 gestellten Aufgaben erüfirechend bemübt war, tne Interessen des orthodoxen Judentums bei den Dablen zur Tagung, zum Rat des Verbandes baoersicher siraclitttcher Ge»eindcn zu vertreten, und war in der Lage, auf eine Reibe von Erfolgen nach dieser Richtung hinzuwesien. Zur allgemeinen Genugtuung konnte der Bor- > sitzende die gerechte, objektive und wohlwollende Behandlung aller vom Bunde gestellten Anträge von seiten der Verbandsleilung rühmend hervorheben. Hinsichtlich der im § 2 Abs. 1 der Statuten dem Bunde gestritten Ausgaben, die die Pflege des gefetzestreuen jüdischen Lebens betreffen, war die Tätigkeit des Vereins in diesem seine» erste» Lebensjahre, von einigen keinen Gegenständen adgefeben, noch nicht ans dem Stadium der vorderritenden Arbeit heransgrionönen. Die Generalversammlung beschloß im Sinne der von der Vorstandschaft gebrasste» Anregungen, den ^lgenden Aufgabe» sich mit aller Kraft ttnb Energie znznwerche»: 1. Begründung eines Fonds zur Unterstützung bei der Befchafst»g der i» dieser Zeit so teuren, säst unerschwvegkch gewordene» Lehrmittel. 2. Maßnahmen zur BerdrrittUW und Berüesung des Thorawsisens bei Jungen und Men, wobei bk a»ch bisher vieyoch schon richntenswert hervorgetretene sridstkofe Taligkrit-der Herren-Lehrer in weißeste» fajwy voransgesetzt und in Anspruch flfir—f mnß. 3 Versuche zur Ermögkchemg einer ritnri-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.