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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-12-09 · 132 (9.12.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
132 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER Erscheint jede» AeritUU. ve-,,1 P»ei< 3M.»»»«tlich. Z» deHiehe» d«rch fiadU4c fiMm »der de» 8»tn»crU| t» Bna. ch«e«mSg. von Rabbiner De. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt U»zei«e»preiO: rM.kRrdie»ieeO»ßtz. Petitrelle. Die >»»»e Sette »»f«Gt SSO Zeile». V»Gsche«»»t» V-te». »er», » ». ». H,««»«r.74747 52. Seschästsstrüe (Uta: Maurittuswall 52. Tel. ö 996*. Kummer 132 j Köln, 9. pe^emBer 1921. — 8 Kiskew 6682 3 tunii uim; nmiiiLiimmmriniij , Sprache und Schicksal » mjii Mi ■■■■■■ mnrfTTmrnrrnmrn „Du sollst doch nicht Nebbich sagend sprach die Mutter zu chrem Sohn. „Na, wie soll ich denn aber sagen, Mutter?" — Daraus die Mutter nach einer 'Pause „Nun. so sag' schon Nebbich!" — Dieses kleine Witzwort rührt an das tiefste Geheimnis der Sprache. Man lacht darüber und doch ist es schwer und trächtig von ernstesten und liebevollsten Gedanken. Du meinst, es drucke lediglich das Unvermögen aus. einen Begriff wie „Nebbich" in anderer Svrache wiederrugeben, aber du irrst. Gerade „Nebbich", ein Wort uveiseLaftester Herkunst, das jeglicher Deutung ipölle^ lNie — bei — Euch!" hat man es volkstümlich aufzuloten versucht), — gerade dieses Nebbich beweist uns . daß in der Sprache nicht bloß Gedanken leben, sondern auch das Schicksal eines Volkes, seine Vergangenheit bs5 — vielleicht? — sogar seine Zukunft. Sprache ist zuckend wie der Augenblick und ruhend wie ein Meer. Eimnalrg blitzt sie auf wie bas Staubteilchen eines Wafferfrurzes und liegt doch ewig wie der ruhende Vasienfpiegel. Eie drückt aus, was nur du, du allein, und nur beute und nur hier sagen kannst, und gleichzeitig ist sie das reine Element, in dem Jahrhunderte, ja, Jahrtausende sich spiegln. Warum spottet jede Sprache der Wiedergabe von „Nebbich" und tausend anderer jüdischer Worte? Well in dieses Wort wie in ein Gefäß das Schicksal vieler Juden hineingeflosien ist. Es strahlt vom vollen Milleiden des jüdischen Herzens, und wirst gleichzeitig die Verächtlichkeit des ironischen Blicks aus den schemLligen Nachbarn. Kein Wort von beute und gestern, sondern aus Zeiten gekommen, ein Gefäß tiefsten Inhalts, und cm vielen Schicksalen geformt, aber auch sich dauernd weitersorraend am Schicksalsftrvm des jüdischen Lebens. Daher jeder fremdsprachigen Wiedergabe spottend. Aber dies Wort ist nur ein Beispiel für viele, für alle: Wer wagt Iontef mit Feiertag, Schabbes mit Sabbath zu übersetzen und zu behaupten, daß die Begriffe sich decken? Jede solche lleberlragung raubt das Schicksal dem Worte, entleert es vom Leben. Man erkenne dajaus, daß mit der Sprache nicht zu spaßen ist. Sie hat ein spezifisches Gewicht, wie ei» Körper, ist selbst ein Leib und mau kann sie nicht weglengnen, als fei sie nur eine Art Geister- oder GePerscheiuung. Es hat im Osten einmal einen Sprachenkampf gegeben, der um die Behauptung des Iüdffche» gegen das Hebräische ging. Die Wiedererweckung des NachebrLschen ist gewiß eine große Sache, und d^ß es jetzt in Palä- {jjao als Landessprache erstand, P tat «nffiche Tat. Aber sein Versuch, im Osten dos Indgche M verbräHge». war eine Narrheit und konnte mnwh gelingen, well das IDffche im Borsprung war, indem es J&mmMtoaT, Muttersprache war. Das Jüdische trägt Schicksal in sich, ist Schicksal, das Hebräische will es erst wieder werden, und es wird einer Zell von Jahrzehnten, ja, vielleicht von einem Jahrhundert bedürfen, um es wieder mit Schicksal zu Wen, wie einst in Davidischer Zeit. Was am Hebräischst heute noch schicksals- und lebensträchtig ist, ist in» Jüdische hinübergefloffen und wirkt dort wester. Die j Schöpfung des NeuhÄbräischen ist eine Schöpfung neuer > Form, als solche ein Ewigkeitswert, Gchalt aber auch erst kommen und kann nur kommen aus Zellen, Schicksalen, Menschen: Lebendig ist das Neuhebräische noch nicht, aber mll jedem Tage wird es lebendiger werden. Uns hier im Westen geht hier nur die Frage an, ob wir in gebildetem Dünkel die hebräischen und jüdischen Borte aus unserm familiären Lexikon streichen und ab verächtliches „Gemauschel" abzutun wagen, oder ob wir sie mü adliger Selbstverständlichkett gebrauchen als lue letzten Schicksalsttäger des Jüdischen unter uns. Die Entscheidung kann nicht zweifelhaft sein: Schabbes soll Schabdes, Jonlef Iontef und Nebbich Nebbich blechen, es such die letzten Neste jüdischer Muttersprache, die wir haben, es hängt auch viel Religion und GlÄckigkett an diesen Worten, die wahrlich zum — Mauscheln zu schade und zu bellig sind. Lernt Jüdisch, lest die Schriften von Perez anfr Scholem Alechem, versenkt euch auch ins Original, wo chr irgend es könnt! Lernt auch Hebräisch, das doch immer der, eine Urquell des Jüdischen bleibt! Ohne die eine oder die andere Sprache werdet ihr dem Geist des Judentums ewig fern bleiben. E m i l E o h n. . Aus der „Matraherrgrust^ Äls vierter Band der ,^valik-Bü«her", die der Verlag Lutz in Stuttgart heransaibt, ist loebe» «i» kleiueA Buch: „Tie Matratzengrusierschiene». daS E. Leberknechl ans MeißnerS zerstreute» Eri»»er«»ge» an Heinrich Hein« zusammengestellt hat. I» »achsolgenden eine klein« Probe ans dem Werkche». — Frau Machilde (Heines französische Frau) fuhr indcsien fort, sich über Unbilden zu beklagen, die sie „von den Deutschen? zu erleiden gehabt und noch effetbe. Es bandelte sich um allerlei durch die sogenannten Freunde verursachten Tratsch, um Angriffe seitens der Böäeschev Partei ufw. ' „Ach, biefe Deutschen!", darauf koan sie immer wieder zurück, „sie sind allerdings klug und yntzig — aber so malüiös, so boshaft! — Einer, das ist das Merkwürdige, sucht dem anderen etwas anzuhängen! Der einzige Seuffert von allen, die ich kenne, macht eine Ausnahme, der ist ganz anders, der fft einfach gut und tri»! Nein, ich könnte m'e unter Deuffchen leben — me! me!" Es worbe mir zuviel, diese Anklagen immer anzuhören; ich mußte ihnen endllch einmal entgegentrete». „Bor einem halben oder ganzen Dutzend Aemta^ die hier leben", bemerkte ich, „ist doch kein, Schbch anf. den Charakter einer Nation zu ziehen. Besondere HWMeMW Witzige», Neigung zur Satire gehört und waWD«M zn den Ggeaschasten der Deuffchen. Ich will

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