Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 128 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 393 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Köln, Denkmals- Fonds" errichtete Konto. Die Quittungen über die eingezahlten Beträge werden durch den Frontbund erteilt und zugestellt. Im Aufträge der Synagogengemeinde: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Köln. j Vom Dui-chwanderer-Hilfswerk, Köln. Bei all dem unendlichen Unglück, das über unsere Brüder auf dem weiten Erdenrund als Folge des unglückseligen Wellkrieges hereingebrochen ist, und dem wir, wegen feiner unermeßlichen Größe, zumeist mit wehem Herzen hilflos gegenüberstehen, gibt es doch Lichtblicke, die unser Herz wieder aufrichten und den tröstlichen Gedanken in uns aufkeimen lasten, daß Liebe und Brüderlichkeit doch manches Leid lindern, manche Träne trocknen kann. Ein solcher Lichtblick war cs für mich, als ich unter Führung eines der Leiter des Hilfsausfchustes für jüdische Durchwanderer in Köln die Einrichtungen dieser Organisation besichtigen und Einblick in ihre Arbeit und die Ersolge ihrer Tätigkeit gewinnen konnte. In Folgendein möchte ich die Eindrücke schildern, die ich gewann, und berichten, was ich ei fahren habe, um die weiteste jüdische Oefsentlichkeit für dieses segensreiche Hilfswerk zu interessieren. Der Hilfsausschuß für jüdische Durchwanderer, der feit anderthalb Jahren in Köln seine vielseitige Liebestätigkeit entfaltet, hat sich mehr und mehr zu einer Organisation herausgebildet, die, als erste dieser Art in Deutschland, in ihren Einrichtungen und Erfolgen als mustergültig bezeichnet werden kann. Als seinerzeit der Strom der Auswanderer, die nach ausländischen Häsen strebten, Köln zu berührcn begann, da stellte sich bald die Notwendigkeit heraus) dichen armen durch Kriegswirren und Pogrome Vertriebe' neu, die vor Einsetzen der Tätigkeit des Hilfskomitees frierend und hungernd, tage- und nächtelang auf den Bahnsteigen des Bahnhofs gelagert hatten, Obdach und Nabrur; zu gewähren. Aus kleinen Anfängen heraus aus der ersten Hi'fe, die nur das Notwendigste bot, hat sich dann die großzügige Hilsstätigkeil entwickelt, wie sie die immer I!! l größer werdende Schar der Durchwanderer erheischt-', und wie sie nur durch hingebungsvolle, brüderliche Liebe und in in natelanger Erfahrung erworbener Einsicht möglich geworden ist. Seit Bestehen des Hilfsausfchustes find bereits rund 90 000 Emigranten hier betreut worden, die aus Polen, Veffarabien, Numänien, der Ukraine, Ungarn, der Tschecho-Slowakei in Köln eintresfen, um nach Nordamerika, Argentinien, Kanada, Kuba und andere überseeische Länder auszuwandecn, wo sie eine neue'Heimat, neue Lebensmöglichkeilen und Sicherheit für Leib und Leben zu finden hoffen. Einen herzerschütternden Anblick bieten diese meist traurig und resigniert blickenden, in eine ungewisse Zukunft binausgetriebenen Heimatlosen, die, ihre spärliche Habe mit sich führend und von den Strapazen der Reise abgemattet, sich der ihnen hier gebotenen Ruhe und Erauickung freuen. Groß ist die Zahl der Greise und allen Frauen, die zu ihren bereits im fernen Lande ansästigen Kindern wollen, groß die Zahl von Müttern und Kindern, die drüben über dem Meere ihren Ernährer wiederzusinden bo'jfcn. An manchen Tagen sind es 500—600 Menschen, die zu kurzer Rast sich einsinden und durch das Hilfskomitee von ihrer Ankunft bis zu ihrer Weiterfahrt versorgt werden. Unermüdlich sind die Helfer, ob es nun gilt, das manchmal recht umfangreiche Gepäckcherbeizuschelppen oder für die Erlangung des Paßvisunis sich zu bemühen, oder denjenigen, die nicht genügend mit Geld versehen sind, Fahrkarten zu besorgen, die größtenteils bis Paris oder ' Antwerpen lauten. Eine große, in der kalten Jahreszeit behaglich erwärmte Halle empfängt die ermüdeten Reisenden, die, je nach der Tageszeit, durch ein kräftig gekochtes warmes Esten oder mit Tee und Butterbrot bewirtet werden. Je ein Schlafsaal für Männer und für Frauen bleten ein Ruhelager für die Rächt, eine all« hygßMchm $nsorderungen entsprechende Anlage bietet. Gelegschttt zur Reinigung des Körpers. Dank chrer in jeder WeHe die Gesundheitspolizei und die anderen öffentlichen Or^m« befriedigenden Einrichtungen genießt die Emigranterttürforge das vollste Vertrauen der Behörden. Auf Grund von Vereinbarungen mit den deutschen und den alliierten Behörden und der Eisenbahnverwattung hatten sämtliche Auswandereriransporte auf dem Köln-Deutzer Bahnhof, an den sich die Unterkunstsräume des Hilfskomitees direkt anschließen. Zur Weitersahrt nach Paris, Antwerpen und Le Havre, von wo aus die Durchwanderer sich eivschissen, werden Sonderwagen zur Verfügung gestellt, svdaß die oft recht ungewandten Reisenden jeder Sorge um chr Wetterkommen enthoben und vor Ausdeutung durch stemde Elemente geschützt sind. Das Hilfskomitee hat mehrere Aerzte verpflichtet, die mit den Angestellten gemeinsam jeden Durchwanderertransport empfangen und deren Hüfe auch ausgiebig in Anspruch genommen wird. Ein besonderer lintcrsuchungsrsum und Krankenzimmer steht zu diesem Zwecke zur Verfügung. Erfreulich ist jedenfalls die Feststellung. daß trotz der Gefahren, die der außergewöhnlich beiße Sommer für die Gesundbett der Auswanderer hätte mit sich bringen können, keinerlei ernsthafte Erkrankungen unter den Echutzbesoblenen des Kölner Hilfsausfchustes zu verzeichnen waren.' Welche Genugtuung nun auch die steiwilligen Helfer und Helferinnen bei chrer Arbeü ersiillev mag, so sind es doch wohl meist schmerzliche Gefühle, mit denen sie die tausende und abertausende Unglücklicher an sich vorderziehen sehen, denen sie doch nur ein paar Stunden chrer mühseligen Wanderschaft ui erleichern imstande sind. Da war es denn vor kurzem für die Unermüdlichen und Aufopferungsbereiten eine wohlverdiente Freude, als 100 ukrainische Waisenkinder einen ganzen Tag hindurch in den Unterhalwngsräumen zu Gast waren. Da sah man keine traurigen Gesichter, keine sorgenvolle Miene, nicht Klagen, nicht Seufzer wurden laut . Mtt der unbekümmerten Eorglosigkett und der Gabe des Bergestens, die der glückliche Besitz der Jugend ist, tummelten sich, die in Waisenhäusern des Ostens bisher versorgten Kinder im Atter von 4 bis 14 Jahren fröhlich in dem großen Saale. Zutraulich erzäblten sie von den Lieben, die chnen entrisien waren, und von denen chie sie daheim gelosten und von der sic verwartenden neuen Heimat in Argentinien, llederglücklich dankten sic für die Leckerbissen, die verteüt wurden, und der Jubel beim Empfang der süßen in unerschöpflichen Mengen bereitenden Schokoladen war groß. Es war nicht das erste Mal, daß eine Anzahl der jugendlichen Opfer des so furchtbaren Unglücks in der Ukraine durch Cöln kam, und man kann nur wünschen, daß noch recht, recht viele"dieser Elternlosen ihren Weg in glücstichere Länder finden mögen. ' * Wir hätten die Schilderung der Tättgkeü des Cölner Hilfskomitees nicht ganz erschöpft, wenn wtt nicht noch eines wichtigen Gebietes seiner Arbeit gedächten. Außer diesen Durchwandernden, gibt cs noch eine große Schar von Hilfsbedürftigen, die aus dem Osten zu kürzerem Aufenthalt hierherkommen. Zu deren Beratung ist ein Büro eingerichtet, das eine sehr rege Tätigkett entfaltet. Außer Eeldunterstützung bietet diese Beratungsstelle, die das volle Vertrauen, und die wohlwollendste Untersetzung der Behörden genießt. Rat und Hilfe in den vielerlei Schwierigkeiten, die sich dem fremd in die Großstahi KomnMlden entgegenstellen, Eia erprießliches Zusammenwirken mit den fremden Konsulaten erleichert diese Histstatigkeit, durch die der Hllfsausfchuß für jädffche Durchwaaderer schon unendlich viel Rot gelindert und llngttick verhütet hat. Es erübrigt sich wohl, darauf hinzuwesten, dich all diese großzügigen LinrichtniW», die ei» tzea»«Asaches Glied in der Kette der foz-ckk» MlorMbtikm,cjwdico»