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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-11-04 · 127 (4.11.1921) · p. Seite 381

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
127 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
Seite 381 (sequence 5)
Language
German
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nach London kommen, sondern nur nach Rotterdam. Wenn Sie es wünschen, will ich einen Brief nach Rotterdam schreiben, um mich zu erkundigen, ob es dort ist und wie viel Geld notwendig ist. um es einzulösen." Ich sagte ihm, daß ich fünfundzwanzig Rubel darauf geliehen hätte. Er rechnete dann aus, daß es mich mit der Schiffsfracht immerhin vier Pfund Sterling und sechs Schilling kosten würde, es einzulösen. Ich bat ihn, jedenfalls zu schreiben und nachzufragen. Einige Tage später kam ein Brief aus Rotterdam; darin stand, daß ich ohne die Schiffsfracht dreiundachrzig Rubel (acht Pfund Sterling, dreizehn Schilling) bezahlen mssüe. Als ich das erfuhr, erschrak ich sehr und schrieb sofort an Kazelias; „Darum behandeln Sie mich, als ob Sie ein Wegelagerer wären, und verlangen dreiundachtzig Rubel für Rückgabe meines Gepäcks, da Sie mir doch nur fünfundzwanzig Rubel darauf geliehen habend Er antwortete; ..Schämen Sie sich, mir einen solchen Brief zu schreiben. Sind Sie nicht in meinem Haust gewesen und haben geieben, daß ick ein rechtschaffener, ehrenhafter Jude bin? Schämen Sie sich! Solchen Leuten. wie Sie es sind, sollte man sich niemals gefällig erweisen. Tenken Sie vielleicht, daß es viele io gute Menschen wie Kazelias in der Dell gibt? Ihr seid alle miteinander Dicttöpse. Ihr könnt keinen Brief lesen. Ich habe bloß vierundfünfzig Rubel auf das Gepäck genommen und ick mußte dann noch etwas draufschlagen, weil ick Unkosten davon harre, daß ich Ihnen nach London ivxbalK Ich habe meinen Verlust berechnet und nur das genommen, was mir rechtmäßig zukommr." Ich zeigte Grunbach den Brief und der schrieb noch einmal nach Rotterdam: man antwortete von dörr, d^ß sie nichts von Kazelias wüßten, daß ich aber acht Pfund Sterling dreizehn Schilling bezahlen müßte, wenn ich mein Bündel wiederhaben wollte. Gur, was konnte ich machen? Das Detter wurde kälter. Taren, immer hungrig zu sein, hauen wir uns schon gewöhnt. Aber wir konnten doch die kalten Dinternächre nicht auf dem nackten Fußboden und ohne Decken und Kiffen verbringen! Ich schrieb noch einmal an Kazelias und erhielt diesmal überhaupt keine Antwort. Tag und Nacht lief ich umher und frug um Rat. wie ich es anstellen jolfe, zu meinen Sachen zu kommen. Niemand konnte und wollte mir helfen. Inmitten dieser Trübsal bekam ich Nachricht von einem Landsmann, dem ich in besieren. glücklichen Tagen und als ich noch mein Wirtshaus hatte, einmal geholten hmte. aus der rusiischen Armee zu entweichen. Man sagte mir. daß er ein großes Iuweliergeschäft habe in der Nähe des Meeres, in einer Stadt, die Brighton heiß. Ich machte mich sofort auf den Weg. um ihn aufzusuchen. Zwei Tage mußte ich wandern — aber ich war fest davon überzeugt, daß er mir helfen werde: wenn er es nicht rat. tver sollte es dann tun? Ich wollte als sein Sabbatgast zu ihm kommen: er würde mich ganz bestimmt mit offenen Armen aufnehmen. In der ersten Nacht schlief ich mit einem Landstreicher in einer Scheune; er wies mir den richtigen Weg. Da ich mich aber unterwegs aufhielr, um einen halben Schilling durch Holzhacken zu verdienen, geschah es. daß ich mich verspätete. Ich war noch zwölf Meilen von Brighton entfernt, als der Sabbat an fing; ich wagte es nicht, den Tag des Herrn dadurch zu entheiligen, daß ich meine Wanderung ttriietzre. So blieb ich an jenem Freitag abend in einem kleinen Torfe und dankte Gott, daß ich wenigstens Geld zu einem bescheidenen Nachtlager hatte, obwohl es ja schon sündhaft ist, am Sabbat Geld zu berühren. Am nächsten Tage jedoch wurde ich, ich weiß nicht weshalb, von den Straßenbuben verfolgt. Sie nannten wich Goy (Heide) und Fuchs; Goy-Fuchs! höhnten sie mich und warfen mir brennendes Feuerwerk in das Gesicht. Ich floh vor ihnen und verbarg mich im Walde, und erst als die drei ersten Sterne am Himmel erschienen, nahm ich weine Wanderung nach Brighton wieder auf. Aber meine Fuße waren wund, und ich kam erst gegen Mitternacht dort an. so daß ich meinen Freund nicht mehr ausjuchen konnte. Ich setzte mich also auf eine Bank; es war sehr Mt, und ich war sehr müde. Aber da kam ein Polizist und trieft mich weg — er war sicher von Gott gesandt, denn wenn ich in der Kälre sitzen geblieben wäre, so wäre ich sicher gestorben. Eine halbtrunkene Frau mit geschminktem Gesicht bat. für' mich und sagte dem Konstabler, er möge mich gehen lafsm; dann gab sie mir einen Schilling. Ich konnte ihn nicht zurückweisen; ich schlief in dieser Nacht in einem Bett. Am Sonntag morgen machte ich mich dann gleich auf den Weg und ging auf die große, nahe am Meer liegende Straße. After mein Mut sank, als ich sah, daß alte Läden geschlossen waren. Endlich entdeckte ich einen Juwelierladen, über dem der Name meines Landsmannes stand. In der Auslage leuchtete es von Gold und Diamanten, und dazwischen lagen kleine Zettel, darauf stand: „Großer Ausverkauf Großer Ausverkauf!" Ich ging vergnügt auf die Türe zu, aber ne war verriegelt. Ich klopfte und klopfte, bis endlich eine Frau von oben herunterkam; sie sagte mir, daß der Bviitzer des Ladens nicht hier, sondern in der Hove-Struße wohne. Ich ging dahin und dort habe ich wirilich meinen Erlöser gefunden — freilich nicht in der Person meines Landsmannes. Es lvar en großes Haus mit mehreren Treppen. Ich klopfte an einer großen Türe, die von einer schönen heidnischen Frau geöffnet wurde; sie trug ein blendend weißes Mützchen auf dem Kopfe und eine ebensolche Schürze; ne jagte mich ohne weiteres fort. ..Gestern war der Goy-Fuchs!" rief sie mit einem Flucbe und schlug die Türe vor mir hefttg zu. Ich setzte mich i>erz!veifelnd auf die Pflastersteine vor dem Hause, selbst meine Tränen versagten, ich wurde wie eine Sahsmck. Aber als sch endlich aufblickte, da sah ich den Engel des Herrn. (Fortsetzung folgt.) jjiiiimiii miimim rnmummTi Oie Botentafche nrmrnl-TTTnirrrrnn ... Oie bmhanscheu Juden. (Tchlutz) Tas Edikt des Rabbenu Gerfon anerkennen sie nicht und dürfen die Polygamie betteiben. Das Beib wird noch zuweilen verkauft. Die bucharisch enIuden führen ein patriarchalisches Leben. Da der Kindersegen sehr groß ist, so finden wir Familien vor, deren Zahl an die W bis 3V Personen heranreicht. Das Oberhaupt ist stets der greise Pater Familias. Ihr geistiges Oberhaupt ist der Chacham, ber gewöhnlich seine Studien in Jerusalem absoün«t. Ebenso wird der Schochet in der Heiligen Stadt ausgebildet und ist schon mir vierzehn Jahren berechtigt, den Bmrf auszuüben. Für gewöhnlich kommt ihm auch die Funttion des Lehrers zu. Die bucharischen Juden repräsentieren den reinen semitischen Typus. Sie sind von hohem Wuchs und kräftigem Körperbau. Sie haben große, schwarze, kbhaste Auge», schwarzes Haar, dunkle Gesichtsfarbe und eine typisch femttische Nase. Die reine jüdische Raffe scheint sich hier unter de» günstigen klimatischen Verhältniffen am besten erhalten za haben. Ter bucharische Jude ist ein Städtebewohner und steht kulturell höher als der kaukasische Bergjude, der Ackerbau und Viehzucht betreibt. Von außeroriimtücher Schö»- hcit sind die bucharischen Jüdinnen. Sie find schlank gewachten. schwächlich gebaut, haben schön ausgeprägte Forme», schwarzes, langes Haar, in zahlreiche dünne Zöpsche» geflochten. ein kohlschwarzes, großes, helleuchtender- Stage und eilten feinen, rosig angehauchten Teint. Die den früh reif und cheiratru schon im Tie Sprache der bücharischev im GejchäftSteben nur Hebräisch, ebenso die de- HiMdPaNj

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