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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-11-04 · 127 (4.11.1921) · p. Seite 380

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
127 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
Seite 380 (sequence 4)
Language
German
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380 zig, Erfurt, Berlin ausgenommen. Wie anerkannt und volkstümlich die Anstalt bei uns im Westen bereits geworden ist, erhellt aus dem Umstande, daß eine große Anzahl der zuständigen Behörden, städtische Wohlfahrts- und Landratsämter, ihre jüdischen Pfleglinge in der Anstalt untergebracht haben. Eine große Anzahl von Dankschreiben sind der Verwaltung zugegangen, darunter der Brief einer in ganz Deutschland bekannten jüdischen Persönlichkeit, in dem es heißt: „Meine Frau und mich drangt es, Ihnen von Herzen Dank zu sagen, daß Eie uns den heilkräftigen Aufenthalt für das Kind ermöglichten. Meine Frau hat von dem Heim den allerbesten Eindruck gewonnen, sowohl nach der hygienischen wie nach der pädagogischen Seite hin. Eie kennt eine ganze Reihe von Kinderheimen der verschiedensten Arten, hat im Krieg selbst Heime begründet, so daß sie hier Vergleichungsmaßstäbe hat, und sie fand Ernährung, Tageseinteilung, Erziehung, kurz alles so außerordentlich gut und glücklich, wie man das bei so großen Anstalten selten antrisst." Die W i n t e r k u r e n, die im vorigen Jahre besonders gute Erfolge zeitigten, beginnen in diesem Jahre am 14. November und 15. Dezember. Die Verwaltung hat sich entschlossen, in einer besonderen Abteilung erholungsbedürftigen jungen Mädchen und Frauen Kuraufenthalt zu gewähren. Auskunft über die Aufnahme in beiden Abteilungen gibt die Geschäftsstelle Köln, Roonstraße 50. Die jübischeu Gemeürdeu, an erster Stelle die des Rheinländer, und chre Wohlsahrtsinstitutionen, haben die Ehrenpflicht, an der Erhaltung dieser jungen, so segensreich wirkenden Anstalt mitzuhelfen. Köln. Hier verstarb am 2o. v. M. der allgemein beliebte und geschätzte Herr David Cohen, Eeniorchef der Firma Cohen u. Speyer, im 80. Lebensjahr. Er hat nicht nur sein Geschäft aus kleinen Anfängen zur jetzigen Höhe gebracht, nicht nur ein vorbildliches Familienleben geführt, sondern auch der Verwalmng der Eynagogengemcinde und zahlreichen jüdischen Vereinen lange Jahre hindurch seine schätzbare Kraft gewidmet. Eein besonderes Interesse galt dem israelitischen Waisenhaus. Seine sterblichen Reste wurden unter allgemeiner großer Beteiligung am 26. v. Mts. beigesetzt. Mitglieder der Verwaltung der Synagogen-Gemeinde trugen seine Bahre zur letzten Ruhestätte. Gemeinderabbiner Dr. Kober würdigte in warmen Worten die großen Vorzüge und Verdienste des Verblichenen. Köln-Ehrenfeld. Die Simchas-Thora-Feier des Vereins jüdischer Bürger Köln-Ehrenselds, die am Donnerstag den 20. v. M. in sämtlichen Räumen des Volksgartens abgehalten wurde, nahm einen in allen Teilen glänzenden Verlauf. Die Betelligung war eine überaus große, was sich schon im Vorverkauf der Eintrittskarten bemerkbar machte. Es zeigte sich ein von bestem Publikum besuchtes schönes gesellschaftliches Bild und konnte auch dieses Mal wieder ein großer Betrag für wohltätige Zwecke gebucht werden. Da die in Frage kommenden Säle Kölns für die Fesllichkeiten des Vereins in chrer Größe nicht ausreichen, fleht fich der Vorstand veranlaßt, durch den Zugang der vielen neuen Mitglieder für die Folge seine Veranstaltungen nur im geschloffenen Rahmen zu halten. Der Verein versendet ein Werbeschreiben, wodurch noch Mitglieder Aufnahme finden können, das auf Wunsch zugesandt wird. (Aufnahmegebühr 20 M., Monatsbeitrag 5 M.) nmnimimmrnumnmiinniiiii k Das Modell der Echmerze« Novelle von Zsrael Zangwill TTTTTTTFTTTrriniHITTnilUlllllllim l Fortsetzung.) Xü begriff ich, daß er nicht besser sei als Elzar Kazelias. Und das lvar ein Rabbi! Ich begriff nun, daß ich ebensogut mit der Mauer hätte reden können, und ich verließ das Zimmer, ohne daß er ein Wort an mich gerichtet haue. Wie der Muschik sagen würde: „Traurig urü> bitter ist das Los der Armen. Es ist bester, im dunkeln Grabe zu liegen und die Sonne nicht mehr zu sehen, als arm und gezwungen zu sein, um Geld zu bitten." Ich ging nach Hause, wo meine Familie geduldig ineine Heimkehr envartete, in der Hoffnung, daß ich Brot mitbringen würde. Ich sagte: „Guten Abend!" und weinte bitterlich, denn sie sahen alle so elend aus, als ob sie sterben wollten, da sie an jenem Tage keinen Bisten zu essen bekommen hatten. Wir versuchten zu schlafen, aber die Natur fortderre ihre Rechte, der Hunger quälte uns so, daß wir keine Ruhe fanden. Hunger, du alter Narr, warum läßt du uns nicht schlafen? Aber er wollte nicht mit sich reden lassen. So verbrachten wir die Nacht. Als aber der Tag kam, fingen die kleineren Kinder an zu lveinen und riefen: „Vater, laß uns gehen. Wir wollen in der Straße um Brot betteln. Wir sterben vor Hunger. Halte uns nicht zurück." Als die Mutter hörte, daß sie davon sprachen, in der Straße zu betteln, wurde sie ohnmächttg,, worauf die Kinder in große Aufregung und Angst gerieten. Als es uns endlich gelang, sie wieder zu sich zu bringen, machte sie uns bitterliche Vorwürfe darüber, daß wir sie zum Leben erweckt batten. „Ich würde lieber gestorben sein, als davon zu hören, daß ihr in den Straßen betteln wollt; ehe das geschieht, möchte ich meine Kinder vor Hunger sterben sehen." Ueber diesen Worten vergaßen die Kinder ihren Hunger, sie setzten üc!> zueinander hin und weinten. In einem benachbarten Zimmer wohnte ein Mann, der Gershon Katcol hieß; als der das Weinen meiner Kinder hörte, kam er zu uns herein, um zu hören, was denn los sei. Er sah umher, begriff unser Elend, und es ging ihm zu Herzen. Er verließ uns, aber nur um sehr rasch zurückzukehren und uns Brot, Fische, Tee und Zucker zu bringen; dann ging er wieder weg und kam mit fünf Schilt ing zurück. Er sagte: „Dies leihe ich euch." Später kam er noch eimnal zurück und brachte noch einen Mann mit, der Nathan Beck hieß. Der ließ fich unsere Geschichte erzählen und nahm dann die drei jüngeren Kinder mit fich, damit sie für das erste bei ihm bleiben sollten. Als ich nachher nach der St.-Georges-Straße ging, wo er wohnte, und die Kinder dort besuchen wollte, versteckten sie fich vor mir, sie fürchteten, daß ich sie wieder mitnehmen und den Qualen des Hungers aussetzen würde. Es war furchtbar hart für mich, meine Kinder der Sorge eines Fremden überlasten zu müssen, und noch bitterer empfand ich es, daß sie Furcht davor hatten, mit ihrem Vater gehen zu müssen. Nach den Festtagen suchte ich Grunbach, den Schiffsagenten auf. um zu sehen, ob mein Gepäck nun endlich angekommen sei, da mir Kazelias gesagt hatte, daß es in etwa einem Monat hier sein würde. Ich zeigte meinen Pfandschein und frug danach. Er sagte: „Ihr GePqL tzmck nicht alle &rfo6mmen,2termftl^^ Sauksaguugeu im Jüdischen Boten

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