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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-11-04 · 127 (4.11.1921) · p. Seite 378

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
127 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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378 fessor in Dijon. Benary in Cassel und Erfurt, Frenkel, der fast 50 Jahre das Kreisrabbinat fast unentgeltlich versah, denn sein Jahresgehalt betrug 50 Thaler, die er nicht für sich behielt — und noch mehrere andere. — Nur einem ' kleinen Kreise ist es bekannt, daß der Vater des Begründers von Reuters Büro in London viele Jahre in Witzenhausen als Rabbiner amtierte. Dieser lebte und starb unter dem Namen Josaphat und wurde als Sohn des Befitzjuden Levi Solomon 1768 geboren. Sein erster Lehrer.war „Rabbi Süßel" in Alterode, Kreis Eschwege. Nach gründlicher Vorbereitung konnte er dann die Talmudschule seiner? Heimat besuchen und dann von 1786 bis 1790 „die größere jüdische Universität in Metz". Dieser Bildungsgang eines Rabbiners war ja für damalige Zeit der übliche. So konnte; er in seinem Geburtsort die Rabbinerstelle bekleiden und nmrde auch unter veränderten Verhältnissen vom Königlichen Konsistorium der Israeliten zu Cassel in seinem Amte beschäftigt. Er behielt es auch nach dem Eintritt des ehemaligen Zustandes, bis er 1814 nach Kasiel berufen wurde als Nachfolger des Landrabbiners Mayer Löb Berlin, der am Wochenfest 1814 starb. Der Landesvorj steher Moses Jakob Frenkel berichtet über ihn amtlich: „So > lange er unter uns lebte, ledigen und erheirateten Sion-; des, zeigte er sich als ein Gelehrter von strengem, recht-; schaffenen und moralischen Wandel und genoß dadurch nicht > nur die Achtung der ganzen Gemeinde, sondern der ganzen! Stadt als eines würdigen Mannes. Das Amt eines i Landrabbiners konnte Josaphat nicht versehen; bier- , zu fehlten ihm die vom Gesetze verlangten Anforderungen und Josaphat mußte sich als Stadtrabbiner begnügen. So sah er sich in seinen Hoffnungen sehr getäuscht. Die Regierung verlangte seine Pensionierung, die von dem Casieler Vorsteberamte in die Länge gezogen wurde, um dem würdigen Manne das Amt zu erhalten, bis das Ministerium als oberste Auffichtsbehörde die Pensionierung for-; derte. Man ließ daher Josaphat, bis sich für ihn eine > anderweitige geeignete Wirksamkeit fand im Genuß seines! 'Gehaltes, bis ihn der Tod am I. Mai 1829 von seinen Kämpfen um sein vermeintliches Recht erlöste. Sein Grab ist auf dem Caffeler Friedhof. Josaphat Hinterbliebenen l>ewilligtc man ein sehr angemeffenes Reliktengeld. Josaphats Tochter — in Mosenthals jüdischen Erzählungen > „Roms Mine" genannt, heiratete den Bankier ^Benfen in Göttingen; sein Sohn begründete Reuters Büro in London; verbesserte aber bald seinen Geburtsschein und vergaß auch seine Heimat wie sein Volk. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse OOOOOO00GOOOOOOOOO0OOOO0OO0OOOOOOOOOOOQO Deutschland. Berlin. Der Verband national-deutscher Juden haue am 10. Oktober zu einer Versammlung in der Aulla der Kaiser- Friedrich-Schule in Charlottenburg eingeladen, um mit einem Vortrag über den Begriff „national-deuffch" in der Erziehungsarbeit des Verbandes seine eigentliche Winterabende zu beginnen. Ter Vortragende, Sanitätsrat Tr. Peyser, untersuchte die Frage, ob dte internationale Denkungsart wirklich vor der nationalen, die von modernen Zeitströmen so gern als rückständig abgeilehnt werde, den Vorzug verdiene. Unter starker Betonung der Liebe zum Vaterland, die zahlreiche seit Generatümen mit dem deutschen Boden verwurzelte Juden in ihrem Herzen tragen, kam zu dem Ergebnis, daß man seine Gesinnung auf nationaler Denkunterlage wohl zu übernationaler erweitern dürfe, daß aber diese nationale Denkunterlage für jeden deutschen Juden ebenso wie für jefcen deutschen Christen das Primäre sei und bleiben müsse. Eine harmonische Bereinigung von Deutschtum und Judentum hält er, bei verständnisvoller Annäherung der besten Juden und der beste» Nichtjuden für möglich. Als Ausgabe des Verbandes, dessen parteipolitische Neutralität scharf hervorgehoben wurde, bezeichnet er: Berständigungsarbeit nach außen, Erziehungsarbeit noch innen, insbesondere Arbeit an der Jugend, die von Seeleufängern aller Art bedroht sei. In der Aussprache kamen Vertreter der verschideensten Berufe und Altersstufen zum Bort. Tr. Naumann, der Vorsitzende des Verbandes, berichtete über die Aufnahme, die besten bisherige Arbeit in der politischen Oenenrlichkeu gefunden hat. Ter Verband habe bereits mit maßgebenden Faktoren des öffentlichen Lebens Fühlung genommen und werde, unbeirrt durch Angriffe von jündischer und von nich-- jüdischer Seile, seine Arbeit fortsttzen.?strli„. Seil Jahren besteht ein über ganz Deutschland verbreiteter „Jungsturm"-Derein, der sich die körperliche Erzichung der Jugend zur Aufgabe gestellt hat. Nach seine» Satzungen. enthält sich der „Jungsturm" jeglicher StelluugMahme zu politischen und religiösen Tagesfragen. Vor einiger Zeit löste der hiesige Landesverband Groß-Berlin zwei Abteilungen aui, „weil überwiegend jüdische Zusammensetzung eine, t»bfsale» Schaden für den Jungsturm darstelle". Trotzdem der engere Vorstand, u. a. der langjährige Leiter, Generalmajor H e d i ck e, das Vorgehen mißbilligte und seine Aemter niederlegre und obwohl der Elternverband alle Rechtsmittel geltend machte, wurde die Verfügung von allen Instanzen des Vereins gebilligt. Es würbe hierbei bekannt gegeben, daß von jetzt an der Verein seine Rekrutierung nach ^deutschdölkrfcheu" Grunde iäyen betreiben würde, d. h. kiß Juden und Abkömmlinge vo^ Juden nicht mehr Mitglieder werden dürfen. Breslau. An das hiesige Rabbinerseminar m Professor Tr. Michael Guttmann aus Budapest als Nachfolger des oernorbenen Seminarrabbiners Tr. Horowitz berufen worden. Polen. Krakau. Professor Rafael Taubenschlag murre zum ordentlichen Professor für römisches Recht ernannt. Die Beförderung verdient besonders registriert zu werden, weil sie in dem jetzigen Polen den ersten derartigen Fall darnellt. Lettland. Berlin. «I. E. Sl.) „Golos Rossij" zufolge, setz: die lettische Regierung die Zurückweisung der aus Rußland nach Lettland heimkehrenden Juden kort. - Wie aus Riga berichtet wird, werden täglich durchschnittlich 100 solcher jüdischer Heimkehrer von der lenisch-rustislyen Grenze zurückgejagt, wobei sich her^ zerreißende Szenen abspielen. Die jüdische Bevölkerung an der Grenze, wird von den lettischen Behörden terrorisiert, weil sie bisweilen versuchten, den gepeinigten Brüdern hilfreich yn Sene zu stehen. Der Protest der Sowjetregier»»» *£gen die Nichteinhaltung des Versprechens seitens des lettischen Premierministers bei der Repatriierung keinen Unterschied zwilchen jüdischen und christlichen Heimkehrern zu machen, hatte bisher keine» Erfolg. Litauen. Koduo. Die Erckutive der jüd. Weicht lsskon-ereuz schloß mir dcr litauischen Regierung eine Vereinbarung, nach der es den jüdischen Auswanderern aus Rußland nach Amerika gestartet in. sich zwecks Oordnung ihrer Papiere bis zu drei Mora- :en in Litauen aufznhalren. Sowjet-Rußland. Ter jüdische Kommunist M e r e s ch i n verlang: i» bei Witebsker jüdischen kommunistischen Zeitung „Der Stern", man solle die jüdische Bevölkerung mit Gewalt an der Einhaltung des Sabbats verhindern, da dies die ökonomische Ennoicklung Rußlands störe. Budapest. Die furchtbare Drangsalirung der ungarische» Jüdenheit durch die jetzigen Machthaber scheins*weaigste»s da» eine Gute als Folge gezeitigt zu haben, daß eine Hebung de» jüdischen Interesse» fesAtstellen ist. In BlLapest ist die Zahl der steuerzichlendeu Mitglieder der Israelitischen R^gwusgemeiNde von 21000 vor Jahren aiff 53 000 angmrachüe». A» de» jüngsten hohen Feiertagen war in Budapest der Zickrumg za dem Gottesdienst ein solch gewaltiger, m nicht Kexürr <m 53 Ehnagoge» und Betsäle von der Jsrattrtisch» H(fiQiMl)i meiUde in Anspruch genommen werde» «atzte». <*

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