Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 127 (4.11.1921)
- Date
- 1921-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede» AreitNO. prri- 3 St »»»«trich. Z» tezietze» d»rch sinttüche P»fit»trr »der d»rch de» B»tr»»rrlLU i, v»»» VOM RHEIN Jüdisches Volkshlatt U»zitGe»PreI»: WtthltemTyfr. Petitzeüe. «» me Mt nf« SK0 Zette». ffs,Dsch»FId»t> ITrtra icslag •.ak^/€ftiXii74747. Qmaoiq. Don Rabbmer Dr. <haä Lstzv, Sonn. SefchäfissieLeB«»: SrüdergaAe SL. SeschLfichtte««»: MamiüusvaS L2. Tel. 8 99t*. fUumrr 127 Köln, 4. ]Elox>*m£er 1021. — 4 WcrrcHeschwcrrr 5682 3. IntzrßMG. im111 m mmri n hti ■ riTTinin n 11 i_ulj Der Turmbau ■ ■ lim 111111111 n 111 n 11 ITH irn rm i rin Hnferer Jugend zur Oelegierteataguug des Bezirks Verbandes der jüd. Zugeu-vereiue Westdeutschlands. Aus unserer Thora vernehmen wir an diesem Sadbaly: Die große Flut war vorüber, die die sündhafte Menschheit vertilgt Halle vom Erdboden. Langsam breitete sich ein neues Geschlecht aus, stammend von Noah, der mit Gott wandelte. Unendlich groß war die Ausgabe, die seiner darrte in der wüsten Öde, die überall die Spuren des großen Unglücks zeigte, mahnend und anspornend zur Abkehr von dem Treiben des vergangenen Geschlechts. — Doch die neue Menschheit vernahm nicht den Mahnruf der ibr aus all der Zerstörung, aus dem unermeßlichen Totenfelde entgegentönte. Der Iezer Hora, der böse Trieb, der größte Feind der Etaubgeborenen und der Zerstörer alles Glückes, verblendete sie. Und so gingen sie ans Werk und setzten ihre ganze Kraft daran, ein Bauwerk zu errichten aus Stein. Den Himmel wollten sie erreichen, indem sie Steine aufschichteten. Einen gewaltigen Turm wollten sie bauen, chr ganzes Sinnen und Trachten war gerichtet auf dieses ihr Werk, das ihnen Alles wurde, über dem sie chre eigentliche Bestimmung vergaßen. Die Männer verließen chren Berus, die Frauen vernachläßigten ihre Famllie, selbst die Kinder schleppten Steine herbei. Bald schien chnen chr Werk kostbarer als alles andere. Ziel ein Stein herab von der Hohe, so erhob sich ein allgemeiner Jammer, der Berlust eines Menschen hingegen wurde kaum beachtet. Da verwirrte Gott die Sprache der Menschen, sie verstanden einander nicht mehr, chr Herz und chr Sinn war verkümmert, weil ihrer nicht mehr geachtet worden war. Unmut und Verzweiflung bemächtigte sich chrer, sie ließen ab von dem stolzen Bau, sie sahen zu chrer Beschämung ein, daß sie sich vergeblich gemüht, weil sie sich nur mit Steinen beschäftigt hatten, weil es nicht angeht, den Himmel zu stürmen indem man einen Turm baut aus Steinen. — Meine Freunde! Vorüber ist auch für uns eine große Flut. Auf Schritt und Tritt finden wir chre Spuren. Des grausigen Krieges Lehren aber sind verhallt in dem neuen ^Geschlecht, wie damals nach der großen Flut. Der böse Trieb bat sich seiner bemächtigt. Man baut und baut an dem ungeheueren Turm mit dem man wähnt in den Himmel zu steigen — wie damals. Jung und Alt ist ergriffen von dem Taumel, tragt Stein auf Stein herzu. Wer merkt, daß es nur Steine find? Der Materialismus hält alle gefangen, läßt Herz und Geist verkümmern, das Sinnen aller ist gerichtet auf — Steine. Katt und leer iff5 geworden in dieser Well, der Turm ivächst immer hoher. Wer achtet auf ein Menschenlebens auf zertretene Menfchenherzen? Doch schon dämmert es, schon bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß wir auf falschen Wegen sind. Laßt ab vom Turmbau, ehe es zu spät ist, besinnt euch auf Eure wahre Bestimmung! So hört man die Warnungsrufe der Beste» unter uns. Und sie, die vor Kurzem noch die Warner in der Wüste waren, sie werden immer mehr gehört. Wir Jungen, wir können es mit Stolz sagen: Wir waren die Ersten, die den Warnungsruf aufnahmen. Wir wollen nicht mehr mittun beim Turmbau. Uns sind Menschen wertvoller als Steine. Auch wir streben zum Himmel, aber wir wähnen nicht, das Glück zu erreichen, indem wir Steine auf Steine häufen. Wir wollen Herz und Geist erheben, unser reiner Idealismus soll mm befreien von dem Wahne der alten und neuen Bon Noah erzählt uns unser Wochenabschmtft Er wandelte mit Gott. Darum wurde er nicht verschlungen von der Mtt So wollen auch wir mit Gott wandeln. Wir wollen unfer Leben heiligen, es aufbauen nach den Geboten der höchst» Sittlichkeit. Unser W a n d e l soll zeugen von dem orig» Turm, den wir in unserm Innern erbauen, nicht aus 14 tem, vergänglichem Stein, sondern aus dem, was unanssprechlich und unbeschreibbar unser höheres Sein erftlltt. Und da wir junge Juden sind, so wollen wir den jüdffche» Weg gehen. Wir haben erkannt, daß er ein Weg mit Gott ist, der uns rettet aus der Flut. Zurück zum Judentum! das ist der Marnruf, den wir erheben. In ernsten Mühen lallt uns diesen Weg zum Himmel suchen, was uns wahrhaft ewig erscheint. Unser Judentum! So grüße ich Euch, Ihr Freunde, die Ihr zu unsrer Tagung kommt, um uns Weggenossen zu fein. Auf, zu» Kampfe gegen den Turmbau, den die Wett in Verbindung errichtet, auf zu heüiger Arbett! Rabbiner vr K l e i a-Düffeldorf. Aus einer hessische« Kleinstadt Boa L. H»r»itz-Cassel. Tie hesiische Kreisstadt Witzen Hausen war im 17. und 16. Jahrhundert eine Stätte talmudischer Gelehrsamkeit. denn in ihr war der Sitz des LandraMoers, de» erst 1772 nach vielen Mühen und großen Opfern nach Kassel verlegt wurde. Im Hessenlande wmde daS Talmu» nudium in hohem Mtche gepflegt. Zum Unterhalt der „Ieschiwoh" mußte jeder Befchjunde seinen bestimmte» Beitrag entrichten, und von jeder Mitgift war ei» Bestinnnter Prozentsatz nach Vitzenhausen für de» Unierhast der „jüdischen Studenten" abzuführen. Es war auch genau festgesetzt, wie oft jede dort wohnende Familie Fred' tische zu geben hatte. Die Pflege jüdischer GelehrjmntzS muffte unwillkürlich auf die dortigen Bewohner einen w> ~~ tuenden Einfluß über. Man sagte im 18. JHrhund „In Witzeuhausen wohnten die Weise» — Chachomim in Cassel die Reichen — Kezinim". Fast 50 J^hne dort Paul Singer als Landrabbiner; er war ein fahre des Dr. Bail, wie des Dr. Moritz «dtt. Lnch »en noch genannt: Benfay, [fetter in SöktiWm, Berüsew, Wo-