Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 126 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ratungslage (Mittwoch, den 2. November) vorliegen, an dem folgende Dringlichkeitsanträge verhandelt w erden: I. Sympathiewersammlung des Jüdischen Frauenbundes für Olerschlesien. --E Antrag der HolländiMn Frauen, die'iwterkousestie nellev. Beziehungen wieder anzuknüpsen. Tie 7. Telegierieiwersammlung. des I. F. B. wolle beschließen, das; alle dem Bunde augeschlostcwen Vereine, seine Ortsgruppen und Landesverbände sich verpflichten, je — ohne Rücksicht auf ihre sonstigen naluiengemäßen Ausgaben — das Parrona-, d. i. die völlige Versorgung, für ein Ukrainer Waisenkind zu übel nehmen. Tie 7. Tclegieneniagung wolle eine Reivllunou annehrneit, die die Vekampfnng der Tul>e7loie einer Vnndesaufgabe macht. Bonn. Am Montag, den 31. Oktober, abendsä Uhr, spricht, wie aus einer Anzeige in diesem Blatte ersichtlich, in der Ortsgruppe Bonn des Zennalverems deutsll-er Staatsbürger jüdischen Glaubens der zweite Snnditus des Zentralvereins, Herr Tr. Wiener aus Berlin über „d e n hl a in p f u m unsere Ehre oder die Lehre von Griesbach und Memmingen". Es ist das erstemal, daß die Bonner Ortsgruppe Herrn Tr. Wiener bei sich begrüßen rarf. Deshalb, abei auch angesichts des Ernstes und der Bedeutung der zu besprechenden Vorgänge und Fragen darf die Teilnohme ülier Mitglieder nie auch aller Fieunde eru:T;er iiafcen. Tie Versammlung findet iin großen Saale des Restaurants zum „Hähnchen", Vivatsgane, statt. Tüsicldorf. Bon den Mitgliedern, des Vereins selb ständiger jüdischer Handwerker Düsseldorfs wurden durch H?.rv Kiempnermeifter Josef Xtayser, Tüsieldorf, 6.70 M. iö^ dste notleidenden Juden in der Ukraine übenvieien. ErcjAo. Am Tage vor dem Versöhnungsfest ichlvd Leo ^töhuch-M.-Gladbach aus seinen Wirkungslretsen. öijahr'.g -e.it. Von jah empolgetouiNteaer Krankheit bezwungen. Ter viniiU'iafCive nn: in Lb-erjchlesien geboren, in ccm Lei!, der der deu^ch-en GeUung uno Gesittung-entzogen werden lou. 3d)lc]ter Vier schimnielte durch sein Wesen, Ais .echter Mann blieb er den jturicn Wurzeln seiner Main, Cer ^eim.iU, im Herzen ireuveröunden. Und im Letzten.Frühjahr ist e. ais Führer des örtlichen Schlefieaerbanos v.ou» einmal in d;e c.ue Heimat znriwi gekehrt, urn Bekenntnis adzulegen i iii die Ccm ime Ta che. Tie sachliche 'Ausrüstung f u: den Beruf erhielt ei un Seminar zu Hannover. Er war ein TVieler Fstia Prageis, seines unvergeßlichen Heiunutunujitti. In den Fahren des Seminarvefuchs yai er um e.jrig gemüht, sein Wissen und Mimnen über die amiiichen Forderungen zu erheben. In Altena — auf weftfaliickem Voden — fand er die eiste Wirkensmöglichteir. In M.- v'uuobach lonme er sich auswirten. Hier begründete er fein Haus. Hier war er nicht nur das Haupt seiner engsten Familie. Ter Umkreis seiner Fürsorge ivar bei ihm wen gestellt. Fn Gladbach wutde er mir jungen Jahren der Vnier seiner Gemeinde. Hier har er Fahre der jüdischen Voltsschule vorgestanden, hat er durch seine innige, bereite und zugleich machtvolle Vonragskunsr als Vorderer wie als Prediger die 0'emejnde erbaut und an den Andackusflänen lestgehalren. Leo Fröhlich war rein „studierter" Redner. i-4. Hai ein geborener, (fr wusste das reck» re Wort i:n rechten Augenbliu zu sinden. Tarum wareir seine Gelegenheiis- .eden osi von wirtlich eindringlicher Wirkung. Oie me.ch.cn. ihn über den Kreis seiner eigentlichen Berufung vottsiuw.- ich und begehii. — In Gladbach Hai er eine rege Tä.igteir auch in all den Vereiniguigen entfaltet, die eine Gemeinde mir der jüdischen Gesamtheit verketten. Und dann hu: c: als der Tätigsten einer für die Geltung und wirlschafiiiä-e Sicherung seiner Berufsgenossen gewirkt. — Viele ha: der Entschlafene rerbunden gehalten. Viele sind ihrn verbunden gewesen. Seine Freunde lverden ihm für immer verbunden bleiben. S. Andorn- Erefcld. Wie uns mitgeteilt wird, chat sich bei seiner Beerdigung aus Gladbach und Umgebung eine Trauelgemeinde zusammengefunden, wie sie in solcher Fahl nur ungewöhnliche Berohrung und Teilnahme zusammenführt. Am Grabe sprachen der Ortsrabbiner Dr. Golles, der erste Vorsteher der Gemeinde Jonas, der Ortskollege Rosenbufck, der Ver- - treter des r Heini sch-westf. jüd. Lehrervereins und des Reichsverbandes Abraham-Esten und ein Abgeordneter der Ortsgruppe der Oberschlesier, deren Vorsitzender der Verstorbene gewesen. Bonn. Der Jüd. Frauenverein nimmt am Mittwoch, den 2. November, seine Nähsbunden im Gemeindehaus von . 4 bis 6 Uhr. wieder auf und bittet um rege Beteilimmg. Licht und Heizung stellt die Gemeinde in freundlicher Weise zur VeMgung. Kölner Hiisswerk für die Ukraine. 9. Ausweis. l:A\ Köln. — 250 M.: Josef ■Simon. Köln. — 240 M.: T.nilmlnng F:l. Laquer..— 200 M.: Mar:in SAcner; Hiw'.v :K*oIiinaiiiT, Köln, Teilergebnis einer Sammlung dv.ch Lehrer Salomon, Alienkirchen. — 100 M.: Frau B. ■i. .. i . j. r» •: r._ nr. nm . »tv_i. '— -_:_f-t_.X ...C;[u;nvu,, Moln. Tt.: j\xc 90 M.: Durch S-:niinarIef>:er H^mb. — i-nnrnrirrnnnnf nr t mmn u i rn_« i i m i n Q Das Modell der Schmerzen Novelle von Fsrael Zangwill n-r:ri.TTinnnrTTTn mmmuiim rrro i m (Zortfetzung.s Wir iwircn froh, eine Unterkunft gefunden zu haben, und setzten uns auf den Fußboden des ganz leeren, unnu-iüertcn Zimmers. Wir blieben den ganzen Tag ohne Brot. Tie minder bekamen ab und zu eine trockene Kruste von dev. anderen Mietern, aber sie weinien doch tagsüber vor Hunger und abends wieder, iveil sie nichts hauen, um daiauf zu schlafen. Ich frug unfern Win. ob er mir nicht angeben könne, wie ich es ansrellen solle. Arbeit zu sinden. Er sagte, er wolle sehen, was er für mich tun könne. Am nässten Tage ging er aus und kam mir einem großen Hausen Wäsche zurück, der gewaschen werden sollte. _ Die Familie machte sich sofort an die Arbeit und ich bin sicher, meine Frau wusch die Sachen nicht nur mit Vaster, sondern auch mit Tränen. O Kazelias! Wir wuschen die ganze Woche über, der Wirr besorgte uns jeden Tag Bro: und neue Arbeit. Am Ende der Woche sagte er: „Ihr habt eure Miete abverdieni und braucht mir nickus zu bezahlen." Ich denke, daß wir das getan haben. Meine älteste Tochter war glücklich genug, bei einem Schneider eine Stellung zu finden, wo ne wöchemlich vier Schilling bekam. Tie anderen suchten sich durch Waschen und Putzen etwas zu verdienen. 2luf diese Weise gelang cs, uns notdürftig durchzubringen und jeden Samstag unsere Miele zu bezahlen. Indessen lebten wir nur von Wasser und Brot. Dann aber kamen die Ferien, meine Tochter würde entlasten. Man sprach von einer Sauregurkenzeit. ich verstand das nicht und frug meine Tochter, was damit gemeint werde. Sie erklärte, daß es schlechten, flauW. Geschäftsgang bedeute. Sie konnte keine Arbeit bekommen. Was sollte ich also anfangen? Ich hatte kein Geld zum Leben. Äe Kinder schrien nach Brot und nach Betten und Decken. So ging es bis zum Rasch Haschonoh (dem neuen JchS), wir hofften, daß wirklich ein neues, besseres Jahr fir uns anbrechen würde.