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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-10-21 · 125 (21.10.1921) · p. Seite 356

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
125 (21.10.1921)
Date
1921-10-21
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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gebt uns für diese Nacht ein besonderes. Zimmer. Denn wir sind müde und matt von der beschwerlichen Wanderung." Die Bitte wurde erfüllt. In der Nacht aber stand der Fromme auf, nahm ein Mesier, faßte sich ein Herz und schlachtete seine Frau und seine drei Kinder und dann sich selbst. Er starb jedoch nicht, sondern fiel nur in Ohnmacht. Als die Feinde des Morgens vergeblich auf ihn gewartet hatten, traten sie ein und fanden chn auf dem Boden liegen." Willst du deinem Gott absagen", fragten sie ihn, und zu unserm Glauben dich bekehren, dann magst du noch genesen." „Bewahre mich Gott davor," erwiderte er, daß ich Ihn, den Lebendigen, verleugne. Nein, ich will für Ihn und Seine heilige Lehre den Tod erleiden und dann an die Stätte der Gerechten kommen, wie ich mein ganzes Leben lang gehofft habe." Darauf sagten sie: „Glaube nur nicht, daß wir dich einfach umbringen werden. Entweder bekennst du dich zu unserm Glauben oder wir begraben dich bei lebendigem Leibe." Doch er sprach: „Tut mit mir nach eurem Willen. Ich nehme alles in Liebe auf mich." Da gruben die Frevler eine Grube für ihn und er, der fromme Schemarjah, legte sich selbst hinein. Seine drei Kinder bettete er zu seiner Linken, seine Frau zur Rechten, so daß er in der Mitte zu liegen kam. Dann warfen die Bösewichter Erde über sie alle. Er aber schrie und weinte laut und wehklagte über sich und seine Kinder und seine Frau den ganzen Tag hindurch bis an den nächsten Morgen. Da kamen die Feinde des Herrn nochmals zu ihm und zogen ihn noch lebend aus dem Grabe, damit er seinen Sinn ändere und sich zu ihrem Glauben bekehre. Nochmals fragten sie ihn: „Willstt du nun deinen Gott hergeben?" Doch er weigerte sich auch weiter, den Großen und Erhabenen abzuschwören, und hielt an seiner Frömmigkeit fest, bis die Seele ihn verließ. So starb er, der fromme Mann, in Verherrlichung des großen einzigen Gottes, bestand in der Prüfung wie unser Vater Awraham. Heil ihm und seinem Anteil! Von ihm und seinesgleichen gilt das Wort: „Die den Herrn lieben, sind wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht." Von all den sieben Orten, wohin die Gemeinde Köln zerstreut ward, war es nur die Stadt Kerpen, wo die Flüchtlinge nicht umgebracht wurden. Aber der Herr dieser Stadt fügte ihnen auf andere Weise Böses zu. Er ließ nämlich durch seine Knechte die Grabsteine der in Köln begrabenen Toten bringen und damit einen Bau aufführen. Doch als sie die Steine zum Bau hinaufzogen, um die Mauer aufzurichten, da fügte der eifernde und rächende Gott, daß dem Herrn der Stadt ein Stein auf den Kopf fiel und ihm den Schädel zerschmetterte, so daß das Gehirn herausspritzte und er starb. Seine Frau wurde darob irre und starb im Wahnsinn. Möge Er also auch bald, noch in unseren Tagen, das Blut aller Seiner Diener rächen, das um Seinetwillen vergosien wurde und Tag um Tag vergossen wird! Wie die Feinde in der Bosheit ihres Herzens in den genannten Gemeinden wüteten, so wüteten sie auch in andern, als Trier, Metz, Regensburg, Prag, Pappenheim. Und überall heiligten die Juden den großen und furchtbaren Namen Gottes in Liebe und Treue. Alles dies aber geschah in jenem Jahre zu ein und derselben Zeit, vom Monat öjar bis zum Monat Tammus. Denn Gott hatte sich jenes ganze fromme Geschlecht erkoren, um besten Verdienste den nachfolgenden Geschlechtern zugute kommen zu lasten. Darum-invge es ihm, dem Erhabenen, gefallen, daß die Frömmigkeit und Reinheit dieser Gerechten uns für immer beistehe, auf daß uns die Erlösung werde und das ewiae Leben. 0.000000.0c c* c 2 o a Wochenschau Tatsachen mb Ergebnisse OOOOOOOOOOOOOOOOOOOO0OO0Oi: Deutschland. Berlin. Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, ursprünglich entstanden aus einer jüdischen Abteilung der Deutschen Arbeiterzentrale und einer jüdischen Abteilung der deutschen Gewerkschaften, hat in eigenarttg zusammenhängender Weise den politisch-konsularischen Schutz der jüdischen Arbeiter in Deutschland und ihre sozial-fürsorgerische'Betteuung übernommen. Von der Vertretung seines Heimatsstaates, besonders Polen, pst preisgegeben, durch die Ungeklärtheit der staatsrechtlichen Verhältniste Im nahen Osten oft überhaupt ohne jeden konfularifchenSchuh, als „S t a a t e n l o s e r", war der jüdische Arbeiter an sich der Willkür und dem Antisemitismus unterer Polizeiorgane preisgegeben. Treueste sorgfältigste Arbeit, die Anerkennung und der gute Wille seines Arbeitgebers konnten ihn oft nicht auf seiner Arbeitsstelle halten. So kam es, daß zahlreiche ostjüdische Arbeiter gegen ihren Willen gezwungen waren, die Großstädte, wo sie doch leichter Unterschlupf vor ben Verfolgungen und Schikanen finden konnten, aufzusuchen. Da griff das Arbeiterfürsorgeamt ein. Es gelang angesichts derbesonderenVerhältnisseder ostjüdischen Arbeiter, für die es zum Teil auch bei anderen ausländischen Arbeitern keine Parallelerscheinung gibt, die Anerkennung dieser besonderen Lage durch entsprechende ministerielle Verfügungen zu erreichen. So konnte das Arbeiterfürsorgeamt, finanziell besonders durch amerikanische Gelder dazu instand gesetzt, daran gehen, die im Intereste der ostjüdischen Arbeiter selbst, im Interesse aber auch der deutschen Volkswirtschaft an einer sozialpolitischen Regelung der ostjüdischen Arbeiterfrage in Deutschland liegende Dezentralisierung der ostjüdischen Arbeiter von den Großstädten fort, insbesondere in die Industriebezirte hinein, vorzunehmen. Der Verbindung zwischen konsularisch-politischer Tätigkeit und sozialer Fürsorge, die für den plötzlich arbeitslos Gewordenen durch Gewährung von Unterkunft und Beköstigung für eine gewisse Zeit, durch Gewährung von Reisezuschüssen nach ihm nachgewiesenen Arbeitsstellen, einsprang, die für Arbeiter Arbeiterwohnungen in Baracken schuf, billige und gute Arbeiterküchen errichtete, ist es zu danken, wenn von den heute in Deutschland befindlichen, seit 1919 zugewanderten und biergebliebenen höchstens 55 (XX)—60 000 Ostjuden wohl über 35 000 im Lande dezentralisiert, in der deutschen Industrie arbeiten und nur noch etwa 20 000—25 000 in Berlin sich befinden. Die konsularisch-politische Tättgkeit war es, die durch Erleichterung der Legitimierung, Schutz gegenüber antisemitischen Maßnahmen einzelner Behörden, Schptz vor unberechtigten Ausweisungen, die Produktivierung der ostjüdischen Arbeiterschaft in Deutschland ermöglichte; die soziale Fürsorge war es, die die so geschaffenen Möglichkeiten für den jüdischen Arbeiter ausnutzte, zu seinem eigenen Wohle, im Intereste des Staates und im Intereste der gesamten deutschen Iudenheit, die mit Stolz aus das Vorhandensein einer jüdischen Arbeiterschaft in Deutschland Hinweisen kann. Dieses ganze geleistete Werk fft, das muß gesagt werden, schwer bedroht, da die bisher vom American Joint Distribution Committee alle Verlobaagea, Vermählungen, Todesanzeige« Sanksammgen im Jüdischen Bote«.

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