Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 125 (21.10.1921)
- Date
- 1921-10-21
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437262--1335-3948836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
es so, als nmrde der eatscheideude Schritt vo» der Nqstenmg auf unbestimmte Zeit verschöbe» werde», undes schien daher ratsam, die Position der Freunde des Zionismus in der Regierung durch Unterstützung aus Amerika zn stärken. Herr Oberrichter Brandeis trat also an den Präsidenten Wilson hean, und der Präsiden! sandte nun eine persönliche Mitteilung an die englische Regierung, in der er seine Zustimmung zu dem Gedanken einer prozionistische» Erklärung aussprach. Schließlich wurden alle Hindemisse beseitigt, und am 2. November 1917 sandte der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Mr. Balsour, die angenommene Formel an Lord Rochschild. Dieser Triumph deS Zionismus war zum großen Teil der persönlichen Fürsprache Mr. Balfours zuzuschreiben, und die Balfour-TeUaration heißt mit Recht nach ihm, nicht bloß, well es ihm als Minister des Aeußeren zufiel, den historischen Brief zu schreiben, sondern well er mehr als irgendein anderer Staatsmann für die Politik, die in der Deklaration ihren Ausdruck fand, verantworllich ist. Die Balfour - Deklaration wurzelte im Charaker des britischen Dolles und in den Traditionen der englischen Staatsmänner. Sie entsprang der charakteristischen englischen Haltung zu den Juden, einer Haltung, die ihren Ursprung nicht nur in dem englischen Geist des „fair play" und der Sympathie mit den Bedrückten hat, sondern in ganz besonderem Maße auch in der tiefen Verehrung für die Bibel und im Interesse an den Juden als dem „Voll des Buches", die tief in dem Gefüge des englischen Geistes verwurzelt ist. Nichtsdestoweniger wäre es västhlt, die Deklaration bloß als ein Stück politischen Realismus hinzustrllen. Die mögliche Bedeutung Palästinas für das britische Weltreich, die neuen politischen Erfordernisse der durch den Zusammenbruch Rußlands geschaffenen Lage, die Bedeutung der, Gewinnung jüdischer Sympathien — besonders in Amerika, das erst seit kurzem in den Krieg eingetreten war — Erwägungen dieser Art dürften bei einigen der Staatsmänner und Militärs, die für die Teüaration waren, mitgesprochen haben. Tie Deklaration wurde ermöglicht durch ein Zusammentreffen von Umständen, die es der kitischen Regierung erlaubten, ohne von der Linie der großen Jntereffen der englischen Politik abzuweichen, einem der edelsten Gefühle des englischen Volles Ausdruck zu geben. Die Deklaration war realvolitisch und idealistisch zu gleicher Zell, und darum ist sie ein Meisterstück staatsmannischer Kunst. Die Veröffentlichung der Deklaration, die von der Regierung bereitwillig gestattet wurde, fand fünf Wochen vor der Eroberung Jerusalems statt und war das Signal für einen großen Freudenausbruch in der ganzen Judenheir. * Die Kölner Leide« lSchl-t-I Unter diesen Frommes war N. Natronai de» R. Izchak. Er war eia schöner junger Mann, und schon vordem waren Pfaffen, mll denen er bekannt war, täglich zu ihm gekommen und hatten versucht, ch» zur Taufe zu bewegen. Doch er wies ihr abscheuliches Aufiune» zurück und sprach: „Ferne sei es von mir, daß ich meme» Gott da droben verleugne. Auf Ihn will ich verlranen, bis meine Seele mich verläßt." Und mm schlachtete er zuast seine» Bruder, bann sich selbst, um der HeWgkeit Vnzigkeit Sottes lvlllea. Auch ei» frommer Bekehrter war dort und fragte unfern groben Lehrer R. Rosche Hakohe»: ^Was wirb aus mir werde», o Rechter, weu» ich «ich opfern »erbe, m die Einzigkeit des Herrn zu bekamen?" And jener fpmfc „Dann wirft du bei «ns roeile», denn ein fronuner Bekehrter bP dn. Zubmnne» «it olle» übrigen fronuue» Bokehrten wirft du bei Awraha» u»ser» Bater sein, der selbst der erste der Bekchrte» war." 9mm Halle der Fronune diese Antwort vernommen, al» er da» sich lötete. Seine Güte ist mll eiuMMW» i» de» Band des Lebens im Garten Eden, ft» Sy* des L«r». Als die Feinde eindrangen, favdeafie nur Lote vor. Einige, die fk& verwundet in chrem Bmte zwchche» den Leich« gewÄzt hatten, hatten sich noch des Rocht» fottgefchleppt. Präs sei tan Schöpfer, baß ste olle zu güracht werden konnten. Möge chr Verdienst der andern, die aus Liebe und um chrer reinen Gottesfurcht willen geschlachtet, verbrannt, ertrankt, gesteinigt und lebendig begrabe» den, unser Fürsprecher fein vor Gott, tan Allerhöl auf daß Er bald, noch in unsern Lagen, uns aus der banaung in Edom erlöse, die Mauern Ierufchalaims wieder aufrichte, wieder sammle die Zerstreute» Iehodas und Israels, die wie mit der Worffchaufel durch alle Tore der Erde geworfen find, der letzte Rep, der in Gefangenschaft und Knechtschaft, in Not und Drangsal unter den Böllern übriggeblieben ist: um Seines groß«, gewaltigen, furchtbaren Namens wMen, nach dem wir genannt sind. Am Sonntag, tat 6. Tammus, (29. Juni 1096), erhoben sich die Feinde des Herrn auch gegen Seine Frommen in Mors, um sie zu u>ertilgen. Eftt Haufe Volkes, zahllos wie der Sand am Meere, lagerte vor der Stadt. Der Bürgermeister kam zu ihnen auf das Feld hinaus und bat sie, bis zum nächsten Morgen zu warten. „Vielleicht kann ich die Juden überreden," sprach er, „vielleicht hören sie aus Furcht auf mich." Die Frist wurde gewährt, imd er kehrte in die Stadt zurück. Alsbald ließ er die Juden kommen und sprach chnen zu: „Anfangs versprach ich, euch zu schirmen und zu schützen, solange es noch einen Jude» cwf ta Welt gibt. Bis hierher habe ich mein Wort treulich gehalten; von nun an kann ich euch vor all diesem Bolle nuyl langer retten. Sehet nun selbst zu, was chr tun könnt. Ihr wisset wohl, wenn chr chnen nicht den Willen tut, daß dann die Stadt belagert und die Burg niedergeriffen wird." Daraus antworteten sie alle. All wie Jung, aus einem Munde: „So sind wir bereit und willig, unfern Hals hinzustrecken, um unsere Gottesfurcht und unseren Glarcken an den Dnzigen zu bezeugen." Da faßte der Bürgermeister einen anderen Gedanken, um chnen beizukommen. Er wollte sie mü den Kreuzfahrern schrecken und sie so gefügig machen und zur Taufe bewegen. Und so g<ü> er Befehl, sie aus der Stadt und an das Lager der Kreuzfahrer zu bringen. Doch all dies nützte nichts. Denn alle, wie einer, sprachen sie: „Wir haben keine Furcht vor den Kreuzfahrern." Nim ließ er sie in die Stadt zurückbringe», fepnehmen und einsperren, einen jeden für sich allein, damit sie einander nicht töteten, wie er von anderwärts gehört hatte. Am andern Morgen wurden sie mll Stöße» aus der Sftrdt getrieben und den Kreuzfahrern ausgeliefert. Diese brachten elliche von chnen um; die sie lüden ließen, tauften sie und verfuhren mll chnen nach chrer Willkür. Bon dort war noch nachts eia Frommer namens Rar Schemarjah samt feiner Frau und feinen drei Kinder»'entflohen. llm vjeles Geld hatte chnen der Schatzmeister des Bffchofs versprochen, sie herauszubringen.und z» offen. Aber er führte sie in den Wald, und dort stttffll» sie dis zum 9. Aw (31. Juli 1096) unstet und fHUptig i» dÜIne umher . Erst, als Mar Schemarjah zu sei»» SW«ß N. Rachau und N. Mordechai in Speyer um GekhTWschickt und dieses dem Schatzmeister gegeben hatte. Mite tt ste wieder heraus nach Dortnümd. Die Bewohner mche» Dorfes, die Rar Schemarjah gut kannten, fn»te» stch ob ferner Ankunft. Er verftrach ihnen, bis zu bleche» mch nach ihrem Aduchch mck großer Freude farfta verarchWtett» fw sonder» nur Neines Rester» . Gftwbeus sind, wolle»