Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 125 (21.10.1921)
- Date
- 1921-10-21
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T" 354 sche Organisation es für richtig hielt, eine formelle Darlegung ihrer Anschauungen über die zukünftige Regierung Palästinas lür ds^Fall, daß es unter die Kontrolle Englands und Frankreichs käme, der Regierung zu unterbreiten.! Dies Programm, das im Anhang A wiedergegeben ist, ent- , halt bereits im Umriß die Vorschläge, die vier Jahre spater j in dem Mandatentwurf nied<melegt wurden. Es liegt keine i Erklärung über die Haltung v8v. die die Regierung zu dem ' Progmmm eiikdahm, als es ihr überreicht wurde, sie scheint jedenfalls in den zionistischen Forderungen, wie sie in die-; sem Programm niedergelegt waren, eine Basis für detaillierte Verhandlungen gefthen zu haben. Jedenfalls traten kurz danach an die Stelle der unverbindlichen Unterhaltungen mir einzelnen Staatsmännern.Verhandlungen formeller Natur. Ter Zionismus wurde als Teil des Fragenkomplex des „minieren Lstens" und als Problem der kleinen Völker erkannt. Tie Zeit war gekommen, wo die Reeierung die Annahme einer bestimmten Halruria zur jüdiuben Nationalftage in Erwägung ziehen konnte. . Sir Mark Snkes; die er ne formelle Konferenz. Ein Wendepunkt trat mir der ersten Berührung der zionistischen Führe: nckr Sir Mark Snkes, der damals das die Fragen des „mittleren Ostens" behandelnde Tevarrej ment des englischen Auswärtigen Amtes lenere, ern. Sn Mark Sykrs Hane Snrien und Palästina viel bereist und j belaß eine gründliche Kenntnis dieser Länder und ihrer j Einwohner. Er war ein Mann von warmen, edlen Gefühlen, in dem die ideellen Faktoren des polnischen Lebens einen warmen Widerhall fanden, und besonders ein energij * scher Vertreter des Gedankens der arabischen und armeni-; irden Wiedergeburt. Vom jüdischen Nationalismus wußre j a zu jener Zeit wenig. Er baue sogar, ohne es zu willen. I mitgebolsen. ein ernstes Hindernis in den Weg der volni-! scheu Bestrebungen des Zionismus zu legen. Er schloß nämlich im Namen Englands das engliich-fran zön'che Ueber- > einkommen vom Jahre 1916 ab. das unter dem Namen j „Svkes-Picot-Verrrag" bekannt ist und durch welches Palästina in eine britische und eine französische Zone geteilt wurde. Dieses Uebereinkommen wurde den zionistischen Fübrern erst später, als Sr Mark Snkes bereits ein überzeugter Freund des Zionismus geworden war. bekannr. Bei einem Manne von seinem Temperament und »einen Gaben genügte es schon, daß er den Zionismus kennen lernte, um ihn zu seinem Fürsprecher zu machen. Ter Zionismus paßte ausgezeichnet in sein Lieblingsvrojek: der Wiedergeburt der Länder des „mittleren Ostens". als deren Pfeiler ihm nun die jüdischen, arabischen und armenischen Völker erschienen. Später brachte er Verrrerer dieser drßi Nativen zusammen, um das Zusammenwirken zwischen ihnen, von dem ibm die Verwirklichung seines Ideales abhing, in die Wege zu leiten. Vom Frübjabr 1917 bis zu seinem plötzlichen, vorzeitigen Tode, im Februar 1919, leistete er dem Zionismus unschätzbare Dienste. Tie erste formelle Zusammenkunfr mit Sir Mark Sykes fand am 7. Februar 1917 im -Haust Tr. Gasters statt. Die folgenden Herren waren anwesend: Lord Rothschild, Mr. Herbert Samuel, Col. Sir Mark Snkes, Mr. James de Rothschild, Mr. Nahoum Sokolow, Tr. Eh. Beizmann. Mr. Joseph Cowen, Mr. Herbert BenMch und Mr. Sacher. Dr. Gafter eröffnete die Verhandlungen mit einer allgemein gehaltene» Darlegung der Ziele des Zionismus. Er sagte, es dürfte in Palästina kein Kondominium und keine internationale Verwaltung geschaffen werden. Die Zionisten wünschten ein britisches Protektorat über Palästina mit dem Rechte freier nationaler Entwicklung für die Selben. Das bereits ausgearbeitete Programm war Sir Mark Sykes unterbreitet worden. diesem Borschlage war die Gmndrmg einer „Ehartered Companyunter gleichzeitiger Gewährung des vollen EinvDrderwlgSrechtes an die Joden der ganzen Belt voigesthen worden. Sir Mark Sykes, der erklärte, er wohne der Konferenz rein privat bei, zeigte sich sehr sympachisch mrd besprach alle wesentlichen Punkte, wie die Haltung Rußlands, Italiens und Franfteichs und der Araber zn der Frage der Zukunft Palästinas. Herr James de Rothschild ftagre zweimal, ob ein Uebereinkommen .zwischen England rmd Frankreich über Palästtna bestehe, erhielt aber keine Amwort. Sir Mark Sykes sagte, daß es der englischen Regierung unter großen Schwierigkeiten gelungen fei, die Frage Palästtnas offen zu halten. Er schlug vor, daß die Konferenz jemanden ernenne, um die Verhandlungen mir ihm und M. Picot, dem Vertreter der ftanzösischen Regierung, weiterzuführen. Herr Sokolow wurde für diese Aufgabe bestimm!, und Sir Mark Sykes stellte ihn am nächsten Tage Herrn Picor vor. So begannen die Verhandlungen, die neun Monate später in det Balfour-Tekläratton ibren Abschluß fanden. - \ T i e Balfour-Teklararion. Tie politische Arbeit während der verbleibenden Moi'.üle des Jahres 1917 war hauptsächlich dcuvus gerichrer. von der britischen Regierung eine ausdrückliche Sympathieeiklärung mit den zionistischen Bestrebungen .yi erhalten. Danach, so hoffte man, würden die verbündeten Regierungen glesthlautende Erklärungen abgeben. Eine Reihe *von Formeln wurde von verschiedenen Mitgliedern des Polin- » scben Komitees vorgeschlagen. Einige dieser Formeln vÄren sehr detailliert; es ,zeigte sich jedoch, daß die Regierung sich zu jener Zeit bloß in einer allgemein gehaltenen vrinzipiellen Erklärung zu binden bereit sti und so einigte man sich schließlich auf eine gedrängte, allgemein gehaltene Formel. Ter vorgeschlaaene Text wurde Sir Mark Sykes. Baron Edmond de Rothschild und dem Präsidemen Wilson gezeigt und von jedem von ihnen gebilligt. Am IS. Juli sandte Lord Rothschild die Formel an Mr. Balfour. Das englische Kabinett, dem von gewisien einflußreichen englischen Juden anlizionistische Vorstellungen gemacht worden waren, änderte den Tert aber und unterbreitete die neue Formel Vertretern beider Achtungen. In dem Bcgleüschreiben hieß es: „In Anbettacht der Meinungsverschiedenheiten. die unter den Juden selbst über diest Frage besteben, möchten sie (d. h. das Kabinen) eine schriftliche Aeußerung führender jüdischer Persönlichkeiten. sowohl zionistischer, wie nichtzionistischer Richtung, einholen." Dieser Brief wurde an die folgenden Herren gesandt: 1. Sir Stuart Samuel, Präsident des „Jewfth Board of Depmies". 2. Mr. Leonard L. Cohen, Präsident des „Jewish Board of Guardians". 3. Mr. Claude G. Monteftore. 4. Sir Philipp Magnus, Mitglied des Parlaments. ö. Tr. Hertz, Oberrabbiner von Großbritannien. (>. Mr. N. Sokolow, Vertteler der Erekunve der Zionistischen Weltorganisation in England. 7. Tr. Weizmann, Präsident der Englischen Zionistischen Föderation. Herr Sokolow und Herr Weizmann akzeptierten den Entwurf der Formel, obwohl sie es vorgewgen härren. daß diese gelaurer hätte: „Wiederherstellung Palästinas als der jüdischen nationalen Heimstätte" statt „Tie Schaffung?kker nationalen Heimstätte in Palästina". Sie betrachteten auch die qualifizierenden Klauseln als unnötig, da ihr Inhalt selbstverständlich sei. Tr. Hertz mH Sir Smart Samuel stimnuen im wesentlichen mit der zionistischen Anschauung überein; die anderen dagegen erhoben Einwände gegen die Formel, insbesondere ge«n das Bort „natz^aal". Das Kabinett erwog diese verschiedenen MemmtgsäußaPugeu und nahm die Formel mit einigenAenderungen an. Cs verstrich jedoch einige Zeit, ehe die Erklärung abgegeben wurde. Das Kabinett hatte selbstverständlich andere und ihm dringendere Fragen zu erwägen. Außerdem waren in der Regierung selbst Gegner vorhanden. Eine Zeitlang schien /