Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 124 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mmpyo. London. (I. C. B.) „Daily Expreß" zufolge haben die gegen Spanien kämpfenden marokkanischen Aufständischen bei ihrem Einmarsch in Melilla die aus Juden bestehende Mehrheit der Bevölkerung förmlich abgeschlachtet und deren Häuser total ausgeplündert. Amerika. New Kork. Im Zusammenhang mit der Spaltung in der jüdischen sozialistischen Föderation Amerikas wurden vier Redakteure des „Vorwärts", und-zwar .die Schriftsteller Ziwjon, Olgin, Lillipur und P. Rowil, die sich dem jüdischen Flügel der Tritten Internationale angeschlossen haben, aus der Redaktion entfernt. Jerusalem. (I. E. B.) Die extreme Orthodoxie erbaute hier in der Nähe des Viertels Ewcat Saul ein großes Waisenhaus mit 150 Zimmern, das für 500 Waisenkinder Raum har. Bei der bereits stattgefundenen feierlichen Eröffnung hielten die Einrveihungsansprachen Rabbiner Tisfiu Sonnenfeld, Abramowitz, Epstein und Bernstein. Das unter dem Namen Ber-jeiiamin-Diskin bekannte orthodoxe Waisenhaus ist bereits ins neue Gebäude übergesiedelt. Jaffa. Während der letzten 14 Monate wurden in Tel-Awiw Häuser mit über 700 Zimmern neu erstellt; trotzdem ist von einem Rückgang der Mietzinse noch nichts zu bemerken. irm ... imiii 11 m mm h ii iimn 3 9 Kölner Aachrichten g § g 11 nun 11 rrrrrxnxjrnTi 111 ttttittttttttt] Köln. Nachdem die Genehmigung des neuen Wahlstatuts für die Synagogengemeinde Köln durch den Oberpräsidenten erfolgt ist, hat der Vorstand den Wahltermin auf Montag den 4. Dezember ds. Is. festgesetzt. Die Ausschreibung der Wahl wird im Oktober erfolgen. Kol«. Die Lengfeldsche Buchhandlung in Köln zeigt in ihrem Ausstellungsraum Radierungen und Handzeichnungen von Hermann Struck. Ueber Struck selbst, der mit einer eminenten Begabung für die Technik des Radierens die denkbar stärkste Fähigkeit zu schauen und zu charakterisieren verbindet, braucht man heute nichts mehr zu sagen, sind doch seine Blätter in ungezählte jüdische Häuser gewandert und den Juden zum lieben und vertrauten Besitz geworden. Die Ausstellung vereinigt die schönsten Arbeiten Strucks und zeigt uns seiye Entwicklung von 1904 bis 1921. Wir sehen seine bekannten jüdischen Köpfe, seinen betenden Juden an der Klagemauer, alle die verschiedenen Variationen zu dem Thema „Sabbatanfang" und seine palästinensischen Landschastsbilder. (So können wir den Besuch ' der Ausstellung nur angelegentlichst empfehlen. rnnnnmnirui iniim m 11 irrmrmx Das Modell der Schmerzen Novelle von Israel Zangwill tttititi inTriumi nrn mm rrrr »Vir lFortsetzung.l Als der Tag anbrach, war ich zu einem Entschlüsse gekommen; ich nahm zwölf Mark aus dem Kuvert, das das Geld für die Seefahrt enthielt,- nahm Billetts nach Rotterdanl und erreichte so das Ende unserer Landreise. Als wir auf das Schiff kamen, brachte man uns dort in einer Art yon Schuppen unter, als ob wir Vieh gewesen wären. Einer der mit Kazelias Verbündeten — denn sein Arm reicht über Europa — rief uni in sein Bureau und fyrg mich: ,HVie viel Geld haben .Sie?" Ich schüttete das in den.Kuberts befindliche Geld vor ihm auf den Tisch. Da sagte er, da fehlten zwölf Mark daran; Kazelias habe ihm mitgeteilt, daß ich eine bestimmte Summe bringen würde, und die hätte ich nicht. „Sie können diese Nacht an Bord bleiben. Aber morgen früh gehen Sie zurück." So nützte er meine Unwissenheit aus, denn in Wahrheit habe ich an allen Stationen lnehr gezahlt, als das richtige Fahrgeld betrug. Ich wußte nicht, welche Macht er hatte. Jeder Beamte erregte unsere Furcht. Wir verlebten eine trostlose Macht. Ain andern Morgen bat ich flehentlich, doch meinen Tallis und Tephillin (meinen Gebetschal und meine Amulette) anstatt der zwölf Mark in Zahlung zu nehmen. Er aber sagte: „Für die habe ich keine Verwendung, Sie müssen zurückgehen." Mit Mühe erhielt ich die Erlaubnis, einen Gang in die Stadt machen zu dürfen. Ich nahm Tallis und Tephillin und ging damit in die Schul (die Synagoge) und versuchte dort, irgendwen durch meine Bitten zu bewegen, mir die Sachen abzukaufen. Aber es fand sich ein edler Mann, der den Handel nicht gestatten wollte. Er gab mir ohne Zögern zwölf Mark. Ich bat ihn, mir seine Adresse mitzuteilen, damit ich ihm später das Geld zurückerstatten könne, er aber sagte: „Ich begehre weder Tank, noch eine 'Zurückerstattung dieses Geldes." So gelang es mir. das für die Uet-erfahrt fehlende Geld beizubringen. Wir schifften uns also ein, und zlvar ohne auch nur noch einen Heller oder einen Bissen Brot zu haben. Wir kamen um neun Uhr morgens in London an, ohne Geld und Gepäck, während ich darauf gerechnet hatte, wenigstens 1.70 Rubel und unsere Kleider und Haushaltungssachen mitzubringen. Ich hatte'jedoch die Adresie eines guten Freundes und wir inachten uns sofort auf den Weg, ihn aufzusuchen, aber als wir die angegebene Wohnung erreichteit, hieß es, daß er London verlasien und nach Amerika gegangen lväre. Wir wanderten den ganzen Tag bis um acht Uhr abends verzweifelnd in den Straßen Londons u:nher. Tie Kinder vermochten es kaum, sich weiter zu schleppen, so hungrig und müde waren sie. Endlich setzten wir uns erschöpft auf die Stufen eines Hauses in Wellclose- Sguare. Ich blickte um mich und entdeckte ein Gebäude, das ich für eine Schul (Synagoge) hielt, weil hebräische Zeichen daran waren. Ich ging darauf zu. Ein alter Jude mit langeiu. grauen Bart kam auf rmch zu und fing ei-.e Unterhaltung mit mir an. Aber ich verstand rasch, was für eine Art von Mensch er war, und tvandte mich von ihm ab. Dieser Meshummod (bekehrte Jude) ließ jedoch nickt nach und drängte mich, seine Hilfe anzunehmen, er bot mir an, ineiite Familie rriit Essen und Trinken zu versorgen und mir in London irciter zu helfen. Ich aber sagte: „Ich begehre nichts von Ihnen und wünsche nicht mit Ihnen bekannt zu werden." Ich ging dann zu meiner Familie zurück. Die Kinder saßen und schrien nach Brot. Sie erregten die Aufmerksamkeit eines Mannes, namens Baruch Zegangski (25 Ship-Allee), der ging n>eg und kehrte mit Brot und Fisch zurück. Als die Kinder das sahen, war ihre Freude groß, sie erfaßten die Hand des Mannes und küßten sie. Unterdesien brach die Dämmerung herein und wir wußten nicht, wo wir eine Unterkunft für die Nacht finden sollten. .Ich bat also den Mann, uns doch dazu zu verhelfen. Er führte uns zu einem Keller in Ship-Allee. Er war vollständig dunkel.. Man sagt, daß es eine Hölle gibt. Ob dies so ist oder nicht, jedenfalls haben wir in der Nacht, die wir an. diesern Orte verlebten, mehr als Höllenqual erlitten. J5& schien, als ob die scheußlichsten Geschöpfe sich dort versammelt hatten. - Wir saßen die ganze Nacht und suchten das Ungeziefer von "uns wegzufangen. Nach langen qualvollen Stunden, die uns wie Jahre vorkamen, dämmsrte