Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 124 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lasten, die' verwaiste Kinder, einsame Winven und trauernde Eltern zurückgelassen. Die Ausführungen gipfelten in einer charakteristischen Zeichnung der Bedeutung des sittlichen Gedankens. Oberkanlvr Tavidsohn verichteie nun das El monoh rachamim-Gebet für die Kriegsgefallenen und auch iür die au' dem Friedhof ruhenden Gemeindemirglieder. Mi: Chorgeia^a und dem Kaddischgebet schloß die erhebende Feier, bei t-er die große Menschenmenge in yefer Ergriisenhei: und andachisvoller stille verharrre. " Eaffel. Eine Tagung der Theofophen. Cf (ahmen und Spiritisten fand hier am 13.—17. Seprembcr fra:r. Tic beabsichtigte Einigung der Wisienschaft und Gerüeswinenschast kam naturgenräß nicht zustande, der .Kongreß mußrc vorzeitig abgebrochen werden. Außer dieiem negativem Ergebnis hat der inzlvifchcn zum Vorkongreß ernannte Okkultistenkongrcß eine ueitere Blüte bervoraebracktt. und zwar wurde zum geschäftsführenden Vorsieenden der gegründeten „Deutsche Zentrale für Geineswinenichai:" der rühmlichst bekannigelvordene Tr. Arthur Timer erwäbl:. Derselbe erklärte auf dem .Kongreß in einer anu'eminiäx'n Rede von 2ö Minuten, in ü^elcher Zeit der gc'chäiis führende Vorstand ihn nicht unterbrach, daß nur Liebe und Toleranz die Menschheit erlösen könne, daß üdi aber dre'e Liebe und Toleranz nicht auf die Juden erstrecken dürfe, da diese die Wölfe und die Deutschen die feien und man es keinem Schaf verübeln dürfe,, ivenn es nck nick-: vor den Racken des Wolfes werfe. Die>'e Grundlagen einer „Geisteswissenschaft" lassen allerlei Rückschlüsse auf die geistige Struktur der angeschlosseneit Vereine zu. Lenmg hat bekanntlich anbere Grundlagen für seine l erste sw istcnfchaft gehabt. Polen. Lemberg. Am 27. v. M. abends wurde un Taale der Leurlerger Handelskammer der erste Kongreß der füdi'dxn Kaufmannschaft Polens eröffnet, der durch etwa 100 Delegierte aus fast allen Städten Kongreßpolens und Galiziens beschickt lvar. Der Kongreß wurde haupriächlrch von den Fragen des Handels mit Rußland beherrscht, von rvelchem die polnische Kaufmannsckxifr die jüdischen Kauileurc ausschalten will, rreshalb auch die jüdischen Kaurleure von dem anläßlich der Ostmesse in Lemberg statlfindenden Kongreß der polnischen Kaufmannschaft ausgeschlossen wurden. Die Konferenz der jüdischen Kaufmann'chaß wurde vom Obinann der Lemberger Vereinigung der jüdischen Kaufleute, Rat Rappaporr, eröffnet, welckvr auf die Schwierigkeiten des lüdischen Kaufmannslandes in Polen und dib Gegensätze zwischen der jüdischen und polnischen Kaufmannschaft sowie die Rottvendigkerr einer starken Organisation der jühisd-cn Kaufleute in ganz Polen hinwies. lieber die Fragen des polnischen Handels mir Rußland und die jüdische Kaufmannschaft referierte der Obmann der Warschauer jüdischen Kauftnannsvereinigung, Herr Truiker. Er wies darauf hin, daß die fornvahrenden Versuche, die jüdischen Kaufleute zu verdrängen, den polnischen Staat schwächen und schädigen. Die Juden baben stets Rußland mit Ware versorgt und den jüdischen Reifenden war es zu verdanken, daß die Waren aus Polen bis in die entferntesten Winkel von Rußland drangen. Seil dem Jahre 1912, da der antijüdische Boykott in Polen begann, steht der Konkurrenzkampf zwischen jüdischen und polnischen Kaufleuten in Rußland auf der Tagesordnung. Die Juden aber haben den Handel Polens nach Rußland organisiert und sie l)aben das volle Reckt, sich auch jetzt an diesem Handel zu beteiligen. UkWarru Wien. Wie mar?uns aus Budapest berichtet, wird ein Berufungssenat sich demnächst mit einem interesianten Schadenersatzprozeß zu beschäftigen haben. Der jüdische Besitzer des Cafe Palatin, Ignaz Schnurrmacher, engagierte ein Zigeunerorchester für die Dauer eines Jahres. Der Zigeunerprimas Josef Ratz glaubte nun dem chrisMchen Kult damit Rechnung zu tragen? daß er in dem Kaffschrus des Juden allabendlich den zur christlichen Nationalhymne avancierten Gasienhauer „Erger Berger Schößb e r g e r" spielte. Schnurrmacher ließ sich diese Gemeinbeit nickt gefallen und entließ kurzerhand den Zigeunerprimas und feine ganze Bande. Die^Folge davon war ein Tckadenersatzprozeß. den der Zigeunerprimas anstrengte. Der Gerichtshof wies die Klage mit der Begründung ab, baß der Terr des Liedes „Erger, Berger, Schoßberger" für alle Juden beleidigend sei, wodurch die jüdischen Gäste des Kaffeehauses sich bei der Produktion des Liedes gekränkt süblien. das Kaffeehaus korporativ verliefen und dann ganz ausblieben. Der Zigeunerprirnas habe dem Geklagten namhaften materiellen Schaden zugefügt, wodurch dieser zur sofortigen Enrlapung des Orchesters berechtigt war. Infolge der Berufung des Zigeunerprimas wird die königliche Taiel nunmehr zu entscheiden haben, ob der blöde Ganenhauer „Erger, Berger, Schoßberger" tatsächlich die Tankrion der ungarischen Volkshymne besitzt wie Zigeunerprimas Ratz zu glauben schien. (W. M.) Munkacs. Der Oberrabbiner von Munkacs, Lazar Tpira, sprach über das Blatt „Zdeleki Ujsag" den Kirchenbann aus. da es, obgleich ein jüdisches Blatt, auch am s Samsrag .erickeinr. Der Rabbiner hat den Kirchenbann! auch über die Leser des Blattes verhängt. NuürSuieu. | Budapest. Am 29. v. M. erstattete Kriegsminister i Rascanu einen eingehenden Bericht über die Lage in Beßrrabien. Die einzige Gefahr, von welcher Beßarabien bebrobr roerde, bestehe in der I n v a s i o n xd e r Flüchtl inqc von jenseits des Dnjestrs. Trotz der strengsten Maßnahmen und Ueberwachungsverfügungen gelingt es 90 Prozent der Flüchtlinge, durch den Militärkordon durchzukommen und sich in den Dörfern und Städten längs des Prurh festzusetzen. Ihre Rückbeförderung jenseits des Dnjestts fei unmöglich, weil die von den rumänischen Behörden zmückgewiesenen Flüchtlinge in der Ukraine von den Bolschewiken h i n g e r i ch t e t werden. Die Regierung beschloß. alle erforderlichen Maßnahmen zur Ueberwachung der ganzen Dnjestrlinie zu treffen, ihre Organe jedoch zu b u m a n e m B e r h a l t e n anzuweisen. Glei^eitig ertteß die Regierung eine Verordnung, wonach die aus der Ukraine geflüchteten Juden, die in Beßarabien blieben, j im allen Königreich Rumänien unterzubringen seien. Die beßarabischen Behörden werden nunmehr alle aus der Ukraine geflüchteten Juden konskribieren und dieieiben mit finanzieller Unterstützung der Juden Altrumänrens in den altrumänischen Städten anstedeln. Bukarest. (I. C. B.) Die verlautet, sei die Regierung entschlossen. die Hilfsaktion für die jüdischen Heimlosen der Reicksuniorr rumänisckx!r Juden und dem Verbände der jüdischen Gemeinden zu überlasten, die auch die volle Verantwortung für die jüdischen Emigranten tragen müssen. Sowjet-Rußland. Warschau. (I. E. B.) In Polen eingetroffene Flüchtlinge aus der Ukraine erzählten, daß infolge des neuen Wirrschaftskuries der Sowjetregierung der Kleinhandel, der größtenteils in jüdischen Händen war, wieder aufzuleben beginnt, insbesondere in den Städten mit großer jüdischen Bevölkerung. Dies erstarkt bedeutend die ökonomische Lage der Juden. Ackecho-Slowakei. Karlsbad. Hier starb der hervorragende hebräische Schriftsteller Abraham Schalkowitsch aus Warschau,' der unter dem Pseudonym Ben Avigdor bekannt war. Den Avigdor ist ein Onkel von Dr. Nachum Goldmann.