Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 124 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede» Freitag. Bez»g» ¥ 11? TTkT A»zei-e»prei-: 2.— M. ffeHericrprei» 3.- M. »„*«. Z» »eztetze, II UA^UU ,esp. Prtttzette. Die fta* Sette d»rch stattliche Pasttattrr »der »»faßt ^60 Zette». P,ßfcheFk»»t, darch de» Voteav erlag ia B»»». JTldiSflhftfl VOlkßblätt vote«»erlaßBmn,(UteNr 74747. HerauSg. von Rabbiner Dr. Smü Lohn, Sonn. GeschafiSfie^e Bomr: Srüdergasse 52. Geschäftsstelle Köln: Mguritlusvall 52. Tel. v 99U. iUnsner 124 Köln. 14. ©afoßer 1921. — 12 Mschri S681 S. zschrMltß. I s : GukkailS 5662 Sinnbilder. Seht dort den Prediger auf der Kanzel. Er deulci den Feststrauß, Palmzweig, Myrthe, Weide und Paradiesapfel auf das menschliche Leben, und nach altem Midrasck ist chm der Eßrog das menschliche Herz. Wie rührend und wie — ärmlich! Als wenn ein solches Sinnbild einer Erklärung bedürfte, als wenn es überhaupl eine Erklärung — vertrüge!- Das Laubhüttensest, das wir übermorgen begehen, ist das eigentliche Fest der religiösen Sinnbilder für uns. Lulaw, Eßrog, Sukkoh gehören zu unseren stärksten Sinnbildern. Wenn man das Wort Sinnbild ausspricht, meint man wohl, es sei ganz einfach ein „Bild zum Sinnen", etwas ^Sichtbares, das uns einen Gedanken vermitteln soll. Und da mag jeder seinen eigenen Gedanken dabei haben: Der Zionist mag sinnen, es feien die Pflanzen und Früchte Palästinas, die man da herumträgt; ein anderer ein Symbol des Adels in der Palme, des Reichtums im kostbaren Apfel, der Keuschheit in der Myrtbe, der Demut in der Weide sehen; und der dritte grübeln: Was ist es denn eigentlich? Sie alle sind auf falschem Wege: Ein Sinnbild (Symbol) ist kein Gleichnis (Allegorie). Wer sich dahintermacht, ein Sinnbild zu erklären, erniedrigt es in Wirklichkeit: denn er meint, mit der Vernunft hinter eine Sache zu kommen,'die jenseits aller Vernunft liegt. Viel mehr als das Sinnen verlangt ein Sinnbild „Versonnenheit"^ Denn in jedem Sinnbild steckt ein Geheimnis, und dies Geheimnis darf man ihm nicht nehmen, man nimmt ihm sonst den Blutenstaub. Wie der regenbogige Hauch den Flügel eines Falters deckt, so deckt jedes Symbol fein unaussprechliches und undeutbares Geheimnis. Die leichteste Berührung mit dem Finger zerstört des Falters Farbenpracht. Vielmehr verlangt jedes Sinnbild von dem, der es schauen oder üben will, die Fähigkeit einer träumerischen Hingabe an den Geist des Ewigen, der aus jedem Sinnbild uns anweht. Nein, ein Sinnbild will nicht einen außerhalb seiner liegenden Gedanken verbildlichen, sondern ist eine Wirklichkeit, in sich selbst ruhend und aus sich selber quellend, ist Gestalt gewordener Glaube, der stärkste Ausdruck, den je der Glaube gefunden. Ein Sinnbild entsteht da, wo der Glaube so stark, so leidenschaftlich, so brennend geworden ist, daß Wort, Rede, Bekenntnis nicht mehr ausreichten, um das Letzte zu erschöpfen und auszudrücken. Darum will ein Sinnbild nicht erllärt, sondern geschaut, nicht gedeutet, sondern empfunden werden. Den Lulaw erklären ist ein trüber Versuch, ist der Versuch, den Vogel in den Käsig zu sperren. Manche Vogel lasten sich das gefallen und singen auch richtt'g wÄer. So mag es auch hingehen, daß einmal ein poettsches Gemüt ein religiöses Symbol mit schönen, klingenden Gedanken «mwebt. Die Nachtigall, der Vögel innigster, läßt es sich nicht gefallen, sondern — stirbt im Käfig. Wer aber in de» schönen, reinen Sinnbildern unseres Glaubens den heimÜchen Nachtigallenschlag vernommen, wem die Laubhütte finnstssinnvtzfle Zwiesprache führt, wer mit. gläubigem Herzen Lulaw und Eßrog schwingt, der lebt das Leben femes Glaubens auf rechte Art, voll Ehrfurcht, Demut und Hmgtcke an den ewigen Geist, dem wir im Glanz des Herbstes noch einmal unser Jahr vertrauen wollen, eh' die Feste verrauschen, eh' der Lulaw welkt und der Eßrog schrumpft, und die gelben Blätter wirbeln um die verfallene HAte. Gott schenke uns allen ein glückliches Jahr! Emil Cohn. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse OlO^O.O.O.O^OAO^O.OTO.O.O.OIO.O.O.O.O.O .0.0 0.0.0 OOOGOOOCCOC Deutschland. Berlin. Vor einigen Tagen wurde im Reichsarbeirsministerium ein „R e i ch s h i l f sn us s chu ß für Oppa »" gründet, dem Vertreter der höchsten Behörden, der Industrie, der organisierten Arbeiterschaft, der großen WohlfichrtSderbäMff inlerkonfesiioneller wie auch konfessioneller Art angchören. Als Vertreterin jüdischer Interessen istdieZentralwohlf a h r t s p f l e g e der deutschen Juden, Berlin dem ReichHilfsausschuß beigetreten und richtet daher an die gesamte indische Bevölkerung in Stadt und Land die Bitte, sich au dem Hilsswerk für die Cpfcr des Oppauer Unglücks aufs Wärmste zu br- :eiligen. spenden werden entgegengenommen auf PostscheÄoaw ^udwigshasen Nr. 15 000, Frankfurt a. M. Nr. 55 000 und Berlin Nr. 117 000. (ReickDhilfsausschuß für Oppau.) Berlin. Zu einer großartigen jüdischen Kmchgebnng gefuThete sich die Gedenkfeier, welche die Chewra Klöischa Don Groß-Berlin am ersten Selichoth-Tage nachmittags <raf dem Gcmeindefriedhof in Weißensee für die Kriegsgefallene» uffd die auf dem Frietchof ruhenden Mitglieder der Berliner Mdüche» Gemeinde abhielt. . Viele Tausende erfüllten das große Md, auf dem die Feier stattsand, immer neue Masten führte» die Straßenbahnen heran, sodaß der ganze Vorort im Zeuhea dieser Feier stand. Regierung, Stadt», und Gemeindebchördeu hatte» Abordnungen entsandt, ebenso der Reichsbund jüdischer Fwatsoldatetz, die Gemeindebehörden, die farbentragende» jüdstche» Studentenschaften, die Vertreter der Mischen Wohtsichrtsorganisationen der Reichshauptstadt. Den OrdnnagSdrörst hockte die Berliner Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer F»»tsoldaten in musterhafter Weise organisiert. > Ein Shuagogen- - chor eröffnete die Feier mit dem wehmutsvollen Gqang des Adaunoj nach odom, dem sich der Bortrag des „Mennchoh »ochannoh" durch Oberkantor Dvvidsohn aistchoß. Die Sidenknde des Rabbiners Dr. Link, des Leiters der Chttora Sodrsch^ bedeutete einen flammenden Protest gegen die Angriffe «ck die Ehre der jüdischen Kriegsteilnehmer. Er prieS die WPHe» Helden, die zu Tausenden ihr Leben auf taff Schlachstade 90-