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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-10-07 · 123 (7.10.1921) · p. Seite 337

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
123 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 337 (sequence 5)
Language
German
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Deutschlands hinwies. Er betonte die Notwendigkeit dieser Organisation auch im Interesse dxr deutschen Iudenheit wie überhaupt des deutschen Staatswesens und gab gegenüber den von antisemitischer Seite ost angeführten Üebertreibungen^ein objektives Bild über die ostjüdische Einwanderung in Deutschland. Seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen wurden ergänzt durch den Leiter der hiesigen Arbeiterfürsorgestelle, Herrn Samson, der die besondere Tätigkeit der Kölner Fürsorgestelle im Interesse einer Weiteremigration aus Deutschland betonte. Schließlich rief Herr Iustizrat Ludwig C a h e n zu einer großzügigen Unterstützung der Kölner Fürsorgestelle auf, indem er die Folgen schilderte, die eine Auflösung dieser Stelle zeitigen würde. Der Redner hob hervor, daß sich zu dem Werke des Arbeiterfürsorgeamtes sämtliche jüdischen Organisationen Deutschlands zusammengefundcn hoben und zusammenfinden mußten, um so die Ostjudenfrage einer sozial-politischen Lösung, wie sie vom Arbeiterfürsorgeamt erstrebt wird, entgegenzufübren. In der Diskussion sprachen dann noch die Herren Iustizrat Dr. Bode n h e i m e r, B. F e i l ch e n s e l d, B. V o ß, Rabbiner Dr. R o s e n t h a l und E. L a ch s, die sämtlich ihrer Befriedigung über die Tätigkeit des Arbeiterfürforgeamtes sowie der jüdischen Arbeiterfürsorgcstcllcn Ausdruck gaben. Eine unter den Anwesenden veranstaltete Eammpilung ergab einen größeren Betrag für die Arbeiterfürsorgestelle Köln. Es ist zu hoffen, daß auch die zahlreichen Herren, die der Einladung nicht Folge leisten konnten, in materieller Hinsicht noch dazu beitragen werden, den Bestand der kiesigen Arbeiterfürsorgestelle, welche schon soviel Gutes, sowohl für die deutsche als auch für die Ostjudenheil geleistet hat, sicherzustellen. * Köln. Der Deamtenverein der Synagogengemeinde beschäftigte sich in einer Vollsitzung mit der in ihren Auswirkungen noch nicht abzusehenden Teuerungswelle und der damit bedingten wirtschaftlichen Rotlage der Gemeindebeamten. Rach dem eingehenden Bericht des Vorsitzenden, Religionslehrer Hermann Leoi, über die Tätigkeit desBeamtenausschusses und die Maßnahmen der Verwaltung wurde folgende Entschließung einmütig gefaßt: „Der Bcamtenoerein der Eynagogengemeinde — die gesetzlich erforderliche Organisation zur Wahrung und Vertretung der Berufs- und Standesinteresien der Gemeindebeamten — erstrebt die analoge Anwendung der für die staallichen und städtischen Beamten jeweils geltenden A nstellungs-, Besoldung s- und Versorgungsordnung. Die Beamtenschaft der Synagogengemcinde nimmt mit großer Genugtuung davon Kenntnis, daß die Verwaltung der Synagogengemcinde die Gehälter und Zulagen der Beamten nach den Sätzen der Stadt — wenn auch zunächst nur für dieses Jahr — festgesetzt hat. Damit ist das zweite oder oben gekennzeichneten drei Hauptziele erreicht. Die Beamtenschaft erblickt in dieser Tat einen Beweis des sozialen Verständnisses der Verwaltung für die Bedeutung und Stellung ihrer Beamten für das Wohl und Gedeihen der Gemeinde und gibt der besfimmten Hoffnung Ausdruck, daß die noch verbleibenden Wünsche und Ziele, insbesondere die Verbesserung der bestehenden Gruppierung, in demselben Geiste des Wohlwollens chre baldigste Erledigung finden mögen." •# Kol». Wie wir erfahren, ist kommenden Samstag den 8. Oktober, 8 Uhr abends, im Sitzungssaal der Synagoge Roonstraße Sitzung des Reprüsentanten-Kollegiums. Auf der Tagesordnung steht der Antrag auf Wiedereinführung des Kol-Ridre-Gebetes in der Synagoge Glockengasse, eine Materie, die, wie bekannt, früher wiederholt das Repräsentanten-Kollegium der Kölner Synagogengemeinde beschäftigt hat. Von Berg traft Tat Bonn. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Bonn wird Samstag, den 8. ds. Mts., ckbendd 8 Uhr, im Saale der Fortbildungsschule, Bornheimeisstraße, Herr Max Goldreich einen Bericht über den 12. Zionisten-Kvngreß geben. In Anbetracht des großen Interesses,-das her Kongreß allenthalben in jüdischen Kressen hervorrief, ist zu erwarten und zu wünschen, daß der Besuch ein zahlreicher wird. Gäste und Richtmitglieder sind willkommen. nrnTTTrin ituminmm inmimn Das Modell fter Schmerze« Novelle von Israel Zangwill i i rrinrTTnrTTTTTTTTi nimmiu rriTTTTTTTi (3ortfr**ng.) „Vater, Vater", sagten meine Kinder, „gib alles fort, nur laß uns nicht in diesem Kerker vor Hunger und Angst umkommen." Aber selbst, wenn ich jetzt gewollt hätte, so konnte ich doch hinter der verriegelten Türe nichts machen. All unser Rusen war nutzlos. Endlich gelang es mir doch, die Aufmerksamkeit eines Gefängniswärters, der in dem Korridor die Wache hielt, auf uns zu ziehen. „Rufen Sie einen Juden hierher", sagte ich ihm, „ich möchte ihm sagen, in welch übler Lage wir uns befinden." Er antwortete: „galten Eie das Maul, wenn Sie nicht wollen, daß manMhnen die Zähne einschlägt. Begreifen Sie denn nicht, daß Eie ein Gefangener sind? Sie wissen sehr gut, was von Ihnen gefordert wird." Ja, ich verstand es nun — mein Geld oder mein Leben! Am dritten Tage unserer Gefangenschaft fingen unsere Leiden an, beinahe unerträglich zu werden; die russische Kälte machte uns erschauern und unsere Kräfte ließen nach. Wir glaubten schon, daß dieser Kerker unser Grab würde, und wir gedachten Kazelias' als unseres Todesengels. Hier, so schien es, waren wir verdammt, des Hungertodes zu sterben. Wir verloren die Hoffnung, die Sonne wieder zu erblicken. Denn wir kannten Rußland nur zu wohl. Sagt doch schon das russische Epriwwort: „Wer die Wahrheit sucht, wird den Tod finden." Aber endlich schien der Gefängniswärter doch Mitleid mit unserem Jammer zu empfinden, er ging und holte die zwei Juden wieder herbei. „Dir sagen es Ihnen jetzt zum allerletzten Male: Geben Sic uns das geforderte Geld und wir werden uns dafür erkenntlich zeigen und Ihnen helfen. Es geschieht aus Milleid mit Ihrer Famille." Ich protestierte nicht länger, sondern gab chnen alles, was sie von mir forderten; alsbald erschien dann Elzas Kazelias und sagte vorwurfsvoll zu mir: „Es sst charakteristisch für die Juden, daß sie nie eher mit dem Gelde herausrücken wollen, als bis sie gezüchtt'gt worden." Ich antwortete Elzas Kazelias darauf: „% glaubte, Sie^ wären ein ehrenhafter und frommer Jude. Wie konnten Sie eine arme Familie so behandeln?" Er erwiderte daraus trocken: „Auch ein ehrenhafter und frommer Jude muß Geld verdienen." Darauf führte er uns aus dem Gefängnisse und schickte, nach einem Wagen. Kaum halten wir darin Platz genommen, als er sechs Rudel dafür verlangte. Run, was konnte ich machen? Vir waren eben in Räuberhande gefallen und ich mußte mein Geld hergeben. Wir sichren zu einem Hause, wo man uns ein kleines Zimmer anwies,^n dem wir ein paar Stunden warten mutzte», weil, wie es schien, noch nicht allo nötige» Vorbereitungen zu uns«em Ueberschreiten der russsschen Grenze gefroffea nnnc». Wir mußten dafür drei Rubel bezahlen. Endlich Wrte man uns zu der Grenze, die hier durch einen schmadn, ganz seichten Fluß gebildet wird. Man ermahnte uns rr»Dch, so leise und vorsichtig als möglich z» sei», da wir, mbi Me Soldaten uns entdecken sollten, ohne weiteres

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