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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-16 · 120 (16.9.1921) · p. Seite 302

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
120 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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die Zustände im Lande zu prüfen und frstzustelle», wie wett er mögkch wäre, Gtmchlagen für die Mische Einwanderung zu schaffen. Diese Kommission der „Hias" ist nun, wie aus Rewyork gemeledt wird, vor kurzem dorchin zurückgekehrt und Hai ausführlichen Bericht erstattet. Sie kam auf Grund eingehender Studien der wirtschaftlichen und polttstchen Verhältnisse in Mexiko zur Erkenntnis, daß Mexiko kein günstiger Ort für die jüdische Auswanderung ist und daß es jüdffche Emigranten deshalb vermeiden sollen, dorchin auszuwandern, um nicht sich neuerlichen Leiden auszusetzen. Die „Hias" wird demnächst auch spezielle Berichte über die Einwanderungsmöglichkeiten nach anderen Ländern, zum Beispiel Kuba, Brasilien usw., veröffentllchen. Kötner Nachrichten Köln. Am 1. Selichaustage (25. Sept.), nachmittags 3 Uhr, findet Quirinsttaße 9 die öffentliche Semesterprüfung der Oftjüdischen Talmud-Thora statt, zu der alle Freunde der Anstalt und des Thorastudiums herzlich eingeladen werden. Köln. Am Sonntag den 18. September, abends 7.30 Uhr, findet im großen Saal der Rheinlandloge, Cäciliensttaße 1822, eine Kundgebung des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deuffchlands statt, auf der über die sozialen, ethischen und religiösen Forderungen der jüdischen Jugend und ferner über ihre Beziehungen zur Tagespolitik gesprochen werden wird. Die bekanntesten Vorkämpfer unserer Jugendbewegung werden das Wort nehmen, u. a Rechtsanwalt Dr. Apfel und Fräulein Dr. Cora Berliner aus Berlin. Wir verweisen auf die Anzeige der Veranstaltung in dieser Nummer. i Von Berg und Tal Remagen. Am vergangenen Sonntag fand hier die Jahresversammlung der Handwerker-Chewra (Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden) statt. Diese Jahresversammlung fft für die Anwohner des Rhein-Ahrtales feit Jahrzehnten eines jener Ereignisse des Jahres, die ganz besonders zur Hebung des jüdischen Gemeinschaftsgefühles beizuttagen pflegen. So war auch diesmal der Besuch sehr zahlreich. Der verdiente Vorsitzende, Herr Moritz Faßbender-Remagen, eröffnete um 3.30 Uhr die Sitzung und erstattete, nachdem Rabbiner Dr. Cohn-Bonn die Gedächtnisrede gehalten, den Jahresbericht, der die erfreuliche und erfolgreiche Wirksamkeit des Vereins aufzeigte. Ergänzt wurde der Bericht durch den Kassierer. Herrn Abraham Bär-Ahrweiler. Nach anregender Aussprache, an der sich besonders Herr Sanitätsrat Dr. Lichtenstein aus Bonn beteiligte, beschloß man die Erhöhung des Milgliedsbeittags von 10 auf 20 M. für das erste Mitglied jeder Familie.' Jedes weitere zahlt weiterhin 10 M. Herr stud. Scharf aus Kripp ersreutt die Anwefeichen durch ein kurzes, .von jugendlichem Idealismus getragenes Referat über den Antisemitismus. Noch lange blieben die Gäste danach beisammen und erfreuten sich des jährlichen Wiedersehens, dem Herr Rabbiner Dr. Cohn-Bonn und Lehrer Wünburger-Linz in ernster und hetterer Tischrede schönen Ausdruck gaben. Ein Hoch aus den verdienten Vorsitzenden schloß die Versammlung. Wtttüch. Der erst fett wenigen Monaten gegründete Verein zur Bildung und' Geselligkett, mit Untergruppe ,Züd. Iugendverein", rief seine Mitglieder zu einem Vortragsabend am 7. d. M. Der Vorsitzende, Herr D. Marcks, konnte eine zahtteiche Pexfammttmg, Der 100 Personen, begrüßen. Der Redner des Abends, Herr Rabbiner Dr. Klei» aus Düsseldorf, sprach über das Thema „Wie fördern wir unsere jndSche Jugend?" In fast einstüudiger Rede führte er die Zuhörer in das Leben und Streben d«9ugendvevettw ein. Er dttoutr befoDers die WichtiBett des Zusammenarbeiten- Mischen Jung und Alt. und meinte, daß man sich finden müsse in dem Streben, die alten, wertvollen Heiligtümer unseres Judentums sich wieder zu eigen zu machen, sie zu pflegen als lebendiges, nicht als totes, überkommenes Gut. Die eindringlichen Ausführungen fanden starken Beifall und erweckten allseitig den Wunsch, über Organisallon uüd Wesen des Verbandes der jüd. Iugendvereine Deutschlands Näheres zu hören, zumal der Wittlicher Verein dem Verbände beitteten will. Herr Rabbiner Dr. Klein kam dem Wunsche sofort nach und gab ein Bild von der Arbeit des Verbandes. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Jugendarbeit im- Mdfelgebiet immer mehr ausgenommen werde und erwähnte, daß der Bezirksverband die Bildung eines besonderen Moselkreises beabsichtige, der die Vereine dieses schönen Bezirkes noch enger miteinander verknüpfen und ihre Arbeit fördern werde zuitz Segen unserer Jugend. Max Ermann-Bach -Wittlich. M.-Gladbach. Am Freitag den 9. September wurde Herr Rabbiner Dr. Gelles, der 10 Jahre has Rabbinat zu Lisfa (Posen) verwaltete, als Gemeinderabbiner der Synagogengemeinde M.-Gladbach in sein Amt eingeführt. Vor Beginn des Gottesdienstes geleitete der Vorstand und die Repräsentanten den Herrn Rabbiner in die festlich ge-. schmückte Synagoge, wo bereits die gesamte Gemeinde und Abordnungen der Filialgemeinden sich versammelt hatten. Nachdem der Synagogenchor und Herr Kantor Feldmann „Ria tauwu" und „Boruch habbo" angestimmt hatten, begrüßte der greise Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr I. B. Jonas, in jugendlicher Frische mit packenden, trefflichen Worten den ersten, das Rabbinat M.-Gladbach begründenden Rabbiner namens der Gemeinde, worauf Herr Rabbiner Dr. Gelles die Kanzel bestieg und in formvollendeter begeisternder Ansprache unter Zugrundelegung des Satzes: „Wer wird für uns gehen? Hier hin ich, sende mich", Ies. 6, 8, sich an seine Gemeinde wandte. Mit dem Abendgottesdienst schloß diese erhebende, für die Geschichte' der Synagogengemeinde M.-Gladbach so bedeutungsvolle Feier. Möge die Wirksamkeit des Rabbiners der Gemeinde zum Segen gereichen. nrmrTTTTinnaaamin luaatxTannrTTTTri i m Oas Modell der Schmerzen*). Novelle von Zsrael Zanqwill. rrrrrnri um MiTinrTTTiTrTTTTmrnrTiTTTiTJTJ Erstes Kapitel. W i e ich das Modell gefunden habe. Ich möchte nicht behaupten, daß es irgend etwas mit meiner religiösen Anschauung zu tun gehabt hätte, daß ich mir die Aufgabe stellte, den Mann der Schmerzen zu malen, aber ich fürchte beinahe, daß mein guter alter Papa in dem Pfarrhause diesen Entschluß für ein Zeichen des Gnadendurchbruches gehalten hat. Ich habe als Künstler immer nur ungern §ine Linie zwischen dem Geistlichen und dem Schönen gezogen, da ich stets der Ansicht gewesest bin, daß die Schönheit dasselbe unbegrenzte Element umfaßt, das das Wesen jeder Religion ausmacht. Es wird mir übrigens nicht leicht, mich durch Worte auszudrücken, da der Pinsel bisher das einzige Ausdrucksmittel war, besten dsch mich bedient habe. Wenn ich trotzdem in diesem besonderen Falle zu der Feder greife, um durch Worte zu erläutern, was mir vielleicht nicht gelungen ist, durch meinen Pinsel auszudrücken, so geschieht dies, weil die Kritik, die mein Bild „Der Mann der Schmerzen" so schwer-angegriffen hat, mich dazu reizt, eine Erklärungen versuchen. Nehmen wir an, daß mein Bild nur halb ausspricht, was Unsren Ghetto-Komödien. * *

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