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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-16 · 120 (16.9.1921) · p. Seite 300

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
120 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
Seite 300 (sequence 4)
Language
German
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300 tat tmb strengste Kontrolle in der Wirtschaft", sowie die Forderung der Privatinitiative für den Aufbau. Theorien und Phriffen verdürben alles. In allen Kolonifationsländera fä der Staat niemals das erste, sondern immer das letzte bestimmende Ding. Es ist vielleicht die stärkste Probe auf die Einigkeit der Partei, kch sich schließlich der Kongreß trotz aller Mei-; nungsverschiedenheiten und Kämpfe auf einer einheitlichen! Entschließwtg fand und nach Erledigung der politischen De- ' batte und Ausräumung der Gegensätze wirkliche und sachliche Arbeit geleistet wurde. So machte im Laufe der ausgedehnten Besprechungen der Palästinafrage Eppstein-Paiästina bemerkenswerte Mitteilungen über die Erfahrungen mit den Arbeitersiedlungen. Der Siedlungsplan von Franz Oppenheimer habe in Palästina keine Aussicht, wenn er schon in Deutschland mit dem dortigen besseren und kulnvierteren Material mißlungen sei. Es ist keine Produktion möglich, wenn der Mensch nicht weiß, daß der Boden sein Eigentum ist, und daß ihm der Lohn seiner Arbeit nicht vorenthallen wird. Kommunistische Gruppen können bei uns nicht existieren (erregter Widerspruch der Arbeilervertreter!). Die Arbeiterführer wollten die Organisation zwingen, die kooperative Wirtschaft sortzusitzen, und sie haben künstlich Arbeitslose in Palästina geschaffen. Bei der städtischen Kolonisation ist es, sagt der Redner, ein Hauptfehler, daß wir keine tüchtigen Schneider, Schuhmacher, Schlosser, Tischler uPv. haben. Daher müssen die Arbeiter das erworbene Geld wieder zu den Arabern tragen. Dir haben wohl einige höhere Schulen, sogar drei Musikschulen, und es fehlt uns nicht an Professoren, Aerzten, Ingenieuren, aber wir haben keine Gewerbeschulen, auf denen tüchtigeHandwerker herangebildet werden können. Bezeichnend ist, daß die Söhne der Ansiedler im Auslände studieren und die Handarbeit den älteren Kolonisten überlasten. Redner beantragt, zugleich im Aufträge der amerikanischen Delegation, daß eine Kommission von fünf anerkannten Fachleuten, möglichst auf einem Lande, das ähnliche landwirtschaftliche Bedingungen aufweist, wie Palästina, die Verhältnisse ein Jahr lang studiert und einen Kolonisationsplan ausarbeitet. IustizratDr. Boden- Heimer-Köln stellt fest, daß trotz aller^Fehler gewaltige Fortschritte im Palästinawerke gemacht worden seien. Fmr die politische Eroberung des Landes ist es in erster Lime wichtig, die Städte zu besiedeln. Der Jude ist meist StadLewohner. Dir müssen Städte begründen und neue Industrien schaffen, wo wir Arbeiter beschäftigen können. Erst mit diesen Städten wird die Absatzmöglichkeit für die Erzeugnstse der Kolonien geschaffen. Wir haben keine Zeit pr. verlieren. In fünf Jahren müssen wir die Majorität im Lande haben (starker Beifall). Redner denkt vor allem an die hochentwickelten Industrien und Gewerbezweige in Polen und Rußland. Es sei schleunigst zu untersuchen, in welcher Form man diese nach Palästina übertragen könne. Auf Antrag Lichcheims wird einstimmig die Verlegung der Raüonalfonds nach Jerusalem ausgesprochen. Verschiedene Arbeitervertreter verlangen Fortführung der Kollettwwirffchast und lehnen die intensive Bewirtschaftung ab. Sie weste« darauf hin, daß auch -alle Sachverständigen die extensive Landwirtschaft als die allein mögliche erklären. Reiter wird auch in der Debatte betont, daß man nicht bloß immer die Arbeiterinteresten in der Kolonisation in den Vordergrund stellen solle, sondern auch an den in Rußland und Pole» stark verbreiteten Mittelstand denken solle. D«se Debatten wurden meist in Jiddisch geführt. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse c c ec c o o c C Q O P.o.o.o.o.o.c>.t,.o.o.o.o.o.o.p c o Q.C<.O.O.O,0.w,OJ :a:o:o:e:oTo:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:o:e:o:o;o:o:o:o:o:e:oio:o:o:c^ Deutschland. Berlin. Am 177 September feiert der Vorsitzende des dilfsvereins der Deuffchen Juden, Dr. James Simon, feinen 70. Geburtstag. An diesem Tage — dem morgigen Sabbath — wird ihm eine künstlerisch ausgeführte Adresie . .einer zahlreichen Verehrer überreicht werden, die die gro-! ßen Verdienste des Jubilars um das jüdstche Hilfswerk gei rührend würdigt. > Berlin. In einer äußerst eindrucksvollen und warm-! herzigen Rede, die der Reichskanzler Dr. Dirth in der i Groß-Berliner Zentrumspartei hielt, wandte er sich scharf; gegen die antisemitische Verhetzung und gegen die Echmutz-! wellen, die von dieser Seite unausgesetzt gegen die ver-! oienlesten Männer des öffentlichen Lebens in Deuffchland ' herangewälzt werden. Der Reichskanzler sagte u. a.: i „Ich habe bei der Zusammensetzung meines Kabintts nicht nach der Parteistellung gefragt; ich habe mir die tüchtigsten Leute geholt, wo ich sie finden konnte, darunter einen Mann, der mit seinen Ideen und Anschauungen seiner Zeit -veit vorausgeeilt ist. der ein ungeheures Einkommen im Stich gelaffen hat, um dem deuffchen Volke und der deutschen Republik zu dienen. Es Ist mein Kollege Walter Rachenau, gegen den jetzt eine elende Hetze im Gange ist. Rarhenau hat dem deuffchen Vaterlande und dem deuffchen Volke bisher schon mehr genützt als hie ganze Stadiongesellschast zusammen. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Einen solchen Mann bezeichnet man als -„Derfluchte Iudenfau". Jawohl, Äathenau ist Jude, er ist seinem Glauben und seinem Gott treu geblieben, und wir als Katholiken müffen vor einem solchen Mann erst recht den Hut ziehen." Lebhafter Beifall.) Hamburg. Eine Verfügung der hiesigen Oberschulbehörde besagt: „In den bei der Oberschulbehörde eingehenden Anzeigen und Mitteilungen wirb darüber gellagt, es fei einzelnen Lehrkörpern noch nicht gelungen, zu verhindern, daß Schüler im Sinne bestimmter Parteien.beeinflußt werden. Es widerspricht dem Wesen jeder dem werdenden Menschen geltenden Schul- und Erziehungsarbeit, Gesinnung und Willen der Schüler in den Kampf der Mächte hineinzuziehen, die außerhalb der Schule politisch miteinander ringen. Abzeichen, die eine Stellungnahme in diesem Kampfe sichtbar machen sollen, dürfen weder von Lehrern und sonstigen der Oberschulbehörde unterstellten Beamten, noch von Schülern innerhalb der Schule, bei Schulausflügen oder sonstigen im Dienst der Schule stehenden Veranstaltungen getragen werden. Die Oberschulbehörde weist mit allem Nachdruck darauf hin, daß jede derartige Beeinsluffung und Bearbeitung der Schüler nicht zulässig ist. Außerdem muß wiederholt auf die Bestimmungen vom 10. Dezember 1920 betreffend Einführung des Religionsunterrichts aufmerksam gemacht werden. Die freie Enffcheidung edr Ellern darüber, ob chr Kind am Religionsunterricht teilnehmen soll, darf in keiner Weife von der Schule gefährdet werden; es muß vielmehr alles vermieden werden, was als eine Beeinflussung der Schüler und der Eltern ausgelegt werden könnte." Berit«. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß äußerst strenge Bestrafungen von Ostjuden, die bereits vor längerer Zell unerlaubt die Grenze überschritten haben, vorgenommeu werden. Die ostjüdische Einwanderung hat . seit zchn Monaten so gut wie völlig ausgehört. Unerlaubte Werbi für den Jüdische« Note« vom Mein! i

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