Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 120 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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iftatA «warben sie sich ein Wohnplätzchen. Bestimmte doch »och die bayrische Verfassung vom 10. Juni 1813: „Die Zahl der Iudenfamilien an den Orten, wo sie dermal bestehen, darf in der Regel nicht vermehrt werden; sie soll vermehr nach und nach vermindert werden, wenn sie zu grob ist." Der Xll. Zioniflenkongreß*) Im Lause der Aussprache über die Siedlung in Palästina wurde zur Frage des Verhältnisies von Arabern und Jrcken in Palästina auch die Notwendigkeit eines-jüdischen Selbstschutzes gegen -Araberangriffe auf die Kolonie gestreift. Das Mitglied der Exekutive in London, Iabotinsky, trat für die Bildung einer jüdischen Organisation ein. Bon d« deutschen Delegation vertraten Rechtsanwalt Kollentscher-Berlin und Dr. Blumenfeld die beiden Hauptrühtungea in d« deutschen zionistischen Bewegung. Beide Red»« wollen auf verschiedenen Wegen eine Zusammenfassung und Festhaltung aller jüdischen Kräfte im Zionismus. Dr. Blumenfeld meinte, daß die nächsten beiden Jahre üb« das Schicksal des Zionismus entscheiden würden. Die nationale Konzentration sei eine Lebensfrage für den Zionismus. Eine Verständigung mit den Arabern müsse unbedingt erzielt werden. Dr. Ruppin-Palästina, der Leiter des Palästina-Komitees, setzte sich mit den Kritikern der bisherigen Tätigkeit des Palästina-KomHees scharf auseinander und wies die Angriffe als unsachlich und ohne Kenntnis der wahren Verbälüchse ausgestellt, scharf zurück. Er beschäftigte sich mit d« ausgestellten Regel, daß die Ansiedler einen Teil ihr« Erfordernde aus eigenen Mitteln anschaffen müssen. Wenn die Erfordernisse aber so groß wären, so gerate man mit dies« Theorie. in einen falschen Doktrinarismus. Bei de» jetzigen Teuerungsverhältnissen und bei der Konkurrenz mit d«i nichtjüdischen Arbeitern könne ef die Verantwortung nicht übernehmen, dieser Theorie zu Liebe auf die landwirtschaftliche Kolonisatton zu verzichten. Eher trete er von seinem Amte zurück. Er habe bisher mit den geringsten Geldmitteln arbeiten müsien. Trotzdem seien günstige Erfolge erzielt, wie die verschiedenen jüdischen Kolonien bemessen. Bei dem Abschluß des Landankaufes in Palästina habe « feine Kompetenzen überschreiten müsien, was von d« Oppostion, namenllich von holländischen Zionisten, ihm zum Vorwurf gemacht werde. Die Verhältnisse geboten ab« eia schnelles Zugreifen, ohne erst die Genehmigung d« Kommission des Nationalfonds einzuholen. Nachdem die Aussprache noch stundenlang weitergegangea war, nahm schließlich Prof. Weizmann das Wort. Er verteidigte die Tättgkeit der Exekutive, wobei er insbesondere wieder den großen Erfolg des Zionismus unterstrich, der in der Aufnahme J£>« Balfourschen Deklaration in den Friedensvertrag von San Remo liege. Diese günstige Gelegenheit auszunützen sollte die Schicksalsfrage des Zionismus und des nationalen Judentums fein. Die Ausführungen Prof. Weizmanns fanden stürmischen und allseitigen Beifall. In der Nachtsitzung kam es zu einem polittschen Zwischenfall. Präsident Sokolow'brachte ein Begrüßuugstelegramm des englischen Verwaltungskommisiars in Palästina, Sir Herbert Samuel, zur Verlesung, in d«n dieser dem Kongreß seine Sympathie ausdrückt und gleichzeittg versichert, daß seine Bemühungen unaufhörlich aus die Errichtung ein« jüdischen Heimstätte gerichtet seien. Die Mehrheit des Kongresses nahm dieses Telegramm mit stürmsschea Kundgebungen und Bravorufen auf Sir Samuel auf. Dagegen protestierten die sozialisttschen Fraktionen, deren Sprecher «Wirten, Sir Samuel habe nicht genügend Schritte für die Erfüllung der jüdischen Forderungen getan und fei nicht mit der notwendigen Energie gegen die arabi-. sche» Pogromhetz« vorgegangen. *) 1«{«| petze vonDe Wochenschau». Sokolow wandte sich gegen die ans Ser Herbert Samuel und die Balsoursche Dekwrcstion. Er warf den Kritikern Mangel an VerantwoxtlichkeitsgeMl vor. Dr. Weizmann, Präsident der zionistisch?» Organssation, versicherte, daß es ein Irrtum sei, wen» man cumehme, sie hätten die Erfolge dadurch erzielt, daß sie sich gewsssermaßen zu einem Träger d« englischen imperiaustüchen Poiittk in 5kleinasien gemacht hätten. Das jüdische Palästina bade für England keinen strategischen Wert. Es wurde daun mit der Erörterung der Palästinafrage begonnen. Dr. Ruppin sprach über die wirtschaftlichen Aufgaben in Palästina. Er schilderte die Schwierigkeiten der Ansiedlübg großer Massen, die nur schrittweise «fotzen kann. Die Wirtschaftsverhältnisse liegen sehr ungünstig. Redner schildert dann die Erfolge der landwirtschaftlichen Kolonfiation, die sich nach wie vor der tatträftigsten Förderung durch Nochschild in Paris erfreut. Auch in den StÄten fei es gelungen, Boden zu «werben, auf dem rund 12 000 Häuf« erbaut werden können. Eine Arbeiterbank sei errichtet, und es sei zu hoffen, daß in Kürze ein Plan für den Ausbau von Wasserwerken und die Ausnützung der Wasserkräfte in Angriff genommen wird. Die SchafstuM landwirtschaftlicher Betriebe sei das denkbar schwerste Problem. Die Lehrfarmen müßten, auch wenn sie Zuschüsse erfordern, weitergeführt werden. Es bandle sich um städtische Kolonisten, denen Gelegenheit gegeben werden müsse, sich in landwirtschaftlichen Arbeiten auszubilden. Von landwirffchastlichen ersten Autoritäten wolle man Kolonisationspläne für Paläfttna ausarbeiten lassen. Es wird dann über die im Ausschuß nochmals durchberatene Vertrauensenffchließung für die Exefutive abgestimmt. Die überwältigende Mehrheit des Kongresses spricht sich darauf unt« stürmischen Kundgebungen für Dr. Weizmann'und Sokolow dafür aus. Der Kongreß sang stehend die hebräische Nationalhymne. 'Trotz dieser Decharge, die mit 348 von 500 Stimmen erteilt wurde, muß doch der hochbedeutsamen Auslassungen von der Seite der Oppositton gedacht werden. - Sie wurde von vier der bedeutendsten Geffter der Bewegung vertreten. Meier Berlin (Amerika) vertrat die. gesetzestreue Frattion Misrachi und wandte sich in glänzendem Hebräisch gegen die Verletzung der religiösen Tradition in Palästina. Genau so wie man in Amerika gerufen hat: „Hände weg von d« Organisation!" muß ein Ruf «gehen von Jerusalem bis Damaskus: „Hände weg vom Judentum! Wir müssen ein Jerusalem bauen und kein.Rom!" — Julius Simon, der zurückgetretene Führer, erklärteren Much lnit Brandeis für ein Verhängnis. Palästina könne außerdem „nicht von London aus gemacht w«den". — Tiefften Eindruck machte die einftündige Rede de Liemes, d« bemängelt, daß die ganze diplomaüfche Arbeit d« letzten Jahre nichts als „Bestätigungen von bestätigten Bestätigungen der Balfourdeklaration" gebracht hätten. Die Schmach d« Pogrome wäre furchtbar. Mit erregt« Stimme erinnerte der Redn« daran, daß ein arabssch« Pogromftist« zu einem Gouverneur ernannt wurde. IssUhkin sagte dem Redn«: „Ein Jude muß dulden lernen." Stolz ruft de Lieme aus: „Ich gehe nicht nach Palästina, umin dies« Weise dulden zu lernen." Die Araberfrage besprechend, wendet sich der Redner gegen das protzMerte jüdische Regiment und bemerkt, daß das Primäre die ffenonchche Politik und nicht das Dst>lomaÜsieren P. Die Frage des Schulwerks in Palästina besprechend, Weitvet sth der Redn« gegen die Subventionierung d« Schulen kn Erez Israel. Es soll ein Schulv«ein entstehen, d« Ht Schulen aushalten soll. Boa tiefem Eindruck war auch das erste Auftreten d« Fraktion Biajam Haarez auf dem Komretz kn feines Mchrers Dr. K o l l e» s ch e r -B er ttj Basler Programm sernuchgebandsm