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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-09 · 119 (9.9.1921) · p. Seite 286

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
119 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 verhelfen. Diese Politik ist mit PoUtit nicht totzuschla- , gen! Rur der Glasbe an die Seele kann uns reiten. Der! Schofarton der ersten Ellultage hallt über die Welt: Schlagen wir an die Brust, denn wir alle haben gesündigt. j Emil Cohn.! Deutschland. Wochenschau Tatsache» m>d Ergebaiffe •iYcwe:o:o:o:o:9yo:o:o:oMoA8AOAo.oAo>AOACAOA°Ao, o'oTo'oTo.o.o.o Frankfurt a M. Tie 5. ordentliche Generalversammlung des allgemeinen Teuljcben Kanrore n verbände s hat folgende Entschließungen einstimmig angenommen : I. Tie Generalversammlung stellt mit Bedauern fest, daß zahlreiche jüdisch Gemeinden Teutjchlands. darunter cutib Groß- und Miuelgemeinden. das soziale Verständnis dem Stande der Kantoren und Religionslehrer gegenüber bis heute noch nicht bekunden. Tie protestiert einmütig gegen die unzulänglichen und unwürdigen Ansrellungs-. Besoldung--- und Versorgungsverbältnisse der .Kantoren und Religionslehrer. Tieie verlangen für sich die entsprechende Anwendung der für Traars- und Konununaldeamre serveils geltenden Anstellungs-. Beioidungsrrnd Beriorgungsordnung. Aus Grrckd dessen ist ihnen die Eingruppierung in diejenige Gehaltsstufe zu gewährleisten, die ihrer Vorbildung und Verwendung entspricht. — Tie Kanroren und Religionslehrer (Kulrusbearnten) werden nckr dieses ihnen moralisch zustehende Recht mit allen. idnen zu Gebote stehenden Mitteln zu erkämpfen wissen. Es wird verlangt: 1. Bezüglich der Anstellung rvährend der ersten neben Tienstjahre darf das Provisorium drei Jahre nicht übersteigen. Rach vollendetem 27.—30. Lebensjahre ist ein Provisorium von einem Jahre bei einem Stellungswechsel zulässig: danach muß lebenslängliche Anstellung erfolgen. Ebenso wird aktives Snd passives Wahlrecht verlangt, sowie Titz und Ttimme in allen Beratungen, die die Funktionen des Kultusbeamten betressen. 2. Bezüglich der Besoldung: Eingruppierung der Kanj roren und Religionslehrer nach den staatlichen Bewldungs-! grundsätzen und zwar: a) in Kleingemeinden nach Gruppe 6. mit Ausrückungsmöglichkeit nach Gruppe 9: ] b) in Mittelgemeinden nach Gruppe 9 bzw. 10 (bei Ver-; Wendung als Prediger eine Gruppe höher): c) in Großgemeinden der erste Kantor nach Gruppe 10 bzw. 11. der 5t9eite Kantor nach Gruppe 9.bzw. 10. II. Zur Erringung der den Kultusbeamten bis heute vorenthaltenen Gleichberechtigung innerhalb der jüdischen Gemeinden, zur Erlangung einer wirtschaftlich gesunden Lage und einer rechtlichen Stellung ähnlich der der Ttaats- und Kommunalßeamten llnd zur Förderung ihrer ideellen Bestrebungen ist eine festgefügte Organisation der Kultusbeamten aus gewerkschaftlicher Grundlage unbedingt erforderlich Berlin. Hier wurde kürzlich ein neuer jüdischer 2Zerlag ,L1al* gegründet, an dem das bekannte deutsche Verlagshaus Mstein beteiligt ist. Der Verlag beabsichtigt die Herausgabe einer großen Anzahl von Büchern in jiddischer Sprache. Zu seinen Mitarbeitern zählen die angesehensten Mischen Schriftsteller, die er sich bereits ver- * pflichtet hat. — Die Leitung hat der ehemalige ukrainische Minister Lazki-Bartoldi. Zu den literarischen Kräften des Berlages gchören die Schriftsteller -Bergelson, Dr. Elja- . scheff (Baal-Machschowes), Kücfchkahn, Leszcynski u. a. Wvh eine hebräische Abteilung ist geplant. In Verbindung .damit soll Bialik demnächst nach Berlin kommen, um we- OM Herausgabe einer Reihe drmkfertiger Manuskripte Bechandlungeu zu pflegen. P»le». Wilna. Die Wilnaer Zeitung,^lnser^rai'nd" meldet aus dem im Gebiete von Wüna gelegenen Städtchen Gluboka: Am 16. August besuchte der Präsident der polnischen Republik. Pilsudski aus seiner Reise das Städtchen Glubota. Zum Empfang bei Pilsudski war auch der Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde I. H. Katz geladen, mit dem der Präsidem längere Zeit konferierte. Piludski leitete das Gespräch mit der Frage ein: ,F)ch will aus dem Munde eines jüdischen Vertreters die Meinung ddrÄ>er hören, durch welcheMmel die altenWunden zwischen Polen und den Juden geheilt werden können." Katz antwortete: „Als die Juden aus Spanien vertrieben wurden und in Polen einen Muheplatz fanden, tzab es keine Wun- I den. Wenn Polen Jetzt den Juden die Möglichkeit gäbe, ,! sich frei zu entwickeln, könnten bald die Wunden, die ihnen geschlagen wurden, heilen." Piludski erwiderte: „Von der ' älteren Generation der Juden wisien wir, daß sie keine Bolschewiken sind, aber von der I u g e n d ist der g r ö ß t e T e i l B o l s ch e w i k e n." Herr Katz klärte den Präsidenten der polnischen Republik darüber auf, baß die Juden in ihrer großen Mehrzahl schon deshalb nicht Bolschewiken sind und sein können, weil sie als vorwiegend handeltreibendes Volk unter dem Bolschewismus am meisten zu leiden haben. Auf die Frage Piludskis, wie die Beziehungen zwischen Polen und Juden seit der Okkupation des mittel- » litauischen Gebietes sich gestaltet hätten, erwiderte der Gemeindevorsteher, in der. ersten Zeit habe man jüdische Bärte santt dem Fleisch rasiert, in der letzten Zeit aber habe sich das Verhältnis gebesiert. Der Staatspräsident erwiderte, all dies fei ihm bekannt, doch man könne jetzt über Dinge,; die in bedangen Kriegszeit vorkamen, keine Klage führen. . Die verschiedenen Okkupationen hätten das Land ruiniert. Er hege jedoch — sagte der Präsident zum Schluß — die * Hoffnung, daß mit dauerndem Frieden sich ruhige, normale Lebensverhältnisie ergeben werden. Litaue». Kowno. (3. C. B.) Soeben sind hier Nachrichten cingetrofsen, daß der Begründer des hebräischen Theaters in Moskau, Herr H. N. Zemah, von der Sowjetregierung die Erlaubnis zum Verlasien Rußlands für die Dauer von 2 Monaten erhalten hat. Seine Ankunft wird hier in den nächsten Tagen erwartet. Berlin. Wie aus Berlin gemeldet wird, ist der angesehene jüdische Deputterte im litauischen Parlament^Advokat Friedmann, gestorben. Friedmann war schon Abgeordneter ln der russischen Duma, wo e^ in jüdischen Angelegenbetten scharfe Kämpfe gegen die reattionären russischen Gruppen führte. Während der Kriegszeit befaßte er sich hauptsächlich mit der Hilfstätigkeit für jüdische MchÜinge und Ausgewiesane und hielt sich zu diesem Zwecke Mehrfach in Warschau auf. Als die litauische Republik begründet i wurde, nahm Advokat Friedmann wieder die jüdisch-poli- ' tische Tätigkeit energisch auf und spielte im litauischen Parlament eine hervorragende Rolle. Mit ihm ist ein energischer Vorkämpfer für die jüdischen Rechte dahingegangen. i Lettland. I —Riga. (3. C. B.) Der Vorsitzende der russischen Repatriierungskommission, Pilowsky, erklärte offiziell H. Schkipona, dem lettischen Vertteter in Rußland, für die Repatriierung der Flüchtlinge, daß die. Sowjetregjsrung die Heimbeförderung der' lettischen Flüchtlinge einstellen würde, sofern auch nicht Lette» (gemeint Juden), deren Namen die lettische Regierung von der Liste der Heimzübefördernden, strich, nach Lettland nicht Hineingelasien werden. In Zusammenhang mit Dieser Mitteilung richtet die lettische Presse eine Reche von Drohungen ^egen Rußland für besten Einmengen in die inneren Angelegenheiten Lettlands. »

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