Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 119 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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887 Gens. (Md. Korr.-Bur.) Wie verlautet, sollen bei der Völkerhundversammlung Vorstellungen gegen die Zulasiung Lettlands zum Völkerbund erhoben werden, da sich die lettische Regierung in der Verwaltungspraxis verschiedene Uebergriffe gegen die jüdische Bevölkerung zuschulden kommen ließ, was gegen das Völkerdundstatut ist. Riga. Demnächst wird in Riga ein hebräisches Gymnasium eröffnet mit ausschließlich hebräischer Unterrichtssprache. Das Gymnasium wird vom „Lettländischen Ver-. band für jüdische Kunst und Wissenschaft" eröffnet. Tschecho-Slowakei. Karlsbad, 1. Sept. Heute, wird der 12. Weltkongreß der Zionisten in Karlsbad eröffnet. Außer den offiziellen Delegierten und Gästen sind Vertreter der gesamten Weltpresse, insbesondere der Ententeländer, eingettoffen. Deutschland allein hat 21 Vertreter der größten Tageszeitungen enffandt. I a m e s R o 1 h s ch i l d, der als Präsident des Kongreßes in Betracht kam, mußte plötzlich wegen dringender Geschäfte a b r e i s e n. Da es nicht sicher ist, ob er zum Kongreßbeginn wieder hier sein kann, wird voraussichtlich Sokolvw das Präsidium des Kongreßes übernehmen. Karlsbad, 1. Sept. Im großen Saal des Schützen- * Hauses wurde heute der 12. Kongreß der Zionisten eröffnet. Ueber 5000 Anhänger des Zionismus aus aller Welt haben sich eingesunden, von denen etwa 2000 als Delegierte am Kongreß teilnehmen. Der Präsident der zionistischen Organisation Prof. Dr. Ehaim Weitzmann, und der Vorsitzende des Exekutivkomitees, Rachun Sokolow, eröffnen den Kongreß in he-; bräischer Sprache. Pros. Dr. Weitzmann hebt hervor, daß die Balfoursche Deklaration die zionistische Frage noch nicht löse, aber die Möglichkeit einer Lösung biete. Der Orienl sei noch in ständiger Unruhe, der Friedensvertrag mit der Türkei noch nicht rattfiziert, das Mandat noch nicht bestä- ' tigt. Die britische Regierung habe ihr Wort gegeben, in voller Erkenntnis ihrer Verantwortung die Frage einer; jüdischen Heimstätte ihrer Lösung entgegenzufuhren. Die! Zionisten seien überzeugt, daß die englische Regierung ihr Wort halten werde. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Der Kongreß werde den Plan derErweiterungder Kolonisationsarbeiten zu erwägen haben. Karlsbad, 2. Sept. Zum Präsidenten des Zionistenkongreßes wurde auf Vorschlag von Prof. Marburg, Berlin, Sokolow, London, einer der Haupfführer des Zionismus, gewählt. Prof. Dr. Weihmann streifte in seiner Eröffnungsrede auch das Verhältnis der Juden und Araber in Palästtna.! Er beklagte die feindliche Haltung eines Teiles der arabi-! scheu Bevölkerung gegen die jüdische Kolonisatton, für die! kein Anlaß vorhanden sei. „Wir wollen kein Iota der uns ’ durch die Balfoursche Deklaration gesicherten Rechte preis-! geben (Stürmischer Beifall), wir wollen aber auch die! Rechte unserer Nachbarn nicht antasten. Juden und Araber > können nebeneinander leben und gemeinsam für das Ge-; deihen des Landes arbeiten."' (Stürmischer Beifall.)! Präsident Sokolow führt aus, daß die Zivilisallon in! Palästina eine Ehrenaufgabe für das Judentum sei. Für j das Zivilisationswerk werden die Juden alle chre Kräfte einsetzen. (Lebhafte Zustimmung.) Mit großem Jubel wurde sodann vom Kongreß eine Ansprache des englischen Gesandten in Prag, Sir George Clark, ausgenommen. Er überbrachte die Grüße der britischen Regierung und erklärte weiter, unter Anführung der Balfourschen Deklarallon: „Die Zionisten stehen vor Pro-. blemen, die riesiege Staatskunst erfordern, aber sie-haben Führer wie Weitzmann und Sokolow, die für die Äsung diser Probleme vollauf befähigt sind. Geduld und redliche Bemühungen aus der Grundlage der Deklaration müsien zu einer vielversprechenden Zukunft führen." Der Präsident der TschechAnoaAche» Proseßor Masaryk, hat in einem Schreche» « greß seine Sympathie für die zioniMch ch«, ebenso der tschechoslowakische AußenminPn Auch von verschiedenen anderen Stellen sind der leitung Sympachieerklärungen zugestellt Word«. Es begann sodann eine sehr ausgedehnte über die Tällgkeit der Exekutive, in der die Gruppen und Fraktionen innerhalb des Worte kamen und mehrere Redner in vüksi Weise ihrer Krillk Ausdruck gaben. Karlsbad, 4. Sept. Die Generaldebatte GerGr Tällgkeit der Exekullve, die sich an den einletteud« richt von Lichtheim - Berlin anschloß und z» der 7i Redner eingeschrieben sind, nahm auch die voll in Anspruch. Julius Simon-Haag mahnt zur Geschlosienhebh die nötig sei, wenn nicht in Anbetracht der gen und Spaltungen, wie sie sich aus dem der Wiederaufbau Palästinaszu TurmbauvonBabel werden soll. Bon könne die Palästina-Arbeit nicht gemacht werden. Wünschen eines erheblichen Teiles des Kongresses wBi auch insofern Rechnung tragen, daß neben der Exekullve in London eine besondere Paläftiaa-E»» k u t i v e errichtet werden soll. Weiter wurde vo» der Opposition behauptet, daß die Berichte über PalDma schönfärberisch seien. Auch das Verhältnis z» d» Arabern bedürfe der Klärung. Es müsse eine friedliche Verständigung erzielt werden. Namens zahlreicher Arbeitergruppen beantragt Dr. Marlln Buber-Berlin eine Entfchließimg, in der es «,». heißt: Der starke Kern des jüdischen Volles ist entsthboD«, in seine alte Heimat zurückzukehren und in chr em auf unabhängige Arbeit begründetes Leben and» Das jüdische Volk, seit 200 Jahren in allen Länder» v vergewaltigte Minderheit, kehrt nicht, um ein andetts Voll zu bedrängen oder zu beherrschen, in das Land zmÄch Mt dem es unvergeßliche Bande verknüpfen. In einer Sonderversammlung sprach der Ptckgkr Dichter Max Brod über „Judentum, Christentum' Ü& Heidentum". Sowjet-Rußland. Reval. Erst jetzt wird hier der Wortlaut der Rehlution bekannt, die aus der Bildungskonferenz ««Wischen Kommunisten in Hommel gegen die WPheL 8Wanstalten angenommen wurde. Die IeschiwauS, hlAk <5 darin, seien Brutstätten des Aberglaubens, die die zu Psychopaten machten und müßten mit Stumpf «td' ausgerottet werden. Dagegen müßte beim' die Chedarim etwas mehr Vorsicht und übt werden. Auf alle Fälle müffe auch hier dige Liquidierung dieser jüdischen Sonderschulen HÜtzWkbeitet werden. London. Berichte der englischen Berti' kau beställgen, daß die letzten Iulipogrome in R»ßlaG Bauern und Deserteuren der „Rot« Armee" und mit der Hungersnot in direkter Verbindung Riga. In Petersburg und Moskau werd« Häuser errichtet, um 500 jüdische Pogromwaü« i bringen. Hundert Millionen Rubel sind zu Nqftfc ausgeworfen Word«. Miilrici» Bukarest. Der rumänische Mimsterrat hat mig beschloss«, die Grenze für die KtchksinM land zu sperren, da sich in Rumänien Mische Flüchtlinge aus Rußland befinden, derfthon in Rumänien aus Rußland, soweit sie keine