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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-09 · 119 (9.9.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
119 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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VOM RHEIN Erscheint jede, Kreit««. preis 3.— M. »r»«tl. Z» beziehe, d,rch si»1liche P,stö»ter »der dmrch de, BitttttiUg i, vm» JfidjflChoS VOlkfibl&tt yerausH. von Rabbiner Dr. (Sni <l»h«, Avon, ^GeschäfissteLe D»«m: Ärüdergaffe 52. Geschäftsstelle Rite: llrim^fclirg.— WL |1» Meter* HEtitDeüe. 21» «■«».74747. 52. Tel. B 996®. Jüpwtn 119 Köln, 9. September 1921. — 7 Klirrt 5681 t 3.|^r|nf. An unsere.Kölner Leser! Durch die plötzlich außerordentlich gesteigerte Auflage unseres Blattes ist bei der Pvstzeitungsftellc Köln unvorhergesehen eine Stockung eingetreten, die zu unserem größten Bedauern dazu geführt bat, daß unsere Kölner Leser die letzte Nummer verspätet erhalten baden. Dir haben sofon die nötigen Schritte eingeleiict. daß in Zukunft die pünktliche Zustellung sicdergestell: ist. wie es bisher auch war. Die Leser flnden auf Seite einen vorgedruckten Bestellzettel, dessen Ausschnitt, Unterzeichnung und Einsendung (15 Pf. Porto» für den regelmäßigen Bezug genügt. Iüdsscher Bote voW Rhein. 0OOOOOOOOOOOOOCXD0OO0OOOOOOOOOOOOOOOOOOOO I Politik I OOOOOOOO0OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO0OO0OOOOO -Das fÜLfr ebtLcie Srralagcmkr: Denn irgend ein Vertrauen auf die De»km»gsQrt des Feindes muß mitten im Kriege übrig bleiben, weil fönst auch kein Fried« abgeschtöste, werde» körmle. »aö. „3ut ewigen Frieden". 1795. Ich war iy München, als die Nachricht von der Ermordung Erzbergers kam und an allen Straßenecken angeschlagen war. Ich war entsetzt, ob dieses Mordes eine beinahe vergnügte Stadt zu finden. Ich habe die Gesichter beobachtet, wie sie an den Anschlägen die verhängnisschweren Worte lasen,-und auf fast allen das „Ay!" gesättigter Rache beobachtet. Dadin also dringt die Politik den Menschen, fragte ich mich und mußte mich ernstlich vor die wettere Frage stellen, ob nicht im Falle der Ermordung, sagen Dir, eines Ludendorsi. dasselbe „Ab!" der Genugtuung auf der anderen Sette, ja, vielleicht sogar bei mir selber erklingen würde? Es kann einen schaudern bei diesem Gedanken, denn er bedeutet ganz etwas anderes, als daß, wie man sagt, „die Pvlütt den Charakter verderbe". Er bedeutet, daß Politik zumverruchtesten aller Dinge und Partei zum menschensressenden Götzen werden kann, daß aber nirgends dieser Satz so Geltung hat als in einem geknechteten Volke. Don wird Politik zum töllichen Haß, Parteilichkeit zur Dut, und der politische Mord ist dann nichts als die Gesichtsverzerrung des gepeinigten Volkes. Ich. kann die Letzte verstehen, ja, ich gehör? selbst zu den Leuten, denen angesichts solchen Geschehens der Ekel vor all. dem politsschen Treiben in den Hals steigt und die Angst dckzu. Dir wissen, datz ohne Polüik die Geschicke der Böller nicht zu leiten sind, und daß wir uns, selbst wenn wir wollten, ihren Wirkungen picht entziehen können. Aber wir wissen darum auch, daß sie vrstenfalls ein notwendij llebel ist, und niemand darf uns wehren, sie in elender wegen dieses lleblen in ihr z» Haffen. Ja, in solcher Zeit, 1 wo das Volk ohnmächtig feine Stacheln nady innen kehrt, fangen wir an zu fühlen, daß, wenn man ferne Seele Leb hat, man den besten ^Lil seines Lebens abseits von diesem verruchten Ding, das wir Pvlitll nennen, leben muß. Es gibt Höheres als das. Wenn ich so etwas an dieser Stelle sage, so ist das eia Aufruf zum Judentum. Wir Juden sollten vorangehen, denn wir sind berufen dazu, berufen durch unfern Glauben und durch unsere Geschichte. Die Heiligkeit und Heiligung des Lebens um jeden Preis, die Sinn und letzte Deutung unserer Thora sst, sollte uns zeigen, daß wir heute mehr als je berufen. sind, jenen Weg der idealen Einsamkeit und Sonderung zu gehen, der Jahrtausende lang unser Erbe war, ja, daß heute vielleicht das Hell der uutergehenden Welt darin liegt, daß sich Menschen, daß eine Gemeinschaft sich findet, die mtt uralten Angen aus den Totentanz des rasenden Europa schauend das fällt Bekenntnis cchfegt: „Es gibt noch anderes als das und wir wolle« eszeigen!" Und dann den ersten Schritt tut, aus dieser fürchtersschen Welt hinaus in eine bessere hinein. „Der Gerechte lebt durch sein Vertrauen!" heißt es bei uns, und wenn irgend ein Voll diesen Sah^bewahrheitet hat, fv sind wir es. Unsere Geschichte ist ein ein-iger, großer Beweis, daß Vertrauen allein in der Well der Menschen des Lebens Pfeiler und Brücke ist. Mindestens so hoch als die Feindesliebe, die wir lchrten, ist das Feindesvertrauenzu werten, d. h. der Glaube an den Menschen mitten in Haß und Dut und Reib und Tod und Vernichtung, der Glaube daran, daß selbst im tätlich gehaßten Gegner irgendwo immer noch irgend etwas steckt, zu dem wir sagen müssen: „Das bist d« selbst, du selbst mit deinem Denken, deinem Wesen, deinem letzten Sein, und" weil du es bist, mußt du chm glauben wie dir sechst!" In diesem Vertrauen — das lehrt unsere Geschichte— hoben wir Juden immer gelebt, find bundezttnal enttäuscht und tausendmal betrogen worden und habe» dennoch de» Glauben an das Gute im Feinde nicht verloren. Dir, die QaA* rechteten, die Enterbten, die Narre» unseres Vertrauens, mehr als einmal herabgersssen aus de» Himmeln unseres Menschheitsglaubens, sollten de» uns selber ansangend die große Abkehr halten von jenem verruchte» Getriebe, das Politik heißt, das aber die Holle ist, dem» es beginnt zwar nur — nur! — mit dem Morde von Menschen, es endet aber mit dem fchllmmsten, entsetzlichsten Meuchelnwrde, berv denkbar ist: Das ist der Mord des Vertrau*« s, durch das Erde und Himmel bestehen. Fangen wir bei uns selber an. Entgifte» wir uuser jüdisches Leben, indem wir de» ParteSampf im eigene» Lager entsagen, wo ja doch der andere immer nur der Lump jst, und jede.andere Memnng eine Schufterei. Jahrelang haben wir uns befehdet, in alle» Versammlungen uns niedergeschrieen, verhöhiü, beschimpft, alles im Namen der Politik. Geht man in die Tiefe, fo sieht »an, daß bisse Politik immer nur eia Borwand war, «m das Menschllchste und Reinste in uns, unsere Seele, zu unterdrücke», und den höllischen Mächte» in «ns, Gier, Gewalt, Zorn, Haß» Ehrsucht, d. h. der Unzucht in uns, zu» freie» Oraftefpiel

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