Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 112 (22.7.1921)
- Date
- 1921-07-22
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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schlicht in den Dienst seines jüdischen Volkes stellt: einen solchen Mann hat es vor Albert Einstein noch nicht gegeben." Nürnberg. Aus einem sonderbaren Anlaß kam es in! Nürnberg zu einem Streik einer Reche von Dozenten! der Handelshochschule. Aus der Hochschule, die hauptsächj lich aus städtischen Mitteln gegründet wurde, machen sich! seit mehreren Monaten antisemitische Umtriebe bemerkbar, die durch eine deutschvölkische Studentenverbindung „Wehrhaft Franw-Bavaria"'eine besondere Steigerung erfuhren. Als Urheber der Schmähungen, die fortgesetzt in einer Kneipzeitung erschienen, wurde der Student Stroemsdoerser festgestellt, der vergeblich vom Senat aufgefordert wurde, die Beleidigungen zurückzunehmen. Hieraus wurde Stroemsdoerser vom Senat mit Entlastung de- | droht. Dann ließ der Rektor der Handelshochschule einen Anschlag der Franco-Bavaria, worin u. a. von den Aufnahmesuchenden die eidesstattliche Erklärung verlangt wurde, niemals eine Heirat mit einem „farbigen oder jüdischen We8>e" einzugehen, vom schwarzen Brett der Hochschule entfernen. Hierauf erfolgten von einer Minderheit der Studenten unter Führung Stroemdoersers neue Kränkungen gegen Rektor und Senat, worauf der D o z e n - j tenstreik einsetzte. Die Etudentenversammlung billigte! das Disziplinarverfahren gegen Stroemsdoerser, sprach; Rettor und Senat das volle Pertrauen aus, legte jedoch gegen den Beschluß des Etadtrats von Nürnberg auf Entfernung des Anschlages Verwahrung ein, da er „eine Gej fährdung der akademischen Freiheit" bedeute. Auf Grund j dieser Beschlüste wurden die Vorlesungen an der Handelshochschule wieder ausgenommen. Der Senat hat die Entlastung Stroemdoersers beschlosten. P»le». > Warschau. Der neue polnische Außenminister Skir- : munt hat, dem allgemein in Polen eingeristenen Gebrauche folgend, bei dem von ihm veranstalteten Presteempfang die ' jüdischen Prestevertteter übergangen. Dagegen hat er für die jüdische Presse einen besonderen Empfang veranstaltet, der am 28. Juni stattsand. Skirmunt betonte, daß dieser , Sonderempfang deshalb veranstaltet worden sei, weil er! mit den jüdischen Vertretern spezielle Fragen, die die Iu- - denheit betreffen, besprechen wollte. Eine seiner wichtigsten : Ausgaben sei es, ein harmonisches Zusammenwirken aller > Bürger ohne Unterschied der Konfession zu ermöglichen. > Die polnisch-jüdischen Verständigungskonferenzen wären > nur provisorisch ausgesetzt worden und würden bald! wieder ausgenommen werden. Er sei vollkommen vorur-! tellslos und bitte als Philosemit um moralischen Kredit für! seine Politik. j Tschecho-Slomakei. Karlsbad. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat den 12. Zionistenkongreß auf den 1. S e p t e m - der nach Karlsbad einberufen. Das vorbereitende Büro des Kongrestes unter der Leitung der Herren Julius Berger und Dr. Martin Rosenblüch hat seine Tätigkeit bereits begonnen. Zweifellos kommt dem diesjährigen Zionistenkongreß eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Wettenwende seit dem letzten Kongreste, dem 11. Zionistenkongreß in Wien, hat für den Zionismus und dos jüdische Volk politische Folgen von einer Tragweite gezeitigt, wie sie in der Geschichte der Völker einzig dastehen. Es ist daher begreiflich, daß den Verhandlungen des Kongresses überall mit der größten Spannung entgegengesehen wird und daß mit einem sehr starken Besuch zu rechnen ist. Die tschechoslowakischen Behörden bringen dem Kongreß das größte Interesse entgegen und bemühen sich, den Kongreßbesuchern in wettestem Maße Erleichterungen zu gewähren. Insb^ondere wird die Vstaerteilung an solche Reisende, die sich durch eine offizielle Bescheinigung ihrer zionistischen Landesorganffation rrsp. chres zionistffchen Sonderverbandes als Besucher des Kongrestes ausweisen, von allen tschechoflowakstchea Konsulaten ohne weiteres geschehen. Voraussichtlich wird auch eine Ermäßigung der Visil-Gebühren für Kongreßbesucher gewährt werden. Rußland. Wie». Warschauer Zentralstellen erhalten unausgesetzt Berichte aus Weißrußland über Mordtaten und Plünedrungen, welche von Banditen, die sich unter dem Namen „Powstanci" organisierten, ausgeführt wurden. In letzterer Zeit organisierten sie in der Slucker Gegend förmliche Pogromzüge, bei welchen Hunderte von Juden das Leben einbüßten. Nach Dilna gelangen gleichfalls Meldungen von Pogromen in der Mosirer Gegend, wo die Banden nicht nur morden und plündern, sondern auch Juden als Geisel verschleppen. Äe Zahl der jüdischen Flüchtlinge, welche mit Hinterlassung chrer ganzen Habe aus ihren Wohnorten fliehen, wachst dadurch von neuem an. Die zionsttische Zentrale in Wilna hat gleich nach Einlangen der Schrekkensmeldungen Schritte unternommen, um den gefährdeten Juden Schutz zu bieten. Unter den Ermordeten befinden sich wie bei allen ähnlichen Bestialitäten zum großen Teil Greise, Frauen und Kinder. Es besteht der Verdacht, daß diese Banden, die sich immer mehr und mehr ausbreiten, von Stellen und Personen außerhalb Sowjetrußlands gestützt und gefördert werden. Wiener Morgenzeitung. 6ftNfrifo. Berti,. Hör kurzem erschien in allen Zeitungen ein unverständliches Remer-Telegramm über einen Aufstand der „Israeliten" in Südafrika. Nunmehr bringen die englischen Zeitungen die Aurklärung. Unter den Schwarzen der Gegend von Queenstown im Kapland rauchte vor längerer Zeit ein Mann aui, der sich für den Propheten Enoch ausgab. Tamil verband er den Glauben, dag in nächster Zeit Christus in leiblicher Gestalt aus Erben erscheinen werde. Ein Hügel bei Bullhoek (in der Nähe von Queens ownj sollte die Stätte des Erscheinens sein. Tem ^Propheien" strömten viele Anhänger zu. Tie Sachc komplizierte sich dadurch, daß die religiös erregten Eingeborenen, die dem Wunder entgegenharrlen, auch dabei sein wollten, wenn cs sich vollzog. Sie eigneten sich darum in der Nähe des Hügels von Bullhoek Staatslandereien an, aus denen sie sich Lohnhöhen erbauten. Alle Versuche, durch gütliches Zureden oder durch den Hinweis auf Recht und Gesetz die sanatisierren Schwarzen -um Verlassen des usurpierten Bodens zu bewegen, schlugen fehl. Tie „Israeliten", wie sich die Schwärmer nannten, erttärten. sie könnten nur „Iehovah" geborchen, weder eine bürgerliche Autorität noch irgendein Gesetz könne sie darin beirren. Nach einer von General Smuts im Parlament gegebenen Darstellung entsandte die Regierung den Minister sür Eingeboenenangelegenheiten und späterhin eine besondere Komminion nach Bullhoek, doch blieben Verhandlungen erfolglos. Gegen einzelne Eingeborene wurde auch gerichtlich eingeschritten, aber die Gesehesverächter erschienen einfach nicht vor Gericht. So entschied sich die Regierung. Gewalt anzuwettden. Eine Polizeimacht von 800 Mann rückte gegen das Torf vor. Sie Hane zwar den gemesieuen BefeP, Bmtvergießen zu vermeiden und nur im äußersten Falle von der Waste Gebrauch zu machen. Als aber die Smwarzen der Aufforderung zur Uebergabe nicht nachkamen und sich zur Wehr setzten, feuerte die Polizei, uud nach wenigen Sekunden wälzte sich über die Halste der Schßvarzeu im Blme. 199 Eingeborene blieben tot, 125 verwundet aus dem Platz. Ter Rest der Eingeborenen ergab sich. Enoch und sein Bruder wurden gefangen genommen. Das Torf wurde zerstört. — Tie gesamte englische Presse, mit Ausnahme dcr militärischen Hctzorqane und besonders der antisemitischen „Morniug Post", verurteilt das Borgchen der südafrikanischen Polizei ams schärffte und verlangt Sühne. Reroyart. (3. <L B.) Die von der Baei-Brith-Loge begründete „A»ll-Desama1ioa Leaguk" (Liga gegen Ber-