Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 111 (15.7.1921)
- Date
- 1921-07-15
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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3s0eab «ab Brautzeit — ich habe einen kurzen, aber bebeatna85DoQai Blick in diese nunmehr 53 Jahre zurückliegende Zeit getan. Aus ebenmäßigen, scharfgestochenen Schriftzügen, aus einer edlen, blühenden, am ganzen Reichtum unserer Klassiker genährten Sprache steht das Bild der Jungfrau von damals wieder auf: gerüstet mit .ebenso feiner Klugheit wie erlesener Bildung erblickt sie im Manne chrer Wahl, in seinem Wisien, in seinem Beruf, in seiner Männlichkeit ein Ideal, das mit glühenden, verschwenderischen Farben immer aufs neue zu zeichnen das Herz m'cht zufrieden und die Feder nicht müde wird. Das war die Siebe chrer Jugend, die Huld ihrer Brautzeit. Aus ihnen „zogst du mir nach in die Wüste, in unbesätes Land", folgte sie dem Gatten aus dem Land des Traums in das der Dirttichkeit, das die Kraft des Geistes und der Schweiß des Angesichts erst urbar machen, in die rauhe Welt, die gar manchen Blütenttaum nicht reifen läßt, in den Ernst des Lebens, der unser Aeußeres härter und schroffer formt und unser Inneres stiller und verhaltener. In dem aber gerade deshalb zu erfolgen hat die Erprobung und die Erfüllung. die Weche und die Vollendung, wie auch diese beiden sie vollzogen haben in der unwandelbaren Treue und Encheit chrer Lebensgemeinschaft, in dem hohen, jüdischen Hans, das sie sich und ihren Kindern errichtet.' „Wohl bem, der seiner Väter gern gedenkt." Was könnte Ihnen Besteres, Tröstlicheres, Heilsameres in dieser Abschiedsstunde gesagt werden? Wenn die Erinnerung an Idren Vater seinen Charakter und seine Festigkeit vor Sie binftellt, seinen lohenden Eifer fiir Religion und Judentum, seine unermüdliche Tatkraft im praktischen Mensckbeüswerk: dann darf und wird das Gedächtnis der Mutter vor Ihnen ausbreiten das Bild der j ü d i - s ch e n Frau, „auf die des Mannes Herz vertraut", die in rastloser Regsamkeit ihr Haus betreut und verwaltet, die eine Stätte des Gedeihens gründet für das kommende Geschlecht. um es dort in reiner Luft und auf gesundem Boden auf- und hineinwachsen zu lasten in die eigene Verantwortung und Lebenstar. Und wenn dann weiter, geführt von diesen hehren Gedanken und Erinnerungen, all dieguten Geister Ikftes nunmehr endgültig geschlossenen Elternhauses Eie in die eigenen Häuser, in jüdstche Häuser begleiten, dann, meine Verehrten, dann streicht auch über dieser Mutter Grab, wie über das Grabmal der Stammutter Rahcl in Ramah, der kosende Lusthauch mit der köstlichen Tröstung: fesch schchar liph'ulosech: Du Frauen- und Mutterherz käst nicht umsonst geschlagen und gesorgt; wejesch tiquvh leacharisech: Nicht für die Gegenwart allein, auch für die Zukunft hast du gewirkt und gestrebt; weschowu wonim ligwulom: Deine Kinder bleiben in idrer, in deiner Heimat, bleiben deineKinder! Amen. * zu erfüllen der Vorstand mü bestem Erfolge sich angelegen sein läßt. Große Aufgaben erfordern aber auch große Mittel, namentlich in unserer teuren Zeit, so daß nur zu wünschen ist, der Wohltätigkeitssinn edler Menschen möge den Verein in die Lage versetzen, seine segensreiche Tätigkeit immer umfastender gestalten und ausbauen zu können. Bonner Nachrichten Die besten Ringer des jüdischen Turnvereins „Hakoay" aus Wien haben sich verpflichtet, am Freitag den 22. Juli, abends 7 Uhr, in der Beelhovenhalle zu Bonn gegen den Athletenverein Eiche-Bonn zu starten. Dies ist das erstemal, daß jüdische Achteten ihr Können öffentlich zum Austrag bringen, und dürsten die einzelnen Gänge der Partner außerordentlich interessant werden. 'Dem Wiener Verein geht ein glanzender Ruf voraus, da andere Mitglieder der „Hakoah" wiederholt in Deustchland als Turner- und Fußballspieker angetreten sind. Wir weisen auf die Anzeige des Athletenvereins Eiche in der heutigen Ausgabe ganz besonders hin. Die Botentasche Gin Zeitungsmenu. Mein Freund -v>. in Berlin, eilt liüernnidter jvcutichinerfer, freut fick der vielen, jetzt ericlie inen den Zeitungen ::: d ^oa-eiiHiinei'. Er hat fiat für die verschiedenen Festtage daraus ein Menu hergestellt. Er liest nämlich: an Venack. die ..Freiheit", an Tckorr-uaus dre ..Vocke". an Rattick da-ckronol) die ..Postrune". en Tuccaus t-ie ..Gartenivnle". an Chanukka die ..Fackel", an Purim den „(Balgen". V. * 2ckahres (^efchichtchen. . P.etT.cn 2u' 2:eine st alten?" traate kürzlich der CSijef u: arpc‘rl;cncn Tiamantschle'.'erei Fr. in Tusscidori einer, jeeben in seinen Verrieb eingestellten ostjüdiscyen Arbeiter, der s'ch a!* 2chlci'er bei ihm gemeldet haue und mehr aus Mitleid als aus Bedari angenommen worden war. „Varum soll ich nicht 2tcinc stalren können?" war die Antwort, und so erhielt er einen giosten Prillamcn von hohem Verte, damit er ihn in einige kleinere 2tetnc zerlege: ..Aber nehmen 2ic üch in Acht", tagte der Eher. t^cx 2tcin kostet 5000 M.!' — Als der Eher aber einige Minuten später Nachsehen kämmt, findet er das k.stbare Tbjekr aut der Platte des Arbeiters rollständig zer- °°rl-.us:n rar. ,,2ic unverschämter Mensch! Vie kommen 2ie da.ru. -u behaupten, daß Tie 2:eine spalten können? Ter Ttein koste: 5'Mt M.! Ich werde Tic verantwortlich machen! Tie werten nur den Ttein ersetzen! Auf Heller uno Pfennig werden Tic ihn mir ersetzen!" — Ta zuckte der Cftjr.be die Achsel und sagte mit hochgezogener Ttirnt „Nu. — er ist doch garnrr mehr wert, der Ttein!" Köln. Der Israelitische Unterstützungsverein hielt am Montag, den 20. Juni, seine Generalversammlung ab, in welcher der Jahresbericht erstattet wurde, nach welchem die Ausgaben für Wohltätigkeits- und Fürsorge-Zwecke im vorigen Jahre die stattliche Summe von M. 180 000 erreichten. Daraus ergibt sich der Umfang der Leistungen dieses, die Armenpflege und -Fürsorge der Kölner Svnagogen-G«nemde als Zentralstelle bewirkenden Vereins, dessen erster Vorsitzender, Herr B. Feilchenfeld, seit vielen Jahren erfolgreich bemüht ist, den Verein neben der wohlorganisierten Armenpflege, eine fürsorgende, wirtschaftlich bedrängte Existenzen stützende Hllfstätigkeit großzügig entfalten zn lasten. Gerade auf dem Gebiete sozialer Fürsorge bat der Verein. Großes geleistet und in Gemeinschaft mit den gleiche Zieke verfolgenden übrigen Wohltätigkeitsvereinen der Gemeinde in zahlreichen Fällen reichen Segen j gestiftet. Arbeit und Berdienstmöglichkeiten Hilfsbedürsti- ' gen znznweifen und so das selbständige zznd selbsttätige > Sichhera«helfen ans wirtschaftlicher Bedrängnis zu för- ' bern, P «ne Hauptaufgabe des Vereins geworden, welche - Gr nimmt nur Papiergeld. (r-j rear an cir.jtn Feiertage. Vir hatten hier eine stille Beerdigung von aufwärts. Auch unser Minfanmann kehlrnick't dabei. Im Fortgehen 'ragken mich die Hintcrbltcber.cn, wer der Mann mit dem großen Bar e sei. ob man ihm was „geben" d-ür'c. Ich erwidertet Ein andermal schon, heute jedoch, am „Jom tow" wird der Mann gewiß kein Geld annchmen. Als ich jedoch merkte, daß unser ^Minjcnär" dennoch eine ..erwartende" Ttellnug entnahm, machte ich mich davon, um nicht zu stören. Bon der Ferne hörte ich dann einen kurzen BoruvechHel, der stch bald in Vohlgeiallen ouilöste. Als ich aus dem Heimwege die Leute darüber befragte, sagten sie mir: „Vir lvlen dem Marne drei Tilbertranken an, er aber erwidertet am Jomirrv nehme er ri u r P ap i e rg e l d an. Ta wir hier aber ifc> dem Fünfsrankenschetn die kleinste Geldnote haben, so waren wir genötigt, ihm fünf Franken zu geben." Ich beruhigte die Herrschaften, indem ich sagte, Tie können zufrieden sein, daß der Mann nicht gesagt hat, am Iomtcw nehme er nur Gold an. Meffivger, Bern.