Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 111 (15.7.1921)
- Date
- 1921-07-15
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 2× ep/1000826
- Smolensk 1× ep/1000959
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Lettland. Riga. Die Konferenz der jüdischen Gemeinden in Lettland wählte ein permcmcmes Erekuttvorgan, den Waod .Hak'hillot, welchem 15 Vertreter.aller jüdischen bürgerlichen Parteien, darmner 7 Orthodoxen, angehören. Die Konferenz scytc auch ein Wahlkoimtee zur Durchführung von Wahlen in der: jüdischen Nationalrat nach dein Muster Lianen ein. Sowjet-Rußland. London. N'ach einer hierher gelangten Meldung der Petersburger Leitung „Prawda" sind in Smolensk die Rabbiner Ginsberg und Friedland zu zu^i Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie durch Fördermig einer „Gciellschaft zur UnterPützung armer Juden" sich angeblich acgenrevolutionär betätigt hauen. Die Synagogen des Srtes seien von den jüdischen Bolschewisten lvschlagnayinr V. ülbcil. Riga. Laut hier cingetrofsenen Nachrichten aus Ruß- 'and sind Mitte Juni im Gouvernement Minsk von den reten Soldaten einige Pogrome gegen die jüdische Bevöllcrung verübt worden. Einzelheiten stehen noch aus. Belgien. Antwerpen. Hier herrscht unter den polnischen und rumänischen Immigranten eine große Panik infolge der überraschenden Meldung, daß die Zahl der Einwanderer nach Amerika auch für den Monat Juli bereits überschritten sei und daß die Einwanderer trotz ihrer visierten Päsie nicht nach Amerika gelangen können. Bloß bei einer Schisfsgesellschaft allein sind mehr als 1000 Emigranten stecken geblieben, deren Lage verzweifelt ist, größtenteils Ukrainer, die auch nicht heimkehren können. Schweiz. Berlin. Aus der 13. Session des Bölkerbundrats, die in Genf eröffnet wurde, verlas der Präsident da Euna einen Bericht, nach dem die Regelung des Palästina-Mandats und der übrigen Mandate der Gruppen A und 13 weiter verschoben werden solle, da die in der letzten Session des Rats erbetene Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Regelung der Mandatsfrage von der Union noch nicht vorgenommen worden sei. Die hauptsächlichsten alliierten Staaten sind gebeten, sich einzeln mit der Union über diese Frage zu verständigen. Die Verschiebung wurde angenommen in der Erwartung, daß die Regelung noch vor der nächsten Völkerbunds-Versammlung vorgenommen werden kann. Man hofft, daß noch vorher die Verständigung mit der Union zustande kommt. Amerika. London. Laut der „Times" sind in den Vereinigten Staaten bereits etwa 23 Millionen Franken gesichert worden für den Bau der hebräischen Universität in Jerusalem, ein Viertel des Betrages allein infolge der Bemühungen Prof. Einsteins. ‘ ' Newyork. In Anwesenheit vieler Schriftsteller und Verehrer von Scholem Alejchem ist in Newyork am fünften Todestage des Dichters sein Denkmal enthüllt worden. London. Die britische Konferenz der Missionsgesellschaften, die von Vertretern aller größeren Organisationen der anglikanischen undchristlichen Kirchen beschickt war, beschloß die Aufnahme einer Campagne gegen die antisemitische Propaganda, welche in letzter Zeit durch einen Teil der englischen Presie geführt wird. Palästina Jerusalem. Im Verfolg ihrer Versprechung, für die Ruhe und Sicherheit in Palästina zu sorgen, hat sich die palästinensische Regierung neuerdings zu energische» Maßnahmen entschlosten. Einem Versuch arabischer Gtattfe, die Landung jüdischer Einwanderer in Jossa zu verhiudern, wurde seitens der Regierung durch Mrlitaraufgebol entgegengetreten. Es wurden dabei einige Araber getötet und mehrere verwundet; auch fanden Verhaftungen der Anstifter statt. Jerusalem. Der Führer der jüdisch-kommunistischen Arbeitergruppe und ehemaliger Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine wurde auf Befchl der Behörden verhaftet, weil er am 3. Juni kommunistische Aufrufe veröffentlichte. Berlin. Das amerikanische Unterstützungs-Komitee „Joint", das feine Tättgkeit in Palästina wesentlich abgebaut hat, errichtete statt besten ein Kreditinstitut. Aus allgemeine Bantprinzipien aufgebaut, wird es dieGewÄrung kleinerer Darlehen an Arbeitergruppen, Genossenschaften usw. umsästen. i Jerusalem. Die Regierung hat den Schulen des zio-! nistischen Waad Hachinnuch, die von ungefähr 13000! Schülern besucht werden, eine Regierungs-Subvention l von 2700 Pfd. Sterl. bewilligt. Die Dorefch Zion-Schule, eine von den Pekidim in Amsterdam und der deutschen Paläststia-Zentrale der Agudas Iisroel betriebene Schule, ' empfängt 123 Pfd. Sterl. ITTT1TTTTT1 l^-nTTTTTTTTTTTI ITTT I I MIM T1 □ § Kölner Nachrichten I I I I I ITTTTTT'lTTTTTTITTrri 11111 ■ I I I I ■ ■ ITC Worte am Grabe von Frau Rabbiner Dr. Frank, gesprochen von Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal - Köln. Auf unsere Bitte stellte uns unser ansge-eichneter l Kollege nachstehende Abschiedsworte zur Beringung, die ' wir bringen, well sie nicht nur einem edlen Franendüd j zum Ausdruck verhelfen, sondern auch darüder hinaus l wachsend ein spätes Denkmal für den verewigte» Dr. j Frank bedeuten, und darum eia allgemeineres Interesse! bcanfpruchen dürfen. Die 6christteit»ng. I An der letzten Scheidelinie zwischen Leben und Tod, an die wir mit unserer Bahre nunmehr gelangt sind, rasten wir noch eine kurze Weile und erfasten in der ganzen Tiefe i und Bedeutnug den hier zu vollziehenden Abschluß und die! daraus zurücksiutende Endgestaltung eines langen und gej segneten Frauenlebens. Und siehe: zu dem aus der Bahre aufstcigenden Bild gesellt sich ein anderes, zweites; bevor wir das Grab, das frischgeschaufelte, schließen, öffnet sich der geschlosiene Boden daneben und stellt, was sein Dunkel! - verhüllt, gleichfalls vor das Licht unseres geistigen Auges, j Zwei Menschen finden, zwei Seelen grüßen sich wieder, j Ahnungsvoll, wie eine schmerzlich-süße Erfüllung, steht's > vor uns da, klingt's in uns wieder: „Lied und teuer waren! sie einander im Leben, und nun sind sie auch im Tode mitj lammen vereint." | Mitsammen vereint. Solche, die es schauten, Hab« - mir erzählt: das Antlitz dieser Heimgegangenen hat im! Sterben Schimmer und Schönheit der Jugend zurücki gewonnen; die Furchen und Falten des Grcifenalters j waren wie ausgelöfcht; ein Hauch des Lebenslenzes um- . lagerte die fn'edensvollen Züge. Ist das nicht-Gleichnis; und Sinnbild? Ist der Dod nach unserem Mauden und unserer Hoffnung nicht Verjüngung und Erneuerung? Darum ist es der Ruf und das Bekenntnis der I u g e'a d, i die wir in diesem feierlichen Augenblick hier aus dem Rach-? bargrab vernehmen. Dgxum empfängt der Gef^rte die! Gefährtin nach dreieinhalbjähriger Trennung mit dem; Wort der Innigkeit und des Berdundenseins, das die bei-! den so manches Jahr und Jahrzehnt in weihevollster ' Stunde gemeinsam aus Gottes Mund an Israel vernommen haben und» nun an sich selber zur Wahrheit mache»:! „Ich gedenke dir die Liede deiner Jugend, Me Huld deiner Brautzeit."