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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-07-15 · 111 (15.7.1921) · p. Seite 218

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
111 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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eine gewisse ZrSunft haben mag, aber durch seine Tmdi-! nonsboftgkeit von der. Macht und Schönheit aller Sprache > ausgefchlosien ist. Religion ohne Ueberliefenmg ist beinahe ' wie eine Brille ohne Äuge, ein Bekenntnis ohne Ehrfurcht. Tie Anthroposophie glaubt durch Ueberdachrmg der tveltbehenschenden Geistesmächle, uct weiß, was für einen Bau , ausgesührr zu heben, aber sie im sich: Auch hier gilt das Wort, daß man niemals vonr Tach den Bau beginnen darf. Was Ahnen geschaur und Barer gegründet und Kinder genosien und Enkel gesegnet, das allein ist wert, daß es gepflegt und erhallen neide. Und an diesem Punkte scheitert das Wissen des Anrhropofophen. Der Jude fühle es und halte sich fern. Ter Rausch tes Mystischen, der Frieden der Versenkung, das Geheimnis der Gerftesmacht, das Mysterium der Wiedergebuit, > jedes einzelne mag ein goldener Äpfel vom Baum der Religion herabfallen zu seiner Zeit und zu seiner Stunde. Ter Baunl selber ist es nicht. Ter stehr mir breirein Scharten im Eden der Ewigkeit, seine Wurzeln reichen tief in die 'uralte Scholle urrd rverden genetzt von den Strömungen der Urzeit, an deren Usern die Wiege unseres Varers Äbraham siand. Jeder Wrensch ist hineingeboren in seine Religion. die ihm Menschheitsreligion ist. weil schon der Äkl seiner Geburt ein Äkr religiösen Werdens für ihn ist. In die Anthroposophie ist keiner bi neingeboren, sondern sie ist d.-s letzte Äsi)l der verstoßenen, entwurzelten Salb- und Vieiielnienschen dieser jainmervollen Feit: Jude, sei ganz! Emil E o h n. Deutschland. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse lQJ9loicrj>l&loZolo:oAolo^ Berlin. Ä m -9. Äugusl 1920 ist zwischen der Re- Nmenr-amen-Bersamnilung. dem Vorstände und der Änges-ellrenschafr der jüdischen Gemeinde zu Berlin das Ä^hkomjrcn gertrosfen worden, eine neue Besoldunysordnung auf rer Grundlage derjenigen der Stadl Berlin für die Angestelltenschaft der jüdischen Gemeinde einzumhren. In der damaligen Beratung sowohl als auch in den späteren Verhandlungen ist stets von den Vertretern der 2lngeftelltenichafr zuni 2lusdruck gebracht worden, daß die Besoldungs- Vorlage enrspreärend derjenigen der Sradr Berlin gestaltet iwiucii müsse und daß dieser 'Anspruch der Angestelltenschaft euch für die in Zukunft von bei Stadt Berlin zu reaelui en (^ehaltsrerhälmisie gelte. Wie bekannt, haben das:1!eich, der Staat und auch die Siadr Berlin ihren Beamten eine Erhöhmtg der Teuetungszulage nm 20 Prozent vom 1. Januar 1921 ab Zttgebilligr. Tie 2lttgesielltenschafr der jüdischen Gemeinde ist duranfhin nur der gleichen Forderung an die Geineindelehörden herangetteren, der Genie indevorftand hat jedocki entgegen den: oben altgeführten Abkommen die Erhöhmtg der Teuerungszulage nur den terheitareten Beamten ztigeiprochen, rvührend die ledigen leer ausgegangen sind. Tiotz verschiedener Eingabeit ist der Gemeindevorftand auf seinem ablehnenden Standpunkte geblieben. Tie Reprasentanien-Versammlung hat in ihrer Sitzung vom 5. Juni einen Beschluß angenominen, mir welchein auch die Ledigen in den Genuß der 20ptozenrigen Teuerungszulage kommen sollten. Ter Gemeindevorstand har aber diesem Beschlüsse die Zustimmung versagt. Ter von Mitgliedern der Repräsenranten-Vecjammlmig wieder aufgenommene Antrag, der in der Sitzung der Repräsenranren-Persammlung vom 19. Juni erneut zur Verhandlung kam. ist mit 9 gegen 7 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen abgelehnr worden. Tie Beamtenschaft der jüdischen Gemeinlie har daraufhin in einer überaus stark besuchten vom Beamten-Ausschuß einberusenen Versammlung am 29. Juni zu diesem Verhalten der Gemeindebehörden Stellung getrommen und nachstehende Entschließung einstimnrig gefaßt: „Die am 29. Juni! m der Aula der Mädck-enfchule zahlreich erschienene Beamtenschaft der jüdischen Gemeinde legt Vertvahrung ein gegen die Besoldunyspolink der Gemeindebehörden im allgemeinen, sou i? im besonderen gegen die Zurücksetzung der Unverheirateten. Tie Beamtenschaft erblickt hierin einen Bruch der seitens der (Ämleindeveuretung gegebenen Zusicherung, nach Dei die Besoldung der Beamten der jüdisckien Gemeinde auf der Grundlage der Magistratsbesoldung erfolgen soll. Tie Beamtenschaft wird mit allen Kräften jeder Beischlechterung ihrer Lebenslage begegnen." Fulda. In der letzten Stadtverordneten-Bersammlung ivurde bei der Eiatskeratwig dev hiesigen israelitischen Volksschule für das laufende Jahr ein Zuschuß von 32 513 Mark lewilligt. -Tie ernxihnte Schule wird zurzeit von J02 mindern lesucht. Tie Beivilligung erfolgte ohne irgendueichen Widerspruch e i n st i m ufi g. Österreich. Wien. Eine Sensation des küustlerischelt Wiens bitdere letzte Woche das Gastspiel der „Freien jüdischen Volksbühne" im Theater nu der Josesstadt. Tie jüdische Volksbühne. die bisl)er seit za. eineni l)<üben Jahre von der großen Oessentlichkeir fast unbeachtet gespielt hat, ist Plötzlich in den Mittelpunkt der Wiener Theaterletiachtung gerückt worden und die Presse, ohne Unterscksied der Parteirichnmg, widmer den Auffi'chrungen ausführliche Besprechungen von größter Anerkennung. Das Gastspiel unrd nunmehr in einem großen Wiener Theater fortgesetzt. Der große Erfolg har die Frage eines ständigen jüdischen Theaters in Wien «für werden lassen und es ist eine Gesellschaft gegründet ivordcn, welck>e die „Freie Jüdische Volksbühne" nunmehr finanzieren und ihr ein neues eutsprechendes Theaierlokal schaffen soll. Wien. Mit großen Feierlichkeiten wurde in Baden b. Wien das Waisenhaus der Ägudas Jisroel erösfuet. Herr Oberrabbiner Fürst aus Wien hielt eine groß angelegte Rede über die Wichtigkeit der Waisenerziehung und die Bedeursamkcir dieses Institutes als Teilzahlung der großen Schuld, die das jüdische Volk an den Pogromopfern in der Ukraine zu begleichen hat. Sehr eindringlich sprach auch Herr I. Thunum. Ueber (beschichte, Organisation nnd künftige Ausgestaltung des Hauses berichtete Herr Dozent Mcvr Eisler. Wien. Major Morris, Direktor des Einwanderungsdepanemenls in Palästina, hat seine Perlustvierungstätigkeir unter den in Wien stecken gebliebenenChalnzim beendet. Voit ben ema 300 hier tveilenden Chaluzim haben bloß 40«) die Einreisebewilligung nach Palästina erhalten, die nunmehr in Kürze die Weiterreise antreten werden. Major Morris begibt sich von hier nach Warschau, mir auch dort eine Sichtung der bereitstehenden Transporte von Chaluzim durchzusübren. Ungarn. Budapest. Im Budapester Parlamente wurde der Anütig gestellt, es mögen zrrr Beschaffung neuer Kirck/englocken als Ersatz für die als Kriegstuaterial requirierten allen, auch den nichtchristlichen Kultusgemeinden eine Steuer auferlegt werden. Polen. Warschau. Die airtisemitische Tageszeitung „Dwa Grosze" hat ihre Kampagne zugunsten des wirtschaftlichen Boykotts der Juden in Polelt wieder ausgenommen urrd greift die Zeitungen „Robotnik" nnd „Kurjer Po«mny" heftig an, indein sie sie beschuldigt, die Juden zu protegieren. Die „Diva Grosze" erklärt, daß das Beispiel der Posenschen Landsleute, welche ihre Provinz von den Juden befreit und auf diese Weise sich das Wohlwollen der lokalen Bevölkerung erworben haben, in Polen nachgeahmt werden fette. . >

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