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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-07-01 · 109 (1.7.1921) · p. Seite 204

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
109 (1.7.1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 daß diese Streitsacht in unmittelbarer Zukumt wesentlich verringert ver-en könnte. Im Gegenteil, es ist möalich, daß wir eine leichte Verstärkung benötigen werden. Tie Gesamtausgabe, zu der wir letzte- Jahr in Palästina gezwungen waren, betrug 6,5 Millionen. In diesem Jahr wird sie 4'/, Millionen betragen, hiervon jedoch 2* * Millionen für die Temobilisierung eines großen Teiles der indischen Truppen. Taher kann ich sagen, daß die Ausgaben der militärischen Garnison in Palästina letzt 21/« Millionen betragen. ES ist auch nicht richtig zu sagen, daß diese Ausgabe erspart worden wäre, wenn wir Palästina nicht erhalten hätten, denn der Hauptteil der Truppen in Palästina sind reguläre britische (rinheilen, und wenn sie nicht in Palästina stationiert wären, so mußten sie anderswo siehcn, bevor nicht das Hans beschließt, die Borkricgsstärke der britischen Armee herabzuictzen. Ich bin jedoch weit davon enlserni, die Schwierigkeiten des Problems zn unterschätzen. Wir wollen ein mal sehen, wie es mit den Juden und Arabern in Palästina steht. Ich habe die Teklaranon Mr. BalsonrS erwähnt. iZwischenrus: Wird der Völkerbund in Palästina vertreten sein?! Nein, wir haben genügend Aomplikation auch ohne dies. iHeiterkeit.l Tie schwierigkei:. bei diesem Versprechen einer nationalen Heimstätte sür die Juden in Palästina besteht darin, daß sie mit unserer gewöhnlichen Politik in Widerspruch steht, die Wünsche der Bevölkerung in eineni Mandatsgebiet einzuholen und ihnen Bcrlretnngskörperschaslen zu geben, sobald sie hierfür reis sind; sdlche Institutionen würden sie jedoch sicherlich dazu benützen, sofort ein Veto gegen jede künftige jüdische Immigration cinzulegen. 2o groß auch die Schwierigkeiten sind. so glaube ich doch, daß wir mit Geduld. Kaltblütigkeit und ein wenig Glück einen Ausweg sinden tverden. Tas britische Reich ist von Lptimisten aufgcbaut worden, nicht durch Negationen. In Palästina leben ungefähr 500 000 Moslems. 65 000 Ehrisicn »nd etwa OL000 Juden. Nach dem zionistischen Immigrationsplan sind :m letzten Jahr etwa 70<>0 Inden nach Palästina gebracht worden. Tiefe Einwanderung und die Propaganda, von der sie begleitet war. Hai unter der arabischen Bevölkerung große Erregung hcrvorgcrn'eu. N'.cht so sehr die Zahl der Einwanderer war es. tvelchc diese Erregung erzeugt hat, sondern die unausgesetzten und lauten Erklärungen der Z i o n i st i s ch c n rl r g a n i s a t i o it in d c r g a n z c n Welt — die zu machen sic vollkommen berechtigt iü — bezüglich ihrer Hoffnung und ihres Strcbcns, ans Palästina ein vorwiegend jüdisches Land zu machen, bewohnt von Juden aus aller Welt, und scrner d:e Bcsürchtnitg. daß diese Inden vor allem aus Zcntraleuropa und insbesondere ans Rußland konimen tverden. Tie Araber glauben, daß sic in den nächsten Jahren von Tausenden von Immigranten aus Zenlraleuropa überschwemmt werden, tvelchc sic von ihrem Land vertreiben, die kargen Lebensmittel des Landes anszehren und eine vollkommene Herrschaft über seine Einrichtungen und Schicksale erwerben. In Wirklichkeit sind diese Befürchtungen unbegründet. Tic Zionisten sind gezwungen, um die Begeisterung und Unterstützung zn sinden, die sie brauchen, ihre Sache mit größter Hingebung. Überzeugung und Hossnung zn vertreten, und diese ihre Kundgebungen sind cs, die die Araber erregen, nicht der gegenwärtige Ümiang der Einwanderung. Wir haben dort 3ii* Herbert 2 i muel, der dem Hause wohlbekannt ist; ein sühiger und crsahrener liberaler Politiker: ein Mann, desfengleichen wir eine große Menge brauchen würden in vcr Regierung eines so »vcilverztveioren und verschiedenartigen Reiches »vic das unsere. Er ist auch ein begeistert'r Zionist. Ich vcrsolgc seine Tätigkeit mit großen, Vertrauen und gebe ihm das größte Maß von Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. Er hat kürzlich eine neue Teklaranon an die Völker gemacht, in welcher er die Phrase „National Home" interpretierte, die in dem Versprechen der britischen Regierung von 1917 gebraucht worden ifK Er sagte: „Ticsc Worte meinen, daß die Juden, ein über die ganze Welt zerstreutes Volk, dessen Herzen stets Palästina zugekehrt waren, instand gesetzt werden, hier ihr nationales Heim finden, und daß eine Anzahl von ihnen innerhalb der Grenzen, die durch die Zahl und die Interessen der gegenwärtigen Bevölterring bestimmt sind, nach Palästina kommen sollen, um durch ihre Mittel und Kräfte die Entwicklung des Landes zum Vorteil aller seiner Bcivohncr zu fördern" Ties ist wahrhaftig nichts, wovor.die Araber sich fürchten müßten. Tic ganze jüdische Immigration tvird sehr sorgfältig überwacht und kontrolliert tverden, sowohl in bezug auf die Zahsi als auch auf den Eharaktcr der Einwanderer. Kein Jude wird hercingebracht werden über die Zahl hinaus, welche durch den zunehmenden Wohlstand des Landes und die Entwicklung seiner Naturschätze beschäftigt werden kann. Es besteht kein Zweiel, daß gegenwärtig das Land sehr unterbcvölkcrt ist. Jeder, der die Arbeit der jüdischen Kolonien, welche in l^n letzten zwanzig bis dreißig Jahren in Palästina begründet wurden, gesehen hat, wird überrascht sein von den enormen produktiven Resultaten, die sie erreicht haben. Ich hatte Gelegenheit, die Kolonie Rischon le-Zion, ungefähr 12 Meilen von Jaffa, zu besichtigen, und dort, auf unwirtlichem Boden, zu beiden Leiten umgeben von Wildnis und Unkultur, wurde ich hiueiogeführt in ein blühendes und fruchtbares Stück Erde, wo der. dürftige Boden hergerichtet ist, gute Ernten und ausgezeichnete Kultur hervorzubringcn, ja sogar Weingärten und die hervorragendsten Orangen, alles geschaffen in 20 oder 30 Jahren durch die Anstrengungen der jüdischen Siedler, welche hier leben. Tann, als wir weiter gingen, wurden wir von 50 oder 60 jungen Juden umringt. die auf ihren Pferden daher sprengten, und von Siedlern der JftwOTur. AlS wir schließlich da- Zentrum erreichten, waren dort 800 bis 400 allerliebste Kinder ausoestellt, auS allen Alrersstnfen und eine ebenso große Anzahl weißgekleideter junger Mädchen. Man lud uns ein, die ausgezeichneten hier gewachsenen Veine zu probieren und die mannigfachen Schönheiten der Lrangenhaine zn betrachten. Nachdeni ich dieses Wer! gesehen habe, das mit solcher Mühe hergkstellt worden in, frage ich. ob jemand zu sagen wagt, daß die englische Regierung nachdeni sie sich einmal der Sache angenommen har, dies alles im Stich lassen »nd cs einem brutalen AagriE der »anatischen arabischen Bevölkerung überlasten soll. Es würde un dankbar sein, wenn wir so etwas zulasten würden. Ich spreche aur Grund eigenen Augenschein?. 2oqar die arabischen Häuser um o:- Kolonie herum waren richtige Ziegelbaur.n statt der üblichen arabischen rohen Lehmhütten. 2o sehr harre die jüdische Kultur eu« :f)ic Umgebung cingewirkl. Ich habe keinen Zweifel. daß m>l l i Eniwicklnng der Hilfsquellen Palästinas, falls jüdi'che? Ka p i i a I c i n g r c i s t, wie cs wünschenswert wäre, namentlich zum '.vcclc de, Ausnutzung der Wasterkräne des Jordan und der Er- > rick'U'.ng von elektrischen Kraftquellen im Iordanral. deren Eri:chj irivg sehr einfach ist. daß Jahr sür Jahr neue Möglichkeiten eine? quien Auskommens für eine gcwiste Anzahl jüdischer (nnwc-h. r entstehen werden, und die Tatsache, daß sic ihr Auskommen gerade durch die neuen Hilfsquellen gewinnen, wird den allgemeinen Wohlstand des ganzen Landes heben, und Arabern und Ehrisien ebenso zugute kommen, wie den Juden. Ich sehe keinen Grund, warum . nicht vorsichtig und allmählich ein ständiger Strom jüdischer Einwanderer in das Land kommen sollte, und daß dieser 2lrom in jedem Sladinin von einer allgemeinen Zunahme des Wohlstände? der qciamlcn Bevölkerung ohne jede Beeinträchtigung begleitet sein »olkw. Tas «st jedenfalls die Ausgabe, zu welcher wir uns cnischlosten haben und die wir meiner Ansicht nach durchzusüdren verpflichtet nnd. Dir können unmöglich unsere Zustimmung geben, daß die jüdischen Kolonien zugrunde gehen oder die Einwanderung sür alle Zukunft eingestellt wird, ohne daß wir damit uns endgültig aut den Standpunkt stellen, daß das Wort Englands im Esten und im Mittleren rsten nicht mehr gilt. Wenn, wie wir hossen. den Arabern in Palästina i?'.erlreningskörpcrschasten bewilligt werden, dann werden ihnen in dem Slaoisakl. durch welchen dies geschieht. Vorkehr,rügen geiroEen tverden inüsten. tvelchc innerhalb vernünftiger Grenzen d:c Einivandsrnng von Inbeil rn das Land sichern, soweil sie ihren eigenen W-a 0.hon »nd ihre eigenen Nnterhaltsmittcl schassen. Unsere Roll' tvird dabei sein - um ein Wort von Lord Salisbury zn gebrauch-:» die eine 2ciic zur Nachgiebigkeit und d>c andere zur Zurückhaliiing zn veranlassen. Von Berg und Tal Köln. In dcr am 29. Mai stallgehabwn 72. ordcml;.d;n Goncralvorsainnilung des Israel, religiösen VonlläiigkeiisvereinH gab der Vorsitzende H. M. Falkenftein Xcnmuiv baimn, das; im Iah.e 1920 nach Abgang non 27 und Reuansmchmen non 77 Mitgliedern eine GZav-rzosil non 10.'-! ordenilichen und •*> Ehrenmitgliedern vorhanden n ar. — XI: Gewährung grosse Unterstützungen für die verlchietensren guten Zn?ecke. Beteiligung an 40 Becrdignngen und Vc.anstalnmg von 26 Trauetgonesdienfteo. biloeien einen Teil der vielseitigen Tätigkeit im abgelaufenen J?hre. Gemäß dem iu>m Schatzmeister H. Mar Lcvy jun. erstanelen Rechenschaftsbericht wmrde eine Gesamrcinnabme von 41 148 M. erzielt, aus n-ddier namhafte Beiträge für die verschiedensten edlen Zioecke gegeben werden konnten: so wurden beiipielsloeiie 14 4 Hi M. für Unterstützungen und 7 54’» 2?,'. für sonstige Wobltätigkeil^zivelle verausgabt. Rach dem die beiden ausscheidenden Vorstandsmitgliedei H. Mar Levn jun. und H. Karl Thalbeimer wieder gewählt waren, forderte der Vorsitzende znm Schlüsse die Mitglieder zu recht reger Beteiligung an der Vereinsrängkeit aus. Düren. Herr A. lassen, Lehrer a. D., momentan infolge Ablebens seiner Gattin bei seinen Angehörigen in Vrevell bei M.-Gladbach. vordem 46 Jahre in Linnich,. vollendet am 4. August d. I. in körperlicher und geijtt^r Frische sein 60. Lebensjahr. In der Gemeinde Linnich wird sein Andenken unvergeßlich bleiben, da Herr Lassen durch seine aufopfernde, nie ermüdende Tätigkeit unzählige Kinder zu tüchtigen Menschen Herangebilder har. Hoffen und wünschen tvir, daß dem Jubilar vergönnt sein wird, noch ungezählte Jahre im Kreise seiner Lieben zu verbringen. Zu bedauern ist nur, daß der alte Herr seit einem Jahr an geschwächtem Augenlicht leidet.

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