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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-06-24 · 108 (24.6.1921) · p. Seite 194

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
108 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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***• — 194 Werkes sowohl im Interesse der oftjüdischen Flüchtlinge, wie auch im deutschen Jnteresie mit allen Kräften zu unterstützen. Er nrachte darauf aufmerksam, daß die Amerikaner, die Millionen für das Hilfswerk zur Entlastung der deutschen Iudenheit gegeben haben, eine weitere Unterstützung non der stärkeren finanziellen Beteiligung der deutschen Juden abhängig machen. Die Sekretäre des Arbeirerfürsorgeamts, Pr. Werner Denator und Alfred Berger, gaben in kurzen, sachlichen Ausführungen eingehendes Material über Urnfang und Art des Hilfsrverkes für die Ostjuden in Deutschland, die Eiuwickl'.uig der Ein- und Auswanderung und der ganzen Frage in den letzten fahren. Die (^richteten ferner über die guten Erfahrungen, die man mit jüdischen Arbeitern gemacht bare, und über die Stellung, die die deutschen Gewerkscbas- :en den jüdischen Arbeitern gegenüber einnehmen. Im Anichlus; au die'e Ausführungen führte Pr. Beribeld Haare < ^Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) aus. das; die deu-sctwn Juden ein lebhaftes und dringendes Interesse daran halben, die Arbeit des Arbciler- 'üriorgeamtS aufrecht-verhalten, das positive praktische Arbeit leinet und eine wirksame Waffe im Kampf gegen den Antisemitismus ist. Das Arbeiierfürsorgeamt Hai Tausenden unserer Glaubensgenossen wirklich positiv geholfen. Die südlichen Gerneinden' Deutschlands minien in erüer Linie dazu beitragen, das von allen Organisationen gemeinsam geleitete Werk wencrzuftrbren. Die Berliner jüdische (^>emeinde, die bisher schon in großzügiger Weiie das Hiliswerk r'ür die Du jaden unterstützt hat, in l^soriders berufen, sich an die Spitze der jüdischen b>eine^.nden Deutschlands za wellen, um in Gemeinschaft mir den nbrigen Geuieinden die Arbeit des Arbefternir'orgeamts durch ibre moralische und finanzielle Unterstützung zu sichern. Die Arbeit soll, nie bisher, weiter im Zusammenhang und in enger Fühlungnahme mi: allen am Hilfswerk besonders beteiligten Oiganj'Ltionen, insbesondere mir dein Hilfsverein der deutschen Juden und der Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfüriorge, geleistet rverden. l>r. Hanse verwies auch auf die großen Leistungen des Arbeiterfürsorgeamtes. Er erwähnte insbesondere die außerordemlicl>e Hilfe in der gesamten Flüchtlingsfürsorge durch die Bereitstellung von Wohngelegenbeiien und teilte mir. daß in fünf Monaten bereits über 50 000 Perionen in der großen Berliner Herberge in der Wiesenstraße Unterkunft gefunden baben. A.ls Mitglied des Präsidiums des Arbeireriürforaeamtes and als bevoll- 'nächtigter Vertreter des Vorstandes des Zentralvereins deutscher Staatsbürger rüdiickxm Glaubens brachte Pr. .Hache v.nr. folcen.de Reiolnfton ein: „Die am J.?ni 1921 ver- 'arnmel-.en Vorstände und Vertreter der jüdischen Organisationen Deutschlands and der jüdischen Gemeinde zu Berlin baben von den Berichten Kenntnis genommen, die ihnen über das Hilftwerk des Arbeiterfürforgeamls für die ofrjüdisäten Flüchtlinge erstattet sind. Die halten den Weirerl^stand einer geregelten Flüchtlingsfürsorge in Deutschland und die Wetterführung der vom Arbeiterfürsorgeamt geleisteten Hilfstängkeir für unbedingt erforderlich. Das Interesse der deutschen Judenheil verlangt eine Selbsthilfe der jüdischen Gemeinden und Organisationen zur Betvältigung der durch das Ostjudenproblem in Deutschland entstandenen Aufgaben. Das Arbeiterfürsorgeamt. das von den jüdischen Organisationen Deutschlands geschaffen worden ist, benötigt und verdient zur Durchführung feiner Aufgabe die finanzielle und moralische Unterstützung der gesamten deutschen Judenbeit. zumal die Deftergewährung der zur Ausrechterhaltung des Hilfswerks unerläßlichen amerikanischen Subventionen eine stärkere Beteiligung der deutschen Iudenheit unbedingt zur Voraussetzung hat. Die jüdischen Gemeinden Deutschlands, die von jeher die hauptsächlichsten Träger ' der jüdischen Wohlfahnspflege gewesen sind, werden sich auch fernerhin — unterstützt von der Mitarbeit aller Organisationen — der Fürsorge für die Ostjuden in Deutschland nicht entziehen dürfen. Die Versammlung der Vorstände und Vertreter der großen jütnschew Organisationen richtet an die Berliner jüdische Gemeinde, als die größte Deutschlands, das Ersuchen, die Führung einer Aktion zu übernehmen, deren Ziel ist. eine Verpflichtung der deutschen jüdischen Gemeinden zu bestimmten Beiträgen fiir das vom Arbeirerfürsorgcamr geleistete große Werk der Ostjudenhilfe in Deutschland herbeiznführen. Die Vorstände und Vertreter der großen jüdischen Organisationen Deutschlands und der jüdischen Gemeinde Berlin, begrüßen es, daß die Zentralstelle für Wanderarmenfürsorge bei ihrer letzten Tagung erneut den Beschluß gefaßt hat, ihre Aufgaben in gemeinschaftlicher freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dein Arbeilerfürsorgeamt zu lösen. Die ertvarten von einer solchen Zusammenarbeit eine Förderung der von beiden Organisationen geleisteten, sich eng berührenden Fürsorgetätigkeit." Nach einer kurzen zustiminenden Erklärung des Sanitätsrars Pr. Goldschmidt (Großloge für Deutschland) wurde die vorstehende Entschließung einstimmig von sämtlichen Vertretern der großen jüdischen Organisationen angenommen. Deutschland. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse boVoooVoVooVooooooVooVooVooVooVooVc'olooIo Berlin. Am 6. Juni fand in den Dpichersälen eine vom B i n j a n H a a r e z einberusene öffentliche Versammln, a statt. Um 8V2 Uhr eröffnete Prof. Lewin die Versammlung und erteilte Pr. D. Hildesheimer das Wort. Redner sprach über das Recht einer jeden Gruppe, gegen die in der Organisation zutage getretenen Mängel durch organisierte Dopposition anfzutretev. Die Jion. Organisation habe bisher das Jüdische in der Bewegung vernachlässigt, es war bisher kein Ansatz dazu zu inerten, daß das jüdische Volk ein Volk von Priestern lverden soll, wozu es nach der Thora berufen ist. Binjan Haarez wolle keine Kompromisse schließen, tvie es ihm vorgeworfen wird, sondern eine Syntbeie schaffen zwischen dem Nationalen und dem Religiösen im Judentum. Nach Palästina müßten nicht die Theorien und die Lebensweise des vergifteten Europa verpflanzt werden. sondern es müsse ein echt jüdisches Land norden. Nach Hildesheimer ergriff IR. Kollenscher das Wort. Er verglich das Telegramm Herbert Samuels, der von den Mitteln als der einzigen Grundlage des Aufbaues sprach mit dem letzten Artikel von Weizmann. der in unerhörter Weise die verdieustvollen Zionisten Amerikas, die bisher so viel Geld für die Erhaltung des Jiscbuw beschafft hatten, tvegen des Mangels an nationaler Gesinnung angreife. Die Hauptsache, worauf es jetzt ankommt, sei nicht nationale Gesinnung, sondern die schnelle Beschattung von Mitteln bei allen Juden der Welt. Die zionistische Belegung habe bisher von Theorien und Programmen gelebt, die aus der Umgebung entnommen waren, nicht aber aus dem Innern des Judentums hervorgingen. Zumeist lvaren es schlecht angeturßte und halbverstandene sozialistische Ideen, die dem Geiste des Judentums ftemd sind. Die Zionisten haben bis setzt „mehr nach Moskau als nach dem Sinai geschielt". Redner sprach ferner über die Verbindungen mit den ersten jüdischen Wirtschaftskapazitäten Deuffchlands, die es ihnen gelungen sei an^uknüpfen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es Binjan Haarez gelingen werde, recht bald eine Palästinensisch orienfferte. Einheitsfront der deutschen Juden herzustellen. Klee wandte sich gegen die Theorie, man müsse die Juden in ihren Heimatländern entwurzeln. Da Palästina lange nicht alle Juden ausnehmen kann, dürfe man solche Propaganda nicht treiben. Wir müssen anerkennen,

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