Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-05-27 · 104 (27.5.1921) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
104 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3947615-6435932-6437211--1119-3948627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Lettkmö. imzvüjickhaft an der Bolfonrbeklaratiok ffffcälf. Er be^ra^h die SchDen im bisherigen Kolonilationssystem, und verlade die Gründung wirtschaftlich unabhängiger Siedlungen, ganz gleich ob die Formen sozialistisch oder kapitalistisch seien. Er beantragte eine acht- bis Pvölsgliedrige Exekutive, von der die kleinere Hälfte in Palästina sitzen soll. Tos große Aktionskomitee von 30 Mitgliedern soll wiedeichergestellt werden, daneben ein Sechzigerausschuß, der in kongreßlosen Jahren — der Kongreß soll alle drei Jahre tagen — die Iahreskonferenz darftellen soll. Rach eingehender Debatte erstattete sodann R o s e n b l ü r h das Referat über die zionistische Arbeit i n T« u t s ch l a n d. Der Montag war der Besprechung der Palästinairage gewidmet, wo^u gedruckte Reieraie von Pros. Warburg. Tavis Fritsch und Hacob Wolf Vorlagen, die sämtlich in letzter Zeit Palästina besucht haben. Ter Binjan Haarez hatte den Telegierientag nicht beschickt, weil er die Einheirlichkeit und FriÄlichkeit der Tagung, wie ein Schreiben von Tr. Klee bewnie, nicht stören wollte. Unter einer Anzahl von > beschlossenen Resolutionen, die sich mit der Einheit der Organisation, dem Keren Hajesod usw. befassen, ist die folgende einstimmig angenommene besonders bemerkenswert'. Ter Telegiertentag der Z. V. i. T. bekundet sein festes Vertrauen in die von England in der Balsourdeklaration nicdergelegtc und von der palästinensischen Landesverwaltung unter Sir Herbert Samuel bereits eingeleitere Politik, tvelche zur Errichtung der iwtionalen Heimstätte in Palästina führen soll. Ter Telegierrentag vertraut daraus, daß keinerlei Zwischenfälle die Turchrührung dieser Politik becinlrächiigen werden. Es ist der ernste Bille des jüdischen Volkes, den Biederauib^iu Palästinas in friedlichem Einverständnis mit der arabischen Bevölkerung durchzumhren. Ter Telegienemag erhebt jedoch entschiedenen Protest gegen die blu.igen Erzepc in Jaffa und erwartet, daß der jüdischen Bcoc-lkerung die nötige Genugtuung gewahrt und daß mr Ausrechterhaliung der Sicherheit Sorge getragen wird. Ter Telcgierten.ag spricht die Erwartung aus, daß die .zur Zeit verfügte Sperrung der Immigration unverzüglich wieder amgehoben wird. Tie Stetigkeit der Eimvanderung und Kolonisation ist die unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina. Tie Wahlen ergaben folgendes Resultat: Als Vertreter der deutschen Lande Sorganisarion im AklionS-Komiiee rverden die Herren Felir Roienblüch und Professor- Heinrich Loewe einstimmig gewählt. Zum Vorsitzenden der Z. V. s. T. wird, unter lebhaften Ovationen, Herr Felir Rosenblüth einstimmig wicdergewählt. Ter GefchänSsührende Ausschuß erhält folgende Zusammenietzung: Kurl Btumemeld, Tr. A. Hantke, Tr. Walter Moses, Tr. Siegfried Moses, Tr. Moses Smöra, Ta. Israel Auerbach, Te. Egon Roienberg, Mar l. Kober. Arthur Rau. Tr. Mai Srrauß. Außerdem wird ein Zeinral-Komiiee von 48 Mitgliedern sowie ein Ehrengericht gewählt. Bre»e>. Ter Vorstand des Bezirksoerbandes der Jüdischen Iugendvereine Rordwestdeutschlands Hai hier folgenden Beschluß gefaßt: ,Wir, die Mitglieder des Vorstandes desBezirksverbandes der Jüdischen Iugendvereine Nordwestdeutschlands sprechen unseren bewährten Führern Tr. Alfred Apfel und Tr. Cora Berliner für iyr Verhalten im Vorstande des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin am 10. April 1921 unser rückhaltloses Vertrauen aus. Vir halten an der neutralen Grundlage unseres Verbandes und an der Ersrrebung der Einheitsfront des deutschen Ickdentnws unter allen Umständen fest. Vir weisen jeden Versuch irgend einer anderen Vereinigung, an dieser Grundlage zu rütteln, ans das Entschiedenste zurück. In banger Sorge um die Ankunft des deutschen Judentums rufen wir als Jugend in diesem gefahrvollen Augenblick das Beranttvvrtlichteitsqefühl aller deutschen Inden aus. alles zu unterlassen, was die jo dringend notwendige Einheit des deutschen Judentums gefährden kann.' München. Tas bayrische Ministerium bes Innern hat infolge der von uns bereits gemeldeten skandalösen Vorkommnisse bei einem Vorträge des Rabbiners Tr. Bärwald in der hieben Gesellschaft „Gnosis' die Polizeibehörde abermals angewiesen, d»e antisemitische Bewegung besonders -n beachten und ihren Ansvnnmen kräftig entgegenzntreten. Wenn die Beitziitdernng solcher Vorkommnisse nicht möglich sein sollte, dann »Me jedenfaltt allegetan werden, um durch kräjüGe Stru- - ft» die Luft zu solchen AnSschreitnngen zu unterdrnckeu. Riga. tI. C. B.j In der letzten Sitzung des Verfassungsausschuffes der lettischen Konstituante wurde folgende, das Recht der Minoritäten aus Benutzung ihrer Sprachen betreffende Resolution gefaßt: „Tie Staatssprache ist Lettisch. Ten nativnalen Minderheiten wird die freie Benützung ihrer Sprache in Wort und Schrift zugesichert." Ein besonderes Gesetz soll die Anwendung dieses Grundsatzes in der Praris näher umschreil^en. Litauen. Berlin. Aus Kowno tvird gemeldet, daß der jüdische Politiker in Litauen, Herr Rosenbaum, zum litauischen Gesandten in Waihinglon bestimmt worden ist. Pole«. Warschan. \ I. E. B.) Ter polnische Antisemiten- und Bovkoilverein „Ro.gvoj" veröffentlicht einen Pogromausruf, in dem den „Enroparegiereitden Juden" zur Last gelegt tvird, daß ne an dem Verluste OberschlejienS für Polen schuld sind und daß sie die Zukunft Polens untergraben. Waftcha«. Ter jüdische Sejmklub hat eine Reihe von Interpellationen vorbereitet, die er in die gegenwärtige Session einzubringen beabsichtigt. Sie betreffen die letzten Vorfälle und das Verhältnis der Regierung zur jüdischen Bevölkerung. Insbesondere sollen nachstehende Interpellationen eingebrachl werden: I. betreffs des Uebersalles der Polizei auf die jüdischeu Arbciterversammlungen am 1. Mai; 2. betreffs der Konfiszierung uud Einstellung der hebräischen Tageszeitung,, Hazeffra'; 3. betreffs der Boykolicrung der Juden durch die Regierung und 4. betreffs der Vergewaltigung der Gewissensfreiheit durch das polni'cbe Kriegsministerium. Ungarn. Budapest.?ie größte jüdisch-philautropische Vereinigung in Budapest, die iog. heilige Brüderschaft, pflegt in jedem Jahr in einer Woche nahe dem Pafsafest neue Mitglieder in feierlicher Weise aufzunehmen. Zu der diesjährigen großen Aufnahme-Zeremonie der Budapesler Ehewra Kadischa meldete sich auch korporativ eine Gruppe jüdischer Schriftsteller, von denen zahlreiche bisher als Urmagvaren oder als ^'üngstgetaufte gegolten hatten. Kalnoki, der greise Spreckrer der Gruppe, führte in seiner Ansprache u. a. folgendes aus: „iVit lausenden und abertauscnden Menschen habe ich im ^.'eben zu tun gehabt. Toch noch nie richtete ich an einen Menschen die Frage nach seiner Konfession. Auch ich wurde nicht vier darum betragt. Ich war des Glaubens, daß die Religion der Glaube der Seele sei. Und heute starrt mir von allen Seiten die Frage entgegen: „Bist du Jude?" Ueberall vernahm ich diese Frage: in den ^jeitungen, in den Parlamentsreden, in Flugschriften, an Plakaten. Mit der Frage „Bist du Jude?" wird das Kind in der Schule, der Bürger an dem Steueramt, der Zeuge bei Gericht empfangen. Die Frage sitzt auf jedermanns Lippen und wird mit geballten Fäusten, mit niedersausenden Knütteln gestellt. Nun sind wir zu Ihnen gekommen, um offen, mannhaft und erhobenen Hauptes zu verkünden: Jawohl, wir sind Juden, glaubcnstreue Juden! Die innere Ueberzeuguug. die Anhänglichkeit an den Glauben unserer Väter, die Achtung vor ihren Traditionen hat uns an diese Stätte gerufen. Wir wissen, was uns für unsere Glaubenstreue beschieden sein wird: Tas Brandmal auf unsere Stirne oder die Auszeichnung auf unsere Brust. Wie immer es kommen mag, in vieler Augen ist der jüdische Glaube ein Brandmal. Für uns wird er immer ein glänzender Orden sein. Und wäre es auch ein Brandmal, wollen wir es auch tragen. Wir tragen es in dem Bewußtsein, daß der Stempel nur auf wahre Werte gedrückt zu werden pflegt. Mag sein, daß manche von uns glauben werden, daß wir aus Feigheit unter dieses heilige Obdach geflüchtet find, um Unterkunft und Schutz zu finden, bis der Sturm vorbeigezogen sein wird. Auch wenn es so wäre, würden wir das Gebot der Klugheit befolgen, die die Menschen zur Zeit des Sturmes zum Zusammenhalten und zu gemeinsamen Fühlen aneisert. Aber der selbstbewußte Mann flüchtet nicht nur, um Schutz zu suchen, unter das heimatliche Dach, sondern eilt auch als Beschützer in sein Familienhaus. Das Dach schützt den Menschen, der Mensch beschützt sein Dach. Wir sind in der Zeit der Bedrängnis unter Ihr schützendes Dach geeilt, nicht nur, um Schutz zu, finden, sondern um diese« uns heiligen Heim Stütze zu werden. Wir brachte» unser Wißen, unsere Fähigkeiten, unsere Arbeit-liebe mit uns.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.