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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-05-20 · 103 (20.5.1921) · p. Seite 154

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
103 (20.5.1921)
Date
1921-05-20
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 ’ — Wöcheaschau Tsüsachea t mb Srgebrriffe 0030000000000000000000000000000000000000 Deutschland. ftaffd. Am Pfingstsonntag und Montag fand hier die große Führertagung des Verbandes der neutralen jüdischen Iugendvereine Deutschlands statt und gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung. Am ersten Tag wurde die religiöse Frage behand-K und von einem großangelegten Referat Tr. Gustav Löfflers (Frankfurt) eingeleitet. Ter zweite Tag war der Palästina- und Oftjudenfrage gewidmet und offenbarte die geschlossene Einigkeit des Perbandes. Das Vorgehen seines Führers Tr. Alfred Apfel wurde einmütig durch folgende einstimmig angenommene Resolution gebilligt: »Die Führertagung des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Teutichlands betrachtet die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina als eine Tatsache, die parteimäßiger Betrachtung entrückt werden muß. ^ie hofft, daß vielen in ihren Heimatländern ci^^urzelteu Glaubensgenossen in Palästina eine aus der Religion der Väter aufgebaute Heimstätte erstehen wird, aus der belebende religiöse und geistige Impulse dem Judentum der ganzen Welt Zuströmen. Tie Führertagung verlangt, daß die erforderlichen Mittel in einer Vene gesammelt, verwaltet und verwandt werden, die es den deutschen Juden jeder Richtung ermöglicht, sich freudig an einem großzügigen, einheitlichen Sammelwerk zu beteiligen und am Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. Unter dieser Voraussetzung richtet sie an die Mitglieder der Iugendvereine und darüber hinaus an die deutschen Juden den Appell, sich an den Dammlungen für den Aufbau Palästinas opferbereit zu beteiligen." Vir halten nicht nur diesen Beschluß sondern die ganze Tagung für so bedeun'am, daß wir ihr oie nächste Nummer unseres Blattes besonders widmen werden. Berlin. Vom Verband der nationaldeutschen Juden e. V., Berlin V. 30, Blumeshof 9, erhaletn wir folgendes Schreiben: Sehr geehnc Schriftleitung! Bei der Agitation gegen unseren Verband, die von bestimmter Seile mit Nachdruck betrieben wird, steht die Behauptung im Vordergründe, daß wir auch „Tissidentcn" in unseren Verband aufnähmen. Vir gestatten uns, darus hinzuweisen, daß zwar ursprünglich derartige Absichten bei uns bestanden, daß diese Absichten aber inzwischen ausgegeben worden sind und die veränderte Stellungnahme durch eine Satzungsänderung Ausdruck gefunden hat, in der ausdrücklich bestimmt ist: Personen, die aus dem Judentum ausgefchieden find (Dissidenten«, werden in uikseren Verband nicht ausgenommen. f Sie würden uns sehr verbinden, indktn Sie dieses Schreiben mit möglichster Beschleunigung zur Kenntnis Ihrer Leser bringen würden. Hochachtungsvoll ' Verband nationaldeutscher Juden e. V. Tr.^Raumann. Prof. Dr. GinSberg. Ter Präsident des American Joint Distribution Commnie, Herr FeLz Werburg, bereist zur Zeit Europa, um in Gemeinschaft mit de» europäisthen Vertretern Joint, insbesondere Herrn Bernhard' Kahn, an Ort und Stelle die bisherige Tätigkeit des Organisationen Dentsthlands, in dem betmmilich alle großen Organisationy, Dentsthlands, west- und ostjüdische, zusammengeschlosst^^nd »nd in dem das Fürsorgewerk für die Ostjuden zentrdlDDt ist, hatte» eint Unterredung mit dem Herrn Präsidenten Wardnrg. De« Arbeiterfnrsorgeamt find' bekanntlich die. für Dentsthiand destimmten Gelder des Joint Tistribntion Committee Prr -OßjndeusSesorge zngeflosien Bei lw» Ansfprache zeigte es sich, daß die Joiat-Gelder *für Dentsthiand nicht mehr»« bisher überwiesen werden könnten^ Die Not in de» nnßerdenlstheu Ländern, insbesondere der Mrad», Pole» n»d Rnßland. sei so «chergewöhnlüh groß, daß dort dkm tsttkrüpv hüse ersetze» »ntz. Do» dmttsthe Jndmttu» müsie in der Lage fein, einen erhestüchev Teil der für die Ostjuden« Hilfe notwendigen Gelder selbst aufznbringen. Amerikas-Entschluß über weitere Hilfe werde sicher von den Leistungen hier abhängen. Wien. Wie seinerzeit im Alpenverein, so wurde jetzt auch im „österreichischen Touristenklub" der sog. Arierparagraph angenommen. Tie Generalversammlung nahm einen sehr stürmischen Verlauf. In der Abstimmung wurden von insgesamt 3840 Stimmen .*{058 f ü r tu»d 782 gegen die Einführung des A^ierparagraphen abgegeben, ^ie Majorität war alio für den Ausschluß der Inden aus dem Klub. ttngmi Budapest. Ter weiße Terror fängt wieder an, in Ungarn seine Schrecken gegen die Juden auszuüben. Fünf jüdische Händler, die aus der Provinz nach Budapest gekommen-waren, wurden tot an den Ufern der Tonau ausgeiunden. In einer der letzten Nächte ivurden über Oft Juden in den Straßen der Stadt verwundet. . Polen. Warschau. Tie Maifeier in Varsckrau endigte für die jüdischen Arbeiter mit n^ehr als hundert Verwundungen, darunter schweren, und einer großed Zahl von Verhaftungen. Trotz der am 1. Mai üblichen Aufschriften, welche die Solidarität des Proletariats verkünden, veranstaltete in Warschau jede Arbeiterpartei ihren separaten Mai-Umzug, die polnische Sozialdemokratie, die Kommunisten, die Poale-Zion, der Bund und die „Vereinigten". Tie Zeire-Zion hatten ebenfalls eine Temonstration vorbereitet. Plötzlich kam ein Polizist, welcher das Meeting verbot, mit der Erklärung, die Polizei habe Auftrag bekommen, bloß die Manifestationen der polnischen Sozialdemokraten zu dulden. Inzwischen war ein Meeting der Bundisten eröffnet worden, ganz unerwartet jedoch warfen sich den Versammelten einige Tutzend berittener Polizisten entgegen. Es entstand ein schreckliches Turcbeinander, Frauen und Kinder wurden niedergetreten, es regnete Kolbenschläge, und überdies drang eine mit Stöcken bswaffncte Schar auf die vor den Polizisten auseinanderstiebcttde Menge ein. Auch das Meeting der Poale- Zion wurde von berittener Polizei zersprengt. Tieselben Szenen wiederholten sich bei den Manifestationen der Kommunisten und der „Vereinigten". Tie Polizei verhaftete eine große Zahl von Teilnehmern an den Tenronstrationen. Tie Zahl der Verhafteten dürfte einige Hundert betragen. Hslland. Amsterdam. Unter großer Feierlichkeit und unter Teilnahme der ganzen holländischen Iudenheit beging die Amsterdamer ^Gemeinde den 230. Jahrestag' der Errichtung der großen Synagoge am I. M. Meyer-PlBn zu Amsterdam. Ter Jubeltag bildet zugleich eine f)iftorüd)c Erinnerung an die mustergültige Toleranz, mit der 5ie niederländisctie Regierung zu allen Zeilen den Juden entgegenkam und die noch heute dankbare Anerkennung findet. Tie Feier begann mit einem akademischen Festakte, bei dem Geschenke der Gemeindemitglieder an die Synagoge übergeben wurden. einer synagogalen Zeremonie, bei der Rabbiner Kopenhagen und Oberrabbiner Lnderwyzer Ansprachen hielten, und einem öffentlichen Empfang im Festsaal des Zoologischen Gartens. Tie Königin von Holland sandte ein berzlich gehaltenes Be- ^rüßüngstelegramm. _ Der.Sekretär der Großen Synagoge Tr. Sligs, veröffentlicht' eine interesiante Studie zup Geschile der Großen Sypagoge, die ein Bild vou der Gründung und dem Vachstum der Synagoge tzkbt. v Arie»1i»ic». Nem-Aork. ^Ter argentinische Rabbiner Tr. Calfan äußerte sich unläntzft, er glaube, daß demnächst eine stärkere Immigration eintreten toerde. Gegenwärtig befinden sich dort gegen 200000 Juden, welche die vollsten Freiheiten oenießen und das progressive Element, im Lande find. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in Argentinien beschäftigt fich mit Landgrbeit und die Kolonien t«r Z. K. A. hefiAbeu sich, dank ihrer Arbeit, in einein sehr guten Zustand. Dr. Ealfan sagte auch, daß die argentinische Regierung ^md der ar«ntinische Präsident bereit find, die jüdische lkinwande^ "rung nach Argentinien zu unterstützen.

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