Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 103 (20.5.1921)
- Date
- 1921-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Teschllil jcfcea gitte|. Bcpc^ PMML.-M»««. Z, besetzen MlVfiatfi^e Psßckntrr An barch de» B«temtU| i» Bm. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt •*,74747. Qccttns^rgaben oon Rabbi»«* Dr. Krnit ^oHrr. Bon». SdfrciftWiüMg und G«schllstW»e: Bö», VnLdmWMß« S2. AÜMMtl 103 | No NN, 20. Mai 1921. — 12 Ajar 5681 I 3- JßDHVA. seeeeooooooQoooooeoooooooooooooooooooooo Es ifr ein wahrer Jammer, daß^der jüdücke Volksmann hier un Vesten immer nur zu den (>ebtldel» reden kann. d. h. daß all seine Volkstümlichkeit schließlich nur eingereder ist. weil ihm der Boden fehlt. der feinem Tarnen Vachsmm verspricbl — das Volk. Tuber die gräßliche Erscheinung. daß das Beste, was egibr. üch literarisch. ästhetisch. mir einem Vone — hochmütig geben muß. weil die Oberschicht, die bei uns im Vesten allein die Tinge in die Tiefe oder richtiger in die Breite tragen kann, nur lizerariiche und ästhetische, d. h. sehr, »ehr hochmütige Cbren har. Vir alle sind minder des rationalistischen Zeitalter-. Tchüler Moies Mendelsohn- und im besten fvalle Tchüler Emmanuel Xlarns. Tas wäre an and für üch nichts Tchlimmes, wenn nicht das Eigebmdre'er I(»0 jährigen Vernunfranbeterei ein ..vulgärer Bildungsraiienalismus" gewesen wäre, auf dem der sog. (bebildere deure zu kräben beliebt, wie der Hahn auf »einem Mist. Vic billtg »st doch diese Bildung zu haben, wie entsetzlich woblstil ist es. sich erhaben zu fühlen über allen Trugen, die »enieiis jener Bernünfrtzkeir liegen, die de- Bürgers Twlz und Eitelkeit bedeutet. Vas nicht vernunfgemäß ist. ist überhaupt nicht. Vie aufgeklärt, wie frei, wie selbstherrlich ünb wir alle, wir planen Bildungsphilisterl - - — Und dann folgte dem Zeitalter der Vernunft noch das Zeitaltei des Materialismus und der Rarurwifsen- - schafren. die noch gerade fehlten, um den Hochmut völlig aufzuschwemmen. Velcke gewaltigen CärnÄoe m den Vifsen- »chanen. welche Riesenschritte in der Technik und Industrie. Von der ersten Tampfmaschine bis zum neuesten Modell eines Nugppparates. wenn da noch einer am Tiegeslaui der Menschheit zu .yneifdn wagt! Iv der Tar. Rationalismus und Raturwistenschafren und Himmel stürmende Erobeiergigamen gewesen, gewaltige Pioniere der forschenden Menschheit. Und lwch sind sie an einem Punkte zerschellt: Are erziehende Wirkung auf das Menschengeschlecht ist kläglich ar^gefaü». Beweis im" Großen: Ter Zusausnenbruch der Menschheit im Kriege Beweis im Kleinen: Ter Hochmut der mllgär» Bitdungsveruünftelei. « Zweierlei ist für den Juden klarer Einsicht au dieser Entwicklung besonders bedauerlich: Lein Anfklllruugshochmut hat ihn demjenigen Teile seiner Religion entfoemder. der mit der Vernunft nicht letztlich erschöpfbar ist. Er hat sich ein vernunftgemäßes Judentum zurecht gemacht, und hält sich auch etwas darauf zugute. d«ch das Judentum die vernunftgemaßeste aller Religionen sei. Aber es lagt sich an die tiefst» Quell» aller Religion». joMr Mu^bepmders uuserrs IudentuuM «sr i*iaxtfef$t näa Ehrftstcht. eiu^ heikg» mit Anstlärung fchtechterdfttzs ist immer ein st uüt Vernunft nichts zu mach», da bedarf es der Hingabe an da- Absolute, an den Geist und das Web», das eben nicht wor iondern Himer den Dingen liegt: ..Etz gibt wehr Tiiuf im Himmel und auf Erden, als deine Ähulweisheit »üch träumt. Horario." Ter Bildnngsjnde, der ästhetische Jüngling unter uns ebenst» wie der vielgewandte Parkettier. hat jenen Grad'^er Brlduna noch nickt erreickl. der in Religion. Glaube, ^form mrdtzWunbild. das große Reservoir alles Moratischen. ja. des Heilig» überhaupt ertenm und zü wen» vermag. Und dann ist der Bildung-Jude auch seinem Volke »t-' fremder worden, und das ist das schlimmere, weil er sich, selber damit entwurzelt dar. T»n was find die Gebildeten, n-enn ne nickt d^ Gisckr des Volksmeeres mehr $6 sein vermögen. Tcklimm bei einem bodenständig» Volke, mrsetzensvoll bei einem Volte in der Zerstreuung. ^»ie wir es »nd. Tie Lostöiung des Vestens vom Ost» ist lediglich dem aufgeblähten Hochmut der Bildungsvernünftler zu d-.nken. die fick io erhaben fühl» über dem Kaftanfud» und Peie-träger. daß ne fick in ihrem Hochgefühl schließlich roll Ekel und Viderwillen abwend» von ihm. in ihm und ihm allein den .^Ruckes macker" »eh» und in ihrer blind» -i-erdohnbell nick: merken, daß diese östlichen Million» di>ck das große Reiervoi: unserer ganzen ungebrochenen Lebenskraft ünd. Uns ist in unierm derriich» 19. Jahrhundert die Temur vor dem Volke, vor der Masse, der wir alle entstammen, abband» gekommen. Tenn unsere Vorväter sahen alle io aus wie jene Ostfuden. die jetzt uns io peinlich zahlreich in unser Land ström», sie trugen den- «elben Kaftan und dieselben ^chtäfenlock». sprach» Misch nie fic und schlichen wie sie an der Daud entlang als Töhne des Gdelios. Man muß durch die Kruste hindurch die Teele des Volkes «f»n». muß auch hier wie jm Religiösen. Himer die Tiuge gelangen, denn auch Volkstum ist - ein ..uaumumwobenes Tiug*. das sei« Metaphysik har, Himer die der wahrhaft Gebildete auch nur mit ei«r echt» T emur zu komm» vermc^. vor allem ober zuerst einmal mir der Erkenntnis. was für ein «unstetiges und brüchiges Ting doch eigentlich diese Bermmft ist. die all die hochkultiviert» Älter noch nicht einmal vor d» Gräudu der Kriegsjahre zu schütz» vermochte, und wie hohl «ck-'arm^. diese Nanm^stachhastem die-trotz Haechchh Meltzütstl und allem monistisch» Krimskrams uW dieBtWl' zu schlage» vermochten* nach 's»»» IentzeftUaudE. Mttstch» gut find, weil sie Dynut Hab», umd lieb»M. MeS sie muh zu erschauern vermag» vor dem. Gottesruf: Jtm sallD^ liedea^deftwu^ÄW» wie dich seÜstt" — weü es a» GottrÄovrt ist. * Oh. ihr Gebildet», »vie seck lahln mck Saptzerdürr ist am Endes mir all eurem ‘ ‘ _ moutiker geworden. Die MW» der Ewigkeit mW», mrdder Stuou der Zeit heweA t imchnl chm MimtSe,