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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-05-06 · 101 (6.5.1921) · p. Seite 140

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
101 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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llnb im Mittelpunkt dieser Tragödie steht — Abarbanel. Don Jsak den Jehuda Abarbanel (auch: Abravanel) war in Liffabon 1437 geboren, als Sprößling einer altadeligen Familie, die ihren Stammbaum bis auf das Davidsche Geschlecht zuiuckführte. Frühzeitig erwarb sich Abarbanel einen aneshnlichen Grad von Bildung, zeichnere sich durch Gewandtheit in Geschäftsangelegenheiten aus und brachte es zu einem großen Vermögen und zu einem noch größeren Ansehen. Alfons der Fünfte, König von Portugal, war sein Gönner. Er lernte Abarbanels Fähigkeiten schätzen und legte die Leitung von Slaatsgeichäfren vertrauensvoll in seine Hände. Nach dem Tode Alfons' und nach der Thronbesteigung des mißtrauischen, überall 2krrat witternden Don Juan flüchtete Abarbanel, den der König ohne Grund verdächtigte, nach Spanien, dem allen Dohnsitz seiner Vorfahren. Hier erblühte ihm das Glück aufs neue. König Ferdinand schenkte ihiü fein Vertrauen, ernannte ihn zum Finanzminister und acht Jahre lang durfte Abarbanel die Finanzgeschäfte des spanischen Staates leiten. Da brach plötzlich die Katastrophe herein: die Vertreibung der Juden aus Spanien. Abarbanel schloß sich seinen verfolgten Brüdern an. Er tvanderle aus. Er ging nach' Neapel, nach Messina, nacf> Monopols, nach Venedig, widmete sich ausschließlich dem Tborasnldium, 'ckwteb einen gediegenen, von einer gewisien Denktreideir zeugenden Kommentar zur Bibel . . . In den in klassischem Helwänch geschriebenen Einleintngen zu seinem Josua- und Könige-Kommenrar sind einige autobiographische Daren enthalten, die sowohl literarisch wie historisch von Jnreresie sind. Ich teile sie hier in möglichst wortgetreuer Ueberietzung mit. Abarbanel schreibt: „Friedlich wohnte ich in meinem Hause und Gon segnete mein väterliches Erbe in der berühmten Stadt Lisiabon mit Reichtum und allen irdischen Glücksgürern. Ich baute mir säulengenagene Paläste, mein Heim wckr für GAebrte und Weise ein Sammelpunkt, wo sie aus Büchern und mündlicher Unterhaltung gegenseitig Belehrung schöpften und sich in der Gottesfurcht unterstützrein Meine Rauine dehnten sich und meine Besitzungen blühten zu jener Zerr, als Don Alwnso, der heldenhafte König, auf dem Throne des Reiches saß und mir Gerechtigkeit regierte. Unter seiner .sderr'chasr harren die Juden Schutz und Bewegungsfreiheit. Unrer seinem schauen saß auch ich mit Lust: ick war einer der Nächsten ''einem Throne, er stützte sich aus mich und setzte in mich sein Vertrauen. Ta wurden wir vom Unglück heimgesuckr: der König starb. Die Juden, die in ihm einen mächtigen Beschützer verloren harren, weinien und wehklagten und groß war ihre Trauer. Sein Sohn, Ton Joao, bestieg den Thron: ein König voll des Mißtrauens, der die alten Räte seines Vaters nicht kannte und der seines Vaters Freunde, des Landes Fürsten, mit bitterem Haß verfolgte. Er witterte überall Verrat und gegen die edelsten Häupter des Volkes, diejenigen, die der Geburt sowohl wie dem Ansehen nach dem Throne am nächsten standen, richtete sich sein Vernichtungsplan. Er batte den ganz unbegründeten Verdacht, daß die obetsten Staatsdiener heimlich mit Spanien ein Komplott schmiedeten, um' ihn von seinem Throne zu stürzen. Einen der ersten Staatsmänner erstach er. während jener friedlich und nichts Böses ahnend neben ihm saß, mit feinem Schwert. Tie anderen ergriffen die Flucht. Da diese Fürsten zu ineinen intimsten Freunden gehörten, zählte er auch mich zu den „Verschwörern", zumal, da sich schlechte Leute fanden, die inich aufs ärgste verleumdeten. Von Freunden auf die mir drohende Gefahr aufmerksam gemacht, entfloh ich nach Kastilien. Meine Besitzungen wurden in Beschlag genommen und ich fühlte mich mit einem Male verarmt und vereinsamt. Ich begann darüber nachzudenken, worin ich denn sq, arg gesündigt haben könnte, daß mich Gott mit solch hcütter Strafe heimsuchte. Da fielen mir die Schuppen von den Augen: Ich habe schwer gesündigt, denn ich habe das Studium der Gotteslehre vernachlässigt. Ich widmete mich Finanzgeschäften, erlangte-Machtstellung und hohes Ansehen und vergaß indcsien, mich in das Gotteswort zu vertiefen und in der Gorteslehre zu forschen..." „Es war im Jahre Ö244 nach Erschaffung der Welt — ich war gerade im Begriff, nieinen Kommentar zu dem Buchender Könige zu schreiben — da wurde ich zum König von Spanien beschieden. Als ich bei Hof erschien, empfingen mich der König und die Königin sehr wohlwollend. Gott ließ mich Gnade finden in ihren Augen. Acht Jahre lang hals ich mit die Sraarsgeschäfte ordnen. Allein das neunte Jahr war ein Unglücksjahr für Israel. Der König von Spanien eroberte das herrliche Granada, die „Fürstin unter den Ländern", und von seinem Triuinpfgefuhl berauscht, 'Prack er in seinein Herzen: Womit kann ich bei meinem Gotte. der Granada in meine Hände gab, Wohlgefallen finden? Ich werde das im Finstern wcmdelnde Volk, das verirrte Lchäflein Israel, unter seine Fittiche bringen. Und des Königs Befehl wurde von Ausrufern bekanntgegeben: Wollt ihr. Familien aus dem Hause Israel, meinem Gotte dienen, io sollt ihr gleich uns das Feit des Landes genießen; ''o ihr euch aber weigert, lo soll der Ranre Jakob und Israel in meinen Ländern ausgetilgr sein! Ich tat alles, was in. meinen Kränen stand, um den Befehl rückgängig zu machen. Ich bor dem König reiche Schätze, die die Juden für ihre Heimar herzugeben bereit waren. Ich rief alle meine christlichen Freunde herbei, auf daß sie beim König als Fürwrecker der Jrrden wirken. Aber ich predigte tauben Lbren. Besonders die Königin bestand darauf, das begonnene „gottgefällige Werk" zu vollenden. Eine Trauer berr'chre unrer den Juden loie bei der Austreibung aus Jerusalem. Einer ermutigte den airderen, tteu bei seinem Gone auszuharren. Drei hunderttausend Menschen, jung und alt. Weib und Kind, wanderten an einem Tage aus den Ländern Spaniens aus. Sie wanderten, und Adonaj war an ihrer Spitze! . . . Tie einen wandten sich nach Portugal. die anderen nach Navarra. Ileberall umfing sie Finsternis: sie Hanen mir dem Hunger zu kämpfen und mit den Beschwerden des Weges, die Pest würete unter ihnen. Viele, die jem'eirs des Meeres eine Zufluchtsstätte zu finden gehofft harren, fanden den Tod in den brandenden Wogen. Biele kamen bei Schiffsbränden ums Leben. Tie meisten gingen zugrunde: eine kleine Schar bloß blieb am Leben. Ick schloß mich den Erulanten an und ging mit meiner Familie nach Neapel, dessen Herrscher in Huld und Gnade rc gierten.-" Abaibanel starb im Jahre 1508 im Alter von einundnebzig Jahren in Venedig: seine Leiche wurde nach Padua gebracht. Mir seinen Werken, insbesondere mit seinem Bibelkommenrar. bar er sich im hebräischen Schrifttum ein unvergleichliches Denkmal gesetzt. In der Einleitung zum füniren Buche Moses gibt er eine ausführliche, herzergreifende Schilderung von den Leiden der spanischen Juden bei ihrer gewaltsamen Austteibung. Don Jsak Abarbanel iw eine Persönlichkeit von historischem Wuchs und sein Leben ist reich an dramatischen Momenten. An ihm l-eße sich eine ganze Reihe seelischer Konflikte demonstrieren. Zunächst: die Ueberwindung des menschlichen Ehrgeizes durch das jüdische Gefühl. Oder: der Konflikt zwischm dem Dillen zur Heimat und der Liebe zum eigenen Volke. l..Jch schloß rnich den verfolgten Brüdern an", sagt er treuherzig einfach.) Oder: die Preisgabe der höchsten Ehrenz stellen aus höchstem Ehrgefühl. .. Aon Berg uud Tal r Sil«. Ueber die Lewandowski-Feier in Köln wird unS geschrieben: ES war «in großer uud außergewöhnlich genußreicher Abend, j Saal und Galerie der Lesegesellschaft voll besetzt, die Kölner Jude». heit ließ eS sich nicht »eh»e», der Einladn»g der Wisrachi»ereinia»»g > Folge z» leiste». Galt e» doch znnächst, SewandowsEi z, stier».

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