Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 101 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3947615-6435932-6437207--1095-3948606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bona aber auch einen Meister de- Gesan«-, den Lberßantsr Herrn Naumow Fleischmann aus Franiffurl a. M. zu hören. ES ist immer gewagt. Liturgien und Gesänge, die iu die Synagoge gehören, im Konzertsaal vorzutragen. Ltimmuug und Anoacht sind uiwt immer gleichet Art. es fehlen im Konzerisaal die Imponderavilien. aber Herr Fleischmann umschiffte die Klippen mit einer Virtuosität, die völlig vergessen machte, wann und wo er sang. Tic Lewandowski'schen Melodien sind dem jüdischen Publikum nicht neu, jeder, der die Lynagoge besucht, kennt sie. aber noch nie ist.uns die Bedeutung und die Ticiinnigkeil der Melodien so zum Bewußtsein gekommen, wie an diesem Abend. Einen besseren Interpreten dieser Lynaoogalen Musik als Herrn Flcischmanr. können wir uns kaum vörstellen. Lein „Vehosser szoion milwncnu umtachrenu" ist unnachahmlich und wirkte so faszinierend, daß die Zuhörer sich kaum zu rühren wagten, zum Lchlusse aber mit dem Beifall stürmisch dem Länger neue Gaben zu entlocken versuchten, schließlich sei seine eigene Komposition des ..Adonoj. Adonoj. cl rachum lvechanum" erwähnt. In der Melodie steckt so viel Iüdischkcn. vorgetragen mit; so viel Innigkeit und Verständnis, die mächtige, ausgererne Ltimmc , so voll ^ur Geltung bringend, daß man dankbar war. wieder ein- - mal gehört zu haben, wie schön und ergreifend un'erc Gebete wirj ken können, wenn sie von einem Gottbegnadeten Künsiler vorgetragen werden. Ter Vortrag des Herrn Arrur Holde Irank'nri a. M. über Lewandowski bol nichts Neue?.! Bon». Bon der z i o n i st i s cst e n C i : c> a tu p p t Bonn ' geht uns folgende Zuschrift zu: Tie am 2. Mai skallgehabrc oedenilichc Mugltederoerfaminlung > stand unter dem Zeichen des diesjährigen Tclcgiertcntages der zionistischen Bereinigung iür Tcurschland. der für den!3.—1»>. Mai 1 nach Hannover cinbcruscn ist. Angesichts der politischen Erfolge des Zionismus werden sich die Verhandlungen dieser Tagung mit dem Aufbau Palästinas und der zionistischen Arbeit in der Tiaspora beschäftigen. Zu diesen Fragen ergriffen Vertreter der verschiedenen innerhalb des Zionismus vorhandenen Strömungen das Wort, und cS entwickelte sich eine angeregte Tiskussion. Insbesondere nahm man ausführlich Ltellung zu der Frage der Gründung der; neuen zionistischen Föderation ..Binjan Haare.;- iAufbau des Lau- ) des). — Nach eingehender Aussprache schrill man zur Wahl, bei der der Vorsitzende der Ortsgruppe. Herr Goldreich-Beuel, und als Vertreter des ..Binjan Haarez- Herr Tr. Lascher-Boun als Tele- gierte, sowie Herr Paul Koopmann und Frau Tr. Edelstein als ' Ersatzdelegierte gewählt wurdet. Eliahu ha-nabi. Eine P e s s a ck: - E r i n n e r tt t'. g . 2 u s der k i n d e r z e i t von JDr. Samuel Jiappa-ort. l^chluß.) Tos Mahl war endlich zu Ende und der „Afikomen" verteilt. Tas Benschen sang der Großvater mir wundervoller Skimme. Schon wurde der Segensspruch zum dritten Becher gesagt. Ter große Moment ist gekommen. Im Hause ist es still. Mir angestrengter scharfer Aufmerksamkeit richtete ich meinen Blick in jene Richtung, wo der Heißerwaltere eimreren soll. Nun ging die Tür auf. Mir schwindelte es vor den Augen. An der Schwelle war die Gestalt eines ehrwürdigen Greises sichtbar. Ein heiliger Schimmer wie der Abglanz der Göttlichkeit durchleuchtete sein Angesicht. Gerade so harte ich Eliahu einst in meinen Kittderträumen gesehen und so sehe ich ihn nun wachenden Auges. Ein langer schneeweißer Bart, der bis an den breiten Gurt herabwallt, umsäumte sein gutes aber ernstes Gesicht und sein hoher, schöner Leib war in einen schüumernden Seidenmantel, der an den vier Ecken lange nachschleppende „Zizit" trug, gehüllt. Nachdem er d« Hand auf.die „Mesuse" an dem Türpfosten gelegt, näherte er sich langsamen bedächtigen Schrittes unserem Tische. Ehrfürchtig erhoben sich die Männer, auch ich, und boten ihm die Hand zum „Schalom aleichem"-Gruße. Schweigend und voller Würde griff er dann zu dem für ihn bestimmten, in der Mitte des Tisches stehenden Pokal. Nachdem er halblaut die „Mrochoh" gesagt und vom Weine genippt hatte, stellte er ihn tvieder auf seinen früheren Platz zurück. In unsagbarer Spannung und wie beklommen verfolgte ich jd* ferner Bewegungen, daß mir ja keine derselben verloren gche. Mein Blick schien sich in ihn hineinzubohren. Ich svch« seine Augen und sein Gesicht mir tief einzuprägen. Ein zw-eiies Mal sieht ihn ein Sterblicher in seinem irdischen Leben nicht wieder. . Ich wußte es wohl, was dieser große Moment für mich und mein Leben bedeutete. Kaum hatte Eliahu den Pokal hingestellt, als mein Herz plötzlich zu hämmern begann. Eliahu warf einen zuxir liebevollen, aber doch von Ernst erfüllten Mick aus mich und begann seine langsamen Schritte geradeaus aus mich zu richten. Mein Blut schien zu stocken, mir wollte der Arem ausgehcn. Ich-sammelte alle meine Energie und ^schloß, obzwar ich wußte, daß ich nicht wenig verwirrt und nicht ganz Herr meiner selbst bin, mich doch nach Möglichkeit mutig und würdig dieses großen Augenblickes zu zeigen. Eliahu lvar zu mir gekommen, ich wollk, wie es sich geziemt, in Ehrerbietvng vor dem greisen Propheten von meinem Sitze aufstehen, aber zu meinem furchtbaren Schrecken saß ich, wie durch Zauberspruch festgebannt, da und konnte mich umnöglich erheben. Alle Anstrengung schien vergeblich. Wie angenagelr mußte ich unbeweglich dusitzen. Zu ineiner Beruhigung schien Eliahu. zu dem ich mir flehentlichen Augen emporblickte, ihm stumm meine Pein klagend, die Tespektterlichkeit meines Benehmens keineswegs zu beachten. Sanft legte er seine schönen weißen Hände aus mein Haupt — o welch wonniger Augenblick! — und die Augen zum Hiurmel gerichtet, sprach er langsam und mit Inbrunst den alten üblichen Segen. Meine Beklommenheit schwand. Ich faßte wieder Mut. „Wie heißt du. mein Kind?" fragte mich Eliahu liebevoll und seine Stimme klang so zärtlich und herzgewinnend, daß es mir wie ein erquickender Frühlingshauch durch die Seele ging. Zeft und unerschrocken nannte ich meinen Namen. ,L8aS lernst du jetzt?" fragte er mich weiter. Ich nannte ihm den Talmudtraktat, besten Studium ich im letzten Semester oblag. „Tann komm her zu mir, ich will dich verhören und sehen,'was du kannst", sagte Eliahu und ergriff ßmst meine Hand. Ich versuchte aufzuftehen, aber zu meinem Schrecken vermochte ich mich auch jetzt nicht von meinem Pltche zu erbeben. Wieder schaute ich mit ttänenerfüllten Augen zu Eliahu empor, wortlos mein Unglück klagend. „Nmr, komm doch, mein Kind!" rief Eliahu zwar liebevoll, aber fester, und ergriff meinen Arm. Ich versuchte mich zu erheben. Doch siehe da, ich befand mich jetzt, wir durch emen Zauberspruch, in ganz veränderter Umgebung. Ich öffnete weit die Augen. Im Zimmer war es schon ziemkch dunkel.! Tie Kerzen am Hängeleuchter und am Tische waren bnettS! ausgebrannt, nur in den Glasleuchtrrn zuckten noch' bfe! schwachen Flammen der Oellampen. Am Tische lagen dnioe der großen Folianten verstreut. Rabbi Mendel war nicht da; er schien schon längst nach Hause gegangen zu seiü. Auch die Großmutter war nicht zu sehen, sie schien nach der schweren TageSarbeit sich bereits zur Ruhe begebe» zu haben. Neben mir stand der Großvater und griff Mich stmft beim Arm. „Komm, geh zu Bett", sagte er liebevoll lachdnd, „schade, daß hu eingeschlafen bist. Du hättest Mahn sehen können, er war hier und wollte dich sogar verhören, nur wollte ich dich nicht wecken. Du hattest so schön vnb fest geschlafen. Nun komm aber zu Bett, es ist schön sehr st»ät. Im nächsten Jahre sollst du Eliahu bei mir schm, wen» du nicht wied« einschläfst. 7 .Llber Großvater", rief ich nicht wenig erstaunt, „ich habe ja soeben Eliahu -eschen, er hat mich sogar gesegnet; auch verhören wollte er mich, als er, ich weiß nicht wie, plötzlich verschwand." JBidBAf" erwiderte der Großvater lächelnd, „komm nur jetzt schlafen, morgen wollen wir darüber reden." Still hob er »Äh ans seine Arme, entkleidete mich und mit der Mä»tk>Aa. daß ich heute, am „LeL Schimurim", an der Gott seS«M»>A Wache hält, kein ,^riach-Schma" stmen brauche, kM»» mich »chr schüchnd -H wachead «*f‘ '***