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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-04-29 · 100 (29.4.1921) · p. Seite 130

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
100 (29.4.1921)
Date
1921-04-29
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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grämt. Er hat es nicht nötig, sich zu grämen. IHm soll der Gedanke, daß das gimze deutsche Krdentum ein und basselbe Buch benutzt und als bindende Ueberlieserung anerkennt, über den Gram hinweghelfen, und er kann es auch. Ich weiß, daß da Opfer zu bringen find, aber den Opfern wurden auf der andren Seite Gewinne, moralische und religiöse, entsprechen. Tenn so würde künftig die Sache aussehen: Jede Gemeinde, die reformerische, die liberale, die halbkonservative und die orthodoxe, müßte f e st st e l l e n, bis zum Grade welcher Type sich ihr augenblicklicher Ritus ausdehnt und sich demnach entscheiden. Taüei würden sich die Wünsche zwar nur ungefähr und im Großenganzen mit dem Targeborenen decken, der Fortschritt aber wäre dafür auch höchst bedeutsam und entscheidend. Tenn lbollte man heute die südischdemschen Riten typographisch festlegen, man käme mit drei Tutzend verschiedener Typen nicht aus. Es würde jede Eigenmächtigkeit schwinden müssen und auch die Liberalen müßten dann ihr Opfer bringen. Äiddusch würde Kiddusch bleiben, da dürfte kein ascher bochar bonu und kein mikol hoamim fallen. Es wäre das eine gewaltige Anerkennung der Ueberlieserung und würde trotzdem keine allzugroße Zumutung an die liberale Ueberzeugung iein, zumal der starke Einheitsgedanke als cfrii>e Buchung dagegen stehr: Ein Gebetbuch für alle! Ihr habt in Berlin versprochen, dieser Einheit und Einigkeit Opfer zu bringen,?o zeigt, was ihr vermögt. Wir für unsern Teil glauben nicht, daß das deutsche Judentum umer Einheit lediglich Organisation verstehen wird und nicht vielmehr jene höhere, sittliche, heilige Einheit religiöser Gleichgesrimmtbeit trotz mancher Abwandlung im Strome der Geschichte. Wir und alle Juden, Kinder eines Volkes- und eines- Gorres. Web dem, der daran rührt! Emil Cohn. '•'* ~OOCOC ooco Hi.f -*»r. •»£ Berlin. «I. Ci. B.) X:e Gruudmtg de5 „Verbandes nalio- ..al deur'cher Juden" turch Tr. Naumann gibt der unabhangigiozialistischcn „Freiheil" Anlaß zu der Bemerkung, daß durch diese Gründung die d-cu:schna:ionale Heye gegen die „jüdisch- 'ozialistische Bewegung" ad absurdum gestchrl ist. Tenn die r.aliona'.ifnch organisierten Juden sind wie alle Nationalisten Gegner des Sozialismus. Sozialismus har eben mit Rasienirage nichts zu run. — Zu Verband teilt in der Presie mit, daß die Nachricht, er nehme auch geraufte Juden als Mitglieder auß der Wahrheil nicht entspricht. Fraukjurr a. M. Ter bekannte Führer des Agudas Iisroel, Tr. Fiaak Breuer, ''chreibl in den „Agudas Iisrvel-Blättern", die Neilerwirkung des Mandats aui das jÄ>ische Volk und die Reilerwirkung aui die übrigen Nationen in ihrem Verhältnis zum jüdischen Volk sei unrer allen Umständen unübersehbar groß. Tas Manc-al stelle das jüdische Volk endgültig vor die Ausgabe der nationalen Emanzipation; diese sei eine Gesamtausgabe, die das jiwische Volk in der neuen Epoche im Geiste der Thora zu lösen habe. Tie Orchodorie habe sich diese Ausgabe nicht gestellt, aber sie habe mdjt mchr die Freiheit der Wahl. Sie könne an dieser Ausgabe nicht vorübergehen, ohne das Recht zum Dasein zu verwirken. Tie Orchodorie müsse diese Ausgabe als von Gott gewollt betrachten; lehne sie sie ab, so sei sie verloren. Berlin. Tie feit 1880 bestehende Gestllfchaft zur Förderung des Handwerkes und der Lcmdwi rischast unter den russischen Jüden, kurz genannt ist hcer unter dem Namen: ^verein ,^ORT", Gesellschaft zur Forderung des Handwerks uud der Landwirtschaft unter den Itwen des frühere» ruffifchen Aaches, Abteilung Deutschland E. L." ins BerrruSregister rin- I getragen. Mitglieder des Vereins können Persimen beiderlei l Geschlechts ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit werden. Das Büro bchndet sich: Eharlottenburg, Bleibtreuftvaße 34/35, j Telefon: Steinplatz 9857. Berli». „Tas Neue Palästina" nennt sich ein monatlich einmal erscheinendes MitleiluncMäatt, welches Nachrichten» Be-! richte und Bilder aus Palästina bringt und vom Üere» Hnjeffnd, Abteilung für Zentralenropa, Berlins'hercmsgegeben tmrd. Es soll Perionlichkeiten, die bisher den Palästinabestredungen ferner standen, mit der Entwicklung des Landes vertraut machen und sie dafür inleressieren. Tie Zusendung des Blattes erfolgt einstweilen kostenlos. lZiko.) Berli». Professor Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, beabsichtigt, nach jeiner Rückkehr aus Amerika den europäischen Kontinent zu besuchen. Er hat namentlich Besuche in Aussicht genommen in den Städten Berlin, Kowno, Wilna, Warschau, Prag und Wien. lZiko.) Berlin. Ter bekannte Wiener Sozialphilosoph, Mathematiker und Tichter Joses Popper-Llnkeus teilte der Wiener Gesellschast zur Gründung von Sammel- und Forschungsstellen für die jüdischen Kulturrnstitute in Palästina mit, daß er seine gesamte Bibliothek der Jüdischen Nationalbibliochek in Jerusalem vermache. Tie umfangreiche Bücherei enthält brütende wiiienfchaflliche Werke, insbesondere auf dem Gebiet der Mathematik, Physik, Technik und Naturwissenschaft, des Sozialismus und der Neligions^ilosophie. lZiko.) t - e> *.* Warschau. Aus Warschau wird zur Beratung über die 'Ratifikation des Rigaer Friedensverlrages im Landtag gemeldet, daß die jüdische Voikspartei und die Poale-Zionisten gegen die Ratifikation gestimmt haben, well die Rechte der Juden in den neu an Polen abgetretenen Gebieten nicht genügend gewahrt sind. Die Zionisten enthielten sich der Abstimmung. Neuhark. l'I- C. B.) Einem Tanziger Funkspruch deS ^Iewish Correspondance Bureau" zufolge droht die Warschauer antesemitische Presie mit Revanche seitens Polens für den Fall, daß sich die Nachricht über die bevorstehercke Entsendung eines Iiäxii als amerikanischer Botschafter nach Warschau bewahrheiten soll. „Ttva Grosz" kündigen für diesen Fall die Abberufung des gegenwärtigen polnischen Gesandten in Washington an und die Entsendung eines der größten polnischen Ante- 'emilen zum Washingtoner polnischen Gesandten. Warschau. C. B.) Wie wir von authentischer Seite erfahren, hat die polnische Regierung unter dem Trucke der antisemitisch-chauvinistischen Hetze der Nationaldemokraten Vschlossen, die jüdisch-polnischen Ausgleichsverhandlungen aus unbestimmte Zeit zu verschieben. Sowjet-Rußlands Berlin. Tas in Prag erscheinende Organ der rechten Sozialrevolutionäre, der „Wolja Roßji", veröffentlicht ein Geheimzirkular der russischen Regierung an alle Gourernements, außerordentliche Kommissionen usw., in welchem eine systematische Bekämpfung und Vernichtung des Zionismus verlangt j wird. Tie Methode, nach welcher dieser Vernichtungskampf ge- ' führt werden soll, gipfelt in der folgenden Anweisung: „Tas j Zerstvrungswerk ist so einzurichien, daß man, ohne die Illegalität der Organisation offiziell zu dekretieren, faktisch ihre Tätigkeit bchindert und unmöglich macht. Ter Zionismus sti als rein bourgeois einzuschätzen; für das Proletariat sti er bedeutungslos und schädlich." lZiko.) Dauüz. Nach hierher gelangten Nachrichten verlangten die jüdischen Kommissäre in Sowjetrußland die Abschaffung der Milvh. Erst das energische Auftreten der Mohamedaner brachte dieses Gesetz zu Fall. NenNnrk. sJ. C. B.) Ter Führer des Zionistischen T^elegat in Amerika, Prof. Tn. Weizmann, stattete de« Präsidenten Harding einen Besuch ab. Bei dieser ^Gelegenheit machte er den Präsidenten mit den Richtlinien der zionistischen Kampagne für den Aufbau Palästinas bekannt.

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