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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-04-22 · 99 (22.4.1921) · p. Seite 123

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
99 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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12L seine Abstammung sein Verständnis der Ziele, Aspirationen, Freuden und Leiden des indischen Volkes beschleunigen und erleichtern und ihm helfen tverde, die nahezu unartikulierten Schreie und das unhörbare Raunen der Massen zu verstehen, die zutveilen am meisten leiden, und denen cs doch noch schrvicrig, wenn nicht unmöglich erscheint, ihre Röte zum Ausdruck zu bringen. London, 8. April. Im Unterhause teilte Unlerstaatssekrctär Amcry auf Anfrage mit, das; bsiHer keinerlei wirtschaftliche Konzessionen in Palästina vergeben worden seien. Jedoch werde man wohl seht dazu übergehen müssen, solche Konzessionen zu getvahrcu, da die wirtschaftliche Lage des Landes ein längeres Zmvartcn trotz der noch ausstchendcu Ratifikation des türkischen Friedeusvertrages nicht gestalte. Nur für Minerale und Oele wei'de inan an der früheren negativen Entscheidung festhalten. Kolonialminister Churchill, der dicie Woche heimlehrte, tverde dem Hause ehestens berichten. Bei der Vergebung von Konzessionen werde keiner Nationalität ein Vorzugsrecht eingeräumt werden. Palästina. Berlin. Emir Abdullah, der mächtigste Scherl des O sljordan'andes, ist nach einer Meldung der „Times" mit der palästinensischen Negierung in Verhandlungen gelr-cteu wegen endgiiltiger Regelung der Verl)ältnisse des Lilsordanlandes. Es soll eine zentrale starke Verwaltung eingesetzt werden. Tem Emir Abdullah wird ein britischer Beamter als Verbindungsmann bcigcgcben werden.!ZK.) Berlin. Nach einer Meldung der „Times" hat Emir- Abdullah geäußert, daß eine Konferenz führender arabischer uitd jüdischer Persönlichkeiten in Palästina notwendig sei, um eine völlige Verständigung herbeizunihren. Tie Araber würden dann wahrscheinlich fessstellen. daß der Zionismus sie in keiner Weise bedrohe, wie dies häuiig befürchtet werden. sZK.) Berlin. Tie deutschen Benediktiner auf dem Berge Zion, die im November 1918 Jerusalem Hanen rer lassen müssen, sind in diesen Tagen auf Grund der vom Oberkommissar Sir Herbert Samuel erteilten Erlaubnis nach dort zurückgekchrt. Sic l>aben Kloster und Kirche in gutem Zustande vorgefunden. Tic Rückreise erfolgte über Rom. wo sie vom Papste enrpsangen wurden. <ZK.j Gesamlorganisation und palästinafrage. Von Tr. Alfred A p f c l - Berlin st. Sellen ist eine Kunde mit so tiefer Bewegung von den deutschen Inden ausgenommen worden, wie die Botschaft, die am 23. Januar 1921 aus dem Berliner Logentempel hinausgesandt wurde: Tie deuischen Juden haben sich zu einer Gesamlorganisation, zum ersten Versuch der Herstellung einer Einheitsfront zusamnicngcschloffen. Selten hat ein Problem die deutschen Inden in ihrem jüdischen Grundgefühl so aufgewühlt, wie das Palästina- Problem. Wir standen dicht davor, durch die Polästinabewcgung eine Uebcrbrückung der gerade heute selbstmörderischen Parteikämpfe zu erzielen: Wir Nichtzionisten waren bereit, die Frage der Errichtung einer jüdischen Heimstätte für diejenigen Glaubensgenossen, die sich in ihren Heimatländern entwurzelt fühlen, als eine Sache der Gcsamtjudcnheit und nicht als eine Parteisache zu betrachten; aus der anderen Seite wuchs bei den Zionisten von Tag zu Tag die Geneigtheit — und zwar nicht nur eine taktische, sondern eine sehr ernst zu nehmende — unseren deutsch-patriotischen Standpunkt zu respektieren. Es schien der Augenblick gekommen, wo das deutsche Judentum, zum ersten Male geeint, zum wichtigsten, weil gemeinsamen Vorstotz gegen den mördvrischen Antisemitismus sein Haupt erheben konnte. Diese Möglichkeit und der Erfolg des 23. Januar 1921 scheinen seit dem 10. April 1921 vernichtet.' Vernichtet durch Beschlüsse der Mehrheit des Vorstandes des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdiscken Glaubens, die geeignet sind, die innerjüdischen Kämpfe rn Deutschland zur Siedehitze zu steigern, den C. V. in seinem Mitgliederbestand und in seiner Stoßkraft gegen den Antisemitismus aus das höchste zu gefährden. Wie Ihnen bekannt ist, betreibt Herr Tr. Max Naumann in Berlin die Begründung eines Verbaiäes national-deutscher Juden uitt argumentiert hierbei u. a. mit der angeblichen nationalen Un- Zuverlässigkeit des C. V. Durch diesen Bornmrf hat sich die Mehrheit des Vorstandes des C. B. so einschüchtern lassen, daß sie zwei 1) AuS, ei«r, im Dresdener Jugendbund'gehaltenen Rede. Gelegenheiten in der Hanpworstandssttzung vom 10. April 1931 in denkbar ungeschicktester Weise benutzen, um ihre patriotische Zuverlässigkeit zu bekunden: die Jugend- und die Palästinafrage. In der Jugendfrage wurde ein Beschluß gefaßt, der nach der offen eingestandenen Absicht der Antragsteller eine weitere Zusammenarbeit des C. B. mit ver größten jüdischen Jugendorgamsatioa, dem Verbände der jüdischen Jvoemdvereive Deutschlands, unmöglich machen soll. Rach diesem Beschlüsse wäre eine Förderung unserer Vereine durch den C. V, nur noch möglich, wenn sich dies« unter bewußtem Bruch der Neutralität, unter Ausschluß ihrer zionistischen Mitglieder, von ihrer satzungsgemäßen Grundlage entfernten und sich programmatisch auf den Boden des C. B. stellten. Der anwesende Führer der „Kameraden" erklärte erfreulicherweise «itzDtz solche Zumutung an die Berbandsoereine als eine Prämie auf die Charakterlosigkeit. Erklärlich wird dieser Beschluß nur durch die tief bedauerliche Respektlosigkeit vor dem heiligen Ringen der heutigen Jugend um die Begriffe Nation. Vaterland, Judentum. Weniger erklärlich ist die Sorglosigkeit, mit der man di« eigene Vergangenheit des E. V. vergatz. der unseren Verband gerad« auf seiner neutralen Grundlage unterrichtet hat und mit der man mit seltener Kurzsichtigkeit zahlreiche junge Juden in das nationaljüdische Lager treiben wird. Infolge dieser Brüskiernng vnferer Ingcndbctvegung haben Fräulein Tr. Cora Berliner und ich, übrigens im vollen Einklang mit bei der Beratung anwesenden treuen Anhängern des E. V. und unseres Verbandes, unsere Aemter im Vorstand des E. V. niedergelegt. Dos aufrichrioe Bedauern, das anscheinend die Führer des C. V. über diesen Schritt hatten — sie hatten wohl genügend psychologisches Verständnis für die ungeheuer schwierige Rolle, die wir beide, selbst zwischen zwei Geaerattonen stehend, als Mittler zwischen drei Anschauungen von Jung und Alt halten — wurde begleitet von der Genugtuung eines Teils der Pyrrhnssicgcr vom 10. April 1921, die sich glücklich schätzten, uns „ans anständige Weife los geworden zu sein". In noch viel schärferer Weise ging man dann am Nachmittag des gleichen Tages in der Palästtnafrage vor. Daß der geistige Führer der Jüdisch-Liberalen. Rabbiner Tr. Baeck sMitg icd des Hauptvorstandes des C. V.l. kürzlich in einer Kundgebung für Palästina eingetrelen war. — daß der in der übergroßen Mehrheit aus Anhängern des E. V. zusammengesetzte Gemeiudetag am 23. Januar 1921 in übcrroältigender Einstimmigkeit den warmherzigen Ausführungen Pros. Tr. Kalischers (liberal) über Palästina znstimmte, — daß Tau»ende und Abertausende von Mitgliedern des C. V. bereit sind, am Aufbau Palästinas mitzuarbeiten, — daß einer der Mitbegründer des C. 33.. der zur schärfsten antizionistischen Richtung gehört hatte, sich bereits offiziell an den Sammlungen znm »cren Hajessod beteiligt hat, — daß von den besten, führenden Köp'en des C. V. eine warmherzige Palästinaresolution rorlag, — alles dies wurde für nichts erachtet. Siegreich war der Standpunkt Tr. Jacobs ans Torimund, der eine Geldsammlung für Palästina in einer Zuschrift an eine jüdische Zeitschrift als eine Verschiebung deutschen Geldes nach England bezeichnet bat. Niemand verkennt, daß für den Nichtzionisten das Palästinaproblem bedeutsame sachliche Schwierigkeiten tu sich birgt, aber eine recht kühne Phantasie kann sich eine derartig von Zionistenhaß durchtränkte Stimmung, ein derartiges Außerachtlasscil des jüdischen Brudergefühls, ein solches Befangenst!» i« der Verärgerung über lokale Kämpfe mit Zionisten schwer vorstellen,. wie sie die meisten Wortführer dieser Majorität bewiese». Ter Ernst der Situation wird durch folgende Tatsache gekennzeichnet: 1. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Füher des C. B., di« ein warmes jüdisches Herz sowohl in der Jugendwie auch in der Polästinasragc bewiesen, in dien» Fragen von hoher prinzipieller Bedeutung überstimmt wurden. 2. Wenn es sich bestätigen sollte, daß der Mcnoritätsbeschluß des E. ^'.-Vorstandes eine '«darf ablehoende Stellung zu den Sammlungen für Palästina bekundet, werden eine große Anzahl von Milg iedern des C. V. vor die Frage ihrer weiteren Zugehörigkeit "zu dieser Organisation gestellt. 3. Tcr Beschluß in der Iugeodrrage. dessen aggressive Bedeutung noch durch den Umstand erhöht wird, daß die anwesenden Führer der „Kameraden" und der liberalen Iugeubewegnng sich mit den Führern des neutralen Jugeudverbandes im Lanfe weniger Minuten, um den C. B. vor inneren Erschülrernoge» zn bewahren, gemeinsam auf eine Entschließung geeinigt hatten, die de« ganzen Stdeit vollständig erledigt hätte, stellt viele innge Richtzionisten vor die Frage, ob sie sich fortan dem C. B. noch anschließe» Vnnen. Eine Vertuschung dieser Tinge liegt hente in vieMandens Interesse. Gibt es noch Rertuagsmöglichkeiten ans diese« Tohuwabohu? In der Palästinafrage kann nicht mehr gewartet werden. Als zweckmäßigste Lösung erscheint, daß sobald wie «5gü<fi einer größeren Anzahl bewnßt jüdisch empfindender Fra«» »nd Männern aus allen Lager» genaue Ansknnst über folgende Frage» von der zionistischen Partekleitnng gegeben wird: 1. In welcher Weise wird der Keren äaieffob avfgrfaiti? 'v 2. Wie ist der Einfluß des »ichtziotnstifche» (HfifW i» Keren Hajessod gewährleistet? t 3. Welches ist der BerwendnngSzweck der z» foWWelndu» Gelder? :

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