Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 97 (8.4.1921)
- Date
- 1921-04-08
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fest der Freude wird mit der schönen Sitte der gegenseitige» Befchmkung gefeiert. Das arme Waisenkind hat niemanden. der es beickenken würde. Die Freude, die es umgibt. erhöbt nur den Schmerz der eigenen Armut und Verlrnenbeit. Die Reichen imd Vergnügten könnten leicht seiner vevgesien: dasarme Kind fühlt sich wie ausgestoßen aus der Gemeinschaft. Da erscbeinr ihm der Prophet Eliahu, nimmt es an der Hand, führt es an die Türen der Besitzenden mi: den rcicboedeckren Tiicben und das Kind mit der Ävvelnne aur einem oerdeckten Tellercben meldet frisch und iob: ..Der Prcpöer Eliahu schickt Schlachmones!" Der wollte es wagen. dem Vrovberen Eliauh den Einlaß zu webrew? Der kann dieser Mahnung des großen Gesandten Gortes lriderüeben. der einst von den Toten und von den Gebenden Recken'chaft fordern, für die Mildherzigen M- 5en. regen dieseniaer. die roden Gemütes sind, zu Gericht geben wird? lind de. kleine i>erwaiste Dolmetsch des Prorderen Eliabu dar »einen vergnügten Tag . . . Veüack. das Feft der .Haagadah, der Erzählung von e?r Befteiuwg ans dem Sklavcnjoch. das Fest der Hoffnung eine teuere Zukwwft^iü io reckt ein südrscbes Familicnftü. daohne Tückgeno"cn'ckaft des Propheten Eliahu gar niLr eedeck-r neiden könnre. Ein Fest, das mir der Einladung an alle Hung.:.?.n und Bedürftigen, an dem Mable beim ..Bro:e des Elends" reilztinebmen. mit dem auliefwem Har 'en "*:■> .-.nrerringenden Ver'wxnflungs- und Hoftnune-'cdrei: ..Tieft- Iabr hier, im nächsten Jahre im Lande Fftrelsl" eingeleiici wird, wäre unvollkommen, penn nick: der linier w- Kvilrc. denen Dicdcrkebr in Mcu- 'ckcngencllr mr 'o reift ersehnen, von dessen erlösender Mii- ~irn wir alle erfüü: und. an deren Erfüllung wir selbst -Eon ftür :rrd ftehriauftnden arbeiten, ohne es zu wisien. ftr cn cbne es yj wollen. Der fünfie Bccr-er am Dederalxmdc gehört dem Prorbaren Eliabu. der t. dinen Abenden in jedes Juden Haus c.'ckeiwi. um d-en Gedrückten zürn Ausbarren aufzumunrern und in ibudie Zurrrück: -u erwecken, daß auch die Leiden des 'ädi'd er. Volkes ein. Ende nehmen müneu. nenn der G-.'aube an die ftdee. die der Prophet Eliahu vernnnrüdlickr. in uns nick: ernftbr. Der von uns. der das Glück .aire. im Häuft ftiwer Eitern in einer jüdi'cken Aimo- ' häre einen Sed?i weck alrer Titre erleben. har nickt -in senem Augenblick, da dft Türe oeöftwei wurde, um dem Traoberen. Eliahu Einlaft;u gewähren, die Empfindung abalr. daft er ftlb'r ein. De der geworden fti. der in die . '.ukun.ft 'eines Volkes blick: und aus ihr Kraft und Selbsrw'rrrauen. ftcköpft? Und wer von uns bar nickt scheu nach dem Gaire binoe»ckftlr. den wir zu Tische luden, um uns vor dem Propberen \a legitimieren, daß wir gewillt sind, in einem erlösten Judentum die Unterschiede zwischen Reich und Arm. zwischen Hock nick? Nieder aufzubekm. weil wir nur io der Erlösung würdig sein können? Der Propste: Eliahu. die große Zahl der Legenden, dft ück um ftine Geftolr gebildet baden, sein Fortwirken rm jüdischen Vclk-leben. und wie wenige andere Schöpfunaen iüdi'cken Kulturlebens geeignet, erzieherisch zu wirken. Dir Nuxbarmackuwg bes Eliabukulms für die Belebung nnd Äntrr'.schung jüdi'chen Innenlebens harrt noch des Meimers dieses herrlichen Sroftes. Es wäre lohnende mid dankbare Arbeit. Von Berg traft Tal LamiumBMmnnnMBMTimmii fi**1 T«s rm gre?« Book der Lesegesellschaft fföüt v« Pwrimfcst unnki de» RatiovallovsS hatte eia derart •nfce» Mesches f xHrfut. daß der Satwnffm* «ntf sei»e Soft Ied>ch hätte warn tiuttu kitfra kq daA Fest dia e> jüdischen Charakter gebabt hätte. Aber dem war nicht ganz so. obwohl cs an künstlertschen Kräfte» »icht gefehlt hatte. Die Herren Kamor Baum-Köln und Opervsäuoer Lenz vom Kölner Opernhaus leisteten rwar gesanglich Borzüglic^s. Taß es sich um jüdische länger handelte, war aus ihren Liedern jäwch nicht zu entnehmen, ein Borwurf. der weniger die Künstler als die Festveranstalter treffen soll. Ilm so erfreulicher war es, daß Herr Oberkantor Naumow Fleischmann aus Frankfurt a. M. eine gute Auswahl in seinen Liedern tra», die der Künstler mit seiner wunderbaren Bariton- 'liww.e meisterhaft vorzu'.ragen verstand und dabei die Gemüter der Zuhörer sichtbar erfaßte. Besonders hervorgehoben zu werden verdient das Lied: „(fli. (fti. lomo osawtoni", das einen derartig stürmischen Beifall hervorrief. daß der Künstler zur Wiederholung des Liedes sich bequemen mußte. In twn Darbietungen im Kabarcl als auch in den wunderschönen Tänzen des jungen GeschmiswrpaareS vermißten wir alles Jüdische, obwohl es doch nicht allzu schwer sein dürfte, ein Programm mit vollem jüdischen Inhalt aufzustellen. Sil». Tie Kölner Zionistische Bereinigung bittet alle Familien. die dazu irgend in der Lage sind, zu einem Tederabend ein- I zclne oder mehrere junge Leute, welche kein Heim haben, einzuladen. Mitteilungen nimmt das zionisi. Sekretariat, Brüsselerstraße 21, entgegen. Koblenz. Im Gemeindesaal fand ein Rezitations- und Gesangi abend des Kreftlder Lchauipielers Woog statt, zu dem die Jungjüdilcbe Bereinigung zusammen mit dem Literaturverein eingeladen! haue. Ta das Programm in letzter stunde aus „Purim" umgefteltt! wurde, war es einigermaßen buntscheckig und bot dem Künstler 'ie eqenheit zu vielseitiger (?nrfallung seines Könnens. Am besten gelang ihm alles Frische. Freie. Tic hebräischen Lieder aus Palästina. die er ''ang. rieftn uxrhre Beiiallssiürmc hervor. An deklaj ma'ori'ckxn Galen b-ractne er n. a. Gedichte von Münchhausen. fteine Il-xin G-oll. (riic Lasker- -chüler. Besonders hatte er es sich i r"r Aufgabe oen-.acbr. seinen Zuhörern Iargonlieder nahczubriirgfti, und wenn er :n diesem Bestreben so weit ging, sic nahezu zu verd'nr'cbcn. w oersöbnic er durch die Liebenswürdigkeit, mit der er i^as Problematische eines solchen Borgehens darlegte und seine Gründe damr anoab. T»e Zuhörer spendeten reichen Beifall und i man blieb in guter Stimmung noch lange beisammen. Cleve. Acht Miialieder des antisemitischen Schutz- und Trutzbr.ndes sind hier verhaftet und ins Gefängnis nach Mors abgesührt i.orden. Nach d-:m Anklagebericht der belgischen Behörde werden I Ht* als poilische Verbrecher behandelt, nwil der schütz- und Truh-! [ ::ri> eine vcrboicrc polittlche Bereinigung sei.! *jie»el. Am 4. April sprach in dem zu neuem Leben criveckten jüdischen Gemeindeverein zu Beuel Herr Lehrer Oskar Zimons a: s Köln ülwr das Tbema „Jüdisches Pftichtenleben im Lichte moj derner Weltanschauung". Ter Referent wirs nach, daß ein Leben, > das sireng nach dem göttlichen Gesetze eingerichtet ist. auch unter! d.n!,x*utioen Zeirverhältnisien möglich ist. und forderte die Ber-! ''amm.ung" m:: begeisterten Worten auf, zur alten Lehre zurück^u- E kftar-.m. Dem fthr inreresianien Bortrag folgte eine angeregte Tis-! L.:' ~~Oi’. ■ 11 minmnimiimmmimiini □ 8 □ Die Botentasche 1111 ■ i i ■ i ■ nn-ri mm ittttttti ■■■im rm Die Entlarvung des Schinder Hannes. Von dem nämlicken Reb Moidcke Rees, von dem kürzlick mehrfach stier die Rede nxn:, wird berichtet, daß er zur Enilarvuna des unrer dem Namen des Schinderhannes in den zwanziger Iastren des vorigen Iahrhundens bekannten! und berüchtigten Räuberharwnnanns beigetragen hätte. Reb! Mordck>e pflegte alljährlich die Leipziger Messe zu besuchen! und baue damals gerade mit einem anderen Reeser Juden zu Pierd die Reift angeneten. als in der ersten Nacht seiner Abwesenheit ft ine Frau emfttzt aus dem Schlafe auffuhr und mit dem Angstruf. ihrem Mordä)e sei etwas Schlimmes widerfahren, ihre Hausleute weckte. In dev Tat waren in dcrftiben Stunde Reb Mordche und sein Begleiter in den Bergen des Sauerlandes von einer Barrde verlarvter Banditen überfallen worden, deren Hauptmann ihn beim Fackelick«ein mit der Pifwle bedrohte. Die Räuber behielten seinen Beglefter in Gewahrsam, er selbst mußte nach Rees zurück und Lösegeld holen, was er auch prompt erfüllte. Einige Zeit später wurde der Schinderhannes mit seiner Bande aufgeboten und, da man annshm, daß auch Reb Mordcbe einem seiner Uebersäüe zum Opfer gefallen sei, wurde dieser als Zeuge noch Leipzig geladen. Dort spielte sich nun folgende dramarische Szene ab: Als Reb Mordche