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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-04-08 · 97 (8.4.1921) · p. Seite 109

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
97 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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als Zeuge aufgerufen worden war und den Hergang seines Ueberfalles berichtet hatte, fragte ihn der Richter, ob er sich getraue, den Hauptnrann jener Bande trotz der vorgehabten Larve wiederzuerkennen. Darauf erklärte Reb Mordche, er wurde ihn aus 100 Leuten erkennen, denn als er ihm in der Nacht die Pistole vorgehalren habe, habe er beim Schein der Windlichter deutlich erkannt, das; ihm ein Glied am Mittelfinger der die Pistole baltenden reckten Hand feblre. Kaum waren diese Worte ausgesprochen, als der Angeklagte schäumend vor Wut aufsprang und mir geballter Faust drohend in den Saal schrie: „Berdanm.ter Reeser Iud! Hält' ich das geahnt, du wärst mir nicbr davongekommen!" — Dieses unbedachte Selbstbekenntnis bat damals dem Schinderhannes eigentlich erst richtig das Genick gebrocken. Erstaunlich an dieser überlieferten Geschickte iü die fabelhafte Geistesgegenwart des alten Reeser Juden, der in der gefährlichsten Situation der Lebensbedrohung Nerven genug hatte, tm Dunkel der Nackt zu leben, was er mb. Solche Leute waren unsere Urgroßväter. Uebrigens soll in der Familie M. in Rees über diesen Vorgang ein Akt aufbewahrr n<rden. den wir demnächst zu bringen hoffen. E m i l (5 o b n. * Bentschen ist schön. Ein annei Jude kam an einem Freilag nack derSiadt Bentschen. Hungrig ging er Freitag abend zur Svnagoge und wurde von einem wohlhabenden Glaubensgenossen zürn Abendessen gebeten. Fm Gespräch fragte ihn der Hausherr: „Wie gefällt Ihnen Bentschen?" Der arme Jude antwortete: „Bentschen ist schön, lvenn inan nur aegeslen bot." L. W. * Ein Besucher der neuesten erpresnonisriickvn Ausstellung fragt einen Juden aus dem Lsten Berlins, der anscheinend mit großem Interesse die Gemälde betrachtet: ..Sie gehören wohl auch der neuen Richtung an?". — woraus er die entsetzte Antwort erhält: „Gott behüte! Ick geh in die alte Schul!" — Silbenrätsel. Folgende 19 Silben sind zu 6 Wörtern io zu ordnen, daß ihre Anfangsbuchstaben von oben nach unten, ihre Endbuchstaben von unten nach oben den Namen einer religiösen Belegung im Judentum erbeben. Die Wörter bedeuten: 1. griechische Intel. 2, Insel deS Stillen Ozeans. 3. Patriarch. 4. Königin, 5. heiliger Berg. 6. biblische Frau. ad, bed, che, chi, hain, ho, i, jo,!u. lti, mi, mi», na. no, 08, ra, ra, se, si. Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird ein Preis auSgelost, der Name hier veröffentlicht. Sücherfchao'). Iizchok Leib Perez: 1. Gleichnisse, 2. Musikalische Novellen, mit Steinzeichnungen von Jakob Steinhardt. Verlag Fritz Gurlitt, Berlin. Preis je 50,— M. , Der neue, äußerst regsame und feinsinnige Verlag für jüdische ftunft und Kultur Fritz Gurlitt gibt in einer prachtvollen Ausstattung zwei der schönsten Bücher des ostjüdischen Klassikers Perez heraus. Perez ist mit Recht als der Dichter des jüdischen Volkes bekannt und berühmt geworden. Seine „Gleichnisse" find nicht nur aus den Tiefen der Volksseele geschöpft, sondern rühren an daS letzte Geheimnis allen Judeseins. Echte Midraschim, und in einer Weise vorgetragen, daß sie den Vergleich mit TälstoiS Legenden wohl auShalten. Es ist nicht nur ein Dichter, sondern ein wundervoller, weiser Mensch der hier redet. Das Gleiche gilt von den „Musikalischen Novellen, die ja alle auch etwas Legendäres an sich haben, überhaupt ist nicht nur der legendenhafte Ton die Stärke deS Dichters, sondern daS Dichterische in ihm wirkt überall gewalttg inS Mythische hinein. ES sollte kein jüdisches HauS geben, in dem seine Werke fehlen. Tie Juaend ^darf sie ebenso lesen wie das Alter, denn alle-, waS er schrieb, ist wahrhaft keusch. Alles aber auch ebenso irdisch wie es himmlisch ist. Jakob Steinhardts Litographien find ttef ergreifend. Diese zerfurchten Greisemmtlitze find jedefür sich daS Antlitz deS ganzen Volkes, auS dem die Schwermut der Jahrtausende spricht, die weitausholende und zackige Geste der fleischlosen Glieder, der Aufblick der schweigenden Häupter, daS Nachinnengerichtete der 1) Alle hier besprochenen Bücher find durch de» Bstenvertag dachen. tiefen Augen ist wirklich wundervoll. Ales bt allem ein Geschenkwerk allerersten Ranges, dem wir weitste Verbreitung wünschen et Sücherelagaira. „Der Jode". Heft 11. Februar 1921, ist soeben erschiene». Jüdischer Verlag G. m. b. H.. Berlin N.A.. Torotheenstr. 35. Bieric^jährlich 15 M. Einzelheft 5.50 M. — Inhalt: Arnold Z weig. Ter heurige deutsche Antisemitismus. — A lbrecht B c l l m a n ii. Tie Geschichte der österreichisch-jüdischen Kongreßbeivcgung. — Hans Kohn, Briefe an Freunde. — L. I. Aguon. Ter Verstoßene. — Bemerkungen: E. M. Lipschütz. DaS ^chulioerk. — Umschau. Sieamund Kaznelsou. Politik «Jüdisches und arabisches SelbstbestimmungSrechtl. — Mark Si* schnitzer. AuS dem Wirtschaftsleben der ukrainischen Jude«. — Hans Hohn, Geschickte. — Mark Wischniher. Zu den ..Memoiren des Ber Bolscyower". W:r erlaul»eu uns. unsere Leser wiederholt auf die Anzeige der Ewer-Gesellschaft im Inseratenteil unsere- BlatteS aufmerksam zu machen. Turch die Verschmelzung der beiden größte» Jüdischen Verlage. deS WcltverlagS mit dem Jüdischen Verlag, ist die Ewer-Bnchhand'.ung der leistungsfähigste jüdische Buchversaick j Europas geworden, der die Unterstützung aller kulturell Jnteresfier- . icn verdient.! Oer Vereinsbote Berlin. Jüdischer Nationalfonds e. B. Postscheckkonto Berlin NW. 7 j Nr. 2^247. Vom 1. Januar biS zum 23. März find 394 887.M i Mark eingezahlt worden. Bona. . Jüdischer Jugend-Bund Bon«. 1. Vors. Leo Silberdacht Bonn. Nöggerathi'lraße 1.! Aprilprogramm, i I reinig den fl. April: Freitagabend. DiSkuffionSabend Äer I d:n Vortrag Tr. Block-Gellner im Gemeindehaus. Anfang 8.15 Ufic. Herr Tr. Block hat sein Erscheinen zugesagt. — Sonntag bcm lO. April: Vierte Fahrt. Halbtaqcsfahrt mit dem Sioghurger Berei». Abfahrt von Bonn ß.15 Brückenstraße. — Samstag den 16. Bpnl: Großer Vortragsabend. Zweiter Serien-Vortrag vom jüdische» Geiste über „Modern« osljüdische Dichtungen". — Sonntag pm 17. April: Fünfte Fahrt. TageSfahrt nach der Ahr. Leo?ilberbach. — Mittwoch den 27. April: Mitgliederversmnmlmttz. Jüdischer Jngendbund Samerade». Gruppenleiter: Lud'wfß Gunz. RemigmSstr. 10. Bors. deS ElternbttratS: Olga Meckenheimerallee 67. Samstag den 9. April: Heimnachmittag für di« Gruppe Der 12 Jahre auf dem Venusberg. Treffpunkt 4.30 Uhr Kle»SA- Augustplatz. Jüdischer Wauderbuud, Blau-Weiß. Adresse: Kurt Schatz, Humboldtstraße 24. SamSrag den 9. April. 4.30 Uhr, für den 1. und 2. Zug: Ltatzerabend im Heim mit den Mädels. — Sonntag de« 10. April: ins Ländchen. Treffpunkt 7.45 Uhr elektrische Bah» Kaiserp«. Rückkehr gegen 4 Uhr nachm. — DienStaq den 12. Avril: 10 Wß Spielen auf dem Arndtplatz. — SamStag de» 16. Ltznh 4L0 Itfr Heimabend im Heim. — Mädchengruvpe, wenn nicht ander- BestMA gesagt wird. Samstag den 9. Avril. 4.30 Uhr, Liederabend tw Hei» mit den Jungens. Für Fahrt sich bei Gretel Fvankfurtar, Tel. 90& erkundigen. Köln. Jüdischer W»»derb»»d K»»er«»de». OrtSgruppaüeita» H. S i m s o n. ' Sonntag den 10. April: Fahrt in das Wuppertal für JmGO und Mädchen. Remscheid-Talsperre-WermelSkirchen-Bum a. Wupper-Laiser-Wilhelmbrücke-Schaberg. 16 Kilouretar. ZfdfMtt 6.20 Uhr Hauptbahnhof (4. Kl. nach Remscheids. Fichnma M»WM Maier. Kosten etwa 7 M. Rückkehr 7.30 Sottes-ieafi. Bonn. Freitag den 6. April: Abendgotte-die»st 7.1b tfc SamStag den 9. April: MorgengottaSdienÜ 9 Uhr. Minchah 4 1SL SabbatauSgang 8 Uhr. Werktag-gotte-oienst morgen- 7.1b abend- 6.30 Uhr. ' ** Zahrzeiieu. von». Smuriog de» 10. -tzril: Juli»- Herfchel. de» 12. April: L. Schwarz. Mittwoch de« 13. Atzrtl: L Isaak Mendel. NÄst Boraberck. J \» V.

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