Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 94 (8.2.1921)
- Date
- 1921-02-08
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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böse Tier steht voll Ehrfurcht und voll Mitleid vor dem schmerSurchwühlten Pater-, es nimmt sehr demütig die Flüche in Empfang und tritt zerknirscht ab, wie ein reuiger Länder. Ter Anfang der Mendelsiohnschen Epoche bedeutet das Ende der jüdisch-deutschen Literatur in Deutschland. Die Jiuden in Deutschland beginnen das reine Hochdeutsch zu sprechen und ihre jüdischen Worte in reindeutscher Lchrislsriache ab;uf?sien. Darür entwickelt sich in den slawischen Ländern eine poini-'w-jüdisch-deutsche oder, wie man sie zuiressend n:nnr. eine jüdisch^ Li-eraiur. ^>m 19. Jahrhundert erwach: die jüdisch-d-emsche Liieiarur in Polen und Rußland i'd neuem Leben. G^dichlicmmlungen, Erzählungen. Ncreelln. Romane erscheinen :n nicht geringer Anzahl aur dem Bücke.lnark:, darunter auch eintge mehraktige Theaterstücke. die zunächst ausschließlich zur Lektüre bestimmt und. D.. Sulinger schreibt ein Theaterstück: „Lerkele"; Abraham Bür Gc-nlober eine dreiaklige Komödie: „Das Deckruch oder Mi Hochzeiten in einer Nacht": ein Ungenannte: läß: ein Llück drucken: ...Reb Ehaimel, der Kozen «Reicke-, ein Teaier in rir Atien", in denen Vorrede der Ve:sauer das Tbeaienrück als außerordentlich nützliche Lektüre anpreist und wünscht, „es ''oln das Vichle ale Kinder lciencn". Ein andere: Lckriststeller mack: sogar den kühnen Ver'uck. ein Nows-Drama mir neben „Vorstellungen" zu dichren. Die Uw'achen. daß nirgends das Bedürfnis nach einer spezifisch jüdi-'chen Bühne vorhanden war, sind sehr zahlreich. Wob! jedes Blarr der jüdisch-en Geschichte zählt eine Ursache cur: Bald ist es de: Lelbsterbalrungslrieb, bald der starre Rabbinismus, b-er angeborene Distensdrang, der mangelbas: ausaebrldeie Kunstsinn, vornehmlich aber die Versorgung und Unterdrückung von außen. Dies erklärt uns auch, warum rcn allen Erzeugnissen der jüdischen Literatur dieser EvoLe die Dramen die schlechtesten und. Ein Bühnenwerk. von rornheiein lediglich zurLekiüre bestimmt, kann nicht ein Werk für die Bübne sein. Es war für die .Juden des Ostens zweifellos kein große: Vetlust, daß für dre „oemachren' Bübnenworke keine Bühnen vorhanden waren. Die nimitiven jüdischen Bühnen, die die sogenannten jüöüaen Länger: ruppen, wie zum Beispiel die berühmten „Brod-ncr Länger", in Bierlokalen und Weinrestaurant e:rich:eren. wercn geradezu eine eindringliche Mahnung, die-'e verrohend wirkende „Kunst" nicht arnkeiwen zu lasten. Und doch sind die Längergruppen, die bereits neben rer^chiedenen Kuvlers. burlesken Liedern und gereimten Zo.cn auch kleinere Einakter aufzusühren pflegten, die unsteiwilligen Anreger zur Lchairung einer jüdischen Bübne gewestn. Die'e Erscheinung ist l<ach:ensw-err, weil sie eine Enrw-cklung in umgekehrter Reibensolge zeigt. Ueberall sonst iit das Ueberb.ettl das Produkt einer theaterübcrsätiigten Zeit', das Ueberbrenl bedeutet gewistermaßen die Ueberwiwdung d<s Treaiers. Hier aber wurde zuerst das Ueberöierrl ge'chasrea und von diesem dann der Lprung zu den Viewern. die eine Dell bedeuten, gewagt. L. M e i s e l s. Wochenschau Tatsache« rmd Srgebmffe Dänisch! and. Berü». Am 6. f irj 1921 beschloß eine von alteren Zionisten zahlreich besuchte Vena n»1ung die Gründung der Föderation Haares. Die Föderation verlangt für den Lnfbau deö heiüge» fitste die Mitarbeit de- Gesamtjudentnm-. Sie verlangt die Schaffang einer Dtprijiliti, die alle Inden und jüdischen Verbände, unbeschadet ihrer Stellungnahme zu Einzelfragev. in dem Gedanken für Erez Jsrale eint. Die Föderation verlangt als Bedingung für die gesinungsmäßige Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nur das Bekenntnis zum Basler Programm. Sie lehnt jede darüber hinausgehend« Forderung irgendwelcher Art ab. Tie Föderation verlangt, daß bei der Auswahl der Methoden und Maßnahmen für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas, allein die Rücksicht auf die baldige Prosperität des heiligen Landes maßgebend sei. Tie Föderation Binjan Haarez betont die Notwendigkeit und die Bedeutung der jüdischen Tiaspora-Arbeit. Das Verhältnis zum Staate wird bestimmt durch die Tatsache, daß sich in jedem Staatswesen eine Verbundenheit seiner Bürger herausbill»et, die in der gemeinsamen geschichtlichen Entwicklung begründet ist. Zn voller Würdigung der bürgerlichen Pflichten, die den Juden gegenüber dem Staat erwachsen, überläßt die Föderation die Entscheidung über Zweckmäßigkeit und Art einer jüdischen Landespolitik den Juden der einzelnen Länder. Tie Föderation Binjan Haarez fordert Ehrerbietung gegenüber der Überlieferung, dem sittlichen Zdaele j im Geiste der Ehrfurcht und des Judentums. In das vorbereitende Komitee der Föderation werden gewählt die Herren: Prof. Dr. Earl Lewin, Pros. Tr. Gotlhold Weil, Prof. Tr. Julius Eitron, Tr, Eduard Leizynski, Tr. Alsred Klee, Tr. Arthur Kollenscher, Tr. , Jsaac Zwirn, Tr. Gustav Witkowski, Arno Wagner, Tir. Georg Nareski. Tas Büro der deutschen Abteilung der Föderation befindet sich Berlin W. 62, Bayreuthersrr. 3fi. Tie Föderation beginnt das Werk Für den Aufbau des heiligen Landes, Für die Einheit des Gesamtjudentums, Für das jüdische Volk. Berlin. Gegen die Lstjuden richtet sich folgende Anfrage te deutschnationalen Abgeordneten Mumm und seiner politischen Freunde im Reichstage: „Haushaltungsausschuß und Vollversammlung des Reichstages haben wiederholt die Rrichsregierung aufgesor- ' dert, alles zu tun, um die stammesstemde Lsteinwanderung zu hemmen und die Lstjuden, aus denen viele Wähler und Schieber staminen, über die Grenze zurückzuschafien. Was hat die Reichregierung daraufhingetan? Wo befinden sich die von dem zuständigen Organ des Bolkswillens vor einem halben Jahre geforderten Internierungslager? Ist die Reichsregierung in der Lage, Ziffer darüber anzugeben, wievielen Ostjuden die Einwanderung verweigert, wieviele zurückgeschoben, wie viele interniert worden find? In der Tortmunder Stadtverordnetenversammlung kam — um ein Beispiel anzuführen — am 7. Februar zur Sprache, daß die Lstjuden nicht nur in den Sladttheilen rechts der Münsterstraße, sondern jetzt auch links der Münsterstraße wohnen. Läßt sich diese Zuwanderung angesichts der Zusammenpferchung der Bevölkerung in den Großstädten verantworten? Deutsch-Oesterreich hält die Ausweisungsbefehle gegen die Ostjuden auch gegen den Einspruch Polens beim Völkerbund aufrecht und verficht diese Befehle auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes. Ist das Deutsche Reich gewillt, sein Ausgleichsrecht, sein Ausweisungsrecht gegenüber Heimatländern und lästigen Zuwanderern aufrecht zu erhalten?" Berlin. Der Generalsekretär des Arbeiterfürsorge-Amtes der , jüdischen Organisationen Deutschlands, Fritz Nordechai Kaufm a n n. ist am o. März plötzlich aus dem Leben geschieden. Seine ganze »rast war der Arbeit für die nach Deutschland verschlagenen Ostjuden gewidmet. Sein Hinscheiden bedeutet einen unersetzlichen Verlust für die Fürsorgelättgkeil in Deutschland. Plau. Tie im vorigen Jahre von einem Fabrikanten Paul Srrauß gekaufte ehemalige jüdische Synagoge, ein im Innern architektonisch gut durchgesührte Bau aus der Ritte des vorigen Jahrhunderts, ist der katholischen Psarrgemeinde Parchim, zu der auch Plau gehört, zum Gebrauche für immer geschenkt worden. In den letzten Wochen ist das Gebäude von einem hiesigen Architekten zu einer kathoilschen Kapelle umgebaut und renoviert worden. ES! fand am 27. vorigen Monats zum ersten Male darin katholischer Gottesdienst statt. Berlin. Eine neue politische Partei ist in diesen Tagen in Berlin unter dem Vorsitz des deutschvölkischen Publizisten Richard Kuntze gegründet worden. Sie führt den Ramen Deutschfoziale Partei. Als Ziel bezeichnet sie die Vernichtung „te jüdischen Vorherrschaft in Deutschland". > Osterveich. Wie«. (I. C. B.) Am 11. März nachmittags wurde hier die „Tagung deutscher Antisemiten Österreich-, Ungarn- und te deutschen Reiches" eröffnet, der vom „Arebiterausfchuß te arische» Vereine Wiens" für drei Tage einbernfeu wurde. Znr Tagung haben sich Vertreter antisemitischer Vereinigungen an- Deutschland, der Tschecho-Clowakei und aueinzelnen ffterreichifche» fifate einge-