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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-02-08 · 94 (8.2.1921) · p. Seite 83

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
94 (8.2.1921)
Date
1921-02-08
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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funbeit. Besonders stark war der Verein der „Erwachenden Magyaren" vertreten, dessen Pogromleistnngen in Ungarn noch immer' nicht aufgehört haben. Der ungarisck-en Delegation gehört auch ein Univerfitätsprofessor Mosko an. Der Antisemitenkongreß wurde mit einer haßerfüllten Be« grüßungsansprache des berüchtigten österreichischeiEntisemiten Dr. Jerzabek eröffnet, der besonders die Horthy-Gäste herzlich willkommen hieß und die Juden für den Sieg der Entente verantwortlich machte. Weitere antisemitische Hetzreden hielten Oberst Hiltl (Innsbruck), Oberstleutnant Zborowski (Graz), die Redakteure Elfer (München) und Komma (Prag), und die ungarische Horthy-Delegation, welche die großen Erfolge der Propagandatätigkeit der „Erwachenden Ungarn" in Budapest hervorhoben. Nachdem der Kongroß noch eine Begrüßungskundgebung an den deutschen Reichspräsident Ebert abgesandt hat, wurde in die Tagesordnung eingeangen, als deren erster Punkt „Tie Verjudung der deutschen Schule" zur Verhandlung gelangte. DaS erste Ergebnis des AntiseinilenkongreneS ist zunächst die llberfüllung Wiens mit riesigen antisemitischen Maueranschläqen, in denen die christliche Bevölkerung der ösrerreicküchen Hauptstadt unzweideutig aufgefordert wird, iidi in der Lynchjustiz an den Juden zuv ersuchen. Paris. Ter Völkerbundsrat hat in seiner letzten Sitzung aul Grund des Berichts des englischen Delegierten Balkour der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Elellungnahnte Österreichs in der Frage der Ausweisung der Ostjuden polnischer Nationalität sowohl vom Standpunkt des einheimische» wie des internationalen Rechts einwandfrei sei. Österreich sei wie jed"r unabbängie, souveräne Staat zur Ausweisung von Fremden berechtigt. Dieses Recht finde durch internationale Verträge keine Einschränkung und Polen gegenüber um so weniger, als der Vertrag von Saint-Germain, auf den der polnische Vertreter sich berief, zwischen Österreich und Polen noch gar nicht in Kraft stehe. Unverkennbarerweise kämen aber für beide Standpunkte humanitäre Erwägungen in Betracht. Der Völkerbund empfiehlt daher die freundschaftliche Beratung der beiderseitigen Vertreter unter dem Vorsitz BalfourS, um den erwähnten humanitären Jntereüen. soweit wie irgend möglich, Rechnung tragen zu können. Ungarn. Zürich. Ter bekannte päpstliche Prälat und Abgeordnete Tr. Gießwein führte in einer seiner Parlamentsreden wörtlich aus: „Die in unserem öffentlichen Leben herrschende Roheit frißt sich in die Seelen ein und vergiftet sogar die Herzen der Kinder. Als Beispiel führe ich die in der vergangenen Woche vorgefallene Begebenheit an: Tie Eltern gingen aus und ließen ihren dreizehnjährigen , Jungen mit einigen seiner Spielkollegen zu Hause. Be? ihrer Rückkehr fanden sie ihren Sohn an der Türklinke aufgekünpft tot hängen. Die Jungen hatten „Hejjas" gespielt, wobei dem einen die Rolle des Juden zusiel, der gehängt werden mußte. .Eie knüpften ihn jedoch so regelrecht auf, daß aus dem Scherz Ernst wurde und der Junge, der übrigens aus guter christlicher Familie ist, den für die Juden bestimmten Tod gefunden bat. lJ. P.-Z.) Polen. Warschau. In einer der letzten Nummern der „Hazefira" in Warschau lesen wir folgenden Hilferuf zur Rettung der einzigen hebräischen Tageszeitung im Galuth, die von Nachum Sokolow begründet und jahrelang redigiert wurde: Die „Hazefira" befindet sich in einer äußerst bedrängten Lage, verursacht durch die allgemeine wirtschaftliche Krisis. Wir spannten unsere Kräfte bis zur äußersten Erschöpfung an. Viele Tausende gaben wir für die Erhaltung des Blattes. Wir glaubten, geduldig abwarten zu können, in der Hoffnung auf den Beistand des großen Kreises der hebräischen Leser, bei denen das Hebräische nicht nur bloßer Sport, sondern tiefes geistiges Bedürfnis ist. Wir find nicht imstande, mehr aufzubringen, da wir nicht die entsprechenden Einnahmen haben, sondern mit großem Defizit arbeiten. Andererseits haben wir nicht das Recht, einen entsprechenden Teil der Einnahmen der Zionistischen Organisation für di« Erhaltung unseres Blattes zu verwenden, zumal die anderen, zur Organisation gehörigen Institutionen denselben kulturellen Wert haben und nicht vernachlässigt werden dürfen: Wir fühlen uns verpflichtet, zu den Hebräiten klar und offen von der kritischen Lage der „Hazefira" zu. reden, wenn uns auch die Schamröte dabei ins Gesicht steigt. Die „Hazefira" wird ihr Erscheinen einstellen müffen, wenn wir nicht mindestens zehntausend ständige Leser haben; und zu dieser Zahl fehlt uns noch sehr viel. Wir tragen nicht die Schuld bannt, daß wir so weit gekommen sind, sondern Ihr, Hebraisten, da Ihr «ns fern ""' seid. Wir haben beschlossen, noch einmal einen Versuch zu machen, noch ein großes Opfer zu bringen. Sollten wir aber bis Ende des Quartals, d. h. bis zum 1. April, nicht die erwähnet Anzahl von^ ' Abonnenten erreicht haben, so wird die „Hazefira" nicht mehr erscheinen. Dir werden nichtv schuld sein an dem Zusammenbruch der so wichtigen zionistischen Institution, sondern Ihr Hebraisten, wenn Ihr uns nicht im letzten Moment zur Hilfe eilt! Nochmals wenden wir uns airEuch, hebräische Leser, zum letzten Mal. Beeilet Euch und werbt Abonnenten für die „Hazefira". Erfüllt Eure Pflicht gegen unsere Sprache, gegen, den nationalen Gedanken. Rumänien. Zürich. Die Bukarester Stadtverwaltung hat die neugewählte jüdische Gemeinderepräsentanz anerkannt. Bei der feierlichen Eröffnung der ersten Sitzung haben Innenminister Argetoianu, Arbeitsminister Trancu und der Bukarester Stadtpräsident, Dr. Georgiu, teilgenommcn; der letztere sprach seine besondere Zufriedenheit darüber aus, daß sich das Bukarester Judentum endlich organisiert habe und verwies darauf, wie gerecht das Bestreben deS ganzen jüdischen Volkes nach einem eigenen nationalen Zentrum sei. Der Vorsitzende der Gemeinde, Berkowitsch, spendete aus diesem Anlaß 500 000 Lei für die Gemeinde. 600 000 Lei für Wohltätigkeit-- institutionen und 100 000 Lei für Palästina. (I. P.-Z.) Bukarest. Der amerikanische Konsul in Bukarest ließ die Auswanderer in Bessarabien wißen, daß Bisa auf provisorischen Zeugnisicn ohne Päsie nur Leuten über 50 und Kindern unter 16 Jahren gewährt würden. Ter Grund dafür ist in der Besorgnis vor bolschewistischer Einwanderung in Amerika zu suchen. Die zur Zeit in der Ukraine weilenden Mitglieder des amerikanischen Komitees wiesen darauf hin, daß Eltern auch ältere Kinder nicht allein lasten könnten. Tie Furcht vor Verbreitung des MlschewiSmuS fei unbegründet, da dieke Juden alles getan hätten, um dem Bolschewismus zu eütrinnen. Sowjet-Rußland. London. (I. C. B.) Zufolge einer Reutermeldung auS Stockholm. herrscht unter den russischen Juden große Furcht vor Pogromen, da im Zusammenhang mit den von der Spwjetregierung wieder zur Anwendung gelangten Terrormaßnahmen und den Masten- Verhaftungen ijj allen Städten, sich neuerdings ungeheure Aufregung der russischen Bevölkerung bemächtigte, die sich in starken antisemitisärcn Ausbrüchen Lust mache. Auch „Daily Telegraph" läßt sich aus Kopenhagen telegraphieren, daß die „Jsvestia" die immer zunehmende Erstarkung der feindlichen Propaganda gegen die Juden feststellt und die Befürchtung ausdrückt, daß im Zusammenhänge mit der Gegenrevolution Judenpogrome Vorkommen würden. Persicu. Hamadau. (I. C. B.) Me bekannt, gibt es in Hmnadan ein jüdisches Mausoleum zum Andenken Mordechais mck> Esthers. Auf einer Seite dieses Monuments leben zwei mohamedamsche Priester, während auf der anderen Seite eine moyamedanische Schule gelegen ist. Die jüdische Gemeinde von Hamadan wollte bereits seit langem um das Mausoleum und den es umgebenden Grund eine Schutzmauer errichten, dies wurde ihr jedoch nicht erlaubt, weil die Priester von dem Mausoleum Besitz nehmen wollten. Diese Angelegenheit wurde der persischen Regierung zur Kenntnis gebracht, die sie jedoch vollständig ignorierte.' Run wandte sich die jüdische Gemeinde an die zionistische Organisation in London mit der Bitte, sich dieser alten jüdischem Reliquie anzunrhmen. Türkei. Koustautiuopel. (I. C. B.) Mr. S. Tiomkin, Vertreter des Emigrantrnhilssbureaus zu KonstmrtiNopel, ntefibeft, daß die Zahl der Flüchtlinge dort stastk zugenommen hat. DaS Bureau hat große Schwierigkeiten! bei der Versorgung der zahlreichen Hilfsbedürftigen. Amerika. Neutzark. Hier hat fl rabbiners Dr. Chajes ein des Mener Oberzur Uivterstützmig der Mische» Wiener Mvrgen^ertunggebikdet. ES wurden mrf ßeo t Sitzung 2500 Dollar gtzeichnet. (Die Menet Mo ist die ein-ige tügfich eqchem^tde jüdische ZeiÄng

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