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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-03-11 · 93 (11.3.1921) · p. Seite 76

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
93 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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lI. C. B.) Die Daily Mail veröffentlicht folgendeS Telegramm ihres Jerusalemer Korrespondenten: ^Die KrürLung eines Lbersten „BeH-Din* in Jerusalem aus acht Mitgliedern und zwei Vorsitzenden wurde heute vom Kongreß. befi^ofien, den der High Commiffioner fiir Palästina, Sir Herber: Samael mir einer teilweise in Hebräisch gehaltenen Rede eröffnet, wo er die Wichtigkeit eines derartigen Gerichtshofes für die jüdische Welt unterstrich. Auf diese Weise lebt der alte Lyih^ria, unter britischem Schutz wilder aus." Berli». Ter Sberkommiffar von Palästina, Sir Herben Samne! erließ eine Verordnung, nach welcher die für England und seine Kolonien bestimmten Postsendungen nach dem A»sl»«dst«rif zu behandeln und, da Palästina nur englisches Mandat. nicht aber en^ische Kolonie sei. Berli». Im Monat Dezember betrug die Einfuhr nach Palästina 559 00 ägyptische P^und St. gegen 67 000 Pfand 2t. Ausfuhr Tie geringe Ausfuhr rührte zum Teil von dem immer noch andauernden Geireideerporwerbot her. welches seitdem ausgehoben in. Unter den Importländern nahm England mit 160 000 Piund Sterling dett ersten Play ein. es folgte Amerika mir 75 000 Pmnd, Holland mit 61 000 Pinnd, Indien mit 41 000 Pnurd, Aegypten mit 35 000 Pfund. Ter Außenhandel Jaffas war in diesem Monat umfangreicher als der von Haifa. Eingeführ: wurden vor allem Zucker, Baumwollwaren, Petroleum, Esten und Stahl, 'owie Reis. Ausgeiührt wurden drangen, Wein. Seile uiw. Berli». Rach längeren Berhandlungen des Jüdischen Rationalrots in Palästina mir der palästinensischen Regierung wurde ein Modus zur Lrgamsterung der jüdischen Gemeinden mit dem Rechte der Sre»erei»zieh»»g festgestellt. sZ.K.) Berli». Ein amerikanischer Unternehmer namens Kazan richtete eine Möblmbrik ein. die gleichzeitig Türcit und Fensterrahmen heritellr. Tie Fabrikation wurde bereits begonnen, obwohl die Maschinen, die in Teutschland bestellt wurden, noch unterwegs nnd. tZ.K.l Sir Astrd ILoild ood dapalästinawerk. Tie energische Teilnahme Sir Alned Rkonds an dem wirtschaftlichen Ausbau Palästinas ist ein Faktor, der die hoffnungsvollsten Ausstch-en für die künftige Entwicklung des Landes unter jüdi'chen Auspizien eröffnet. Denn Sir Alfred Mond ist nicht nur ein Minister der englischen Krone mir all dem Prestige und Glanz, der eineni so hoben Anne anhaner. ''ondern auch ein großer Industrieller. und cs wäre kühn, iein Gefühl für geschäftliche Realitäten in Zweifel zu ziehen. Vas auch immer von jenen Männern gemgr werden mag, die als Träumer verschrien und und deren poliriiche Boraus'agungen stch dennoch eifiifit haben, was immer auch nur von einem Staatsmann wie Sir Herben Samuel gedachr werden kann, der seinen hohen Ruf als Detwalwngsbeamrer sowie eine glänzende politische Zukunft mr seine jüdischen und sozialen Ideen aufs Spiel gesetzt har, io wird dock» jeder zugestehen müssen, daß der Zionismus in Sir Alfred Mond einen eminent-praktisch ^efinnren Mann gewonnen bat. der gleichzeitig von indischen Idealen rie» durchdrungen zu sein scheint. Sir Alfred Mond bar sich seines Annes im Rahmen der Zionistischen Organisation mir volle: Hingebung angenommen. Ran darr annebmen. daß er stch in stets steigendem Maße an der zionistischen Pratzis beteiligen, daß er der leitende Kops beim jüdischen Viederausbau Palästinas sein wird. Seine Reiie nach Paiäftina in Begleitung des Präsidenten der Zionistischen Organisation und die Konferenzen. die diese beiden Herren mir dem Oberkommisiar in Jerusalem gepflogen haben, sowohl bezüglich allgemein palästinensischer fragen wie auch bezüglich solcher, die das jüdische Nationalheim im besonderen betreffen, zeigen, wie sehr num bemüht ist, den wichtigsten Problemen an Ort und Stelle ernsthaft zu Leibe zu gehen. Man darf annehmen. daß Sir Herbert Samuel. Sir Alfted Mond und Dr. Beizmann zu definitiven praktischen Entscheidungen bezüglich der schwierigsten Probleme, denen die zionistische Bewegung noch gegewübersteht. gelangt find. petatsche Logik. In Krakau hat laut Bericht der Antwerpener jüd. Zeitung ..Harikwah" eine Konferenz stattgefunden, die der Studentenverein Haschachar einbcrief. um den Boden für freundschaftliche Beziehungen mir dem polnischen Volke vorzubereilen. Interessant ist in dieser Konferenz die wunderbare Logik und Mentalität, die der (Hegenführer. Nniversttäksprosestor Tr. Ritsch, an den Tag legte. Tr. Ritsch bar lange nach dem Hauptgrund des Antisemitismus in Polen gejucht und ihn endlich gefunden: — das Jiddisch, dessen stch die polnischen Juden bedienen und das nur ein ..deutscher Tialekt" sei. Tiefen Gebrauch des Jiddisch nennt der Herr Profestoi einen Mangel an Loyalität. „Solange dieser Siein des Anstoßes nicht aus dem Wege geräumt ist. kann keine freundschaftliche Beziehung zwischen dem volnischcn und dem jüdischen Volke bestehen." Wie denkt stch Herr Proseyor Ritsch die Beseitigung dieses „Steines dcs Anstoßes"? Hat er vcrgesien, daß vor 2 Jahren Polen der lauteste Schreier war. der nach Freiheit der Minoritäten und <5clbstbesliminungsrecht stch die Kehle heiser ries. Jetzt ist es ja scheinbar nicht mehr nötig, für Recht und Freiheit seine Stimme zu erheben. Tock» hören wir iwiicr: Ter Angeklagte wird zum Ankläger. ..Tie Juden klagen die Polen der Intoleranz a\. Warum gerade die Polen und nicht auch die Deutschen, dcren Antisemitismus feindlicher und radikaler ist als der der Polen. Ter intellektuelle Teil des polnischen' Volkes btl stch niemals io wilden antisemitischen Hetzereien hingcaeben wie die deutschen Sludenten-Korporationen z. B. in Dien. Und trotzdem erfüllen die Juden die Welt mit Klagen über polnische Intoleranz, während sie in Deutschland verachtet, gepeucht und geknechtet sich noch als große Panioten aunpielen." Welch ungeheure Phantasie gehört doch dazu, trenn man Polen gewistennaßen als Paradies für die Juden binzustellen sucht. Ter ständig anschwellende Strom der unglücklichen Juden, die aus Polen flüchten müssen, ist ein schlagender Gegenbeweis von erschreckender Ucberzeugungskraft gegen diese unsinnige Behauptung. Als Endergebnis verlangt Prof. Ritsch „aktive Loyalität der Juden gegenüber der polnischen Republik". Mit einet passiven sei es nicht getan. Mit anderen Worten: Er verlangt von den polniscl-en Juden gerade die „Enttvürdigung". die er an gewisten deutschen Juden so tadelnswerr sinder. Was will Pioi. Ritich und mit ihm die ganze Gegnerulnm nun eigentlich von den Juden? Assimilation ist ihm nach seinen eigenen Dorren verhaßt, Nichtassimilation ist ibm ein neck ärgerer Greuel. Wo bleibt da die Logik? Es ist eben die des Wolfes gegenüber dem Schafe: „Warum trübst du mein Vaster?" Mir bieien Leuten ist jedes Verbandeln nutz- und zwecklos, ihrer Dialektik ist der spitzfindigste Talmndist nickt gewachten. Max G h i 1 k o w. n 11 im 1111111 irrt 1111 rrrrrrrr 1111111 dp Von Berg und Tal i rf ■ ■ ■ ■ M i M ■ ■ ■■ ■ ■ I ■ ■ n ■ I nnrin ■■■■■» i | Düsseldorf. In einer öffentlichen Versammlung des Zentral-; Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Groß-Düsseldorf sprach Tr. Jsmar Freund aus Berlin über „Vaterland und! Judentum". Zu Beginn der Versammlung wies der Vorsitzende j des Vereins daraus hin, daß«den jüdischen Bürgern hier in Tüffel-! darf ein solches Maß von Haß entgegengebracht würde, wie daj nirgends sonst geschehe. Tie Juden konnten sich dieses Hasses nicht! erivehren. weil ihnen in fast allen ösientlichen Versamnckungen der > Zutrttt und die freie Rede untersagt rverdedeswegen die heutige Versammlung, in der einmal in aller Oesfentlichkeit «darauf hingewiesen werden solle, wi« unberechtigt dieser Hatz sei. Es werde auch den Aeoneru der Juden gern das Wort erteilt werden. — Tr/ Freund führte aus: T<rs Jude»tmu bade immer nur der religiösen Mission gedient »nd werde ihr a»ch »,r in Znknnst dienen.

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