Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-03-11 · 93 (11.3.1921) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
93 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3947615-6435932-6437196--1020-3948539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gedanke «Lei» «ußte gnmgen, jede« Juden zur Mitarbeit M »ernnkoHeu, um jü« jüdische» Hausfrau ein Spor» zu fein, «LeS üterflüssige an KteiduugSstickeu ufw. zu schicken. Ai»»Ist»t «. M. Einem Rundschreiben der „Zentrale für Sazzothversorgnng" entnehmen wir: »Der Herr Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat sich infolge der ihm vorgebrachten Klagen der jüdischen Be« völlernng über die Unzulänglichkeit der bisher für die Nazzolhherstellung zu. nächsten Peßachseste ven der Reichsgetreidestrüe bereitgestellten Me^lmevge veranlaßt gesehen, eine weitere Mehlmeuge für diesen Zr«ck zur Verfügung zu stellen. Wir find hiedurch in den Stand -gesetzt, die Kopfteile höher zu bemessen, als in unserem Rundschreiben vom Rovember in Ausficht gestalt werden konnte. Unter dem Borbehalte, daß es ohne Zwischenfall möglich fein wird, die verfügbare Mehlmenge zu verbacken, setzen wir hierdurch den Kopfanteil wie folgt fest: Bestellschein A: 4)4 Pfund, Bestellschein 8: 2 Pfund. Tie Lieferung von Mazzoth an die Verbraucher wird den Bäckereien vom heutigen Tage an freigegeben. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß die ReichsgetreidesteLe eine Abänderung der Bestimmungen über den Abzug der Brotmarken oorgcnommen hat. Tiefe Verfügung ändert Abs. III Ziffer 5 der früheren „Grundsätze" dahin ab, daß die Brotkarte um diejenige Brotmenge (nicht Mehlmenge) gekürzt wird, die der bestellren Mazzochmenge entspricht. Tie Kommunalverbände haben den Verbrauchern die Brotkarten bei der Ausgabe derart zu kürzen, daß für je 100 Gramm Mazzoth 100 Gramm Brot (nicht Mehl) in Am'atz zu dingen find. Etwa fich ergebende Markenbruchteile werden zu Gunsten des Verbrauchers abgerundet. Tie Kommunalverbändr find durch die erwähnte Verfügung entsprechend benachrichtigt worden. Nit Rücksicht am den höheren Preis der neu zur Verfügung gestellien Menge hat fich eine Abänderung der Höchstpreise notwendig erwiesen. Tiefe betragen nunmehr: für 1 Pfund Mazzoch 5 M.. für 1 Pfund gemahlenen Mazzoth 5,20 M. Brest«». Für die jüdischen Abstimmungsberechtigt e n in Oberfchlefien ist durch die „Freie Vereinigung für die Interesseu des orthodoxen Judentums, Abteilung Schlesien" im Einvernehmen mit der „Zentralstelle iür die technische Turchführung der oberschlefifchen Abstimmung" und dem .Deutschen Schutzbund" eine Organisation mir dem Sitz in Breslau geschaffen worden. An der Spitze der Organisation steht Herr Bankier Loewy, an den alle Anfragen organisatorischer An zu richten find. (Telefon: Ring 7687, 7688 und 7689.) Für alle Verpslezungsangelegenheiten ist Frau Benha Kober. Königsplatz 5 (Teleion: Ring 3922) zuständig. Tie Organisation verfügt über ungefähr 300 Helfer und Helferinnen, die den Abstimmungsberechtigten in jeder Hinficht mit Rat und Tat zur Seite stehen und an allen Breslauer Bahnhöfen warme Speisung verabreichen werden. Alle Anfragen über den Helferdienst find an Fräulein Emmi Guttmann, Viktoriastraße 56 (Telefon: Ring 1440) zu richten. Tie rituelle Aufficht hat Herr Rabbiner Tr. Cohn, Gutarbergstraße 43. freundlichst übernahmen. In allen größeren Städten Deutschlands find Vertrauensmäner bestellt, unter denen, da über die Hälite der jüdischen Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche in Berlin wohnen, die bei weitem größte Tätigkeit Herr Rabbiner Dr. E. Munk. Berlin R, Arrilleriestraße 31, zu entfalten hat. In Berlin wird warme Verpflegung Auguststraße 16 (Jüdische Spepehalle) verabreicht. Auch während des Aufentohaltes in Oberichlefien ist, im engen Zusammenarbeiten mit dem Teutschen Piebifzitkomwinariat, für rituelle Verpflegung gesorgt. Tie Oberleitung hierfür befindet fich in den Händen von Herrn Bruno Alt- -»an», Katowitz (Telefon: 24, 25 und 26). Tie gesamte Organisation besteht aus ehrenamtlich tätigen Tamen und Herren. Jüdische Abstimnua^sberechtigte. die auf rutuelle Verpflegung reflektieren, »»erde» i» ihrem eigenen Jnterene gebeten, vorstebende Mitteilungen gacBeffcotf zu beachten. Der Klärung des Problems der Judenfrage galt der Studentischen Ortsgruppe des ZentralvereinS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete Akademiker- »ersammluug, die wiederholt in eine allgemeine Prügelei auS- Wmrteu drohte. Rabbiner Tr. Jakob-Tortmund sprach über „Die deutsche» Juheu in der deutschen Volksgemeinschaft". Der Redner d«rch Zwischenrufe. Pfeifen ufw. fortwährend unterbrochen, Entwöcklung des Christentums, daS sich entgegen der Lehre feines von der Gemeinsamkeit aller Menschen allmählich zum christliche« Staate entwickelt und in dieser Form zu der Drangsa- Bwm| der Inden geführt Hobe. I« römische» Weltreich, dann in der mitetlaltervchen deutschen und spanischen Kirke habe man durch scharst, kanonische Bestimmungen die «itcktbeiteude Tätigkeit der Aude» auf a>e» Gebieten des öffentlichen Lebens gesperrt. Rur die jüdische» Arzte habe man gelten lass». Die Juden seien in die ck worden. Das Wort Jude sei Schimpfwort gewor- Mwh der Protestantismus sei nicht weniger intolerant gewesen als die katholische, Kirche. Aber er durchlöcherte den von her katholischen Kirche aofgerichteten Staat und ließ die Juden auf Befreiung und konfessionelle Gleichberechtigung hoffen, die dann der westfälische Friede brachte. Das 1870 gegründete Deutsche Reich fußte nicht mehr aussließlich auf der Idee des christlichen, sondern des modernen, materialistischen und toleranten Staats. (Rufe: Hört! Leider! Unruhe.) Der Redner reagierte hier mit der Bemerkung: „Daß noch nicht völlige Gleichberechtigung herrscht, beweist Ihr Zwischenruf, denn sonst würdenSie fich hier nicht so mausig machen!" Nun began ein ungeheurer Lärm. Ter Rest des Vortrags versank in wüstem Skandal, trotzdem von der akademischen Lehrerschaft an die akademische Disziplin appelliert wurde. Nachdem in der Tiskusfion auch die Vertreter der Gegenpartei zu Worte gekommen waren, leerte sich um ll Uhr der Saal unter Tumult. Berlin. Tie Gemeinschaft deutschvölkischer Bünde veröffentlicht einen Aufruf zur Gründung eines allweltlichen Richtjuden-BundeS „Alliance antijuive universelle". Ter Aufruf wendet fich an die reinen Arier aller Nationen und beantragt Vorbereitung der Veranstaltung einer allvölkischen Tagung der Judenkenner aller Länder. In dieser Internationale des Judenhafies wollen die alldeutschen Antisemiten sogar mit Franzosen und Engländern Zusammenarbeiten. Berlin. Ter Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Teutschland, Herr Rechtsanwalt Tr. Klee, hat sein Amt als Vorsitzender niedergelegt mit der Begründung, daß er in grundlegenden zionistischen Fragen nnt dem von der Majorität des auf dem letzten Telegiertentag gewählten Geschäftskührenden Ausschuß nicht übereinstimme. Berlin. Ter 17. Telcgiertag der Zionistischen Vereinigung für Teutschland wird für den 13., 15. und 16. Mai nach Hannover einberufen. Berlin. Profefior Einstein tritt seine Reise nach Amerika, die er auf Einladung der Zonistischen Organisation zur Vorberetung der Jüdischen Universität in Jerusalem unternimmt, am 23.- März ab Rotterdam an. Er wird von seiner Gattin begleitet; die Abreise erfolgt auf dem Tampfer „Rotterdam" der Holland-Amerikalinie. In Plymouth besteigt Tr. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Organisation, mit einigen Herren der zionistischen Zenlrale glechfalls die „Rotterdam", um mit Profefior Einstein gemensam für die Errichtung der Jüdischen Universität in Jerusalem und die sonstigen Zwecke des Palästina-Grundfonds (Keren Hasefiod) der Zionistischen Organisation zu wirken. Profefior Einstein hat die Teilnahme am Solvay-Kongreß in Brüssel, zu dem er als einziger Teutscher eine Einladung erhalten hatte, infolge seiner Amerikareise ausgegeben. Österreich. Rem-Aork. Wie von amerikanischer Seite mitgeteilt wird, stellte die Regierung der Vereingten Staaten an den Völkerbund den Antrag, der österreichischen Regierung die Ausweisung von L st judenzu verbieten. Um zu beurteilen, was dieses Verbot bedeuten würde, muß man wissen, daß die Zahl der im Kriege allein nach Wien zugewanderten Juden auf 300 000 angegeben wird. Tie Zahl der Juden in Wien überhaupt beträgt nach den Volkszählungen rund 500 000, das find 25 v. H. der Gesamtdevölkerung. Bien ist nun nach New-?)orl die größte Juden st adt der Erde. ' Paris. Am 25. Februar verhandelte der Rat des Völkerbundes über die Beschwerde der polnischen Regierung gegen diö Ausweisung der galizischen Juden aus Oesterreich. An der Sitzung nahmen von seiten der polnischen Regierung der polnische Bölkerbundvertreter, Askenazy, ferner die Herren Peplowski und Ariszewski und seitens der österreichischen Regierung deren Vertreter Eichhoff teil. Herr Askenazy führte aus, daß Polen in dieser Frage keine längere Debate, sondern eine Einigung erstrebt, damit diese Angelegenheit, die rein humanitären Charakters ist, endlich zur Regelung gelangt. Tie Forderung Polens ist auch vom juristischen Standpunkt durchaus begründet, denn die österreichische Ausweisungsverfügung steht nicht im Einklang mit dem Friedensvertrag von St. Germain und diese ist auch nicht im Wege eines eigentlichen Gesetzes erlassen worden. Ferner wird die gnannte Verfügung nur gegen die polnifchen und nicht gegen die tschechoflowakischen, jugoslawischen oder ungarischen Juden angewendet. In Fortsetzung seiner Erklärung wies AÄkenazy noch darauf hin, daß ungefähr 50000 Juden ausgewiefen werden sollen, von denen 15000 Wien bereits verlassen haben. In feiner Antwort wies der österreichische Vertreter Eichhoff auf den Wohnungsmangel und die Hungersnot in Wien ganz besonders hin und sagte zum Schloß feiner Ausführungen, jeder Staat hätte das Recht, die ihm unerwünschten Elemente des Landes zu verweisen. Rach der seitens des österreichischen Vertreters er- * - -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.